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Traumstraßen Deutschlands – Bayerischer Wald

Wald-Meister

Der Bayerische Wald ist das größte Waldgebiet Mitteleuropas. Was einst undurchdringliche  Urwald war, bietet heute ein Netz kleinster Straßen, die mittenhinein in die Idylle führen. Text + Fotos: Hans Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands - Fraenkische Schweiz


Straubing hat Agnes Bernauer nicht vergessen. Wie auch, schließlich verdankt die niederbayerische Stadt ihren Bekanntheitsgrad dem Schicksal der Dame. Die Brücke, auf der wir aus der Stadt rollen, trägt ihren Namen, und von hier ließ ihr Schwiegervater sie vor gut 500 Jahren in die Donau werfen. Er hatte sich halt was anderes vorgestellt für seinen Filius, den Wittelsbacher Erben Albrecht, genannt »Der Fromme«. Bei aller Frömmigkeit nimmt der Sprössling dem Papa die unerwartete Witwernschaft nicht weiter krumm, vier Wochen später sind beide wieder versöhnt, und zwei Jahre später heiratet »der Fromme« gehorsam Papas Favoritin. So einfach ließen sich einst Familienstreitigkeiten lösen.

Von besagtem Tatort brechen wir auf in den Bayerischen Wald und folgen dem Lauf der Donau. Nur wenige Kilometer, dann bietet sich schon ein kurzer Abstecher nach Bogen an. Das kleine Städtchen rühmt sich gerne als Ursprungsort der berühmten weißblauen Rauten, die heute Bestandteil des bayerischen Wappens sind und auf keiner Bierfest-Serviette fehlen dürfen. Außerdem gibt es hier noch den Bogenberg. Auf ihm steht die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, die seit 1104 das Ziel der ältesten Wallfahrt Bayerns ist. Und so ganz nebenbei eine prachtvolle Aussicht über das Donautal bietet.

Gleich hinter Bogen werden die Straßen schmal und kurvig, die den Naturpark Bayerischer Wald durchziehen. Vorbei an der kleinen Klostergemeinde Windberg geht es durch bergiges Land rund um den 1095 Meter hohen Hirschenstein. Dichter Wald, gepflügte Äcker, saftige Wiesen und Weiden, dazwischen das schmucke Dorf Sankt Englmar. Wir folgen den kleinen gelben Hinweisschildern in Richtung Allersdorf. Ein Schulbus sammelt vor uns Kinder ein, die sich am Fenster die Nase nach uns platt drücken. Motorräder scheinen sich hierhin selten z  verirren.

Hinter Gotteszell wird es rasanter. Über die B 11 fliegen wir auf Deggendorf zu. Weite bayerische Landschaft huscht vorbei. Berge, teilweise deutlich über 1000 Meter, an deren Hängen kleine Weiler und Wälder kleben. Kurz vor Deggendorf machen wir kehrt und halten auf Regen zu. Schon die Schilder mit den Hinweisen auf Schneeketten zeugen von einem knackigen Anstieg, und natürlich geht es nicht nur steil nach oben, über die Passhöhe Rusel wird es auch mächtig kurvig. Das heimelige Örtchen Regen bietet sich für ein zweites Frühstück an, dann führt uns die B 85 wieder nach Süden. Gleich drei touristische Routen nehmen sie in Beschlag. Bier- und Burgenstraße, Bayerische Ostmarkstraße und die Glasstraße verlaufen über dieses Teilstück. Kein Wunder bei dieser Streckenführung durch Natur- und Nationalpark. Bei Schönberg sind wir zurück auf schmalem Asphalt, umrunden den über 1000 Meter hohen Brotjacklriegel und finden uns zwischen Tittling und Passau dann doch auf der Bayerischen Ostmarkstraße, sprich B 85, wieder.

Passau, die Dreiflüssestadt, muss man einfach gesehen haben. Der bildschöne Stephansdom streckt seine Türme in den Himmel, die Fassaden von Opernhaus und Palais strahlen um die Wette, Uferpromenaden und Altstadtgassen locken zum Flanieren. Gut möglich, dass man angesichts dieser Schönheit die Tour unterbricht und sich Passau einen ganzen Tag lang gönnt. Es lohnt sich.

