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Motorradszene

Touratech AG: Pure Sucht nach Ferne

Die Geburt von Touratech fand 1990 auf dem Wohnzimmertisch in einer kleinen Kellerwohnung statt. Heute sind 208 Mitarbeiter am Stammsitz in Niedereschach damit beschäftigt, in Sachen Motorradabenteuer keine Wünsche offen zu lassen.

Text + Fotos: Claus Novack

Touratech AG
In dem 800 Quadratmeter großen Verkaufsraum gibt es nicht nur reisefertige Motorräder zu bestaunen. Auch sonst lässt das Angebot kaum Wünsche für kleine und große Touren offen.

Das Fernweh kennt keine Krise. Selbst an diesem Samstagvormittag läuft die Fertigung bei Touratech auf Hochtouren. In der Montagehalle wird gebogen, geschweißt, poliert, galvanisiert, wie an einem x-beliebigen Werktag. In einer Ecke messen und biegen Mitarbeiter immer wieder an einem Stück Alublech. »Wir richten gerade die Maschinen für den neuen Zega Pro ein«, flüstert Herbert Schwarz, Geschäftsführer der Touratech AG, so als dürfte man noch gar nichts davon wissen. Die Produktion für die zweite Alu-Koffer-Generation läuft langsam an. Seit 1993 ist der Zega-Koffer im Programm. Entwickelt wurde diese schlichte Alukiste auf den Pisten Afrikas und dort bekam sie auch ihren Namen: Zega, ein ein kleines Dorf in Zaire, durch das Herbert Schwarz und Kompagnon Jochen Schanz auf einer ihrer zahlreichen Afrikareisen gekommen sind. Nun be-kommt der Zega-Koffer mit dem »Pro« Konkurrenz aus dem eigenen Haus.

Touratech AG
Bei Touratech dreht sich alles um Reisen mit dem Motorrad in die große, weite Welt.

Wer sich die Produktion von Touratech ansieht, dem fällt es schwer zu glauben, dass der Geburtsort des Unternehmens ein simpler Wohnzimmertisch in einer Kellerwohnung in Villingen-Schwenningen war. Herbert Schwarz wollte unterwegs mehr Informationen. »Mir haben auf Reisen die Daten gefehlt«, sagt er. Darum ertüftelte er 1990 am besagten Tisch den IMO 200T, der auf Knopfdruck den Fahrer mit wissenswerten Fakten wie Gesamtstrecke, Zeit, Tageskilometer, Motortemperatur und Geschwindigkeit aus einem Instrument versorgte. Gedacht war der 200T eigentlich nur für den Eigenbedarf, aber im selben Jahr wurden weitere 100 Stück vom IMO produziert. »Überall, wo ich mit dem Ding auftauchte, wurde ich gefragt, ob ich noch so ein Teil bauen könnte«. Noch im selben Jahr wird die Firma Touratech Motorrad Ausrüstung gegründet. Der Firmenname steht für TOUren, RAcing und TECHnology.

Bald schon reichte der Wohnzimmertisch nicht mehr. Aus dem »Geschäftsraum« Kellerwohnung wird schnell ein Ladenlokal. Auch das platzte schon bald aus allen Nähten. Aus der Nebentätigkeit »Touratech« ist für Herbert Schwarz in-zwischen ein Fulltime-Job geworden. 1996 tauscht der Elektroniker seinen sicheren Arbeitsplatz gegen die Selbstständigkeit. Kompagnon Jochen Schanz ist schon seit 1995 hauptberuflich für die Firma tätig. Im selben Jahr erfolgt auch der Umzug nach Niedereschach. Nur zwei Jahre dauert es, bis die neu gebaute Halle zu klein ist, der Umzug zum jetzigen Standort erfolgt 1998. Es ist die Zeit, in der auch die ersten Mitarbeiter eingestellt werden. Seitdem ist Touratech ein Indiz dafür, dass Abenteuer immer Konjunktur hat. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht neue Mitarbeiter eingestellt werden. Heute sind allein am Standort in Niedereschach 208 Mitarbeiter beschäftigt. Dreimal musste der Standort erweitert werden, um der stetig wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.

