Sie sind hier: Motorrad+Reisen

Kurs Ost 2.0

Bönen / 14.09.2009

Das war's …

Kurs Ost 2.0

100 Längengrade, 102 Tage und 22.000 Kilometer, das sind die nüchternen Fakten unserer zweiten Kurs Ost Tour. Doch hinter diesen Zahlen stecken viele Erlebnisse und Erfahrungen. Die letzten 14 Tage von der kirgisischen Hauptstadt Bishkek bis nach Hause stand die Distanzreduzierung im Vordergrund – oder einfach ausgedrückt: es ging darum, soviele Kilometer »zu fressen« wie möglich. Nathan hat dabei allerdings ein wenig auf die Bremse gedrückt.

Kurs Ost 2.0

Der Engländer ist von Sydney mit einem australischen Postmoped mit dem Namen »Dorothy« auf dem Weg nach London. Wir haben Nathan in Bishkek kennen gelernt und ihm dabei geholfen, seine Honda CB 110 für die letzten Etappen Richtung Europa fitt zu machen. Und da es zu den unangenehmsten Dingen auf dieser Welt gehört in der kasachischen Steppe allein mit einem technischen Schaden liegen zu bleiben, haben wir uns entschlossen gemeinsam Kasachstan zu durchqueren. Allerdings liegt Dorothy´s optimale Reisegeschwindigkeit bei 60 km/h, was uns eine bisdahin ungekannte Möglichkeit geboten hat, die Weite der kasachischen Landschaft mental und auch physisch zu erfahren.

Dorthy hat die 2500 Kilometer lange Strecke, bei der wir so sagenumwobene Orte wie den russischen Weltraumbahnhof Baikonur – an keinem Ort dieser Welt ist man dem Mars näher – passiert haben, mit lediglisch drei gebrochenen Speichen und einem platten Hinterradreifen überstanden. Das Problem mit den Speichen konnten wir in Aral lösen, einst eine Stadt mit Fischereihafen, heute ein Wüstenort.

Ab Russland waren wir dann wieder allein unterwegs und in weniger als einer Woche zu Hause und sind nun dabei uns wieder auf die alltäglichen Dinge einzustellen, was durch nette Post wie zum Beispiel vom Finanzamt und diverse Rechnungen sehr erleichtert wird.

Also vielen Dank an alle, die diese Tour im Internet mitverfolgt haben und wir hoffen, bei dem ein oder anderen Motorradfahrer das Interesse für diese Region geweckt zu haben, die sicher landschaftlich wie auch bürokratisch, zu den aufregendsten der Welt gehören.

Alles Gute
Claudia und Andreas

PS: Wer auf Nathan und seine Abenteuer, die er mit Dorothy erlebt hat, neugirieg geworden ist, kann seine Neugier auf www.thepostman.org.uk stillen.

Kurs Ost 2.0

Bishkek / 29.08.2009

Leaving Bishkek

Es ist soweit - endlich! Nach fast zwei Wochen in der kirgisischen Hauptstadt geht es weiter. Das neue Steuergeraet ist eingebaut und der Einzylinder rennt wieder. Auch die Visaverlaengerung fuer Kasachstan ist im Pass. Morgen duerfen wir den Steppenstart fuer weitere 30 Tage betreten. Langsamn wird es auch Zeit, dass wir weiterkommen, denn in Zentralasien macht sich der Herbst breit und es ist schon empfindlich kalt in der Nacht.

Claudia und ich hoffen, nun ohne weitere Probleme nach Hause zu kommen und sind ein wenig traurig darueber, dass wir das MRT in G.hausen wohl verpassen. Morgen gibt es dann auch wieder ein Signal, das dann hoffentlich ein wenig mehr Kontinuitaet aufweist. In 12 bis 14 Tagen werden wir dann wieder heimatliche Gefilde erreichen - so der Plan.

Gruesse aus dem zentralen Osten von
Claudia und Andreas

Kurs Ost 2.0

Bishkek / 23.08.2009

Warteschleife in Bishkek

Kurs Ost 2.0

Seit fast einer Woche sitzen wir nun in Bishkek und warten auf die Teile. Morgen (Montag, 24.08.2009) könnte das Paket kommen. Wir hoffen und dann heisst es beten, dass die F 650 auch wieder rennt. Wir sind aber sehr optimistisch - bis jetzt. Langweilig wird es nicht, in unserem Guesthouse sind 5 kleine Katzen (Waisen), um die sich kein Mensch kümmert. Auch drei Strassenköter (Die drei Tornados - wir haben sie Bruce Willis, Eddy Murphy und Vin Diesel getauft) haben entdeckt, dass bei »Sabyrbek« derzeit jemand mit einem grossen Herz für Tiere wohnt und sie jeden Morgen eine Stück Wurst abgreifen können.

Kurs Ost 2.0

Bishkek / 20.08.2009

Apollo 13 in Bishkek

Kurs Ost 2.0

Gerade jetzt, wo auf Touratech Web TV ein Beitrag ueber das SAT Tracking läuft, müssen wir passen, was die Signale aus dem Orbit betrifft, da wir in Bishkek fest haengen und vielleicht die F 650 per Fracht nach Hause schicken muessen. Was ist passiert? Auf der Fahrt von Jalal Abad zum Song Kul blieb die F 650 plötzlich stehen. Wie beim Abreisetag auf der Autobahn Anfang Juni in Deutschand. Nichts ging mehr. Zum Glück waren wir noch in der Nähe von Saschas Haus, einem Bekannten, den wir vor drei Jahren kennengelernt haben.

Kurs Ost 2.0

Einen ganzen Tag haben wir bei ihm geschraubt und versucht, den Einzylinder wieder in Bewegung zu bringen. Ohne Erfolg. Sascha hat dann für uns einen Lkw Transport von Jalal Abad nach Bishkek organisiert. Einen ganzen Tag im »Kamaz«, 550 Kilometer, 13 Stunden (incl. Mitternachts-Snacks im Haus des Fahrers). Um 3 Uhr morgens sind wir dann im Guesthouse in Bishkek angekommen. Die nächtliche Passfahrt kurz vor Bishkek (der Fahrer wurde offensichtlich bei der Abfahrt vom Heimweh übermannt), gehört zu den abenteuerlichsten Erlebnissen dieser Reise.

Kurs Ost 2.0

Gestern gab es noch einmal eine »Messkonferenz« mit den beiden Touratech Mechanikern Wolfgang Banholzer und Clemens Matejka. Die Sache hatte schon was von »Apollo«. In Niedereschach stand eine funktionierende F 650 und zusammen haben wir - soweit möglich - alle evtl. Fehlerquellen durchgecheckt. Ergebniss: defektes Steuergerät mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 %. Das Teil ist nun unterwegs nach Bishkek.

