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Umbau Yamaha XTZ 750 Super Ténéré

Der Replikant

Erst wenn er den Helm abnimmt, ist er nicht mehr Stéphane Peterhansel. Andreas-Georg Thoennessens Yamaha merkt man dagegen kaum an, dass sie nicht das Rallye-Bike des sechsfachen Dakar-Siegers ist.

Text: Christoph Driesen / Fotos: Christina Güldenring

Umbau einer Yamaha XTZ 750 Super Ténéré

Wahrscheinlich würde die blaue Yamaha im Showroom von Yamaha France, dem früheren Sonauto, nicht weiter auffallen, dort halt, wo die hauseigenen Paris-Dakar-Werksrenner fein säuberlich in Reih und Glied nebeneinander stehen. Aha, wieder eins der Motorräder von Stéphane Peterhansel, würde man denken, dem Yamaha-Star, der sechsmal den Sieg für die Blauen eingefahren hat.

Aber die Yamaha mit den vielen bunten Aufklebern steht nicht im Museum, sie hat ein Hamburger Kennzeichen, und ihre Desert-Reifen haben noch nie afrikanischen Sand durchpflügt. Eigentlich ist es eine normale Super Ténéré, die Eigner und Dakar-Fan Andreas-Georg Thoennessen mit viel Liebe und noch mehr Geld zum absoluten Hingucker verwandelt hat. Darin hat er Erfahrung, schon sein erstes Motorrad, eine 86er-Einzylinder-Ténéré, war kaum vom damaligen Sonauto-Renner zu unterscheiden.

Bestellt hatte er sie bereits, als es noch nicht mehr als Zeichnungen des Wüstenschiffs gab. 1986 wird sie ausgeliefert, Ende des Jahres steht »Thoennie« in Paris, um den Start der legendären Rallye zu sehen. Mit selbst gemaltem Presseschild dringt er ins Fahrerlager vor, klaubt alles an Aufklebern zusammen, was er bekommen kann. Erst als er im Parc fermé die Abdeckplanen der Werksrenner lüftet und fotografiert, wird er rausgeschmissen, aber da sind schon alle Bilder im Kasten, und bald sieht seine Ténéré genauso aus.

Kurz vor dem Verkauf fährt ein Auto die XTZ über den Haufen

1993 hat der Single knapp 200.000 km auf der Uhr, und der Hamburger Kommissar will mal etwas anderes fahren. Doch die gekaufte XTZ 750 überzeugt ihn nicht, allein die Lackierung in Pink/Türkis ist schwer zu verkraften. Er ist kurz davor, den Zweizylinder wieder zu verkaufen, da fährt ein Auto das geparkte Motorrad über den Haufen. Der Geldsegen der Versicherung ist erklecklich – und wird umgehend ins Motorrad gesteckt. Rund 2800 DM erhält der Lackierer, Vorlage ist ein Foto von Peterhansels 89er-Werksrenner. Der ist zwar noch ein Einzylinder, aber halt besonders schön. Zwei Wochen später nimmt Thoennie die Meisterwerke in Empfang. Abends werden sie angeschraubt, am nächsten Morgen bricht er zur Schottertour in die Seealpen auf. Seine Mitfahrer halten ihn für verrückt, aber der frische Lack überlebt.

Das Dekor allein macht aus der Super Ténéré natürlich noch kein optimales Motorrad, also beginnt Thoennie, nach und nach die Schwachstellen zu beseitigen und die Optik weiter zu verfeinern. Statt des klobigen Serien-Schalldämpfers findet ein filigraner Arrow-Topf den Weg ans Heck, und der allererste VA-Leistungskrümmer, den der Hamburger XT-Spezialist KEDO anfertigt , findet sich sofort an Thönnies XTZ wieder. WP-Gabelfedern, Luftunterstützung und Lenkkopflager von Emil Schwarz straffen die Front der Enduro, das Heck wird von einem extralangen Öhlins-Federbein auf 93 cm Sitzhöhe geliftet. Nur die moderat profilierten Enduro-3-Pneus passen so gar nicht zur Rallye-Optik. Das sieht der TÜV-Prüfer genauso – und trägt ihm Michelin Deserts als M+S-Reifen ein.

