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Motorradreisebericht Mauretanien

Wo der Sand noch frei ist / Teil 2

Motorradreisebericht Mauretanien

Ziemlich früh brechen wir am nächsten Tag auf und sind tatsächlich recht schnell in einem Gebiet, wo die Dünen nicht mehr so eng sind. Auch ein Spurenbündel finden wir, dem wir nun folgen können. Es schlängelt sich im wilden Zickzack durch die Dünen, ist mal deutlicher mal weniger deutlich zu sehen und führt, trotz der Schlangenlinie, grob in die von uns angepeilte Richtung. Nach einiger Zeit werden die Dünen weniger, der Untergrund fester und das Vorankommen schneller. Kieselebenen wechseln sich mit gröberen Steinen und mit Sand ab, aber das Fahren bleibt auf einem höheren Geschwindigkeitsniveau als am Vortag. Dann erreichen wir die Überreste eines Dakar-Fahrzeuges. Zwei Portugiesen überlebten hier schwer verletzt einen Unfall. Vom Auto ist nur noch die Karosserie vorhanden. Alles nur irgendwie noch Brauchbare wurde abgeschraubt.

Bei einer Rast höre ich an Sandras Motorrad etwas zischen. Eine nähere Untersuchung zeigt, dass der Kühler an einem Anschlussstutzen ein Loch hat und Wasser auf den Auspuff tropft. Aus irgendwelchen Gründen hat sich der Krümmer so verlagert, dass er am Anschlussstutzen ansteht und mit der Zeit dort ein Loch hineingerieben hat. Regelmässig kontrollieren wir jetzt den Flüssigkeitsstand im Kühlsystem und füllen bei Bedarf nach. Das Tropfen wird schlimmer. Bruno beruhigt. Er hat noch 45 Liter Brauchwasser dabei. Das wird eine Weile reichen. Etwas später erreichen wir die verlassene Mine Bou Naga. Hier wurden in den 70er Jahren Erdoxide abgebaut. Doch die isolierte Lage und der geringe Ertrag führten zur Aufgabe der Abbaustätte. Heute erinnern nur noch ein umgestürzter Gitterturm und ein paar herumliegende Tanks an die Unternehmung. Es wird Abend und Zeit, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Gleich nachdem wir einen gefunden haben, baue ich Sandras KTM soweit auseinander, dass ich den lecken Kühler abbauen kann. Der Anschlussstutzen wird blank geschmirgelt und eine Lage Kaltmetall aufgebracht. Nach der Aushärtung montiere ich alles wieder. Doch schon beim ersten Halt am nächsten Tag tropft es wieder. Wir beschliessen, uns solange es nicht schlimmer wird auf Nachfüllen zu beschränken und in Atar einen weiteren Reparaturversuch zu starten.

Motortradreisebericht Mauretanien

Inzwischen nähern wir uns der Berglandschaft von Adrar, die Szenerie wird interessanter. Es gibt immer wieder kleine Dünengebiete zu durchqueren, doch in der Ferne sind auch schon Berge zu sehen. Dann biegt das weichsandige ausgetrocknete Flussbett, in dem wir fahren, in eine Schlucht ein. Palmen wachsen hier und die ersten Siedlungen tauchen auf. Noch ein Pass und wir sind auf der Adrar-Hochebene. Wieder verlieren sich die Spuren auf dem harten Untergrund, lassen sich nur manchmal noch erahnen. Das Fahren ist auch nicht die wahre Freude. Grobe Steine mit sandigen Flecken zwischendrin. Und dann, nach einer Ortschaft, die Oujeft sein muss, eine schöne, breite, gut angelegte Piste. Auf ihr kommen wir zügig die letzten Kilometer bis zur Teerstrasse voran.

Ein Tag Pause in Atar. Wir zelten auf dem Campingplatz »Bab Sahara«, der von einem Holländer und einer Deutschen geführt wird. Es heißt, Wäsche waschen, Luftfilter austauschen und den Kühler reparieren. Dabei gehe ich diesmal etwas radikaler vor. In den Krümmer wird an entsprechender Stelle eine Delle geschlagen und ein Blindniet in das Loch gedrückt. Das Ganze mit Zweikomponenten-Kleber abgedichtet, das müsste jetzt halten – und das tut es auch.

Wir beschliessen, gemeinsam noch eine weitere Runde durch Mauretanien zu drehen, bevor es dann Richtung Marokko und Heimat geht. Es soll an den Oasen Chinguetti und Ouadane vorbei zu dem alten Fort El Ghallaouiya gehen und dann nördlich über El Beyyed zurück Richtung Atar. Wieder werden alle Tanks und Wasservorräte aufgefüllt und Brot eingekauft, bevor wir uns auf den Weg machen. Bis Ouadane gibt es eine gute, schnell zu befahrende Piste. In einer Herberge am Ortsrand trinken wir noch einen Tee, bevor wir auf einer schmalen Piste durch den Palmenhain die Oase verlassen. Kaum draussen, werden die Spuren immer spärlicher. Die Strecke ist schön zu fahren. Weite Ebenen und flache Walrückendünen aus grobem, sehr tragfähigem Sand. Es ist kein Kampf sondern eine Wohltat, hier entlang zu gleiten. Doch auf etwas Angenehmes folgt auch oft etwas Unangenehmes. Wir müssen für mehr als eine Stunde im ersten Gang über ein spurloses Geröllfeld hoppeln, bis wir wieder Sand erreichen. Bei den letzten Steinen habe ich das Gefühl, dass die Steine am Vorderrad bis auf die Felge durchschlagen. Und so ist es. Der Reifen ist platt. Und obwohl ich den ganzen Schlauch sorgfältig prüfe, hat der Reifen am nächsten Morgen schon wieder keine Luft mehr.

Als das Fort nur noch ein paar Kilometer entfernt ist, stehen wir vor dem Eingang zu einer engen Schlucht. Schon nach wenigen Metern ist klar: das wird kein Vergnügen. Der Boden der Schlucht besteht aus einer Mischung aus Sand und grossen Steinen, die wir in Mauretanien schon öfter angetroffen haben, ein Untergrund, der für uns Motorradfahrer mühsam und anstrengend zu fahren ist. Es fällt schwer, die Richtung und auch die Balance zu halten. Das Hinterrad dreht kräftig durch im Sand. Wenn der Reifen dann plötzlich auf einen Stein trifft, macht die Enduro einen gewaltigen Satz nach vorne. Man sitzt also auf diesem Stahlross, Rodeo-ähnlich, ist sehr angespannt und klammert sich mit viel Kraft am Lenker fest. Und wenn es zu wild wird, geht man auch schon mal zu Boden. Doch auch diese Schlucht liegt irgendwann hinter uns und bald sehen wir in der Ferne El Ghallaouiya.

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