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Klausenrennen 2013

Neben vierrädrigen Renn- und Sportwagen erwecken auch historische Motorräder und Threewheeler das historische Bergrennen am Klausen vom 27. bis 29. September 2013 zu neuem Leben. Marcel Blöchlinger stellt einige der gemeldeten Maschinen vor.

Motorräder waren erstmals 1925 am Klausenrennen zugelassen. Als Pausenfüller gedacht, kämpften damals 46 Solomaschinen und vier Gespanne am Berg um Minuten und Sekunden. An den darauffolgenden Klausenrennen steigerte sich die Zahl bis auf 80 Solomaschinen und 23 Seitenwagen.

Motorräder etablierten sich beim Klausenrennen und waren wegen des Spektakels nicht mehr von den Rennen wegzudenken. Die Fahrer scheuten weder Tod noch Teufel und begeisterten mit ihren Drifts die johlenden Zuschauer.

Klausenrennen 2013
Klausenrennen 2013
Klausenrennen 2013
Klausenrennen 2013

  Klassiker am Berg: Rudge-Ulster-Gespann von 1937, Norton Solo und Gespann, Douglas DT5 von 1928, Condor D50 von 1930 (beide Reihen v.l.n.r.).

Eine Teilnahme am Klausenpass galt für die Rennfahrer als absoluter Saisonhöhepunkt – ein Sieg als die Krönung ihrer Rennkarriere. Der Glarner Sepp Zuber zum Beispiel benötigte nach seinem Sieg 1932 auf einer Condor eine Woche, bis er wieder im heimatlichen Niederurnen ankam. Überall wurde Zuber wie ein König gefeiert und alle wollten vom Lokalmatador wissen, wie er die Tagesbestzeit von 17:01,0 Minuten herausgefahren hatte.

Auch Herstellerfirmen hatten ein Interesse daran, sich mit der Konkurrenz zu messen. Der Slogan »Gewinne am Sonntag – verkaufe am Montag« beeinflusste schon damals das Kaufverhalten der Kunden. Besonders die Schweizerischen Werke Motosacoche, Condor, Universal oder Zehnder stellten Werksrennmotorräder und ließen Fahrer wie François Franconi, Ernst Hänni, P. Oilter oder Wal Handley an den Start.

Die Mehrheit bildeten aber Privatfahrer mit käuflichen Semi-Werksrennmotorrädern – auf Neudeutsch Production Racer – oder mit auf die Bedürfnisse der Rennfahrer umgebauten Sportmotorrädern. Für sie galt es, mit den Werksrennmotorrädern um Ruhm und Ehre und gegen Wind und Wetter zu kämpfen.

Die damals blühende Schweizer Motorradindustrie ist 2013 mit Motosacoche, Condor und Universal vertreten. Startnummer 23 ist eine Renn-Condor mit seltenem MAG (Motosacoche) Rennmotor A 50. Das Motorrad besitzt einen für Bergrennen konzipierten kurzen Rahmen – schon in den Dreißigerjahren war die technische Weiterentwicklung ein Garant für Erfolge.

Mit Startnummer 51 fährt eine Universal Rennmaschine aus dem zürcherischen Oberrieden. Die ex Hans Haldimann Rennmaschine wird mit ihrem V2-1000-ccm-Motor des englischen Herstellers JAP für mächtigen Sound sorgen.
Weiter bezwingen mit Startnummer 27 eine Zenith V2 mit 680 ccm JAP Motor, Baujahr 1928 und eine deutsche NSU Bullus mit Baujahr 1935 den Klausen. Der deutsche Motorradhersteller NSU aus Neckarsulm benannte die Königswellen Rennmaschine nach dem englischen Rennfahrer Tom Bullus, welcher im Jahr 1930 mit 16:41,0 Minuten den absoluten Motorrad-Streckenrekord einfuhr.

Gespannt darf man auch auf das Abschneiden der französischen Koehler-Escoffier-Rennmaschine mit 1000-ccm-V2-Rennmotor aus dem Jahre 1928 mit Startnummer 75 sein.

Natürlich werden auch die englischen Rennmotorräder der Firmen Norton und Rudge zu sehen sein, welche die 1930er Jahre dominierten: zum Beispiel mit Startnummer 35 eine ex Ron Harris Semi Werksrennmaschine mit 500-ccm-Königswellen-Racing-Inter-Motor, Baujahr 1937, oder mit Startnummer 20 eine rare Norton Modell 18 Road Racer aus dem Jahr 1929.

Die Zweitakt-Fraktion vertreten englische Scotts und deutsche DKW SS250. Der englische Ingenieur Alfred Angas Scott war seiner Zeit weit voraus und fertigte bereits ab 1911 zweitaktbetriebene, wassergekühlte Rennmotorräder.

Bei den Sidecars startet der Deutsche Stefan Genscher mit einem außergewöhnlichen Motosacoche Renngespann mit Startnummer 65. Es ist der originale Beiwagen des Leipziger Fritz Köhler, der 1934 das Klausenrennen der Sidecar-Klasse bis 350 ccm gewann. Das Gespann befindet sich in nicht restauriertem Originalzustand. Durch glückliche Fügung ist Stefan Gentscher an das Köhler Beiboot gelangt. Dieses hatte über Jahrzehnte auf dem Dachboden von Köhlers Wohnhaus gelegen – bis das Haus abgerissen wurde.

Ein weiteres interessantes Renngespann steht mit Nummer 6 am Start: Das Rudge Ulster Renngespann pilotiert Jiri Hlavsa mit Beifahrer Snop Jiri aus dem tschechischen Rennteam Elisabeth Junek.

Die Klasse Threewheeler ist 2013 wieder fest in den Händen der englischen Rennfahrer. Die V2-angetriebenen Morgan Racing Threewheeler mit 1200 ccm JAP Motor oder Matchless Motoren stehen für ein riesiges Spektakel. Unvergessen ist die Rekord-Siegesfahrt des Engländers Bill Tuer, der anlässlich des 3. Klausenrennen Memorials im Jahr 2002 auf eindrückliche Art und Weise die hohe Kunst der Fahrzeugbeherrschung zelebrierte.

Diese und noch viele weitere historische Motorräder liefern sich auf der 21,5 Kilometer langen Rennstrecke von Linthal auf den Klausenpass vom 27. bis 29. September 2013 ein echtes Rennen und versuchen eine neue Bestzeit aufzustellen.

Marcel Blöchlinger ist Präsident der Freunde alter Motorräder (FAM). Fotos: OK Klausenrennen 2013.

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