Kurs Ost 2.0

Trotzdem arbeiten wir weiter in alle Richtungen und haben Kontakt mit einigen Speditionen aufgenommen. Sollte die F 650 auch mit neuem Steuergerät schweigen, werden wir sie wohl per Fracht nach Hause schicken muessen. Aber wer weiss, vielleicht gibt es bald doch wieder ein Signal.

Grüsse aus Bishkek von
Andreas und Claudia

Kurs Ost 2.0

Osh / 14.08.2009

Pommes auf dem Pamir

Kurs Ost 2.0

Vor drei Jahren waren wir bei »Marx« und »Engels«, den beiden Sechstausendern an der afghanischen Grenze, auf dieser Reise haben wir nun »Lenin« einen Besuch abgestattet. Mit 7.135 Metern ist dieser Berg einer der Giganten im nördlichen Pamir. Bei unserer ersten Visite vor knapp zwei Wochen hat er sich noch geziert und bedeckt gezeigt. Doch bei unserer Rückkehr präsentierte sich Peak Lenin wolkenlos. Allerdings ist es nicht ganz einfach, an den Berg heranzukommen. Die Kirgisen selbst sind sich nicht einig, welcher Weg der richtige ist. So haben wir das Basislager nicht gefunden, da wir kontinuierlich auf die falsche Route geschickt wurden. Was aber nichts ausmacht, wenigstens für einen Morgen haben wir bei »Lenin« in der ersten Reihe gesessen.

Die Reise durch den Pamir selbst war ein Auf und Ab der Emotionen. Wir haben Menschen wieder gesehen, bei denen wir bei unserer letzten Tour zu Gast waren. Einigen geht es seitdem besser, andere sind noch ärmer geworden. Wie die Hirten am Koitzek-Pass - dem ersten Viertausender nach Khorog. Das Familienoberhaupt ist im letzten Winter verstorben, was den Angehörigen sehr zu schaffen macht. Das Leuchten in den Augen der Frauen, das vor drei Jahren noch deutlich zu sehen war, ist verschwunden. Die Gesichter sind heute gezeichnet vom harten und entbehrungsreichen Leben. Nur das jüngste Mitglied der Familie, ein 10 Monate altes Mädchen, steckt voller Lebenslust.

Auf der anderen Seite ist es der Familie am Akbaital, mit 4.655 Meter der höchste
Pass am Pamir Highway, in den letzten drei Jahren wesentlich besser ergangen. Aus den einst vier Personen sind inzwischen ein Dutzend geworden. Und in der Stube steht ein Fernseher und ein DVD-Recorder (wobei sich darüber natürlich streiten lässt, ob solche Dinge wirklich eine Bereicherung sind). Für die Menschen auf dem Pamir sind diese Anschaffungen allerdings ein Zeichen für Fortschritt und Wohlstand.

Eins hat sich – zum Glück - nicht geändert. Schon vor drei Jahren waren die Pommes Frites von Anara, die mit ihrem Bruder Ibrahim ein Guesthouse in Murghab betreut, eines der kulinarischen Highlights der Reise. Und auch in diesem Jahr waren Anaras Fritten wieder ein Genuss. Sie hat uns extra gefragt, ob sie für uns wieder »Kartoffel Frie« machen soll, da sich Anara daran erinnert hat, wir gut uns ihre »Fettstifte« vor drei Jahren geschmeckt haben.

Auch im Moment geht es uns ziemlich gut. Wir sitzen auf der Terrasse von Salima und Habib in Osh und lassen uns von Salimas Küche verwöhnen. Die beiden vermieten Zimmer in ihrem Haus und umsorgen ihre Gäste. Salimas Essen ist – sozusagen – noch einmal eine Stärkung, denn eigentlich sind wir schon auf dem Heimweg, und der ist mehr als 5.000 Kilometer lang.

Kurs Ost 2.0

Pamir-Gebirge / 07.08.2009

Höhenrausch

Kurs Ost 2.0

Drei Viertausender Pässe liegen hinter uns und wir sind auf dem Dach der Welt angekommen. Claudia und ich waren gespannt darauf, was sich nach drei Jahren auf dem Pamir getan hat. Eins lässt sich nach 200 Kilometer Pamir Highway sagen: Die Straße ist nicht besser geworden. Wir und die Motorräder wurden ordentlich durchgeschüttelt, dann gibt es Passagen, die sich locker mit 90 km/h fahren lassen. Nur geben einem 90 Stundenkilometer nicht viel Zeit, einen Blick in die Landschaft zu werfen. Denn die nächste Bodenwelle oder das nächste Schlagloch lassen nicht lange auf sich warten.

Claudia und ich hatten ganz vergessen, wie gewaltig die Landschaft hier oben ist. Aber es gibt auch Veränderungen, so ist der Gletscher, unterhalb vom Trapez Peak (6048 m) wesentlich kleiner geworden. Dafür steht auf fast jedem Haus in Murgab eine Sat-Schüssel auf dem Dach, obwohl der Ort noch immer auf einen Stromanschluss wartet. Aber jeden Abend brummen die Generatoren.

Einigen Menschen sind wir wieder begegnet. Dem alten Mann am Ötmök Pass, der immer noch jeden Sommer sein »Jailoo« an der gleichen Stelle aufbaut. Allerdings ist er dort oben nur noch mit einem Sohn und der Schwiegertochter. Die gesamte Familie, die vor drei Jahren noch mit im Jailoo war, bleibt mittlerweile zu Hause in Talas. Überhaupt ist uns aufgefallen, dass wesentlich weniger Jurten in den kirgisischen Bergen stehen. Die Jüngeren wollen nicht mehr das entbehrungsreiche Leben in den Sommerlagern. Richtig gefreut haben sich Salima und Habib in Osh. Vor drei Jahren haben wir eine Woche im Haus verbracht, um mein angeschlagenes Knie auszukurieren. Auch Ibrahim im Murgab hat sich gefreut, dass wir nach drei Jahren wieder Station in seinem Guesthouse machen und die gute Küche seiner Schwester Anara genießen wollen.

Die Ishkashim Route entlang der afghanischen Grenze werden wir wohl auch in diesem Jahr nicht schaffen. Unser tadschikisches Visum läuft in wenigen Tagen aus und wir müssen wieder zurück nach Kirgisien. Dann haben wir vielleicht Glück und können doch noch einen Blick auf den Peak Lenin werfen, beim letzten Versuch vor wenigen Tagen hat sich der 7134 Meter hohe Berg noch geziert und sich in den Wolken versteckt.

Wir werden noch einige Tage durch Kirgisien streifen, da wir bei der Fahrt Richtung tadschikische Grenze es zügig haben angehen lassen. Und dann ist da ja noch der 5000 Kilometer lange Heimweg durch Kasachstan und Russland, der auch noch einige Tage in Anspruch nehmen wird.

