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BMW K 100 RS MOTORSPORT

Zehn Mal Erdumfang

Motorräder mit mehr als 200.000 Kilometern Laufleistung sind eher selten. Stefan Schmidt aus dem saarländischen Neunkirchen hat mit seiner K 100 RS sogar doppelt so viele Kilometer gesammelt, und ein Ende ist nicht abzusehen.

Text: Jürgen van Bömmel / Fotos: Christina Güldenring

Leserbike BMW K 100 RS MOTORSPORT

Vor 22 Jahren legte BMW eine limitierte Sonderserie von 1000 Stück des damaligen Topmodells K 100 RS auf. In perlmuttweißem Lack mit Zierstreifen in den Farben der BMW Motorsport GmbH. Es war die Faszination dieser Kleinserie und das Bewusstsein, etwas Besonderes zu besitzen, die Stefan Schmidt damals reizten, seine blaue 85er gegen die weiße auszutauschen. Bei einem Kölner Händler ergatterte er das letzte von dessen vier Exemplaren. Zugelassen wurde der edle Sport- Tourer am 9. April 1987. Seitdem läuft und läuft der längs liegende Vierzylinder mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit.

Außer einer ausgetauschten Kopfdichtung war nur ein einziger Defekt am Motor zu beheben: Aufgrund verschlissener Kohlen im Anlasser spielte die Elektrik verrückt. Das Kurbelgehäuse hat Schmidt nur ein Mal geöffnet, aus reiner Neugier und weil er sich nicht vorstellen konnte, dass sich die Innereien des Triebwerks nach mehreren hunderttausend Kilometern noch in einem guten Zustand befanden. Waren sie aber doch, sahen aus wie neu. Auch nach nun zehn (theoretischen) Erdumrundungen ist der Ölverbrauch kaum messbar.

Wer nun denkt, so eine Laufleistung sei nur mit fristgerechtem Ölwechsel zu erreichen, den wird Stefan Schmidts Praxis überraschen: Ölwechsel macht er nur einmal im Jahr, also etwa alle 20.000 bis 25.000 Kilometer. Viel wichtiger ist nach seiner Erfahrung, dass man den Ölwechsel auch gründlich macht. Er lässt die Maschine möglichst über Nacht mit offener Ablassschraube stehen. Denn der letzte Viertelliter enthalte den meisten Dreck, sagt der Selbstschrauber. Ansonsten lautet sein Rezept für ein langes Motorenleben: keine Kurzstrecken und den Motor immer schön vorsichtig warm fahren. Wo andere ihre Maschine ganz selbstverständlich in die Garage fahren, schiebt er lieber ein paar Meter.

Als etwas anfälliger als der Motor erwies sich im Lauf der Jahre der Kardanantrieb: Die Verzahnung des Längenausgleichs war nach 130.000 und nach 250.000 Kilometern ausgeschlagen. Inzwischen ist aber auch dieses Problem behoben. Ein Technik-Tipp aus dem TOURENFAHRER: Ein Stahlring wird auf das äußere Rohr der Welle geschrumpft und verhindert eine Dehnung des relativ dünnwandigen Rohrs. So kann sich an der Verzahnung kein Spiel mehr entwickeln.

Was Stefan Schmidt gar nicht gefällt, ist der Eindruck, dass die Qualität bei BMW nicht mehr den hohen Stand von vor 20 Jahren erreicht. Die ersten Bremsscheiben hätten noch 240.000 Kilometer gehalten, erzählt er als Beispiel. Die letzten seien bereits nach 150.000 km an der Verschleißgrenze gewesen, obwohl sein Fahrstil eher ruhiger geworden sei.

Wenn er am Wochenende – möglichst am Samstag, weil dann weniger los ist – mit dem fliegenden Ziegel auf Tour geht, dann zieht es ihn meist in Richtung Frankreich: Das Elsass ist sein bevorzugtes Revier. Den Löwenanteil seiner Kilometerleistung machen allerdings die beiden großen Urlaubstouren aus, die er jedes Jahr unternimmt. Große Urlaubstour heißt in diesem Fall mindestens 5000 Kilometer. Kein Wunder, dass die weiße K schon fast alle Ecken des europäischen Kontinents gesehen hat. Vom Nordkap bis Gibraltar, von der Isle of Man bis Rumänien. Eine der längsten Reisen führte Schmidt und die BMW sogar bis nach Asien, genauer: zum Berg Ararat in Ostanatolien. 1989 war das, als sich noch niemand über kurdische Rebellen, Entführungen und bürgerkriegsartige Zustände Gedanken machen musste. Über 10.000 Kilometer kamen allein bei diesem Trip zusammen. Auch wenn Stefan Schmidt nicht gerade Urlaub macht, ist er viel unterwegs.

Im Bereich Arbeitsvermittlung mit Schwerpunkt auf beruflicher Rehabilitation akquiriert er Jobs für Menschen mit Behinderung. Das gehe nicht vom Schreibtisch aus, sagt er, da müsse man schon vor Ort mit potenziellen Arbeitgebern sprechen, sich selbst ein Bild von den Arbeitsstellen und den Anforderungen des Betriebs machen. Wenn Schmidt in der Zeitung von Unfällen mit Schwerverletzten liest, weiß er schon ziemlich sicher, dass er die Betroffenen über kurz oder lang kennen lernen wird. Das beeinflusst auch seine Fahrweise: Risiko? Nein danke! Auch in einer anderen Hinsicht haben Beruf und Hobby etwas gemein: Beides geht für Schmidt nur mit Engagement und Sorgfalt.

Mittlerweile hat die K 100 Gesellschaft bekommen: Eine R 1200 ST dient seit letztem Jahr als Zweitmotorrad und soll ebenfalls für die großen Urlaubstouren herhalten. Trotzdem will Stefan Schmidt die halbe Million mit seiner ganz speziellen K noch voll machen. Dann dauern die fünften Hunderttausend eben etwas länger. Die nächste große Reise hat er auch schon geplant, allerdings ohne die BMWs. Nach Neuseeland soll es gehen und dort das erste Mal mit einem Mietmotorrad über die Inseln.

TOURENFAHRER 10/08

 

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Hier ist nicht nur Platz für die individuellen Motorrad-Umbauten, die wir als Leserbike auch im TOURENFAHRER vorstellen. Hier kann auch dein Bike präsentiert werden. Sende uns einfach eine Kurzbeschreibung deines Umbaus und ein paar aussagekräftige Fotos per e-Mail, dann bereiten wir das Ganze fürs Netz (oder fürs Heft) auf – falls wir meinen, dass das Sinn macht.

Wir behalten uns ganz bewusst diese »Zensur« vor, denn wenn wir in dieser Rubrik die Möglichkeit eingeräumt hätten, dass hier jeder sein Bike selber einbauen kann, nur weil er die Sitzbank neu bezogen hat, dann wäre das nicht ganz das, was wir uns vorgestellt haben (okay, es sei denn, der neue Bezug hat ein Fischgrät-Muster …).

Es muss dabei sicher nicht ein solch aufwändiger Umbau sein wie etwa die Rallye Raid-Yamaha auf dem Bild, aber einfach nur Manni und Renate neben ihrer »Dicken« bei der Jungfernfahrt der neuen Koffer wären hier auch kein zielführendes Motiv. Deshalb wollen wir uns einfach vorher vergewissern, dass es sich wirklich um einen technischen Umbau handelt, der den Namen auch verdient. Oder anders gesagt: Schraube locker allein reicht nicht.

Also nur keine Scheu. Wir freuen uns über jede Zusendung.

 

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