Touratech AG
Touratech legt auf »Made in Germany« großen Wert. Die meisten Zubehörteile für Motorräder werden am Firmenstandort in Niedereschach gefertigt.

Zu diesem Boom  haben sicher auch die Internetpräsenz und der Katalog beigetragen. Die erste Auflage von 1995 hatte mehr das Format einer Broschüre. Auf 12 Seiten gab es nicht mehr als eine Handvoll Produkte zu sehen. Neben dem IMO, Zega-Koffern und dem Chala 12 HD, 12 Volt-Leuchte und Ladegerät in einem, findet sich auch schon die erste Rallye Ausrüstung auf den Seiten: Roadbook Halter und Roadbook Editor.

Heute umfasst der Katalog des Zubehörherstellers aus dem Schwarzwald mehr als 1.000 Seiten, auf denen an die 5.000 Artikel zu finden sind. Mittlerweile deckt das Unternehmen alles ab, was zum Thema Motorrad, Reisen und Abenteuer gehört. Viele dieser Artikel produziert Touratech selbst. »Die Fertigungstiefe liegt bei 80 Prozent«, erklärt Jochen Schanz, der im Unternehmen zuständig ist für Produktion und Entwicklung. Überhaupt legen Herbert Schwarz und Jochen Schanz wert auf »Made in Germany«. Was sich nicht im Haus fertigen lässt, wird an deutsche, wenn das nicht möglich ist, an europäische Zulieferer vergeben. Von Fernostware halten die beiden Touratech-Chefs nicht viel. Denn die Qualität müsse stimmen, so Jochen Schanz, schließlich seien die Produkte auf den globalen Pisten im Einsatz, nicht selten unter ziemlich harten Bedingungen. Ein solches Engagement für die Qualität wissen auch Motorradhersteller zu schätzen. KTM verbaute den IMO einige Jahre serienmäßig in die LC4 und die Koffer für die BMW R 1200 GS Adventure werden in Niedereschach gefertigt.

Touratech AG
Der Umfang des Katalogs stieg im Laufe der Jahre von 12 auf 1.028 Seiten.

Eine weitere Allianz besteht mit Kahedo. Das Unternehmen aus Bisingen, das sich auf Gepäcksysteme, Taschen und Tankrucksäcke sowie Sitzbänke für Motorräder spezialisiert hat, liegt in der schwäbischen Nachbarschaft. Ein Vorteil, den Herbert Schwarz zu schätzen weiß: »Vor Ort lassen sich Dinge wesentlich besser besprechen. Bei derartigen Gesprächen haben schon einige innovative Lösungen das Licht der Welt erblickt.«

Überhaupt ist die Erfahrung ein wichtiges Element bei der Entwicklung neuer Produkte und davon gibt es am Sitz in Niedereschach jede Menge. Viele der Mitarbeiter haben eine enge Beziehung zum Motorradfahren und zum Reisen. Herbert Schwarz selbst machte sich 1984 zum ersten Mal auf nach Afrika. Heute blickt er auf mehr als 20 Reisen mit dem Motorrad kreuz und quer durch den »Schwarzen Kontinent« zurück. Doch auch externes Wissen spielt eine wichtige Rolle. Schon 1994 waren Jutta Kleinschmidt und Michael Griep bei der Dakar mit einem IMO 100R unterwegs. 2002 startete Touratech mit einem eigenen Team bei der legendären Wüstentour. Der Franzose Gilles Algay belegte dabei Platz 26 in der Gesamtwertung, Michael Griep mit Rang 29 nur drei Plätze dahinter. »Allerdings ist die Teilnahme mit solch einem Team an der Dakar eine sehr kostspielige Angelegenheit«, erklärt Herbert Schwarz, warum diese Beteiligung nur einmalig war.

