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Motorradszene

Wim Peters: Häuptling Weiße Feder

Seine Karriere begann zwar einst im Sattel einer Motocross-Maschine, doch steht der Name Wim Peters heute vor allem für Motorradfahrwerks- und -dämpfertechnologie auf allerhöchstem Niveau.

Text: Uli Böckmann / Fotos: Till Kohlmey, Wim Peters

Wim Peters

Manchmal kann eine schwere Verletzung tatsächlich auch etwas Gutes haben. Etwa, wenn man die lange Zeit der Genesung dazu nutzt, mal was ganz anderes zu machen. Oder sich auf Dinge zu konzentrieren, für die man vorher einfach keinen rechten Kopf hatte. Bei Wim Peters war das wohl so, wobei er in dem verhängnisvollen Motocross-Rennen anno ´75 bestimmt an etwas ganz anderes dachte, als er ansetzte, um einen Konkurrenten im Sprung zu überholen. Der wagemutige Einsatz wurde belohnt mit einem üblen Crash und einem ausgekugelten Bein – die folgenden 15 Monate verbrachte Wim Peters am Stock – allerdings auch am Schraubstock.

Schon seit vielen Jahren war der damals 25-jährige Holländer aus Opheusden in der nationalen Meisterschaft durchaus erfolgreich Motocross-Rennen gefahren, doch damit war es nach dem Rennunfall unweigerlich für lange Zeit vorbei. Nun war Wim Peters schon damals nicht nur ein guter Motocross-Fahrer, sondern außerdem ein sehr guter Techniker. Und wenn er nun auch bis auf Weiteres keine Rennen mehr fahren konnte, so blieb er seinem Sport dennoch sehr eng verbunden – als Entwickler und Konstrukteur.

Wim Peters
So fuhr man damals Cross-Rennen: Wim Peters bei seinem ersten Wettbewerbs-Einsatz im Jahr 1968

In den siebziger Jahren hatten vor allem die Motocross-Piloten ihre liebe Not mit der Fahrwerks- bzw. Dämpfungstechnologie dieser Tage. Nicht nur die Privatfahrer hatten alle Hände voll mit Nachbesserungen zu tun, wirklich jeder suchte nach effektiveren Lösungen. Wim Peters konnte sich nun ganz und gar auf diese Suche konzentrieren, denn als diplomierter Maschinenbauingenieur hatte er das nötige Know-how und als erfahrener Cross-Pilot auch das Wissen darum, worauf es ankommt.

Mehr als ein Jahr tüftelte er an einem optimierten Federbein, und als er sein Ergebnis dann zunächst in seinem Umfeld präsentierte, waren die ersten Testfahrten so überzeugend, dass in der Rennszene das Interesse sofort sehr groß war. So wurde auch Gerrit Wolsink aufmerksam, seinerzeit als »The Flying Dentist« in den Niederlanden ein nationaler Sportheld, der zwar mehrfach hauchdünn den WM-Titel in der 500er-Klasse verpasst hatte, sich aber dennoch ganz sicher zu den bes­ten Motocross-Piloten der Welt zählen durfte. Als auch er die Dämpfer von Wim Peters einsetzte, wuchs die Nachfrage stetig.

1977 dann, zwei Jahre nach seinem Unfall, gründete Wim Peters gemeinsam mit einem Partner die Firma »White Power«, wobei dieser Name sich geradezu aufdrängte. Die ersten Federn erhielten nämlich ihre charakteristische Farbe in einer Firma, die ausschließlich Krankenhausbetten lackiert, Weiß war dort die einzige Option. So machte man aus der Not eine Tugend und bezog diese Andersartigkeit gleich in den neuen Firmennamen mit ein. Kleiner Einschub: Erst viel später wurde offenbar, wie nah dieser Name an der kruden Terminologie rassis­tischer Umtriebe ist, Ku-Klux-Clan-Anhänger etwa tragen gerne T-Shirts mit ähnlichen Aufschriften. Ab 1991 wurde der Name »White Power« deshalb zumindest firmenseitig nicht mehr benutzt, der Markenname offiziell zusammengestutzt auf »WP-Suspension«. Aber das nur am Rande.

In den ersten Firmenjahren entstanden die Dämpfer ausschließlich für die OffroadSportfahrer. Die beharrliche und erfolgreiche Arbeit in diesem Bereich führte schon vier Jahre nach Gründung zu einem besonderen Status: WP wurde offizieller Lieferant für KTM. Genau zu der Zeit, als die Motorradkonstrukteure in der Serie vermehrt anstelle des doppelten Federbeins den Monoshock einsetzten, erhält das noch junge Unternehmen diesen wichtigen Schub. Und nun geht es richtig los: 1983 ist WP der erste Hersteller, der eine Upside-down-Gabel in Großserie produziert. »Wir waren nicht behindert von allzu vielen Kenntnissen in dieser speziellen Materie«, sagt Wim Peters heute, »und jugendlicher Übermut  kann manchmal ganz förderlich sein.« So gelang es WP, die neue Gabel in nur zehn Monaten vom Prototypen zur Serienreife zu entwickeln. Die 500er-Zweitakt-KTM des Baujahrs 1984 war damit ausgerüstet, KTM hatte 750 Einheiten dafür bestellt. Am Ende des Jahres hatten sich 1750 Modelle verkauft, was nicht zuletzt an der phänomenalen Gabel lag.

