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Hai Duong

Vietnam: Hinter den Kulissen

Nach 15.000 Kilometern quer durch Eurasien ist Andreas Hülsmann nun in Vietnam unterwegs. Abseits touristischer Attraktionen wird der TF-Autor mit ergreifenden Schicksalen konfrontiert, begegnet aber auch tatkräftig gelebter Menschlichkeit und ergreifender Zuversicht.
Text und Fotos: Andreas Hülsmann

Minhs Leben ist Dunkel. Der Junge kam blind zur Welt. Verursacht ist seine Behinderung durch Agent Orange. Selbst 40 Jahre nach dem Vietnam-Krieg ist dieses Teufelszeug immer noch aktiv. Tonnenweise versprühten die Amerikaner das dioxinhaltige Entlaubungsmittel über das Land. Das Gift machte den Dschungel kahl. So sollte dem Vietcong die Deckung genommen werden. Bis heute nimmt es vielen Vietnamesen ein unversehrtes Leben.

Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Einsatz hält sich Agent Orange immer noch in der Umwelt. Dort wo es eingesetzt wurde, ist die Belastung der Menschen immer noch enorm. In dem Land werden überdurchschnittlich viele Menschen mit Behinderungen geboren – nicht alle, aber viele dieser Behinderungen sind auf das Gift Agent Orange zurückzuführen.

Dabei hat Minh noch Glück. Minh lebt in einem Heim in Hai Duong, 30 Kilometer östlich von Hanoi. Er hat die Chance auf Bildung und die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen, was ihm später ein unabhängiges Leben ermöglichen wird.

Doch Minhs Zukunft und die 59 weiterer behinderter Kinder im Alter zwischen vier und 17 Jahren ist wackelig, weil das Gebäude, in dem das Heim untergebracht ist, wackelt. Das Haus ist dabei, in zwei Teile zu fallen. Überall Risse und täglich werden es mehr. Die gesamte Substanz bröckelt, und die Mauern stehen nur noch aus purer Gewohnheit an dem Platz, an dem sie immer standen. Ein Zustand, der sich aber schnell ändern kann. Zwei der Kinder wurden schon durch herabfallende Steine verletzt.

Hai Duong
Hai Duong

Im Kinderheim von Hai Duong: Der Schlafsaal muss auch als Aufenthaltsraum und Spielplatz herhalten (links). Ein Bett, ein Ventilator und eine Kiste, mehr steht den Kindern nicht zur Verfügung.

»Sie sehen die Gefahr nicht«, erklärt Jürgen Eichhorn. Der Deutsche, der seit Ende der 90er-Jahre in Vietnam lebt, kümmert sich um die Kinder. Organisiert und besorgt, was nötig ist. Irgendwie. Jürgen betreibt hauptberuflich eine Reiseagentur und ein italienisches Restaurant in Hai Duong.

Doch mehr als die Hälfte seiner Zeit kümmert er sich um »seine« Hilfsprojekte und das Heim in dem Minh lebt, steht im Moment ganz oben auf der Liste. »Wir müssen uns beeilen, denn über kurz oder lang wird das Haus einstürzen«, zeigt sich Jürgen besorgt. An die Folgen, sollte das Gebäude kollabieren, will er gar nicht denken.

Die beste und schönste Lösung wäre ein Neubau, behindertengerecht, denn das alte Gebäude ist alles andere als optimal. Neben der bröckligen Substanz macht sich überall an den Wänden Schimmel breit. Der Schlafsaal der Kinder ist zugleich Spielplatz und Aufenthaltsraum. Armselige Bedingungen, um sich auf das Leben vorzubereiten. Doch in dem tristen Äußeren findet sich Freude. Die Kinder sind von einer lebhaften Neugier und freuen sich über Besucher. Scheu vor Fremden kennen sie nicht. Jeder Gast wird sofort vereinnahmt und integriert, und selbstbewusst zeigen sie ihm was sie gelernt haben.

Der Neubau ist seit einigen Tagen nicht mehr pure Fiktion. Die Stadt Hai Duong hat ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Ein vielversprechender Anfang für ein neues Heim. Und natürlich ist Jürgen Eichhorn längst schon dabei, die erforderlichen Mittel für den Bau aufzutreiben.

Das Projekt: Way to Huyen

Am 17. Mai 2013 ist der Radiomoderator Lothar Baltrusch mit dem Motorrad aufgebrochen, um sein Patenkind Huyen in Vietnam zu besuchen. Er hat das Abenteuer mit einem guten Zweck verbunden und die Kilometer seiner Reise zugunsten der Hilfsorganisation World Vision verkauft. Bei Organisation und Durchführung der Reise unterstützt ihn der erfahrene Fernreisende Andreas Hülsmann.

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Am kommenden Tag fahren wir aufs Land. Jürgen möchte uns ein weiteres »Projekt« zeigen, um das er sich zusammen mit Studenten vom »Kindness-Club« kümmert. Die jungen Mitglieder dieser Vereinigung spenden ihre Freizeit für arme und kranke Menschen. Unterstützt werden sie nicht, nur ihre Lehrerin spornt sie an, Gutes zu tun.

Der körperbehinderte vietnamesische Künstler Than träumt von einer Ausstellung mit seinen Bildern.

Than träumt von einer Ausstellung mit seinen Bildern.

In einem der unzähligen Dörfer lebt ein junger Mann. Ebenfalls behindert, ebenfalls ein Opfer von Agent Orange, aber ausgestattet mit einem Talent. Bis zu seinem 12. Lebensjahr war Thanh ein normaler Junge. Aber mit der Pubertät fing es an. Die Knochen wurden brüchig seine Gelenke versteiften sich. Heute kann der 29-jährige Thanh nur noch stehen oder liegen. Gehen ist selbst mit Krücken kaum möglich. Aber Thanh malt, projiziert Landschaften auf die Leinwand, manchmal sind diese real, manchmal entspringen sie seiner Fantasie. Sein Vater ist Bauer, hat im Krieg auf der Seite der Nordvietnamesen gekämpft und kam mit Agent Orange in Kontakt.
Dann und wann verkauft Thanh eines seiner Werke. Mit dem Geld kann er sich das Material für neue Bilder kaufen und zu seinem Lebensunterhalt beitragen. Der junge Künstler träumt von einem »Showroom«, einen Ort, wo er den Menschen seine Bilder zeigen kann. Jürgen hat auch in dieser Sache längst schon die Fühler ausgestreckt, nutzt seine Kontakte und lässt Beziehungen spielen. Eine virtuelle Ausstellung wird es schon in Kürze auf Jürgens Webseite geben. Dort wird er Fotos von Thanhs Bildern einstellen, um seine Werke auch einem internationalen Publikum vorzustellen.



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