Trotzdem ist Touratech bei jeder Dakar irgendwie mit dabei,  denn kein Fahrer, der nicht mit einem Roadbook, IMO oder mit einer GPS Halterung aus dem Hause Touratech an den Start geht. Ähnlich sieht es bei den Reisen aus. Es dürfte nicht schwer fallen, an Motorrädern, die mit ihren Fahrern die Grenzen Europas verlassen, irgendein Bauteil aus dem Schwarzwald zu entdecken.

Touratech AG

Dass Touratech nicht nur Produkte für Reisen und Rallyes verkauft, sondern auch Emotionen, ist den beiden Chefs durchaus bewußt. Diese Emotionen werden geschürt und das mit voller Absicht. Jedes Jahr kommen an die 3.000 Reisewillige an den Rand des Schwarzwaldes, um sich eine gehörige Portion »Fernweh« abzuholen. Zum alljährlichen »Travel Event« gehören Film- und Multivisionsvorführungen aus aller Herren Länder ebenso zum Programm wie Probefahrten auf den verschiedensten Reiseenduros oder fahrtechnische Übungen im Ge-lände. Wenn es in diesem Jahr vom 7. bis 10. Mai auf dem Firmengelände wieder rund geht, dann werden dort auch Teilnehmer der diesjährigen GS Challenge gegeneinander antreten. Dem besten Fahrer winkt eine nagelneue BMW G 450 X, natürlich auch ausgestattet mit diversem sinnvollen Zubehör von Touratech.

Events wie die GS Challenge sind nach Ansicht von Herbert Schwarz einer der Gründe dafür, warum in dem sonst arg bröckelnden Motorradmarkt das Thema Reisen und Abenteuer immer noch feste Konstanten sind. »Es ist die pure Sehnsucht nach der Ferne, die diese Art von Motorradfahrer antreibt«, meint der Firmenchef und wirkt dabei etwas wehmütig. Denn für Herbert Schwarz lassen sich längere Touren mit dem Motorrad kaum noch realisieren. Drei bis vier Wochen ist das Maximum und die werden fast immer in Filmprojekte und Testfahrten investiert.

Trotzdem ist der Touratech-Gründer viel unterwegs, denn aus dem badischen Zubehör-Hersteller ist ein globales Unternehmen geworden. Mittlerweile ist Touratech mit Vertriebspartnern in ganz Europa, den USA, Südafrika, Japan sowie Australien vertreten. Neuerdings gehören auch noch Argentinien, Thailand und Südkorea dazu.

Link zur Firmen-Homepage: www.touratech.de

Touratech AG
In der eigenen Galvanik werden verschiedene Anbauteile, wie etwa Sturzbügel, veredelt.

aus MotorradABENTEUER, Heft 3/09

MotorradABENTEUER

Die Köpfe von Touratech

Touratech AG, Herbert Schwarz

Herbert Schwarz, Jahrgang 1960, gründete 1990 Touratech. Der gelernte Elektroniker leitet zusammen mit Jochen Schanz das Unternehmen, das 1999 in eine AG umgewandelt wurde. Vor der Gründung war er als Tourguide und Fotograf im Motorradbereich unterwegs. Heute ist er im Unternehmen zuständig für Marketing, Vertrieb und Finanzen. Mit dem Motorrad war Herbert Schwarz, abgesehen von Australien, schon auf jedem Kontinent unterwegs.


Touratech AG, Jochen Schanz

Jochen Schanz, Jahrgang 1968, ist bei Touratech zuständig für die Produktion und die Entwicklung. Zudem leitet er mit BMW Touratech Racing das »hauseigene« Rennteam. Der ausgebildete Techniker lernte Herbert Schwarz auf einer Afrikareise kennen. Bevor Jochen Schanz bei Touratech einstieg, war er als Techniker bei Daimler Benz in Stuttgart tätig.


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