Wim Peters
Neues Logo, alte Leidenschaft: Auch als »Öhlins-Mann« wechselt Wim Peters noch 2007 das Ufer in bewährter Manier.

In diesem Jahr wurde ein weiterer wichtiger Schritt vollzogen, der in den Straßenrennsport nämlich. Und auch dort ist WP auf Anhieb erfolgreich. Die Lis­te der Weltmeister, denen WP seitdem einen ordentlichen Dämpfer zur rechten Zeit verpasste, ist lang und reicht von Toni Mang bis Valentino Rossi.

Vom Erfolg beflügelt, öffnet sich WP dann 1985 dem so genannten »After-Market«. Fortan haben also auch alle »normalen« Motorradfahrer, die mit den Fahrwerksqualitäten ihres Bikes nicht zufrieden sind – und das waren vor knapp 25 Jahren nicht wenige –, die Möglichkeit, mit WP-Teilen nachzubessern.

Wim Peters sorgt jederzeit dafür, dass es keinen Stillstand bei der Weiterentwicklung gibt, und irgendwann dringt die Nachricht von diesem innovationsfreudigen Holländer auch bis zu den Kollegen aus den Formel-1-Rennställen durch. 1994 erhält er einen Anruf vom Team Benetton-Ford, wo man sich für die anstehende Saison einiges vorgenommen hat. Die Gespräche verlaufen positiv, und so ist Wim Peters erstmals damit konfrontiert, die optimalen Federelemente für einen Formel-1-Boliden zu entwickeln. Im selben Jahr noch holt ein gewisser Michael Schumacher in diesem Auto seinen ersten Weltmeistertitel, den zweiten lässt er gleich ein Jahr später folgen – Wim Peters hat offensichtlich alles richtig gemacht. Dennoch brachte dieses überaus erfolgreiche Intermezzo im Automobil-Rennsport kein Glück. Als Schumacher zur Saison ´96 zu Ferrari wechselt, beginnt der Niedergang des Benetton-Rennstalls, die neuen Fahrer sind nicht mehr so erfolgreich, und die Sponsoren schwinden – irgendwann hat das Team kein Budget mehr. Zudem tauchen Uneinigkeiten mit dem WP-Miteigentümer, auf und Wim Peters denkt zum ers­ten Mal über einen Verkauf der Firma nach – und so kommt es dann auch: 1997, 20 Jahre nach Gründung, beginnt die schrittweise Übernahme von WP Suspension durch KTM, wobei die Mattighofener es zur Bedingung machen, dass Wim Peters noch mindestens fünf Jahre als Geschäftsführer agiert.

Später schlüpft er in die Rolle des Beraters und treibt verschiedene Spezialprojekte voran. Er baut eine neue Montagelinie auf, außerdem gelingt es ihm, BMW als WP-Kunden zu gewinnen. Dort ist er dann auch gleich in die Arbeit am elektronischen Fahrwerk ESA involviert, welches BMW in den Markt bringen will.

»Alles in allem auch eine sehr interessante und erfolgreiche Zeit, doch irgendwann ging es mir wie einem Fußballspieler, der zu lange im selben Verein ist.« 2004 stieg Wim Peters dann endgültig bei WP aus und verabschiedete sich mit ungewissem Ziel aus dem Unternehmen, welches er selber gegründet hatte. Es folgten gerade einmal drei Monate Nichtstun, dann war er schon wieder als Berater tätig, dieses Mal für ein kleines Unternehmen, welches sich auf Luftfederungen für Lkw spezialisiert hat. Doch wieder ist sein Ausflug in die automobile Welt nicht von langer Dauer, denn 2005 erhält er einen Anruf von Kent Öhlins, mit dem Wim Peters seit bald 30 Jahren eine Freundschaft verbindet, trotz der Konkurrenzsituation im Markt. Öhlins steht kurz davor, die von ihm gegründete Firma von Yamaha zurückzukaufen und will auf das Know-how von Wim Peters nicht verzichten. Und weil man sich einig wird, leitet Wim Peters heute die neue deutsche Öhlins-Niederlassung, die natürlich direkt neben der Nordschleife steht. Von hier aus werden auch viele Händler und Öhlins-Service-Center in anderen europäischen Ländern versorgt. »Die neuen Strukturen hier in Deutschland und darüber hinaus aufzubauen ist für mich Abenteuer und Herausforderung zugleich. In gewisser Weise fange ich damit wieder bei null an.« So wie er es sagt, hat man den Eindruck, dass er damit sehr zufrieden ist.

Eben ein »Hansdämpf« in allen Gassen.

Wim Peters
Moderne Zeiten: Bei der »Shamrock-Rallye« in Marokko tobt Wim Peters sich auch heute noch aus, hier bei seiner vorletzten Teilnahme 2002.

 

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