Kurs Ost 2.0

Almaty / 28.07.2009

Bye bye, Mongolei.

Kurs Ost 2.0

Seit unserem letzten Bericht, vom stürmischen Tag auf einer Passhöhe in der Nähe von Uliastaj, sind einige Tage vergangen. Wir haben am Abend eine Regenpause ausgenutzt und sind den Pass mehr heruntergerutscht als gefahren. Und wir hatten eine Ahnung davon, was im Innland der Mongolei abgeht, wenn es mal länger regnet. Unten am Fuß der Passstrasse mühten sich zwei Lkw, bergauf zu kommen. Vergeblich, die Räder fanden keinen Halt in der schlammigen Soße. Für die Fahrer hieß es warten, bis die Piste wieder halbwegs trocken ist.

Seit dem wir Ulaan Baatar verlassen haben sind wir jeden Tag unterwegs gewesen. Das Wetter war der Grund für die Eile. Immer hatten wir ein Auge auf der Piste, das andere sondierte den Himmel. Das Wetter war ein Problem auf unserem Weg Richtung Westen und so manches Mal sind wir nur knapp einem heftigen Gewittersturm entkommen. Kurz hinter dem Ort Altai, an der Mongolei Südroute, hat es uns doch erwischt. Beim Aufbau des Zeltes fing es an, innerhalb von Sekunden brach der Sturm los. Das Zelt hatte es ordentlich verweht und Claudia musste sich ins Zelt setzen und die Stangen abstützen. Während ich versucht habe unsere Habe in Sicherheit zu bringen. Nach einer halben Stunde war alles vorbei und unsere Behausung voller Sand.

Kurs Ost 2.0

Zum Glück trocknet die Piste am Rand der Gobi Wüste schnell ab. Am nächsten Tag waren nur noch ein paar Pfützen übrig. Landschaftlich ist die Südroute durch die Ausläufer der Gobi kein Highlight (zumindest zwischen Altai und Khovd). Wir waren froh, dass wir einen Teil unserer Route Richtung Westen durch das Landesinnere gefahren sind. Der erste Teil von Ulaan Baatar bis Altai war eine Herausforderung für unsere Augen, der zweite Teil von Altai nach Khovd eine Herausforderung für unsere Körper und für die Motorräder. Der dritte Teil, von Khovd bis zur Grenze, nahm alles in Anspruch.

Kurs Ost 2.0

In Ölgji haben wir Jaques getroffen. Ein Belgier, der mit einer 25 Jahre alten BMW R 800 G/S unterwegs ist. Er hatte seine Tour durch die Mongolei abgebrochen. Der 62 jährige, an multiple Sklerose erkrankte Mann, hatte für sich entschieden, dass die Anforderungen, die die Mongolei an ihn gestellt hatte, zu groß für ihn waren. Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen und es gehört schon eine ordentliche Portion Charakterfestigkeit dazu, nach Monaten der Planung und der langen Anreise letztendlich zu sagen: „Die Pisten sind zu heftig für mich, ich kehre um.“ 

Kurs Ost 2.0

Drei Tage waren wir mit Jaques unterwegs und hatten viel Spaß zusammen. Zum Beispiel mit den drei mongolischen Hirten, die am letzten Lagerplatz vor der Grenze zu unseren Zelten kamen. Sie wären am liebsten mit ihrer Herde bei uns eingezogen, um nichts zu verpassen. Alles wurde akribisch beobachtet, untersucht und probiert. Ihnen schmeckten unsere Nudeln mit Soße ebenso wenig wie uns der gekochte Hammel. Aber es half nichts, die Burschen mussten da durch.

Der „Borderday“ am nächsten Tag war relativ relaxed. Nach einer halben Stunde waren wir durch den mongolischen Zoll. Bei den Russen dauerte es, wegen der Mittagspause, drei Stunden. Die Einreise lief dann doch nicht ohne Fauxpas ab, hatten wir doch glatt vergessen die Registrierungskarte abzugeben. Das entsprechende Büro dafür befand sich 300 Meter hinter dem letzten Schlagbaum. Wir haben gedacht, das war´s und ordentlich Fahrt aufgenommen. Nach einigen Kilometer hat uns dann ein Auto gestoppt und zurück beordert. Der junge Mann war über den spontanen Einsatz, den er für sein Land absolvieren musste, nicht gerade erfreut. Er sprach sogar von Gefängnis. Aber warum machen es die Russen so kompliziert? Platzieren 300 Meter hinter dem letzten Schlagbaum eine Baracke, an der ein kleines Schild klebt, das Menschen mit westlicher Bildung normalerweise sowieso nicht lesen können.

Kurs Ost 2.0

Das Altai Gebirge haben wir in drei Tagen hinter uns gelassen, ein schöner Fleck auf diesem Planet, der Schweiz nicht unähnlich. Dann hieß es Abschied nehmen von Jaques und zwei Tage später standen wir an der kasachischen Grenze. Am selben Übergang, an dem wir vor drei Jahren 12 Stunden verbracht haben. Leider mussten wir feststellen, das die Geschwindigkeit der Abfertigung sich nicht geändert hat. Die Russen sind bei ihrem System geblieben: drei Fahrzeuge pro Stunde. Nach vier Stunden waren wir an der Reihe. Wie immer stimmte irgendetwas mit den Zolldokumenten für das Fahrzeug nicht, aber dieses kleine Problem konnte Claudia argumentativ schnell lösen. Was die Bürokratie betrifft ist die Weltmacht Russland bisher nicht über den Status eines Entwicklungslandes hinaus gekommen.

Kurs Ost 2.0

An der kasachischen Grenze haben wir Toni mit seiner GS 1150 getroffen. Die Russen haben ihn in 20 Minuten abgefertigt, weil sie gedacht haben, er gehört zu uns. Beim Zoll kamen uns noch zwei Norweger entgegen, die sich mit zwei 70 Jahre alten „Nimbus“ Gespannen auf Weltreise befinden. Ein solch geballtes Aufkommen an Motorräder erleichtert den Grenzübertritt ungemein. Die Kasachen waren hin und weg und schwupps, waren wir im Land.

Seit dem haben wir ordentlich Kilometer gemacht. Sind nun in Almaty, Toni ist immer noch bei uns und heute gab es neue Lager für das Vorderrad an der F650. Morgen geht es Richtung Kirgisien. Und nach einem kurzen Abstecher nach Bischkek, hoffen wir in ein paar Tagen an der tadschikischen Grenze zu stehen.

