Honda DAX ST 50
Dax-Aufschwung
Börsenkrise, Aktienverfall – für Michael Biedebach kein Thema. Der Dax mag vielleicht ins Uferlose fallen, aber die Dax steht bei ihm immer hoch im Kurs.
Text: Christoph Driesen / Fotos: Christina Güldenring
»Mücken vom Visier wischen muss ich keine«, grinst Michael Biedebach, als er den Helm absetzt. Was keinesfalls daran liegt, dass er zu insektenfreier Jahreszeit in der Redaktion vorstellig wird. Nein, der 29-Jährige gibt den Tieren einfach genug Zeit zum Ausweichen. Er kann auch gar nicht anders: Sein Tourer schafft höchstens 55 km/h – »wenn es gut läuft«. Ein Tempo, das selbst dem trägsten Insekt Gelegenheit bieten dürfte, den Kollisionskurs noch zu ändern.
Michael Biedebach fährt Honda Dax. 50 Kubik, 2,4 PS, 1,51 Meter lang, 74 Zentimeter hoch, Mokick-Zulassung. Das tun auch andere, viele sogar - das Mini-Bike, das in den siebziger Jahren erstmals von den Honda-Bändern rollte, genießt längst Kultstatus, und an Clubs, IGs und sonstigen Dax-Freaks mangelt es nun wirklich nicht. Aber Michael Biedebach ist keiner von denen, die von Treffen zu Treffen und sonst nur in die City knattern. Der Elektro-Installateur macht Strecke. 63.400 Kilometer stehen auf dem Tacho der Dax, und an ihrem Heck prangen Alu-Kisten, die fast so groß sind wie das Motorrädchen.
Schon früh beginnt Michaels Leidenschaft für die Mini-Honda. Kein Wunder, denn die ist in der ganzen Familie tief verwurzelt. 1977 kauft der Vater die erste Dax, da ist Michael noch gar nicht geboren. Mit acht dreht er seine ersten Runden im Garten, fährt als Sozius mit Opa in die Kneipe. Bis er 16 ist, hat Michael schon tausend Dax-Kilometer auf Privatgelände abgespult, dann endlich darf er auf die Straße. Den Führerschein frisch in der Tasche, fährt er mit dem Vater vom hessischen Schwalmstadt zum Tegernsee. Zwei Tage dauert allein die Anreise auf den kleinen Zehn-Zoll-Rädchen.
Im nächsten Jahr nimmt er sich weniger Zeit, um schnöde Strecke zu machen. Die 540 Kilometer von der Ostsee bis nach Hause fährt er in einem Rutsch, ein 16-Stunden-Marathon mit 2,4 PS fernab jeder Autobahn. Im nächsten Jahr ist er 18, da steht eine BMW R 100 RS in der Garage. Kein Grund, die Dax links liegen zu lassen. Noch einmal fährt er mit ihr hoch zur Ostsee, diesmal mit kompletten Camping-Utensilien oben auf dem Topcase.
Ein paar Jahre bleibt die kleine Honda in heimischen Gefilden, wird täglich auf dem Weg zur Arbeit genutzt und auf der Feierabendrunde um den Edersee, wo die Rasten Funken schlagen dürfen. Große Urlaubstouren werden auf der BMW absolviert, doch als Schweden, das Land der Mücken, auf dem Reiseplan steht, will Michael ein klares Visier behalten und sattelt die Dax 2002 zu ihrer bislang größten Tour.
In 14 Tagen spult er 2500 Kilometer auf dem Winzling ab, den die Fährgesellschaft wohlwollend als Fahrrad berechnet. Die Campinguntensilien sind unterwegs genauso obligatorisch wie ein Liter Reservesprit– bei 2,5 Litern Tankinhalt sollte man das Tankstellennetz ansonsten sehr gut kennen. Ein Auspuff vom 77er-Modell, weil der so schön verchromt ist, in die Lenkerrohre verlegte Elektrikkabel – ansons ten geht die Dax im Serienzustand auf Reisen. Erst im letzten Jahr macht sich Michael an die Arbeit, um die Zuladungskapazität der Honda ausreizen zu können – immerhin darf das 75-kg-Leichtgewicht 180 Kilo schleppen. Koffer müssen her, am besten große Alu-Boxen, aber passen die an das Bonsai-Bike, oder lässt sich dann der Kickstarter nicht mehr treten? Michael baut Koffer-Modelle aus Pappkarton – es passt.
Einen Träger fertigt er selber an, genau wie die Rahmenverlängerung für die hintere Aufnahme. Vorn lässt sich der Träger einfach durch den Pressstahlrahmen der Honda schrauben, einzig eine Verlängerung des Auspuffs ist noch notwendig. Der Lenker von Mutters Fahrrad hat den passenden Durchmesser, und fortan kann Michael mit Koffern und Mutter nur noch freihändig fahren.
Die erste lange Ausfahrt für den Mini-Lastesel führt in den Schwarzwald, zum Touratech Travel Event. Da tummeln sich viele mit Zega-Boxen am Heck, aber kein anderer hat wie Michael ein Lavu, ein Zelt für sechs bis acht Personen, wie es die Einwohner Lapplands nutzen, dabei. Vor allem: Kein anderer kann sein Motorrad nachts einfach mit ins Zelt nehmen.
Nicht ungewöhnlich für Michael – im Winter, wenn es in der Garage feucht wird, nimmt er seine Dax zu Hause ja auch mit aufs Zimmer. Da hängt momentan eine große Island-Karte an der Wand – Traumziel für den Kilometerfresser auf den kleinen Rädchen. Aber auch Norwegen steht noch auf der Liste: »Einmal die Kehren vom Trollstigen entlangfegen, das wär’s.« Ruhestand für die Dax ist also noch nicht in Sicht, und Michaels Visier wird wohl noch lange ungeputzt bleiben dürfen.
TOURENFAHRER 12/08
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Individuelle Motorrad-Umbauten
Wer fährt nicht von der Stange?
Hier ist nicht nur Platz für die individuellen Motorrad-Umbauten, die wir als Leserbike auch im TOURENFAHRER vorstellen. Hier kann auch dein Bike präsentiert werden. Sende uns einfach eine Kurzbeschreibung deines Umbaus und ein paar aussagekräftige Fotos per
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Wir behalten uns ganz bewusst diese »Zensur« vor, denn wenn wir in dieser Rubrik die Möglichkeit eingeräumt hätten, dass hier jeder sein Bike selber einbauen kann, nur weil er die Sitzbank neu bezogen hat, dann wäre das nicht ganz das, was wir uns vorgestellt haben (okay, es sei denn, der neue Bezug hat ein Fischgrät-Muster …).
Es muss dabei sicher nicht ein solch aufwändiger Umbau sein wie etwa die Rallye Raid-Yamaha auf dem Bild, aber einfach nur Manni und Renate neben ihrer »Dicken« bei der Jungfernfahrt der neuen Koffer wären hier auch kein zielführendes Motiv. Deshalb wollen wir uns einfach vorher vergewissern, dass es sich wirklich um einen technischen Umbau handelt, der den Namen auch verdient. Oder anders gesagt: Schraube locker allein reicht nicht.
Also nur keine Scheu. Wir freuen uns über jede
Zusendung.








