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Test Triumph Speed Triple

Speed-Dating

Schon seit vier Generationen ist die Speed Triple ein Streetfighter ab Werk mit starkem Motor und knackigem Fahrwerk. Ein erster Kontakt zeigt, dass dies auch in der fünften Generation so bleiben wird.

Text: Jürgen Schons / Fotos: Triumph

Die Triumph Speed Triple ist schon ab Werk ein echter Streetfighter.

Anschauen: Der erste Sichtkontakt mit der Triumph Speed Triple des 2008er Jahrgangs fällt erst einmal gar nicht so atemberaubend aus. Da steht sie, unverwechselbar mit ihrem gedrungenen Aussehen, dem Stummelheck einschließlich der beiden hochgelegten Endschalldämpfer, der markanten Einarmschwinge und dem stilbildenden Doppelscheinwerfer. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die Änderungen, durch die sich die neue Triple von ihrer Vorgängerin unterscheidet. Als erstes fallen die neuen Felgen auf, die besonders hinten mit einem filigranen Erscheinungsbild überraschen. Die Gabelbeine besitzen eine geschwärzte Oberfläche; im Vergleich zu den bisher verwendeten goldeloxierten Bauteilen passt diese Farbgebung vor allem besser zum gern gepflegten Streetfighter-Image.

Dass das Heck 20 Millimeter an Länge zugelegt hat, offenbart indes nur das Maßband, und der dazugehörige, neu gestaltete Hilfsrahmen zeigt sich sowieso nur, wenn die neuen Hitzeschilder der Endtöpfe und die Kunststoff-Seitenteile verschwinden. Die neuen Seitenverkleidungen des Kühlers, die Klarglasabdeckung des Rücklichts und die Blinker im aggressiven Pfeil-Design komplettieren die äußerliche Modellpflege.

Die Speed Triple ist wie geschaffen für die kurvenreiche Parforcejagd.

Das Cockpit der Triumph Speed Triple.
Im Cockpit dominiert der Drehzahlmesser, die Ziffern des Kilometerzählers sind nur schwer zu sehen, da einfach zu klein.

Aufsitzen: Hier zeigt sich die Britin im ersten Moment als ganz die Alte. Der Fahrer sitzt recht hoch, Personen unter 1,75 Meter Körpergröße tun sich ein wenig schwer mit dem sicheren Bodenkontakt. Sie ist halt ein hochhackiges Mädchen, die Triple. Der Oberkörper spannt sich über den Tank und nimmt beim Griff an den neuen, konifizierten Magura-Lenker aus Alu automatisch den Angriffsmodus ein. Der Kniewinkel ist sportlich eng, die nach der Überarbeitung flachere Sitzbank nimmt den Fahrer saugend in sich auf. Die Integration ins Motorrad ist perfekt, wie geschaffen zur sportlich-ambitionierten Parforcejagd auf kurvenreicher Strecke.

Anlassen: Auf Knopfdruck reiht sich der unveränderte Motor in die Schar der Werktätigen ein und jubiliert sein heiseres Dreizylinder-Stakkato ins Freie, begleitet von einem gierigen Ansaugschlürfen aus der Airbox. Die Kupplung lässt sich auf den Millimeter genau dosieren, die Hatz kann beginnen.
Angasen. Das Triple-Triebwerk ist ein echtes Tier. Steht mit nominell 132 PS ordentlich im Futter und liefert mit 105 Newtonmetern ein Drehmoment der Vollfettstufe. Mit diesen Leis­tungsdaten spielt die Triumph im Konzert der großen und nackerten Sportler zwar nicht die erste Geige, aber doch weit vorne mit. Immerhin liefert der Drilling seine Kraft über einen weit gestreckten Drehzahlbereich ab. Verkehrsberuhigte Zonen werden locker im sechsten Gang durchmessen, an deren Ende dreht der Motor ruck- und verschluckfrei wieder hoch, schön gleichmäßig ohne Löcher, ohne Spitzen. Viel Schaltarbeit verlangt der Drilling von seinem Reiter nicht, aber Toleranz gegenüber Vibrationen. Davon gibt es einige, vor allem im Lenker und umso mehr, je höher die Drehzahlnadel klettert.

Die Triumph Speed Triple, Modelljahr 2008.
Speed Triple, die Fünfte: Trotz der neuerlichen Modellpflege ist die beliebte Triumph in ihrem grundlegenden Charakter unverändert. Die Fans wird das freuen.

Der häufig kritisierten knochigen Schaltbarkeit des Getriebes rückte man in Hinckley mit der Überarbeitung des Schaltmechanismus zuleibe, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg, wie verschiedene, während der Vorstellung gefahrene Exemplare beweisen. Bei manchen flutscht der Hebel durch die sechs Gänge wie der Bunsenbrenner durch den Neuschnee, an anderen scheint die Renovierung spurlos vorüber gegangen zu sein.

