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Service Batterie-Test

Kleine Energie-Riesen

Starterbatterien haben es nicht leicht: Sie müssen sich mit einer Vielzahl von Verbrauchern herumschlagen, haben oftmals lange Standzeiten in Kauf zu nehmen und sind der Kälte gnadenlos ausgliefert. Wir haben zehn 12-Volt-Modelle mit 12 Amperestunden umfangreichen Tests unterzogen.

Text: Andreas Berger

Batterie-Test

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Welche Batterie taugt als Ersatz zum Original? Grundsätzlich unterscheidet man im Motorradbereich zwischen der konventionellen Blei-Säure- Batterie, der wartungsfreien Vlies- bzw. Gel-Batterie und der Reinblei-Vlies-Batterie.

Wobei die klassische, mit Wasser nachzufüllende Starter-Batterie am Markt schon fast keine Rolle mehr spielt und von den wartungsfreien Modellen nahezu verdrängt wurde. Dies unterstreicht auch unser Testfeld nachhaltig. Für unser Testfahrzeug, eine R 1200 GS, haben wir von den Herstellern neun wartungsfreie Vlies-Batterien sowie eine Reinblei-Vliesbatterie erhalten. Die Preisspanne reicht dabei von 47,95 bis 169,00 Euro.

Wartungsfreie Vlies-Batterien benötigen zur Stromerzeugung verdünnte Schwefelsäure, jedoch mit einer höheren Dichte (1,32 Prozent) als konventionelle Blei-Säure-Bat - terien (1,28 Prozent). Dies macht die Wartungsfreien leis - tungsfähiger. Weiterer Vorteil: Eine höhere Bleireinheit senkt die Selbstentladung und begünstigt die Lagerfähigkeit der Batterie.

Ganz ohne Handarbeit geht es aber auch bei den Wartungsfreien nicht: Die meis ten Probanden werden mit einem Säurepack geliefert (zu erkennen an der Codierung »BS«), das nach Entfernen des Siegelstreifens auf die offenen Zellen aufgesteckt wird. Danach werden die Zellen für den Rest des Batterielebens mit einer Kunststoffkappenleiste verschlossen. Diese Versiegelung schützt vor Verunreinigungen und damit vor zusätzlichem Leistungsverlust.

Die Hersteller empfehlen nun den Anschluss an ein geeignetes Ladegerät oder eine längere Überlandfahrt, um die volle Leistungsfähigkeit zu erhalten. Nach vollständiger Ladung haben wir den Batterien noch etwas Ruhe gegönnt, da sie nach dem Ladevorgang erst ihre sogenannte Hybridspannung abbauen müssen. Diese liegt deutlich über der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Batterie und würde die Messergebnisse verfälschen.

Service Batterie-Test
Der Batterietester simuliert einen Kurzschluss – so lässt sich die Spannung der Batterie unter Last ermitteln.

Testablauf:

Im ersten Schritt, also nach der Aufladung und Ruhephase, prüften wir über einen Batterietester »DHC Modell 50113«, der einen Kurzschluss simuliert, die Leistung der Batterien unter Last (Messung 1). Dann mussten die Kraftpakete zwölf Stunden lang Temperaturen von -18° C erdulden und wurden erneut unter Last gemessen (Messung 1, zweiter Wert). Den zweiten Test führten wir in einer Bosch-Werkstatt nach erneutem Laden und Ruhephase durch.

Dabei wurde mit einem »Eisemann PKL 6« unter Last gemessen und mit einem Digital-Oszilloskop vom »Typ FSA 560« aufgezeichnet (Messung 2). Die angegebenen Messwerte in Ampere geben Auskunft über die Leistungsfähigkeit der Batterie. Zuletzt haben wir die Batterien in die12er-GS eingebaut und den Anlasser so lange gedrückt, bis nichts mehr ging (Messung 3). Da bei der 1200 GS ein Kaltstartstrom von etwa 100 Ampere benötigt wird und ein Startvorgang ca. fünf Sekunden in Anspruch nimmt, ergibt sich aus der gemessenen Zeit die Anzahl der theoretisch möglichen Startvorgänge.