Kurs Ost 2.0

Kurs Ost 2.0

Uliastaj / 16.07.2009

Schlechte Pisten, wilde Yaks und Regen

Kurs Ost 2.0

Der lange Aufenthalt in Ulaan Baatar war nicht geplant, aber nach dem Einbau der neuen Hinterrad-Felge bei der F 650 und dem Reifenwechsel ist jeden Tag etwas passiert. Zunächst haben wir noch Otto Lindenau getroffen. Dann kam Marko, der sich gerade auf einer Weltreise mit seiner XT 600 befindet. Es gab viel zu erzählen und einen gemeinsamen Schraubertag. Sich in der Gruppe die Hände schmutzig zu machen macht einfach mehr Spaß.

Kurs Ost 2.0

Am Mittwoch letzter Woche standen wir dann wieder reisfertig vor dem Tor, als ein kleiner Lkw hielt. Aus dem Führerhaus quetschte sich ein 1,90 Meter Mann, der dort zusammen neben dem Fahrer noch mit zwei weiteren Personen gesessen hatte. Auf der Laderampe eine BMW R 1200 GS Adventure mit defektem Federbein und plattem Hinterrad. Axel ist im Dienst einer guten Sache unterwegs. Doch nun war sein Projekt „Kilometer für Kinderleben“ in Gefahr. Das neue Federbein war schon auf dem Weg nach Ulaan Baatar, wie auch seine beiden Reifen. Unsere Erfahrungen beim Zoll könnten ihm von Nutzen sein. Doch es kam alles anders. Die Reifen hatte er über private Kontakte in die Mongolei geschickt und der Satz TKC-Reifen sollte auch schon in der Stadt sein. Doch der „Kontakt“ erwies sich nicht als zuverlässig. Die Dame, die alles für Axel in Ulaan Baatar arrangiert hatte, wollte die Reifen ins Oasis bringen, doch tauchte sie dort nie auf.

Kurs Ost 2.0

Auch das Federbein hatte Axel über private Kontakte nach Ulaan Baatar schicken lassen. Eine andere junge Dame hat es ihm bei ihrer Heimreise aus Deutschland mitgebracht. Am Donnerstag konnten wir dann gemeinsam das neue Federbein einbauen und den Reifen flicken, so dass Axel wieder Kilometer für die Kinder machen konnte.

Freitag war dann der endgültige Abreisetag. Ein schwerer Abschied von Sybille und René, bei denen wir uns sehr wohl gefühlt haben. Mit Otto und Marko haben wir dann noch eine Nacht einige Kilometer vor der Stadt gezeltet. Ulaan Baatar selbst war dabei überzukochen. Das Naadam-Fest stand an, und da sind alle Mongolen in Aufruhr. Der wichtigste Feiertag im Jahr lockt viele Menschen in die Stadt. So haben wir für die 20 Kilometer lange Durchquerung der Stadt mehr als zwei Stunden gebraucht.

Kurs Ost 2.0

Am nächsten Tag hieß es dann auch Abschied nehmen von Otto und Marko. Beide machten sich auf den Weg nach Ulan Ude in Russland. Das Wetter war nicht besonders gut, immer wieder gab es Schauer, und Nässe ist keine gute Voraussetzung für eine Motorradtour auf mongolischen Pisten. Doch zunächst mussten wir uns darüber keine Sorgen machen. Wir waren auf bestem Asphalt unterwegs, konnten die Motorräder richtig laufen lassen. Allerdings war dieser Spaß schnell vorbei. Ein großer Erdwall blockierte die Straße, und von nun an ging es auf Lehmpisten rechts und links der Hauptroute Richtung Westen. An der eigentlichen Straße wird fleißig gebastelt, und damit niemand den glattgezogen Schotter wieder löchrig macht, wird der Verkehr auf die Nebenpisten verbannt.

Kurs Ost 2.0

Natürlich fing es dann an zu regnen. Die Löcher füllten sich schnell mit Wasser und es gibt so viele, dass sie sich gar nicht alle umfahren lassen. Irgendwann wurde die Sache so rutschig, dass wir wieder auf die Hauptpiste abgebogen sind, die sich aber auch inzwischen in eine üble Wellblechstrecke verwandelt hat. Von Bauarbeiten keine Spur mehr.

Zwei Slowaken auf einer BMW R 1200 GS und einer F 650 kamen uns entgegen und zeichneten ein düsteres Bild unserer Weiterreise. Die Piste würde noch schlechter und weiter im Westen würde es nur regnen - sie hätten es nur mit sehr viel Mühe bis kurz vor Ulaan Baatar geschafft. Freude auf die Mongolei sieht anders aus. Doch kaum hatten wir einige Kilometer gemacht, da hörte der Regen auch schon wieder auf. Allerdings hatten wir die Hauptpiste aus den Augen verloren. Querfeldein ging es dann wieder zur Piste, die dann, welch eine Überraschung, mit bestem Asphalt bedeckt war, was sich bis zu unserem ersten Ziel, dem Kloster Erdene Zuu Khiid bei Karakhorin, nicht ändern sollte. Erdene Zuu ist das älteste buddhistische Kloster, in dem bis zu 1000 Mönche gelebt haben.

Auch nach Karakhorin sorgte die Piste immer wieder für Überraschungen. Mal ging es auf gutem Schotter weiter, dann folgten wieder einige wenige Kilometer bester Asphalt. Wir hatten andere infrastrukturelle Bedingungen erwartet. Diese Erwartungen haben sich dann auch nach dem Ort Khotont erfüllt. Wellblech, Schlaglöcher, grober Schotter - erst kurz vor Tsetserleg wurde es ein wenig besser.

Die Route, die wir uns ausgesucht hatten, führt durch die Mitte der Mongolei, ist touristisch kaum erschlossen. Landschaftlich erinnert diese Gegend an ein europäisches Mittelgebirge mit sanften, bewaldeten Hügeln. Dann öffnet sich die Landschaft zu einer weiten Ebene, in der zahlreiche Gers (Jurten) stehen und Yaks grasen, die jedoch noch nicht mit dem Verkehr vertraut sind. Auch bei noch so zarter Handhabung des Gasgriffes (wir haben immer versucht, so geräuschlos wie möglich an den Tieren vorbeizufahren) rennen sie wild kreuz und quer über die Piste.

Kurs Ost 2.0

Wir haben nun die Khangai Nuruu Bergregion erreicht und gehofft, einen Blick auf den Otgon Tenger Uul werfen zu können. Leider hat sich der 3.905 Meter hohe heilige Berg der Mongolen in dicke Wolken gehüllt, in denen wir auch festsitzen. Den ganzen Tag hat es heute (16.07.2009) gestürmt. Wir sitzen auf 2.600 Meter Höhe auf einem exponierten Platz. Gestern war die Aussicht in das Tal, in dem der Ort Uliastai liegt, noch klar und schön, heute können wir nicht einmal den nächstgelegenen Hügel erkennen, zudem regnet es ohne Unterlass und in unserem kleinen Zelt hat sich eine feuchte Atmosphäre entwickelt. Wir hoffen, dass das Tiefdruckgebiet, das von China herüber weht, sich morgen wieder verzogen hat, sodass wir weiter nach Altai und von dort auf der Südroute weiter Richtung Westen fahren können.