Ähnlich breit gefächert ist die Serienstreuung in der Gasannahme. Grundsätzlich verlangt der Gashahn beim Herausbeschleunigen aus Kurven nach einer zartfühlenden Hand. Die Drosselklappen urplötzlich auf Durchzug zu stellen, quittiert die Einspritzanlage mit einem starken Ruck, der teilweise sogar die angepeilte Kurvenausfahrtslinie verhagelt. Das ist allerdings der einzige Wermutstropfen im Cocktail aus Fahrwerk und Motor.

Abwinkeln: Weit geschwungene Kurven sind das Geläuf, auf dem sich die Triumph am wohlsten fühlt. Hier kann sie ihren größten Trumpf, die unvergleichlich satte und stoische Straßenlage, am besten ausspielen. USD-Gabel und Einarmschwinge mit Zentralfederbein, beides von der Bezugsquelle Showa in Japan, halten selbst auf minderwertigen Fahrbahnen den saugenden Kontakt zur Straße, ohne Sportlichkeit mit Härte gleichzusetzen. Mehr Kraft verlangt die Engländerin von ihrem Fahrer, wenn die Straße kleiner, die Biegungen enger werden. Doch auch hier fährt sie sich zielgenau und mit viel Schräglagenfreiheit versehen, Kurskorrekturen vollzieht sie ohne großes Federlesen.

Rücklicht der Triumph Speed Triple.
Auch bei der Speed Triple gehören LED-Lichter hinter Klarglas inzwischen zum Standard.

Dies ist sicher auch ein Verdienst der Serienbereifung in Form des Dunlop Qualifier, der den bisher verwendeten Michelin Pilot Sport ablöst und der zwar eine relativ lange Warmfahrphase benötigt, sich hernach aber kräftig am Asphalt vergreift und den Piloten unverfälscht über den Straßenzustand informiert. Ohne das oftmals kritisierte starke Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage kommt aber auch dieser Qualifier nicht aus. Ein Test wird klären, ob der ebenfalls als OE erhältliche Metzeler Sportec in dieser Disziplin mehr Freude bereitet.

Auf kurvigen Straßen soll die Triumph das maximale Fahrvergnügen bereiten.

Das Showa-Federbein der Triumph Speed Triple.
Das voll einstellbare Showa-Federbein hält das Hinterrad der Triumph in allen Situationen auf der Straße.

Abbremsen: Im Bereich des Geschwindigkeitsabbaus hat sich einiges getan. Die Bauweise mit zwei Bremsscheiben vorn und radial verschraubten Zangen ist zwar geblieben, doch kommen die Komponenten ab sofort von Brembo aus Italien und nicht mehr von Nissin aus Japan. Triumph verspricht von dieser Änderung 14 Prozent mehr Bremsleistung. Ob’s stimmt, sei einmal dahingestellt, denn die Nissin-Stopper haben ja auch ein zupackendes Wesen. Vielleicht sogar noch mehr als die Brembos, aber auch an deren Bremsvermögen gibt es nichts zu kritisieren: klar im Druckpunkt, deutlich in der Wirkung, kinderleicht in der Dosierung. Da bleibt der hinteren Scheibe, die weiterhin von Nissin stammt, nur eine – wenn auch tatkräftig – unterstützende Aufgabe.

Ausrüsten: ABS, Gepäckhaken, Hauptständer, Soziustauglichkeit? Sicher, gibt es bei Triumph alles, nur nicht bei diesem Motorrad. Wer so etwas braucht, ist bei der Speed Triple an der ganz falschen Adresse. Hier steht eine reine, pure, essenzielle Fahrmaschine, die nur für einen Zweck gebaut wurde: Ihrem Besitzer auf kurvigen Straßen oder auch auf der Rennstrecke das maximal mögliche Fahrvergnügen zu bereiten. Und das sollte er tunlichst alleine genießen, denn selbst wenn der Soziusplatz um einige Quadratzentimeter gewachsen ist und die Soziusrasten etwas mehr Fußraum offerieren – die Triple als Fahrzeug für das Zweiradleben zu Zweit geht so gut wie gar nicht.

Nein, nein, hier unterliegt alles dem Zweck einer hedonistisch geprägten Fortbewegung. Da darf man sogar gnädig hinwegsehen über das Cockpit mit den winzigen Ziffern für die Kilometerangabe oder die kaum zu ertastenden und damit schwer bedienbaren Knöpfchen, mit denen man beispielsweise Informationen über Durchschnittsgeschwindigkeit, Fahrzeit oder Verbrauch abrufen kann. Solche Infos sind auf einer Speed Triple uninteressant.

Anzahlen: 11.690 Euro, Lieferkosten eingeschlossen, will der Triumph-Händler für die neue Triple sehen, die er bereits bei sich stehen hat. Die Hauptabnehmer sitzen in Italien und Frankreich, wohin die meisten der seit 1994 über 46.000 fabrizierten Speed Triples gegangen sind. Bis Ende des Jahres 2008 sollen 7250 Stück hinzukommen. Keine zu optmistische Annahme.

Die Triumph Speed Triple des Jahrgangs 2008.
Kurskorrekturen in Schräglage sind für die Triumph Speed Triple eine der ganz leichten Übungen.

TOURENFAHRER - 4/08

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