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Traumstraßen Deutschlands – Uckermark

Flach gelegt

Die Uckermark? Da wissen viele noch nicht mal, wo sie zu finden ist. Nur 80 Kilometer von Berlin entfernt, lässt sich mal auf holprigem Kopfsteinpflaster, mal auf gepflegtem Asphalt die einzigartige Natur- und Seenlandschaft entdecken. Text + Fotos: Hans Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands - Uckermark


Da ist doch alles flaches Land, oder? Gibt's denn da auch Kurven oder schöne Strecken?« Von skeptisch bis neugierig reichten die Reaktionen beim heimischen Stammtisch auf meine Ankündigung, zu einer Tour durch die Uckermark aufzubrechen. Ganz abgesehen davon, dass die wenigsten wussten, wo genau diese ominöse Gegend eigentlich zu finden sei. Also, so viel sei schon verraten: Ja! Es gibt sie, sowohl die Kurven als auch die schöne  Strecken. Und darüber hinaus noch einiges mehr.

Zehn Tage später, bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen steigen wir in Prenzlau aufs Motorrad. Das bildschöne Städtchen mit seinen sehenswerten Bauten wie den sieben Kirchen und dem Kloster, der Uckerpromenade, seiner Stadtmaue  und den Altstadtgässchen ist der ideale Ausgangspunkt für Touren in die Region. Uns zieh  es erst mal ins Uckerland. Durch sanft geschwungene Landschaft gleiten wir auf schmalem Asphalt zwischen wogenden, goldbraunen Getreidehalmen und dem satten Grün der Wiesen. Klar, Serpentinen gibt es hier keine, und auch die Knieschleifer kommen nicht wirklich in Bedrängnis. Aber kaum sind wir unterwegs, erfasst uns eine innerliche, erholsame Ruhe –Relaxen statt Rasen ist angesagt. Außerdem gibt es so viel entlang der Straße zu sehen, was man bei flotter Fahrweise glatt verpassen würde. Ob liebevoll restaurierte Häuschen, uraltes Mauerwerk, Skulpturen, Bau- und andere Denkmäler, bäuerliche Idylle oder einfach nur malerische Natur wie glitzernde Dorftümpel oder kilometerlange Alleen.

In Wolfshagen wähnen wir uns in einem riesigen Freilichtmuseum. Über rumpeliges Kopfsteinpflaster rollen wir durch den nur 330 Einwohner großen Ort und wissen gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen. Fast 40 Baudenkmäler gebe es hier, erklärt uns ei  netter älterer Herr, als wir mitten im Dorf die 17 Meter hohe Königssäule fotografieren. Und dann zählt er sie alle auf. Geraume Zeit, aber gerade mal fünf Kilometer später trägt uns die BMW durch Woldegk. »Die Mühlenstadt« nennt sie sich zu Recht. Fünf Windmühle  recken sich hier in den Himmel, eine schöner als die andere.

Über idyllische, menschenleere Straßen geht es zwischen dem Damm- und dem Großen See gen Süden. Überhaupt ist die Uckermark das Land der Seen. Viele hundert soll es hie  geben, zu verdanken haben die Uckermärker diesen Wasserreichtum der letzten Eiszeit. Und sie wissen das Wasser zu nutzen. Jeder nur denk baren Wassersportart lässt sich in den eiszeitlichen Hinterlassenschaften frönen. Bei Fürstenwerder, gleich hinter der alten Stadtmauer, entdecken wir auch jede Menge romantische, schilfbewachsene Seeufer.

Fürstenwerder, Fürstenau, Fürstenhagen – fürstliche Straßen führen weiter zwischen dem Breiten Luzin und dem Schmalen Luzin hindurch. Nach einer kurzen Visite des sehenswerten Feldberger Stadtkerns stromern wir durch das Boitzenburger Land bis Boitzenburg. Dort strecken sich die Türme des gleichnamigen Schlosses in den tiefblauen Himmel. Nach der deutschen Wiedervereinigung jahrelang leer stehend, wurde das riesige Schloss aufwendig restauriert und dient heute als Familienhotel. Besonders verlockend: Im kühlen Kellergewölbe der Schlossanlage hat sich die Schokoladenmanufaktur niedergelassen, wo kleine Kunstwerke aus köstlicher brauner Masse entstehen. Dass hier gar nicht selber Schokolade hergestellt, sondern angelieferte Roh-Schokolade in Form gebracht, gewürzt und angerichtet wird, tut unserem Appetit keinerlei Abbruch. Gut, dass die BMW einiges an Zuladung verträgt.

