Sie sind hier: Motorrad+Mensch / Leute / Jean Pierre Goy

Porträt

Jean-Pierre Goy: Monsieur Stunt

Der Franzose Jean-Pierre Goy gilt als einer der besten Stunt-Piloten in der Szene. Nebenher ist er noch Filmstar, Kameramann, Familienmensch, Enduro-Fahrlehrer und ein netter Kerl.

Text: Jürgen Schons / Fotos: Till Kohlmey, Warner Brothers

Jean Pierre Goy

James-Bond-Filme haben schon viele Motorräder in Hauptrollen gesehen: eine Kawasaki Z 900 in »Der Spion, der mich liebte«, zwei Yamaha XT 500 bei »In tödlicher Mission«, eine Yamaha XJ 650 Turbo in »Sag niemals nie« oder eine Cagiva W16 in »Golden Eye«. Aber kein Auftritt war so spektakulär wie jener der BMW R 1200 C in »Der Morgen stirbt nie«, auf der 007 von zwei Range Rover und einem Helikopter durch das Zentrum von Saigon gejagt wird. Höhepunkt: ein Sprung über den Rotor des Hubschraubers.

Aber natürlich saß dabei nicht Hauptdarsteller Pierce Brosnan am Lenker, sondern der Stunt-Fahrer Jean-Pierre Goy. Doch das ist nicht der einzige Streifen, in dem der Franzose sein Können auf zwei Rädern zeigt. Er hat schon Action-Star Jackie Chan gedoubelt, der sonst grundsätzlich alle Stunts selber dreht, und in den TV-Krimiserien »Simon Templar« und »Kommissar Moulin« äußerst spektakuläre Motorradfahrten gezeigt.

Jean Pierre Goy
Ein Star zum Anfassen: Jean-Pierre Goy fühlt sich wohl unter seinen Fans und ist immer für ein Schwätzchen zu haben.

Sein letztes Projekt war die »Batman«-Verfilmung »The dark Knight«, wo er ein skurriles, eigentlich unfahrbares Motorrad, das BatPod, halsbrecherisch durch Gotham City prügelt. Ein Motorrad, von dem Susan Carpenter, Filmkritikerin der »Los Angeles Times«, schrieb: »Ja, es ist fahrbar. Man muss nur etwas verrückt und ein kompletter Franzose sein, um es zu bewerkstelligen. Genauer gesagt, muss man Jean-Pierre Goy sein ... Er ist der Einzige, der das neue BatPod fahren kann – ein Motorrad so ungeheuerlich, dass man schwer glauben mag, dass es überhaupt gebaut wurde.« Für diesen Stunt hat die US-Schauspielergewerkschaft Goy und dem Team gerade erst den Preis als beste Film-Stuntcrew verliehen.

Wie kam er zum Film? Jean-Pierre erzählt: »Ich war schon von Kindesbeinen an mit allem unterwegs, was zwei Räder hat, erst mit dem Fahrrad, dann mit dem Motorrad. Mit 16 habe ich angefangen, Trial zu fahren. Dabei muss ich mich wohl so clever angestellt haben, dass ich schon zwei Jahre später einen Werksvertrag bei Fantic hatte. Ich wurde französischer Indoor-Meister und gewann ein paar WM-Läufe.« Und warum dann Stunt-Fahrer? »Nur Trial wurde mir auf Dauer zu langweilig. Kein Risiko, kein Spaß. Also habe ich angefangen, den Zuschauern nach den Wettbewerben eine kleine Action-Show zu bieten. Und so verschob sich mein Schwerpunkt im Lauf der Zeit immer mehr weg vom Sport und hin zum Stunt-Piloten. So wurden französische TV-Produzenten auf mich aufmerksam.« Ab Anfang der 90er übt der heute 47-Jährige die Stunt-Pilotage hauptberuflich aus. Seit 1993 fährt Goy fast ausschließlich BMW-Motorräder. Anfänglich  eine R 850 GS, aktuell sind es eine G 650 Xchallenge, eine R 1200 GS und eine HP2, dazu kommt noch eine 290er-Trial-Maschine von Sherco.

Seine Shows, die er rund 40 mal im Jahr mit jeweils drei Auftritten bestreitet, sind immer gut besucht und strotzen nur so vor Schwierigkeiten. Und obwohl er ein echter Star der Szene ist, bleibt Jean-Pierre immer einer zum Anfassen, ohne Getue, ohne Allüren. Wenn er so vor seinem Anhänger sitzt, wie Ende April während der Saisoneröffnungsparty bei Wunderlich, mit dem er übrigens seit vier Jahren zusammenarbeitet, ist er immer für ein Erinnerungsfoto mit seinen Fans, ein Autogramm oder einen flotten Spruch zu haben. Man merkt ihm an, dass er sich wohl fühlt im Kontakt mit seinem Publikum. Da ist nichts aufgesetzt, der Mann ist wirklich ein echter Sunnyboy.