Mit einem Schlenker über Hauzenberg zu Füßen des Staffelbergs geht es weiter entlang der Donau auf die österreichische Grenze zu. Kurz vor dem Schlagbaum, im so genannten Abteiland, trennen wir uns schließlich vom Fluss und steuern immer entlang der deutsch-österreichischen Grenze das Dreiländereck mit der Tschechischen Republik an. Das lässt sich allerdings nur mit einer strammen Wanderung erreichen. Okay, halten wir uns eben an den nicht weniger schönen Dreisesselberg. Hier oben auf 1312 Metern, am Ende der öffentlich befahrbaren Bergstraße belohnt uns dafür der Berggasthof Dreisessel, an dem in nur wenigen Metern Entfernung die tschechische Grenze vorbeiführt.

Hinauf zum »König des Bayerischen Waldes«

Haidmühle, Philippsreut und Mauth heißen die weiteren Stationen nahe des Grenzverlaufs, die uns schließlich wieder zurück an den Nationalpark führen. Entlang sprudelnder Bäche, durch dicht bewaldete schattige Hänge mit herausfordernden Kehren und über weites grünes Land schlängelt sich der Asphalt bis nach Spiegelau, das durch seine Glaskunst bekannt ist. Die Glashütte und die umliegenden Läden bieten das zerbrechliche Material i  Form unzähliger Kunstwerke, Gläser, Flaschen und Vasen an. Für den Transport auf dem Motorrad kaum geeignet, aber wer will, kann sich die Kunstwerke auch zuschicken lassen. Das Glas prägt auch die weiteren Orte. Bei Frauenau wartet ein Glasmuseum auf Besucher, und Zwiesel, gleich dahinter, nennt sich nicht umsonst »Glasstadt«. Auch hier findet sich noch einiges an Glasindustrie, Kristallmanufakturen und sogar eine über 100 Jahre alte Glasfachschule.

Traumstraßen Deutschlands - Fränkische Schweiz

Ab Zwiesel ist er ausgeschildert, der Höhepunkt der Region, der »König des Bayerischen Waldes«, der Große Arber. Über Bodenmais, vorbei an den Rieslochfällen führt eine fantastisch gewundene Strecke hinauf, und man merkt mit jedem Höhenmeter, wie es ein wenig kühler wird. Zeit zum Einkehren wird es am Großen Arbersee. Mitten im Kurvengeschlängel hat sich ein beliebter Motorradtreff etabliert. Wieder bergab, und von Arrach nach Viechtach führt die Strecke dann teilweise entlang des Schwarzen Regen, der hier im Lauf der Jahre ein schönes Tal entstehen ließ. In Kötzting treffen wir die Bier- und Burgenstraße wieder. Nur wenige Kilometer weiter tauchen auch schon die beiden Schlösser Miltach und Alt randsberg auf. Beide sind zu besichtigen, und in ihnen finden regelmäßig Kulturveranstaltungen statt. Nur das Bier, das gibt es für uns leider erst abends.

Ein kurzes Stück auf der B 20, bis Stallwang wieder die Rückkehr ins Reich der Kurven bietet. Aussichtsreich windet sich ein Sträßchen gen Norden, auf Roding zu. Dahinter lieg  Kanuland. Immer entlang des Regenufers fahren wir parallel zum beliebten Wasserwanderweg nach Regenstauf. Unzählige Kanuwanderer, Canadierfahrer und Paddler kreuzen über das Wasser, umkurven die Steine und Felsen im Flussbett und rasten am grünen Ufer. Bei den zahlreichen Kanuverleihern der Region kann man die komplette Ausrüstung chartern und wird am Ende der Tour auch wieder abgeholt.

In Regenstauf, kurz vor Regensburg, verlassen wir den Flusslauf und biegen ab in den hügeligen Oberen Bayerischen Wald. Natürlich kann man auch weiter ins nahe Regensbur  fahren, doch für einen Besuch der Bischofsstadt sollte man sich mindestens einen ganzen Tag Zeit nehmen. So aber führt unser Weg noch ein wenig durch das von Burgen und Ruinen beherrschte Land. Hauzenstein, Kürn, Falkenstein, Falkenfels – überall warten Überreste einstiger Festungen auf Besucher und Entdecker. Noch ein paar Kilometer, dann tauchen di  Kirchtürme und der Stadtturm von Straubing im Blickfeld auf. Endstation und Startpunkt eine  mehr als kurzweiligen Bayerntour.

Traumstraßen Deutschlands - Fränkische Schweiz

TOURENFAHRER 8/2008


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