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Motorradreisebericht Mauretanien

Wo der Sand noch frei ist

Es gibt nicht mehr viel Freiheit in der Sahara. Ohne Führer oder Genehmigungen geht nichts mehr in Algerien, Libyen oder Ägypten. Doch kann man im Westen der großen Wüste einen Platz finden, der noch unkompliziert zu bereisen ist.

Text + Fotos: Thomas Binkle

Reisebericht Mauretanien

Endlich ist der Tag gekommen. Es ist der 16. Dezember und wir sind auf dem Weg nach Genf, zum Flughafen. Ich habe wieder dieses Kribbeln im Bauch, das sich am Anfang einer Reise einstellt, bis man dort ist, wo man hin will. Immer noch, nach all diesen Jahren, all diesen Reisen. Unser Ziel ist Dakar, wo wir vor nicht ganz einem Jahr unsere Motorräder nach einer Fahrt durch Marokko und Mauretanien bei einer Bekannten untergestellt hatten. Westafrika, und dabei speziell Mauretanien, ist immer wieder unser Ziel, da es so ziemlich die letzte Gegend der Sahara ist, wo man noch Freiheit geniessen kann. Keine Führerpflicht, wie in den meisten Saharagegenden Libyens, Algeriens, des Niger, und auch keine Genehmigungen wie in Ägypten. Nein, einfach planen, vorbereiten und hinfahren, auf sich alleine gestellt sein. Bei diesem Trip wollen wir die Motorräder, nach einer weiteren Runde durch Mauretanien, wieder nach Hause bringen.

Das Boarden soll gleich beginnen, aber vom Flugzeug ist noch nichts zu sehen. Mich überkommt ein ungutes Gefühl. Richtig: Erst wird der Abflug verschoben und dann komplett abgesagt. Der Urlaub fängt ja schon gut an. Nach stundenlangem Warten und einer Nacht im Hotel in Genf sitzen wir dann am nächsten Tag in Mailand noch mal sieben Stunden fest, bis wir endlich in Richtung Senegal abheben.

Schließlich erreichen wir Dakar. Der von unserer Bekannten geschickte Taxifahrer hält sein Schild mit unseren Namen in die Höhe und schon fahren wir mit unseren 60 Kilo Gepäck zur Herberge, wo wir um 3:30 Uhr, hundemüde vom Nichtstun, ins Bett fallen. Unsere Motorräder stehen noch im Zimmer eines Wohnhauses, genauso wie wir sie verlassen haben. Nur eine Staubschicht und ein paar Spinnweben zieren sie zusätzlich. Die komplett luftlosen Reifen an Sandras KTM wundern mich nicht nach der langen Standzeit, obwohl bei mir noch etwas Druck drin ist. Als sie am nächsten Morgen wieder platt sind, ist dann klar: Die Luftlosigkeit lag nicht an der verflossenen Zeit.

Nach all diesen Hindernissen sind wir dann endlich auf der Strasse und auf dem Weg nach Mauretanien. In Nouakchott treffen Sandra und ich wie verabredet Eliane und Bruno, die von der Schweiz heruntergekommen sind. Mit ihnen wollen wir in Mauretanien einige Strecken fahren. Drei Fahrzeuge – die Beiden sind mit einem Geländewagen unterwegs – erhöhen im Falle einer Panne die Sicherheit auf abgelegenen Strecken.

Reisebericht Mauretanien

Gleich am nächsten Morgen brechen wir auf. Wasser-, Benzin- und Dieseltanks werden gefüllt und Brot für ein paar Tage eingekauft. Über die verlassene Mine Bou Naga wollen wir nach Atar fahren. Diese Strecke ist grösstenteils sehr einsam, da parallel eine Asphaltstrasse verläuft. Erst in der Nähe der Adrar-Hochebene gibt es ein paar wenige Siedlungen. Da die Strecke über 600 Kilometer lang ist und wir nicht wissen, wie hoch der Sandanteil ist, haben wir 65 Liter Benzin und 10 Liter Wasser auf jedem Motorrad. Viel Gewicht für einen Einzylinder. Zwar ziehen die Kilos im Sand nach unten, doch die Motorräder bleiben spurstabil. Nach ca. 60 Kilometern Teerstrasse weist das GPS ins Gelände Richtung Nordosten, wo auch eine deutliche Piste zu sehen ist. Das muss unsere Abzweigung sein.

Die Piste wird nach und nach immer weniger deutlich und besteht bald nur noch aus einzelnen Spuren. Nach einiger Zeit guten Vorankommens stehen wir vor einem Dünenfeld, das durchquert werden muss. Und es sind, typisch für Mauretanien, Akle-Dünen. Diese Dünenform besteht aus kleineren, eng verschachtelten Sandhaufen. Zudem haben wir auch noch das Glück, gegen die übliche Windrichtung zu fahren. Was heisst, dass wir die steile, sehr weiche Seite der Dünen hinauf müssen. Den Rest des Tages kämpfen Sandra und ich mit den Elementen. Immer wieder stecken wir fest, müssen die Motorräder ausgraben, nach einem Weg suchen, um wieder ein paar Meter zu fahren. Spuren haben wir schon länger keine mehr gesehen. Bruno hat mit seinem Geländewagen in diesem Terrain viel weniger Probleme. Doch er ruht sich nicht in seinem Wagen aus, während wir schuften, sondern kommt uns immer wieder zu Hilfe. Gegen 18 Uhr ist Schluss für heute. Wir sind von den Anstrengungen der letzten Stunden ziemlich erledigt und froh, dass wir ausruhen können. Noch während wir unser Zelt aufbauen, ist plötzlich in der Ferne ein Fahrzeug zu hören. Bruno nimmt das Fernglas und steigt auf eine Düne. Ein Einheimischer in einem Pickup fährt relativ zügig in die Richtung, in die auch wir wollen. In seiner Spur muss es also besser vorangehen. Das werden wir morgen ausprobieren. >>

zu Teil 2 des Reiseberichts

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