Jean Pierre Goy
Zwei Monate arbeitete Goy mit dem BatPod: einen Monat lang zum Lernen und einen weiteren für die Dreharbeiten.

Lust an einer Teilnahme an einer Stunt-WM oder -EM verspürt er nicht: »Dazu fehlt mir die Zeit zum Trainieren, und außerdem habe ich keine Lust, mein Können von irgendwelchen Kampfrichtern nach Punkten bewerten zu lassen. Mein Publikum ist meine Jury, dem muss gefallen, was ich mache.« Das scheint der Fall zu sein, wie kräftiger Beifall nach jeder Vorstellung zeigt. Im vergangenen Jahr kamen immerhin 8000 Fans zu einem Stunt-Fest, das Monsieur Goy in seinem Heimatdorf Briord in der Nähe von Lyon veranstaltet hatte.

Dort hat sich der Sympath neben Stunt-Shows und Filmarbeiten ein drittes berufliches Standbein geschaffen und eine Enduro-Fahrschule ins Leben gerufen. Auf 30 Hektar Gelände und weiteren 600 Kilometern Piste lehrt Jean-Pierre auch auf Englisch alles, was das Fahren im Gelände ausmacht, entweder auf seinen Fahrschulmaschinen, mehreren BMW F 650 GS-Einzylindern, oder den Motorrädern, die die Schüler mitbringen. Marke, Hubraum, Zylinder – egal! Wichtig ist ihm eine maximale Teilnehmerzahl von zehn Personen und: »Ich und nur ich bin der Lehrer. Ich halte nichts von Schulen, in denen jemand seinen prominenten Namen hergibt und sich ansonsten um nichts kümmert.« Diese rigorose Einstellung führt allerdings auch dazu, dass die Kurse nicht jederzeit stattfinden können. Zum Beispiel dann, wenn er wieder bei Dreharbeiten unterwegs ist wie im kommenden Sommer: »Dann drehe ich mit Anthony Hopkins und Benicio del Toro. Aber nicht für Stunts, sondern als Kameramann. Ich habe eine F 650 GS mit einer selbst entwickelten Kamerahalterung ausgerüstet, die sowohl vor als auch hinter dem Motorrad montiert werden kann. Damit lässt sich viel Dynamik in die Aufnahmen bringen.«

Ton ab, Kamera läuft, Klappe und Action. Ob im Film oder bei seinen Shows, Jean-Pierre Goy macht keine halben Sachen: »Mein Job ist mein Leben.« Sagt’s, grinst, und der Blick aus seinen blitzeblauen Augen lässt keinen Zweifel aufkommen.

Jean Pierre Goy
Ein Team: Wenn irgendwie möglich, sind Gattin Christine und die 14-jährige Tochter Melanie mit Jean-Pierre Goy unterwegs.

Faszination in bewegten Bildern!
Alle TOURENFAHRER-DVDs finden Sie im TOURENFAHRER-Shop. Als Abonennt profitieren Sie von Preisnachlassen bis zu 15 Prozent.

 

Mein Tourenfahrer

Noch keine Logindaten? Zur RegistrierungZur Registrierung

TF-Filme

Motorradreisen zu den schönsten Zielen in bewegten Bildern. [mehr]

Motorrad-Hotels

TF-Partnerhäuser

Über 500 motorradfreund­liche ­Hotels auf einen Blick.

Web-App

Hotelsuche unterwegs für Smartphone-Nutzer.

TF-Scouts

Das interaktive Tourenportal für Motorradfahrer. [mehr]

TF-Globus

Alle TOURENFAHRER-Inhalte auf einen Blick. [mehr]

TF-News-App

Aktuelle Motorrad-News direkt auf's Smartphone. [mehr]

TF-Archiv

Alle TOURENFAHRER-Artikel seit 1982 als PDF für kleines Geld.
Für Abonnenten gratis.  [mehr]

GPS-Daten

EasyRoutes GPS-Touren

Komplett ausgearbeitete GPS-Touren zum Nachfahren.

GPS-Abo-Touren

Nur für Abonnenten: GPS-­Daten zu den Reportagen im TF.

GPS-Downloads

GPS-Daten für die schönsten ­Motorrad-Ziele in Europa