Wir sind in gespannter Erwartung, wie die Piste morgen ist, schließlich haben wir schon einmal Bekanntschaft mit nassem Lehm gemacht, und das war eine sehr schlüpfrige Sache. Wir werden sehen.

Kurs Ost 2.0

Kurs Ost 2.0

Ulan Bataar / 08.07.2009

Reisende soll man nicht aufhalten – oder doch?

Kurs Ost 2.0

Wir hängen immer noch in der Hauptstadt der Mongolei und kommen einfach nicht weiter. Es ist kein technischer Defekt, der uns aufhält, die Felge ist montiert und die Reifen sind aufgezogen. Alles bestens. Doch am Montag waren wir schon reisefertig, da stand Otto vor dem Oasis-Tor. Schon beim letzten Touratech-Event in der Schweiz hatten wir, beim Vergleich der geplanten Routen, die Möglichkeit in Erwägung gezogen, uns irgendwo unterwegs zu treffen und in Ulaan Baatar hat es geklappt. Klar, dass wir am Montag nicht weiter gefahren sind, denn es gab einiges zu erzählen. Gestern kam Marko mit seiner XT. Er will weiter nach Vladiwostok und dann die Panamericana fahren. Doch bevor er sich wieder auf den Weg machen kann, braucht sein Einzylinder ein wenig Aufmerksamkeit. Und da ich mich nach 180.000 Ténéré-Kilometern ein wenig mit dieser Single-Technik auskenne, ist er für jeden Tipp dankbar.

KURS OST 2.0

Heute waren wir wieder bereit für die Abfahrt, die BMW's waren gepackt, da erreicht Axel das Oasis. Im Westen der Mongolei ist das Federbein seiner BMW R 1200 GS Adventure ausgefallen. Fast zwei Tage hat er gebraucht - mit samt dem Boxer - auf einem LKW nach Ulaan Baatar zu kommen. Die Ersatzteile sind schon geordert und dem Berliner können unsere bereits gesammelten Erfahrungen beim mongolischen Zoll evtl. hilfreich sein. Axel will unbedingt weitermachen, denn er ist für einen guten Zweck unterwegs. Mit seinem Projekt "Kilometer für Kinderleben" (www.kilometer-fuer-kinderleben.de) unterstuetzt er kranke Kinder in einer Berliner Krebsklinik. Allerdings ist sein Terminplan ziemlich eng. Fuer die Strecke Berlin - Ulaan Baatar - Berlin hat er nur vier Wochen Zeit, da kann ein kaputtes Federbein den Zeitplan schon ziemlich durcheinander bringen.

Morgen wollen Claudia und ich früh aufbrechen, um weitere Treffen mit anderen Motorradfahrern zu vermeiden – sonst müssen wir am Ende noch einen Tag in Ulaan Baatar bleiben.

Der nächste Beitrag kommt dann - hoffentlich - aus der mongolischen Steppe.

Kurs Ost 2.0

Kurs Ost 2.0

Etappe: Baikalsee - Ulan Bataar / 02.07.2009

Zwischen Felgenbruch und Schwarzwälder Kirsch

Kurs Ost 2.0

Die Abreise vom Baykkonur war ein Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite waren wir froh, endlich wieder unterwegs zu sein, zumal der letzte Clubabend hatte schon etwas extreme Formen angenommen hatte. Bis um 7 Uhr in der Früh Musik, einige Mitglieder fanden einfach kein Ende. Zum anderen haben wir uns, trotz der manchmal exzessiven Lautstärke, sehr wohl gefühlt bei den sibirischen Bikern und der Abschied war nicht leicht. Es war einer der Momente, die ich auf Reisen nicht mag: netten Menschen Lebewohl zu sagen, mit der Gewissheit, dass man sie wahrscheinlich nicht wiedersieht.

Die Tour entlang des Baikalsees war dann nicht ganz so spektakulär, wie es der Blick auf die Karte erwarten ließ. Bei Kultuk bietet sich noch ein schöner Blick auf das süd-westliche Ende des Sees mit dem kleinen Ort, doch danach verschanzt sich der Baikal meist hinter Wäldern und der Transsibirischen Eisenbahn. Dennoch, die Suche nach einem schönen Zeltplatz wurde von Erfolg gekrönt: ein kleiner Feldweg, ein kleiner Tunnel unter den Schienen hindurch und schon waren wir am Strand. Nur haben die Russen leider die Angewohnheit, sich nicht mit unnötigen Dingen zu belasten. Alles, was nicht mehr gebraucht wird, bleibt an Ort und Stelle zurück. So auch harte Gegenstände wie Draht, der sich nur allzu gern in Reifen bohrt. Diesmal hatte es das Hinterrad der F 650 erwischt. Der Platten war eigentlich eine glückliche Fügung des Schicksals, denn bei der näheren Betrachtung der Felge war darin ein heftiger Riss zu sehen. 15 cm lang, auch viele Speichenaufnahmen waren gerissen. Unter all dem Dreck waren die Brüche mit einem flüchtigen Blick kaum zu erkennen, Doch beim Ausbau des Rades offenbarte sich der ganze Schaden.

Also konnten wir gleich zu den Reifen, die nach Ulaan Baatar geschickt werden sollten, gleich noch eine Felge dazulegen lassen. Allerdings hatten wir bis zur mongolischen Hauptstadt noch einiges an Kilometer zu bewältigen und die kommenden 800 km waren nicht von besonderem Fahrspaß geprägt. Der Riss wurde auf dem Weg nach Ulaan Bataar länger und länger jedes übersehene Schlagloch trug seinen Beitrag dazu bei.

Kurs Ost 2.0

Kurz hinter Ulan Ude sind wir dann auf zwei Motorradfahrer gestoßen, jedoch war das Zusammentreffen mehr als flüchtig. Ich konnte gerade noch meinen rechten Blinker setzen und anhalten, da waren die beiden BMW-Boxer auch schon vorbei. Der Blick über die Schulter reichte gerade noch, um zu erkennen, dass die Nummernschilder aus Deutschland waren. Die Zeiten bei Motorradfahrern auf Tour haben sich wirklich geändert. Reisen unter Termindruck. Wahrscheinlich waren die beiden so genannte »Vierwochenfahrer«, die auf ihrer Tour Richtung Osten um jede Minute und jeden Kilometer kämpfen müssen.

Der Grenzübergang verlief unproblematisch. Zwei Stunden, und wir waren in der Mongolei. Nur die Russen monierten die vergessene Registrierung. Diese Angelegenheit, die vor einigen Jahren noch in massivem Ärger hätte ausarten können, wurde an der Grenze mit dem höfflichen Hinweis, es beim nächsten Mal bitte nicht zu vergessen, beigelegt.