Eigentlich wollten wir gen Westen weiter, aber zwischen Boitzenburg und Gollmitz soll eine der schönsten Alleen der Uckermark liegen. Und tatsächlich, mächtige, dicht belaubte grüne Riesen fassen die »Märkische Eiszeitstraße« ein, lassen kaum Licht auf den Asphalt fallen. Ein Fahrgefühl wie im Tunnel und herrlich kühl in der gleißenden Sonne. Di  Uckermark – das Land der Alleen. Wo in den »alten« Bundesländern gnadenlos unter dem Deckmäntelchen der Verkehrssicherheit mit der Motorsäge gewerkelt wurde, durfte sich weiter nordöstlich die natürliche Straßenbegrünung eines ungestörten Lebens erfreuen und erfreut ihrerseits heute das Auge des Reisenden.

»Afrika« steht plötzlich auf dem Ortsschild des Drei-Häuser-Dörfchens. Schon so weit gefahren heute?

Über die »Märkische Eiszeitstraße« geht es in den Naturpark Uckermärkische Seen. Langsam aber stetig verändert sich die Landschaft. Immer mehr dichte Wälder beherrschen das Bild. Die weiten Blicke in die Region weichen dem angenehm kühlen Schatten des Laubdaches.

Templin empfängt uns mit seiner fantastischen, vollständig erhaltenen 1750 Meter langen Stadtmauer, danach geht es quer durch die Schorfheide. Wir kurven durch unberührte Natur, kleine idyllische Dörfchen und entlang in der Sonne blinkender Seen.

Traumstraßen Deutschlands - Uckermark

Kaum haben wir die A 11 unterquert, ist es erst mal vorbei mit der ländlichen Idylle. Über den Havelkanal geht es hinein in die »Waldstadt« Eberswalde, das seinen Namen der waldund wildschweinreichen Gegend verdankt. Der Marktplatz mit Rathaus, die Teufelsbrücke, die Maria-Magdalenen-Kirche mit der höchsten gemauerten Kirchturmspitze der Welt und vieles mehr laden zum Verweilen. Spannend ist auch das nur wenige Kilometer entfernte Schiffshebewerk bei Niederfinow, auf dessen großem Parkplat  sich auch regelmäßig die Motorradfahrer aus der Region treffen. Ein beeindruckender Anblick, wie die Schiffe in dem gewaltigen stählernen Bauwerk Aufzug fahren.

Auch Angermünde, »das Tor zur Uckermark« am Rand der Schorfheide, bietet Sehenswürdigkeiten satt. Die historische Altstadt ist gut erhalten und perfekt restauriert. Sie entlässt uns erneut in das seenreiche Land des Biosphärenreservats Schorfheide- Chorm. Hier wird es einsam. Oft begegnet uns kilometerlang kein Mensch auf den schmalen Straßen in der weiten offenen Landschaft. Dörfer gibt es hier kaum. Regelmäßig wechselt der Fahrbahnbelag zwischen ebenem Asphalt und altem Kopfsteinpflaster. Auch mit guter Federung wird man hier durchgeschüttelt, aber die Ausblicke machen das mehr als wett.

Am Grimnitzsee, an dessen Ufern sich einige Windmühlen finden, stoßen wir wieder auf die »Märkische Eiszeitstraße«, die das Biosphärenreservat durchquert. Am Kleinen Krinertsee folge ich den Schildern nach Stegelitz. »Afrika« steht dort plötzlich auf einem Ortsschild. Hmm, schon so weit gefahren heute? Nein, mit dem Schwarzen Kontinent hat das Drei-Häuser-Dörfchen nichts zu tun. Es war 1948, als sich einige Kriegsflüchtlinge hier ansiedelten und der Mangel an brauchbarem Baumaterial sie zwang, Erdbehausungen zu bauen. Die Alteingesessenen nannten die Siedlung eher abfällig »Afrika«, was sich dann irgendwann sogar als amtliche Bezeichnung etablierte.

Viel mehr an das echte Afrika erinnert aber, was sich nur wenige Kilometer weiter bei Gerswalde findet: Strauße. Jede Menge dieser Riesenvögel stolzieren durch die weitläufigen Gehege des Straußenhofs Berkenlatten. Wir erfahren, dass Straußeneier bis zu zwei Kilo wiegen können und rund 1,2 Liter Inhalt haben, dass aus Straußenleder Handtaschen und Terminplaner gemacht werden und dass Straußenfleisch enorm wenig Fett und Cholesterin enthält. Wer das in der Praxis gleich testen möchte, kann im Hotel zum Schwan in Gerswalde köstliche Straußengerichte ordern.

Zwischen Unteruckersee und Oberuckersee hindurch schlängeln wir uns bald wieder aus der Schorfheide hinaus. Auf kaum autobreiten Wegen geht es entlang der Ufer wieder nach Norden, wo wir bald die Stadtgrenze von Prenzlau, dem Ausgangspunkt unserer Uckermark runde erreichen. Spätestens jetzt können wir die Fragen des heimischen Motorradstammtisches beantworten. Ja, es ist flaches Land! Ja, es gibt Kurven! Aber vor allem: Ja, es gibt schöne Strecken, und davon reichlich!

Traumstraßen Deutschlands - Uckermark

TOURENFAHRER 9/2008


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