Die Scheibe aus Makrolon fertigt Thoennie mehr als 40-mal an

Roadbookleser, ICO-Tripmaster, Blinker als Zusatzbremsleuchten – fast alles an Rallye-Teilen findet sich im Zubehörhandel, nur eine authentische Verkleidungsscheibe nicht. Aus Makrolon fertigt Thoennie sie selbst an – und muss es mindestens 40-mal für andere XTZ-Fans wiederholen. Mehr als den Materialwert will er dafür nicht haben, und seine Peterhansel-Replika ist in der Szene schnell bekannt: Mehr als 50 Ténéré-Treffen hat der Hamburger schon besucht, und viele sollen noch folgen, »obwohl Frau und drei Kinder nicht immer freudig zum Abschied winken«. Sogar das Vorbild persönlich war beeindruckt von der Hamburger XTZ. Beim Trèfle Lozérien 2003, einer bekannten französischen Enduro-Veranstaltung, entdeckt Peterhansel die Replika und nimmt Platz. »Ist die hoch. Viel höher als mein Rallye-Motorrad war«, so der Kommentar.

140.000 km stehen mittlerweile auf dem Tacho, von denen man der topgepflegten XTZ trotz etlicher Schotter-Trips kaum einen ansieht. Gestreikt hat sie noch nie. Eine Alternative dazu? Eine KTM 990 oder eine BMW HP2 vielleicht. Aber bei Letzterer dürfte es neben dem Geld vor allem wohl am Rallye-Vorbild mangeln.

Die Yamaha TT 600, Baujahr 1993
Andreas-Georg Thoennessens Peterhansel-Replika ist längst in der Szene bekannt, denn inzwischen hat der Hamburger bereits mehr als 50 Ténéré-Treffen schon besucht. Sogar das Vorbild persönlich war beeindruckt von der Hamburger XTZ, wie auf dem Bild zu sehen ist. Beim »Trèfle Lozérien« 2003, einer bekannten französischen Enduro-Veranstaltung, entdeckt Peterhansel die Replika und nimmt Platz. »Ist die hoch. Viel höher als mein Rallye-Motorrad war«, so der Kommentar.

 

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Hier ist nicht nur Platz für die individuellen Motorrad-Umbauten, die wir als Leserbike auch im TOURENFAHRER vorstellen. Hier kann auch dein Bike präsentiert werden. Sende uns einfach eine Kurzbeschreibung deines Umbaus und ein paar aussagekräftige Fotos per e-Mail, dann bereiten wir das Ganze fürs Netz (oder fürs Heft) auf – falls wir meinen, dass das Sinn macht.

Wir behalten uns ganz bewusst diese »Zensur« vor, denn wenn wir in dieser Rubrik die Möglichkeit eingeräumt hätten, dass hier jeder sein Bike selber einbauen kann, nur weil er die Sitzbank neu bezogen hat, dann wäre das nicht ganz das, was wir uns vorgestellt haben (okay, es sei denn, der neue Bezug hat ein Fischgrät-Muster …).

Es muss dabei sicher nicht ein solch aufwändiger Umbau sein wie etwa die Rallye Raid-Yamaha auf dem Bild, aber einfach nur Manni und Renate neben ihrer »Dicken« bei der Jungfernfahrt der neuen Koffer wären hier auch kein zielführendes Motiv. Deshalb wollen wir uns einfach vorher vergewissern, dass es sich wirklich um einen technischen Umbau handelt, der den Namen auch verdient. Oder anders gesagt: Schraube locker allein reicht nicht.

Also nur keine Scheu. Wir freuen uns über jede Zusendung.

 

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