Kurs Ost 2.0

Auf der mongolischen Seite gab es viele Stempel, freundliche Hilfe und eine zügige Abfertigung. Letztendlich haben wir es bis Ulaan Baatar geschafft und sind im Oasis gelandet. Sybille und René haben wirklich eine Oase für Traveller in der Stadt geschaffen. Die letzten 20 km waren die schlimmsten. Die Fahrt durch die City ist die pure Wühlerei durch Blech und Abgase.

Gestern dann ein Besuch im DHL-Büro. Das neue Hinterrad und der Reifen für die F 800 sollen heute eintreffen, dann müssen die Teile nur noch durch den Zoll, was unter Umständen ein wenig dauern kann. Aber diese Zeit lässt sich mit Sybilles Schwarzwälder Kirsch-Torte hervorragend vertreiben.

Kurs Ost 2.0

Kurs Ost 2.0

Etappe: Moskau-Baikalsee / 25.06.2009

Abhängen mit den Bad Boys …

Kurs Ost 2.0

Nach mehr als 7000 Kilometern haben wir Irkutsk erreicht. Die letzten 1000 Kilometer waren nicht wirklich lustig. Drei Grad am Morgen, die sich dann immerhin auf 6 Grad im Laufe des Tages gesteigert haben. Und es gab Regen, manchmal gemischt mit Schnee. Doch nun haben wir das »Paris des Ostens« erreicht. Untergekommen sind wir im »Baykkonur«, was nichts mit dem kasachischen Weltraumbahnhof zu tun hat, sondern für Bayk (Motorrad) und Konur (sibirisches Wort für: kleines Haus) steht.

Wir haben uns beim Motorradclub von Irkutsk eingemietet. Die Jungs haben es nicht so mit Enduros, ihre Welt sind mehr die Chopper, Harleys und Goldwings. Sie lieben es in ihren Kutten herumzulaufen und Party zu machen. Wir haben diesen Unterschlupf noch rechtzeitig erreicht, um beim wöchentlichen Clubabend mit Lifemusik und viel Wodka dabei zu sein. So etwas kommt erst in den frühen Morgenstunden zum Ende. Gegen 5 Uhr kehrte Ruhe ein. Aber nach fast 500 Kilometern in Regen und Kälte ist einem das ziemlich egal. Zudem die Band sehr gut war und wir sehr überrascht waren, dass russische Motorradfahrer nicht unbedingt auf Heavy Metal stehen, sondern auf guten Blues und Irish Folk – bei dieser Art von Musik lässt es sich gut schlafen.

Die Burschen sind sehr nett, erkundigen sich ständig, ob alles in Ordnung ist und wie sie uns helfen koennen. Zudem ist die Unterkunft sehr günstig und nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Obwohl es mich schon manchmal wundert, dass das Anwesen besser gesichert ist als das Bundeskanzleramt in Berlin. Aber das gibt uns die Gewissheit, dass die Motorräder sicher untergebracht sind.

Unten gibt es noch ein paar Bilder letzten Tage zu sehen.

Als nächstes wollen wir dann zum Baikal auf die Insel Olchon, dort werden wir ein zwei Tage verbringen und uns dann in Richtung Mongolei aufmachen.

Bis dahin!

PS: Zwischen Kansk und Irkutsk ist der sibirische Highway ein 1000 Kilometer langer horizontaler Marterpfahl …

Kurs Ost 2.0

Etappe: Moskau-Baikalsee / 15.06.2009

Viele Kilometer, Umwege und eine Grenzverletzung.

Seit unserer Abfahrt aus Deutschland haben wir mehr als 5.000 Kilometer herunter gespult, sind nun kurz vor Novosibirsk und immer noch mehr als 2000 Kilometer von unserem ersten Etappenziel, dem Baikalsee entfernt. Wir wären sicher schon einige Kilometer weiter, wenn wir uns manchmal nicht selbst das Leben schwer machen würden und allzu blauäugig mit den Aussagen der Staatsdiener umgehen würden. Denn zwischendurch haben wir Russland einmal kurzfristig verlassen. Eine dumme Sache, alle Hinweise auf dieses Desaster haben wir sehenden Auges ignoriert.

Eigentlich lief es super an diesem Tag. Die Straße war gut, der Verkehr auf dem Sibirischen Highway hatte endlich ein wenig nachgelassen und die Kilometer rollten dahin. Wir wussten um die ca. 300 Kilometer, die diese Straße durch Kasachstan führt. »Transit moschna« hat es immer wieder geheißen, selbst an der Grenze hatten uns die Zöllner versichert, dass es durch Kasachstan ein Transitvisum gibt. Gibt es auch, aber nur für Russen, diesen kleinen Zusatz hatten sie ganz vergessen zu erwähnen.

Als uns erste leise Zweifel kamen, war es schon zu spät. Wir waren komplett aus Russland ausgereist, mit allem drum und dran. Das an diesem Tag etwas richtig schief lief, haben wir dann an der kasachischen Grenze erkannt. Dutzende Trucker begehrten um Einlass nach Kasachstan. Dazwischen lethargische Pkw-Fahrer, wohlwissend, was sie in den nächsten Stunden erwarten wird. Claudia eingeholte Erkundigungen am Schlagbaum waren allerdings vielversprechend. Sie traf auf zwei Grenzposten, die sehr gut Deutsch sprachen, einen Blick in den Pass warfen und ihr versicherten, dass es ein Transitvisum gibt. Nur der Vorgesetzte der Beiden war nicht begeistert von der familiären Stimmung, die sich da in seinem Büro verbreitete, da er dem Gespräch nicht folgen konnte. Das Gespräch störte offensichtlich seine internen Arbeitsabläufe, er fürchtete um seine „Geschenk“. Seinen Hinweise darauf, erwiderte Claudia mit der etwas flapsigen Bemerkung: „ Das ist aber nett, dass es bei der Einreise in die Republik Kasachstan für den Besucher ein Geschenk gibt“. Eine Aussage, die uns bei der Bewältigung der ersten Hürde im kasachischen Einreiseprozedere nicht hilfreich sein sollte. Für den Burschen gab es kein Geschenk, für uns dafür kein Weiterkommen. Was uns allerdings die Zeit gab, die Nebenerwerbstätigkeiten des Herren zu studieren. Wer bereit war einige Rubel oder Tenge zu opfern, der kam in den Genuss einer bevorzugten Behandlung, um die ihn die mittellosen oder korruptionsablehnenden Reisenden nur beneiden konnten.

Fast zwei Stunden mussten wir warten und dabei so manchen Spätankömmling an uns vorbeiziehen sehen. Dann durften wir fahren. Claudia preschte los, ohne zu beachten, dass der Schlagbaum noch nicht geöffnet war. Die Lücke zwischen dem Ende der Schranke und der anderen Straßenseite war groß genug, dass ein Motorrad dort durchpasste. Mich hatte ein Autofahrer auf den dritten Platz zurückgeworfen und musste warten bis der Schlagbaum sich ganz öffnete.

