Motorrad + Technik
Batterie-Ladegeräte: Clevere Strompumpen
Man kann einiges dafür tun, damit eine Batterie nicht in der zweiten Saison schon in die Knie geht. Welches aber ist das richtige Ladegerät? Der große Test aus dem TOURENFAHRER liefert die Antworten.
Text: Dirk Köster / Fotos: Christina Güldenring
Kaum etwas wird am Motorrad so oft vernachlässigt wie die Batterie. Spätestens seit versiegelte Verschlussstopfen eine Elektrolytkontrolle überflüssig machen, kümmert sich kaum noch jemand um den Akku. Das geht vielleicht ein bis zwei Jahre gut, dann, zumeist nach der Winterpause, geht plötzlich beim Druck auf den Starter nichts mehr: »Klack-drööht-drrr und Ende«.
Jetzt erst wird irgendein Ladegerät herausgekramt und die Batterie mit neuem Saft beschickt. Klarer Fall von denkste: Batterien sind mimosenhafter als gedacht. Wer mit zu starkem Ladestrom, etwa mit dem Autolader aus dem Baumarkt, »Saft« in die Pole pumpen will, gibt der Batterie damit zuweilen den Gnadenstoß. Denn das Ladegerät muss auf die Batterie abgestimmt sein: Bei 12 Ampere Kapazität beträgt der höchste unschädliche Ladestrom 1,2 Ampere. Zehn Prozent der Kapazität sind genau richtig. Ein geringerer Ladestrom schadet dagegen nicht.

- Heiße Kiste: Keine Kühlbleche für den kräftigen Polo-Trafo.
Die gängigste Leistung bei speziellen Motorradladegeräten liegt bei 0,8 Ampere. Gut für Batterien ab 8 Ah Kapazität. Kleinere Batterien brauchen kleinere Ladegeräte oder ein Gerät, das die Batterie erkennt und den Ladestrom entsprechend herunterfährt. Ist eine 12-Ah-Batterie zu 50 Prozent entladen, dauert das Laden mit 0,8 Ampere mindestens 7,5 Stunden, um die fehlenden 6 Ampere zu ergänzen. Gerade gute Ladegeräte brauchen zuweilen länger, da deren Ladestrom nicht konstant ist, sondern den Bedürfnissen der geladenen Batterie stetig angepasst wird.
Solche »intelligenten« Ladegeräte erkennen auch sulfatierte Batterien. Beim Entladen der Batterie bildet sich Bleisulfat, das sich an den Bleiplatten ablagert. Bei rascher Wiederaufladung wird es wieder in die Säure abgegeben. Bleibt nun eine weit entladene Batterie lange ohne Ladung stehen, geht das Bleisulfat in eine kristalline Form über. Dieses Sulfat löst sich bei erneuter Ladung nicht wieder auf, die sulfatierten Bereiche der Batterie nehmen keine Ladung mehr auf.

- Saubere Sache: Im Innern des C-TEK-Ladegeräts herrscht Ordnung, das Gehäuse erwärmt sich nur minimal.
Durch spezielle Desulfatierungsprogramme geben gute Ladegeräte besondere pulsierende Ladungs- und Entladungsspitzen ab. So kann das Sulfat aufgebrochen werden, die Batterie wird zumindest teilweise regeneriert. Der beste Schutz gegen Sulfatierung bei langer Standzeit ist eine regelmäßige Ladung durch ein Ladegerät, das bei voller Batterie in einen »Erhaltungszustand« wechselt und die Batterie durch ein ständiges Wechselspiel der Ladezustände frisch hält. Dabei ist es nicht nötig, das Ladegerät über die gesamte lange Standzeit angeschlossen zu lassen. Ein sporadisches Anschließen alle sechs bis acht Wochen für ein paar Tage genügt zur optimalen Batteriepflege.
Probleme kann es bei mit Elektronik vollgestopften Motorrädern (CAN-Bus-Systeme) geben: Deren Steuergeräte werten manche Ladegeräte als elektrische Störung und fallen ins Notprogramm. Bei solchen Motorrädern sollte nur ein vom Hersteller freigegebenes Gerät verwendet werden.
Doch welches ist das richtige Gerät? Wir haben die gängigen Batterielader getestet und die Geräte in zwei Kategorien gegliedert. Einfach unten auf den jeweiligen Link klicken, dort lauern die Testergebnisse.
Steckerladegeräte
Geräte dieser kompakten Bauform bilden mit dem Stecker eine Einheit. Dabei handelt es sich um die preiswerteren Geräte im Test.
Kabel-Ladegeräte
Diese zumeist größeren und teureren Geräte sind in der Regel besser ausgestattet und verfügen über einen separaten Elektro-Anschluss via Kabel.

- Dieser Testbericht ist der TOURENFAHRER-Ausgabe März 2009 entnommen
Test Motorradbatterie-Ladegeräte
So haben wir getestet
Ladeleistung
Den Test haben wir mit 12-Volt/12-Amperestunden-(Ah)-Batterien durchgeführt. Dazu wurden die Batterien mit konstant 3,75 Ampere zwei Stunden lang entladen. Anschließend wurde die Spannung gemessen. Dann wurden die Ladegeräte nach Vorschrift angeklemmt. Die Dauer der Ladung richtete sich nach den angegebenen Ladeleistungen. Zur ermittelten Ladezeit rechneten wir einen Zuschlag von zehn Prozent, um eventuelle Test- und Messphasen der Geräte zu berücksichtigen. Waren die Batterien in der entsprechenden Zeit nicht komplett geladen, wurde die erforderliche Mehrzeit gemessen. Schließlich haben wir noch getestet, ob die Geräte in der Lage sind, eine moderne Reinblei-Batterie aufzuladen.
Entsulfatierung
Einige Geräte bieten spezielle Pflege-Programme zur Regeneration bereits sulfatierter Batterien an. Wir haben sulfatierte Batterien angeschlossen und dabei bewertet, ob die Sulfatierung vom Gerät erkannt wurde und der entsprechende Modus gestartet wurde. Eine Aussage über einen generellen Erfolg der Regeneration kann nicht gemacht werden, da ein solcher Vorgang zu stark vom Sulfatierungsgrad abhängt und der Erfolg nicht direkt messbar ist.
Stromverbrauch
Wir haben den Verbrauch der Ladegeräte beim Ladevorgang und im Leerlauf bei nicht angeschlossener Batterie getestet.
Verarbeitung und Sicherheit
Hier haben wir Kabel und deren Zugentlastung, die Klemmen und die Hitzeentwicklung beim Ladevorgang getestet. Dabei sind Temperaturen bis 50° Grad noch akzeptabel, eine höhere Wärmeentwicklung kann gefährlich werden.
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