Traumstraßen Deutschlands – Pfalz

Auf bald im Wald

Dass die Pfalz köstliche Weine und verträumte Winzerdörfer zu bieten hat, ist wahrscheinlich bekannt. Dass hier auch fantastische Strecken auf Motorradfahrer warten, merkt man dann bei einer Tour durch den Naturpark Pfälzerwald. Text + Fotos: Hans Michael Engelke

Traumstraßen Deutschlands – Pfalz


Es war mächtig etwas los in den vergangenen Jahrhunderten in der Pfalz. Einst von Kelten bewohnt, später von den Römern erobert, dann von den Germanen besiedelt. Es folgten die Alemannen, darauf die Franken. Wilde Konglomerate verschiedenster Territorien, diverse Herrscher, französische Revolutionskriege, Zugehörigkeit zu Bayern, dann mal wieder zu den Franzosen oder dem Völkerbund, ein Durcheinander der Verwaltungen und Regierungen.

Aber ist das ein Wunder? Für so ein schönes Fleckchen Erde zog man gerne schon mal in den Krieg. Heute kann die Eroberung der Pfalz gewaltfrei ablaufen. Eine anständige Landkarte, ein paar gute Tipps, ein Motorrad und schon kann’s losgehen. Ausgangspunkt unseres Feldzuges ist Kaiserslautern, ganz am nordwestlichen Rand des Pfälzerwalds gelegen und nicht nur Fußballfans bestens bekannt. Vorbei an der Uni verlassen wir »K'town«, wie die knapp 50.000 hier stationierten Amerikaner ihre Stadt nennen, und fahren gen Süden. Schnell liegen die letzten Häuser hinter uns, und prompt stecken wir mitten im Grün. Die ersten Kurven tun sich auf, und bald finden wir uns am Johanniskreuz wieder, dem angesagten Motorradtreff in der Region. Viel ist hier am frühen Morgen noch nicht los, also geht es gleich weiter, heute Abend ist schließlich auch noch Zeit für Tratsch und Klatsch unter Moppedfahrern. Nur wenige Meter hinter dem Johanniskreuz verlassen wir die landschaftlich schöne B 48. Die führt weiter geradeaus, mitten durch de  Pfälzerwald und ist eigentlich eine Traumstrecke. Aber die kräftigen Geschwindigkeitsbeschränkungen, die von der grünen Rennleitung häufig kontrolliert werden, trüben den Spaß. Und an reizvollen Nebenstrecken mangelt es in der Pfalz nun wirklich nicht. Genau solch eine haben wir jetzt unter den Reifen. Über Heltersberg lenke ich die RT nach Waldfischbach-Burgalben an den Rand des Naturparks und gleich wieder zurück, den Schildern nach Leimen folgend. Viele Kilometer Kurven versprechen die amtlichen Verkehrsschilder. Schilder, über die man sich als Moppedfahrer auch mal freue  kann.

Die Route über Leimen ist Bestandteil der Deutschen Schuhstraße, eine touristische Route durch das ehemalige Zentrum der Schuhindustrie, aber auch ein Teil der Deutsch-Französischen Touristikroute. Ein Zeichen dafür, wie nahe wir hier an der französischen Grenze sind. Fahrspaß garantiert: Zwischen dem Großen Hundsberg und dem Hesselsberg schlägt die Landstraße Haken in alle Himmelsrichtungen.

Entlang des Flüsschens Rodalbe streifen wir Pirmasens, halten uns vom städtischen Trubel fern, lassen uns immer weiter nach Süden treiben, über Fischbach bei Dahn und schließlich nach Bundenthal. Bildschöne Fachwerkhäuser, Bauten aus dem Sandstein der Region, interessantes Pflaster und ein sehenswerter Brunnen machen das kleine Nest zu einem echten Hingucker.

Von hier sind es nur noch wenige Meter bis Dahn, dem Zentrum des Dahner Felsenlandes mitten im Wasgau. Überall ragen hier skurril geformte Felsentürme und -formationen steil in den Himmel. Nicht umsonst gilt die Region als der Traum zahlreicher Kletterer. Und natürlich ist Dahns Wahrzeichen auch ein Fels, der 70 Meter hohe Jungfernsprung, der hoch über der Stadt aufragt. Der Name lässt es vermuten – laut einer Sage stürzte sich hier einst eine holde Jungfrau auf der Flucht vor einem üblen Burschen in die Tiefe. Wo sie aufkam, sprudelte fortan eine Quelle. Dass sie den Sprung unverletzt überstand, macht die Geschichte nicht wirklich glaubhafter. Die Freizeitsportler, die heute in den Felsen herumkraxeln, gehen liebe  auf Nummer sicher und seilen sich an.

Unübersehbar die Deutsche Weinstraße

Einige Schräglagen später finden wir uns bei Annweiler zu Füßen der Burg Trifels wieder. Unter den pfälzischen Festungen ist sie eine Ausnahmeerscheinung. Die mächtige Kaiserburg liegt auf einem Felsplateau, gut 300 Meter über dem Ort. Hier schmorte Richard Löwenherz als Gefangener, und er war nicht der Einzige, der hier im Laufe der Jahrhunderte einsaß. Heute geben sich rund 100.000 Besucher im Jahr die Klinke in die Hand. Natürlich schlender auch wir eine Runde durch das Gemäuer und staunen vor allem über die Nachbildung der Reichs-Insignien. So eine Krone ist schon eine schmucke Sache.