Ihre spontane Fahrbereitschaft brachte Claudia ein Einzelgespräch mit dem Chef der „Türsteher“ ein. Unter einem Vorwand – sie hätte einen Stempel vergessen – wurde sie zurück zitiert. Ahnungslos tappte sie in die Falle. Allein mit dem Burschen im Büro wurde ihr der Gesetzestext vorgelesen und erläutert. Zusammengefasst sah die Lage so aus: „Die Grenze nach Kasachstan darf nur bei geöffnetem Schlagbaum überschritten werden. Wer das missachtet, begeht eine Grenzverletzung, die mit Gefängnis bestraft wird.“ Und der Bursche hatte recht, die Schranke war unten und der Text in den Vorschriften war eindeutig. Claudia hatte keine Wahl. Er wollte nun sein Geschenk, um die Sache zu vergessen und Claudia musste es ihm geben und da sie sich nicht von Anfang an an seine Spielregeln gehalten hat, musste es auch etwas größer ausfallen. Mit 1000 Rubel ( ca. 25 Euro) war sie dabei. Er hatte die Falle gestellt und wir sind hineingetappt. Ein Transitvisum gab es auch nicht. Wir mussten wieder zurück. Die Rück - Einreise nach Russland dauerte drei Stunden. Und diesmal wurde ein Grüne Versicherungskarte verlangt, ohne die die Motorräder hätten nicht einreisen dürfen. Gegen 2 Uhr am Morgen waren wir durch, inzwischen hatte es angefangen zu regnen und wir waren froh, im Bett in einem Motel direkt an der Grenze zu liegen.

Zum Glück gibt es eine neue Straße, die ca. 70 km vor der Grenze Richtung Ishim abzweigt, so mussten wir wenigstens nicht die 200 Kilometer zurück nach Korgan. Übrigens: Auf der ganzen Strecke gibt es keinen Hinweis auf die Grenze.

Lange geärgert über unsere Blauäugig- und Vertrauensseeligkeit haben wir uns nicht. Zwar haben wir einen Tag verloren, aber endlich sind wir in Sibirien und freuen uns darauf, in ein paar Tagen am Baikalsee zu sein, wo wir dann unseren Vorwärtsdrang von ca. 600 Kilometer am Tag stark bremsen werden.

Ach ja – an die Buk Schwestern: die Müsli Riegel waren schon vor Kiel alle, einige Pflaster haben auch schon ihren Zweck erfüllt und das duftige Tuben Waschmittel sowie der Mückenstift kamen schon mehrfach zum Einsatz, und Hakle Feucht ... na ihr könnt es euch bestimmt denken.

Etappe: Moskau-Baikalsee / 11.06.2009

Alles ganz anders …

Es ist nicht mehr kalt, im Gegenteil, mit jedem Kilometer, den wir mit den Motorrädern Richtung Osten fahren, wird es wärmer. Mit den Motorrädern? Sollte es nicht mit der transsibirischen Eisenbahn Richtung Baikalsee gehen? Ja, sollte es auch und gestern sah es zunächst auch sehr gut aus. Nach ein paar Extraschlenkern durch Moskau (die Ausschilderung in der Stadt ist einfach katastrophal) hatten wir den Standort der Spedition »Sibline« auch gefunden. Der eine oder andere Mitarbeiter erinnerte sich sogar an uns. Auch ein Zug stand dort, der am nächsten Tag nach Krasnojarsk losfahren sollte. Schwupps, standen die Motorräder eingekeilt und für die Fahrt festgezurrt im Waggon. Alles lief wunderbar und perfekt – zu perfekt.

Denn als es ans Bezahlen ging, kam der Schock: Die Chefin machte uns eine Rechnung von 51.500 Rubel, ca. 1.200 Euro auf. Vor drei Jahren hatten wir für die gleiche Distanz nur in umgekehrter Richtung ca. 40 Euro bezahlt. Nun waren wir nicht so blauäugig, dass wir mit dem gleichen Preis gerechnet hätten, unsere Schätzungen lagen allerdings schlimmstenfalls bei 300 bis 400 Euro. Preislich wollte sich die Dame jedoch nicht mehr bewegen. Ihre Argumente waren einleuchtend. Von Moskau nach Krasnojarsk würden mehr Güter transportiert als umgekehrt und deshalb sei der Preis höher. Und zudem ließe sich auf unseren Motorrädern nichts mehr stapeln, darum müsse sie das Volumen bis zur Waggondecke berechnen. So weit so gut. Aber der Waggon, in dem die Motorräder standen, war leer. Bis auf ein paar Holzlatten und 10 handliche Päckchen war nichts drin.

Claudia redete auf die Frau ein, sie möge doch den Kilopreis nehmen und nicht das Volumen berechnen, so wie es ihre Kollegen vor drei Jahren in Krasnojarsk getan haben. Wegen der »Nichtbestapelbarkeit« könne sie den Preis auch verdoppeln und das Gewicht großzügig berechnen. Unser Angebot lag damit bei 500 Euro. Doch es war nichts zu machen.

Ihr Entgegenkommen lag bei 40.000 Rubel, immer noch 950 Euro. Zu teuer, da zu diesem Preis noch unsere Zugfahrt nach Krasnojarsk hinzugerechnet werden muss. Damit hätten Transport und Zugreise bei ca. 1.300 gelegen. Die Sache endete damit, dass wir die Motorräder aus dem Waggon herausgeholt haben und nun auf dem Transsibirischen Highway die Kilometer herunter rattern. Seit Moskau haben wir schon 750 Kilometer geschafft, den Rest kriegen wir auch noch rum. Morgen hoffen wir bis Ufa zu kommen und wären damit schon am Ural. Es sieht also gar nicht so schlecht aus. Nur die Reifen leiden ziemlich auf den miesen Straßen, dafür haben wir, bis auf den mordsmäßigen LKW-Verkehr, freie Fahrt – bisher hat uns noch keine Polizeistreife gestoppt, hoffen wir, dass es auch so bleibt!

Etappe: Kiel, Klaipeda, Rezekne (Lit) / 05.06.2009

Kaltes Baltikum, viel Regen und ein Schock.