Fazit

Auf den ersten Blick sehen die Batterien alle recht ähnlich aus, aber im harten Alltagsbetrieb bzw. beim verfügbaren Kaltstartstrom und nach der Anlasserquälerei tun sich recht deutliche Leistungsunterschiede auf.

Starterbatterie-Typen

Standard-Blei-Säure-Batterie: Sie arbeiten mit Blei- bzw. Bleioxid-Elektroden und verdünnter Schwefelsäure als Elektrolyt. Es findet Elektrolyse statt, das bedeutet, Wasser wird in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Dabei entweichen die Gase über die Entlüftung, auch als »Gasen« bekannt. Deshalb muss von Zeit zu Zeit der Flüssigkeitsstand kontrolliert und bei Bedarf destilliertes Wasser nachgefüllt werden.

Wartungsfreie Batterien
Ähnlich aufgebaut wie Standard-Batterien, jedoch wird Schwefelsäure mit höherer Dichte verwendet (1,32 statt 1,28 Prozent). Zudem entfällt eine Entlüftung, und die Batterie bleibt nach dem Befüllen versiegelt, d. h.: Sie darf nicht zum Flüssigkeitsausgleich geöffnet werden.

Gel-Batterie: Sie sind ähnlich aufgebaut wie die Blei-Säure-Batterien, jedoch wird hier die Säure durch verschiedene chemische Zusätze zu einem Gel gebunden. Vorteile sind ihre Kipp- und Auslaufsicherheit sowie Rüttelfestigkeit. Durch die in Gel fixierte Säure ist dieser Typ lageunabhängig einbaubar.

Vlies-Batterie: Ihr prinzipieller Aufbau ist identisch mit den Gel-Modellen, allerdings wird hier zum Binden des Elektrolyten ein Mikrovlies aus Glasfasern (AGM – Absorbed Glass Matt) verwendet. Ein Vorteil gegenüber Standard-Batterien ist die höhere mechanische Stabilität.

Reinblei-Batterie: Sie nutzen ebenfalls die AGM-Technik, als Elektroden aber eine spezielle Blei/Kalzium-Legierung. Durch den anderen Elektrodenwerkstoff wird die Gasrekombination verbessert und der Innenwiderstand der Batterie gesenkt (höherer Kurzschluss-Strom). Die Spannung steigt pro Zelle geringfügig, und bei hoher Stromentnahme knicken diese Batterien nicht so schnell ein.

Tipps & Tricks:

– Steht ein Austausch der Batterie bevor, sollte man vor dem Einbau anhand der alten Batterie Abmessungen, Typ sowie richtige Spannung/Kapazität prüfen oder im Benutzerhandbuch nachschlagen.
– Wartungsfreie Batterien nach dem Füllen mit Verschlusskappenleiste versiegeln, an ein geeignetes (Motorrad-)Ladegerät schließen und vollständig aufladen (oder längere Überlandfahrt).
– Vor dem Einbau Schrauben und Muttern beider Pole mit Säureschutzfett einfetten.
– Kabelschuhe nur handfest anziehen, um Pole nicht zu beschädigen.
– Erst den Plus-, dann den Minuspol anschließen – beim Ausbau in umgekehrter Reihenfolge vorgehen (Vermeidung von Kurzschlüssen).
– Bei Standzeiten von mehr als zwei Monaten mit geeignetem Ladegerät aufladen, beim Überwintern Batterie ausbauen und regelmäßig laden (Ladespannung min. 13,8 max. 14,4 V, Ladestrom maximal 10 % der Batteriekapazität, also bei 12 Ah höchstens 1,2 A).
– beim Laden/Lagern auf eine trockene und kalte Umgebung achten. Die Selbstentladung nimmt mit steigender Temperatur zu (Faustregel: plus zehn Grad Celsius gleich doppelte Selbstentladung).

 

TOURENFAHRER Ausgabe 01/2009


 

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