Eine ganze Reihe Kilometer weiter passieren wir die Ortstafel von Bad Bergzabern. Wie so viele Pfalz-Städtchen ist auch dieser Kurort absolut sehenswert. Wir rollen durch die Gassen entlang schmucker Fassaden und vorbei am Schloss, dem Wahrzeichen Bad Bergzaberns. Noch ein kurzes Stück, und wir finden uns auf der Deutschen Weinstraße wieder. Das ist unübersehbar, Weinstöcke stehen rechts und links der Straße Spalier, tragen dicke Trauben. In den kleinen Orten wird in jedem dritten Haus Pfälzer Wein angepriesen, leckeres Obst steht am Straßenrand zum Verkauf, und Wirtschaften buhlen um Kundschaft. Da kann man nicht widerstehen, in der Sonne sitzend schlagen wir uns den Bauch voll. Dazu gibt es zwar nur Alkoholfreies, zwei Flaschen Spätburgunder finden allerdings den Weg in die Motorradkoffer.

Traumstraßen Deutschlands - Fränkische Schweiz

Gleich hinter Burrweiler wird es schlagartig ruhig auf der Straße. Kein Wunder, sind wir doch von der Weinstraße abgebogen, folgen nun einer großen Runde um den Schänzelturm. Die führt mitten durch die Haardt, einen knapp 90 Kilometer langen Höhenzug, der auch gleich die höchs te Erhebung des Pfälzer Waldes trägt, den 673 Meter hohen Kalmit. Mit Burgen und Türmen ist das Land reich gesegnet. Ruine Ramberg, Ruine Modeneck und Ruine Neuscharfeneck liegen nur wenige Kilometer auseinander, und Aussichtstürme erheben sich auf jedem vierten Hügel und bieten fantastische Blicke in di  Region. Bei Edenkoben stoßen wir dann wieder auf den Rand des Naturparks Pfälzerwald. Vorbei an Maikammer sind es nur noch wenige Kilometer bis Neustadt an der Weinstraße. Das quirlige Touristenstädtchen hat unter anderem den Elwetritschenbrunnen zu bieten. Bei der Elwetritsche handelt es sich um ein vogelähnliches Wesen, das in der Pfalz weit verbreitet sein soll. Seine Herkunft entspricht in etwa dem süddeutschen Wolpertinger, was wohl erklärt, weshalb noch nie ein lebendiges Exemplar gesichtet oder gar gefangen wurde.

Auf der B 39 gen Nordwesten ist Eile mit Weile angesagt. Wie überall im Pfälzerwald werden Geschwindigkeitsbeschränkungen gerade auf den Bundesstraßen häufig kontrolliert, und wer will schon zu Fuß nach Hause gehen. Kurz hinter Lambrecht biegt die Deutsch-Französische Touristikroute links ab, in das idyllische Speyerbachtal. Eine fantastische Motorradstrecke, die enorm kurvenreich den Naturpark durchschneidet. Eigentlich eine ideale Route, gäbe es da nicht die Verkehrsschilder zu Beginn der Strecke  Die besagen nämlich, dass motorisierte Zweiradfahrer ausgesperrt sind, zumindest feiertag  und am Wochenende. Das wundert nicht wirklich, die Entwicklung der Unfallzahlen auf diesem Abschnitt war erschreckend. Ähnliche Überlegungen gab es übrigens auch für die B 48 zwischen Hochspeyer und Rinnthal. Hier hat sich jedoch sogar die Polizei dagegen gewehrt, fürchtete man doch eine Verlagerung des Motorradverkehrs auf kleinere Nebenstrecken.

Wir bleiben auf der B 39, genießen noch ein wenig die Schwünge bis Hochspeyer. Dann geht es auf besagter B 48 erneut gen Süden, der Deutschen Alleenstraße folgend, die uns wieder zum Johanniskreuz bringt.

Dort steppt inzwischen der Bär. Wie an fast jedem sonnigen Tag treffen sich hier unzählige Motorradfahrer zum Quatschen, zum Sehen und Gesehenwerden. Im Sommer sind es scho  mal bis zu tausend pro Tag, und selbst Heiligabend ab zwölf Uhr gibt es hier das legendäre Treffen. Im Biergarten gleich am Straßenrand kühlen wir uns mit Wasser und Apfelschorle ab und lassen die Stärkung mit zwei Cappuccino auf dem Fuß folgen. Der vorherige Blick in die Speisekarte wäre nicht schlecht gewesen. Dass wir für die vier Getränke stolze 18 Euro bezahlen sollen, zeugt schon von einem gewissen Monopol des Wirtes.

Das kann uns aber den Spaß an unserer Pfalztour ganz sicher nicht nehmen. Längst haben wir beschlossen, noch mal hier aufzukreuzen. Dann allerdings an einem Werktag, schließlich wartet ja noch das Speyerbachtal auf uns.

Traumstraßen Deutschlands – Pfalz

TOURENFAHRER 4/2008


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