Irgendwie will diese Reise nicht so richtig in die Gänge kommen. Die Fähre in Kiel haben wir gerade so eben noch, quasi eine Minute vor Abfahrt erreicht, da wir rund um Hamburg einige längere Staus zu bewältigen hatten. In Klaipeda dann der zweite große Schock dieser Tour. Der Druck auf den Anlasserknopf bleibt ohne Reaktion. Wieder ist es die F 650. Zweiter, dritter, vierter Versuch – Nichts. Der Motor bleibt stumm. Es passiert gar nichts. Zum ersten Mal überhaupt muss ich mein Motorrad von einer Fähre schieben. Eine Chance, den Einzylinder doch noch zum Laufen zu kriegen, ist das Ausnutzen der Hangabtriebskraft. Die Motorräder stehen auf dem Zwischendeck und die Rampe ist steil, aber auch glitschig. Dummerweise steht das Motorrad am anderen Ende. Bis zur Rampe sind es gut 80 Meter. Es werden verdammt lange 80 Meter, auf denen mich die Blicke der anderen Passagiere, die schon in ihren Autos sitzen, dazu anstacheln, diese Strecke ohne Absetzen zu bewältigen.

Doch auch die Hangabtriebskraft hilft nicht weiter. Der Einzylinder zündet nicht. Es ist der Mix aus purer Resignation angereichert mit einem Hauch real existenter Wut, mit dem ich auf den Startknopf poche. Und da regt er sich doch, der Motor. Läuft einmal durch. Danach wieder nichts. Doch letztendlich siegt die Beharrlichkeit, die F 650 knattert. Jetzt nur nicht mehr ausgehen lassen. Klaipeda schaffen wir ohne Probleme. Nur am Zeltplatz geht sie an der Rezeption aus. Erst mehrmalige Versuche den Startknopf zu drücken, bringen Erfolg. Noch bevor das Zelt steht blase ich eine gehörige Portion Kontaktspray in die rechte Lenkerarmatur. Das Zeug entwickelt sich langsam zum Wundermittel dieser Reise. Seit dem funktioniert der Starter tadellos. Vielleicht lag es am Regenguss, der uns auf den letzten Autobahnkilometern vor Kiel noch abgefangen hat.

Wir werden sehen. Denn gestern haben uns gleich ein Dutzend heftiger Regengüsse auf der Fahrt nach Rezekne (nahe der russischen Grenze) erwischt. Die Fahrt war anstrengend, 540 Kilometer, bei gerade 9 Grad Celsius und durchnässt. Da waren wir froh, am Ende des Tages eine Hütte beziehen zu können, in der Claudia und ich jetzt immer noch sitzen. Draußen regnet es weiter, die Temperaturen sind auf 7 Grad Celsius gefallen und unsere Klamotten werden nur langsam trocken. Also haben wir einen Tag Pause eingelegt. Vor Montag können wir in Moskau sowieso nichts machen und bis dorthin sind es noch knapp 650 Kilometer. Es sollte also kein Problem sein, am Montag im Laufe des Vormittages bei der Spedition anzuklopfen.

Aber wer weiß, es gab ja schon einige Überraschungen auf dieser Tour. Drückt uns jedenfalls die Daumen, dass der Transport der Motorräder per Bahn nach Sibirien relativ reibungslos klappt. Wie es im Endeffekt gelaufen ist, gibt es dann beim nächsten Mal.

hier der Bericht vom holprigen Start der Reise


Kurs Ost 2.0

Claudia und Andreas »Hülsi« Hülsmann berichten hier von ihrem Motorradreise-Projekt »Kurs Ost 2.0«, einer Reise über insgesamt 13.000 Kilometer, die sie u.a. an den Baikalsee und ins Pamir-Gebirge verschlagen wird. Rund 100 Tage haben sie dafür eingeplant, der Start erfolgte am 3. Juni. Sie bestreiten die Reise auf einer betagten BMW F 650 und einer brandneuen BMW F 800 GS, beide Maschinen wurden optimiert vom Spezialausrüster TOURATECH.


Kurs Ost 2.0 im Überblick:

Reiseplanung

• Nordbögge–Kiel: 1 Tag
• Kiel–Klaipeda (Litauen)/Fähre, 1 Tag
• Klaipeda–Moskau, ca. 3 Tage
• Moskau–Irkutsk: per Transsib, ca. 4 Tage
• Irkutsk–Baikalsee, ca. 6 Tage
• Baikalsee–Ulan Batar (Mongolei), ca. 4 Tage
• Ulan Batar-Altai-Gebirge, ca. 15 Tage
• Altai Gebirge–Kasachstan, ca. 6 Tage
• Kasachstan–Kirgisien, ca. 4 Tage
• Kirgisien–Tadschikistan (Pamir), ca. 14 Tage
• Pamir Highway hin/zurück, ca. 15 Tage.
• Kirgisien (Sary Tash – Bischkek), ca. 12 Tage.
• Rückweg: Kasachstan-Deutschland, ca. 18 Tage


Streckenkilometer

ca. 11.000 bis 13.000 Kilometer


GPS-Tracking

Ansicht GPS-Tracking Kurs Ost 2.0

Ja wo sind sie denn? Wer wissen möchte, wo unsere beiden Ost-Traveller gerade jetzt im Moment stecken, kann sich das hier anschauen. Mit Unterstützung von TOURATECH haben sich die beiden jederzeit sichtbar gemacht.


Motorräder

Claudia Hülsmann: BMW F 800 GS, Laufleistung ca. 6.000 Kilometer, Touratech-Umbau (Tankvolumen 35 Liter)
Andreas Hülsmann: BMW F 650 Bj: 2000, Laufleistung 86.000 Kilometer, Touratech-Umbau (Tankvolumen 39 l)


Kurs Ost 1.0

Der Reisebericht über die erste »Kurs Ost«-Tour von Claudia und Andreas Hülsmann ist im TOURENFAHRER Heft 1/07 nachzulesen, unsere Abonnenten finden die beeindruckende Story im TOURENFAHRER-Online-Archiv zum kostenlosen Download. In »Kurs Ost 2.0« berichten die beiden nun von der Fortsetzung dieser unfreiwillig abgebrochenen Motorradfernreise.


TOURENFAHRER DVD REISE-EUNDURO TRAINING

TF-Motorradreisefilme

Die TF-DVD »Reise-Enduro Training« ist im TOURENFAHRER-Shop für 12,80 Euro erhältlich. Der Preis für Abonnenten beträgt 9,90 Euro. Zu Infos, Trailer und Bestellung geht's HIER.


TOURENFAHRER DVD BEST OF MAROKKO

TF-Motorradreisefilm

Die TF-DVD »Best of Marokko« zeigt die erste TF-Leserreise in Afrikas Norden. Erhältlich im TF-Shop für 12,80 Euro, für Abonnenten nur 9,90 Euro. Zu Infos, Trailer und Bestellung geht es HIER.


easyROUTES Westalpen/Enduro-Touren

TF GPS-Motorradtouren

TF easyROUTES »Westalpen« zeigen die schönsten Motorradstrecken in der Region. Im TF-Shop erhältlich für 19,90 Euro. Der Preis für Abonnenten beträgt nur 15,00 Euro.