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Praxis - ÖL-Analyse

Gesundheitscheck für den Motor

Das Öl sagt viel über einen Motor aus. Von daher könnte eine schnelle und kostengünstige Öl-Analyse gerade beim Gebrauchtkauf enorm hilfreich sein. Der »Motoranalyser« verspricht Hilfe.

Text & Fotos: Dirk W. Köster

PRAXIS ÖL-ANALYSE

Öl-Analysen sind in der Luftfahrt Usus: Eingelagertes Wasser, Kraft stoff, Russ und Metallabrieb im Öl verraten viel über den technischen Zustand eines Triebwerks. Regelmäßig werden Ölproben von Triebwerken und Kolbenmotoren in Prüflaboren analysiert. Werden Fremd stoffe in auffälliger Menge im Öl entdeckt, wird individuell gehandelt.

Mittlerweile gibt es auch speziell auf Fahrzeugmotoren abgestimmte Analyselabors. Wer eine Probe des Motoröls einschickt, bekommt ab rund 100 Euro nach einigen Tagen eine Analyse mit individueller Beratung zugesandt.

Nun ist uns aber ein Öl-Analyse-Kit zum Selbermachen auf die Werkbank geflattert: Nur ein Tropfen warmes Öl auf einem Testpapier soll reichen, um die Vitalfunktionen des Triebwerks durchzuchecken. Das klingt zu schön, um wahr zu sein! Also machen wir die Probe aufs Exempel und prüfen, ob es sich bei dem Öltest um Kaffeesatzleserei oder um ein ernsthaftes Testverfahren handelt.

Der »Motoranalyser« besteht im Wesentlichen aus einer bebilderten Anleitung mit mehreren Testfeldern aus beschichtetem Spezialpapier und einem farbigen Auswertungsbogen. Zum Test wird die Versiegelung über dem Testpapier geöffnet, dann kann es auch schon losgehen. Ein Tropfen warmes Motoröl unserer BMW R 100 GS wird per Messstab auf die Mitte des Testfeldes aufgebracht, dann heißt es warten. Damit sich der Öltropfen sauber ausbreiten kann, muss das Set flach liegen. Nach einer »Reifezeit« von mehr als 30 Minuten bilden sich um einen Kernfleck deutlich sichtbare Ringe.

Nun heißt es vergleichen: Der Kernfleck zeigt Ruß und gegebenenfalls Metallabrieb an. Unser Öl ist mit 4000 Kilometern »mittelalt«, der Fleck liegt auf den Vergleichsbildern im mittleren 5er-Bereich. Metallflitter, die auf einen Lagerschaden oder Schlimmeres hindeuten, sind nicht feststellbar. Um den Fleck hat sich ein deutlicher Ring gebildet. Der zeigt den Ölzustand an und entspricht ebenfalls der mittleren Note 5. Das Öl kann also noch eine Weile gefahren werden. Weitere Kreise bilden sich nicht, also ist weder Wasser noch Kraftstoff im Öl. Im Fazit bedeutet das, dass der Boxer topfit ist und an den Kolbenringen kein Kraftstoffgemisch in das Öl vorbeipfeift. Kein Wunder bei einem Motorrad. das vorwiegend auf längeren Strecken eingesetzt und stets sorgfältig warm gefahren wird.

Ein Tropfen Öl gibt Auskunft: Nach mindestens 30 Minuten »Reifezeit« auf dem Testpapier bilden sich deutliche Ringe aus. Die linke Probe zeigt im Kern wenig Russanteil und im Ring einen akzeptablen Ölzustand an. Bei der rechten Probe weist der äußere Ring auf ins Öl eingelagerte Kraftstoffanteile hin. Ursache kann hier viel Kurzstreckenbetrieb, aber auch ein Motorfehler sein.

So weit, so gut: auf zur Gegenprobe. Jetzt muss eine auf Kurzstrecken geschundene 125er-Suzuki zum Tropfenspender werden. Prompt bildet sich um den inneren Fleck und den ersten Kreis ein weiterer Ring. Der signalisiert einen erhöhten Treibstoffanteil im Öl, liegt aber noch im akzeptablen Bereich. Die Ursache liegt darin, dass der Motor oft für kürzeste Strecken gestartet wird und sich beim Kaltstart unverbrannter Sprit an den Kolbenringen vorbei ins Öl mogelt. Keine große Sache, zwanzig Kilometer flotte Fahrt dürften für Abhilfe sorgen. Eine dritte Ölprobe nehmen wir an einem Motor, an dem definitiv die Kopfdichtung defekt ist. Prompt bildet sich ein gezackter Ring, der einen hohen Wasseranteil im Öl verrät.

Unsere kleine Versuchsreihe hat gezeigt, dass der »Motoranalyser« funktioniert. Eine Verunreinigung des Öls konnte ebenso geprüft werden wie dessen Zustand. Eingelagertes Wasser und Treibstoffanteile im Öl konnten mit dem einfachen Test nachgewiesen werden.

Gründe, warum nun Wasser oder Kraftstoff im Öl sind, finden sich auf dem logisch erklärten Auswertungsbogen. Bei Wasser lässt sich sogar zwischen Kühlflüssigkeit und normalem H2O unterscheiden. Kühlwasser bildet einen gelblichen Ring um den Zackenkranz und deutet fast immer auf eine defekte Kopfdichtung hin. Normales Wasser hingegen kann besonders bei luftgekühlten Motoren durch Kondensation bei langer Standzeit entstanden sein und sollte sich durch einen Ölwechsel entfernen lassen.

Ein hoher Kraftstoffanteil im Öl deutet auf Verschleiß oder eine viel zu fett verlaufende Verbrennung hin: Oftmals ist der Motor »ausgelutscht«, und das Kraftstoffgemisch drückt sich an den Kolbenringen vorbei ins Öl.

Natürlich ersetzt das Testverfahren keine aufwendige Laboranalyse mit individueller Beratung, bietet aber den großen Vorteil, vor Ort durchführbar zu sein. Wer also die angepeilte Gebrauchtmaschine mit einem Tropfen Öl zur Ader lässt, kann viel über den Motorzustand erfahren. Wird beispielsweise zu Beginn der Besichtigung der Tropfen auf das Papier aufgebracht, weiß man bereits nach dem Abarbeiten der anderen Gebrauchtkauf-Kriterien, ob im Triebwerk etwas faul ist oder nicht.

Vergleichsbilder: Die farbige Tabelle ermöglicht die Auswertung. Die Beispielfotos werden mit dem Ergebnis der Ölprobe verglichen. Mögliche Fehlerursachen werden erläutert.

Fazit:

Diese Prüfmöglichkeit ist den Preis von 12,95 Euro für das kleine Testset mit zwei Testfeldern allemal wert. Wer den Test häufiger durchführt, ist mit einem 6er-Set für 19,95 Euro besser bedient.

 

TOURENFAHRER - 07/09

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