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Report Elektro-Motorräder - Quantya Strada

Der City-Stromer

Aus der Schweiz kommt ein geländetaugliches Elektro-Bike zu uns, das sogar schon mit dem Führerschein Klasse A1 gefahren werden darf. Wir haben die Quantya Strada einem Alltagstest unterzogen.

Text: Ingo Gach

Quantya Strada

Die Quantya verursacht mehr Aufsehen als ein 200-PS-Superbike. Autofahrer starren ihr hinterher, Motorradfahrer vergessen Gas zu geben, Fußgänger versammeln sich um das Bike. Warum? Weil man sie nicht hört! Die »Evo1 Strada« ist ein Elektro-Bike.

Sie sieht zwar aus wie eine ganz normale Enduro und besitzt Straßenzulassung, aber sie fährt geräuschlos und riecht noch nicht einmal nach Abgasen. So wird jeder Halt in der Innenstadt zur unfreiwilligen Pressekonferenz. Das Interesse ist riesig, der Verkauf zurzeit allerdings noch gering, was in erster Linie an dem Preis von 9912 Euro inklusive Ladegerät liegen dürfte. Allein der Lithium-Polymer- Akku schlägt mit 3800 Euro zu Buche. Für Debütanten gilt: Vorsicht mit dem Gasgriff, sobald der Zündschlüssel umgedreht ist! Auch wenn man ihn nicht hört, »läuft« der Motor bereits. Als optische Warnung leuchtet deshalb links am Griff ein grünes Licht auf.

Auf der Rolle: die Quantya auf dem TF-Leistungsprüfstand.
Auf der Rolle: die Quantya auf dem TF-Leistungsprüfstand.

Es ist ein ungewohntes Gefühl beim ers ten Ausritt. Nur von einem leisen Surren begleitet, setzt sich das E-Bike in Bewegung. Der Motor muss nicht warm gefahren werden, und die maximale Leis - tung ist unmittelbar präsent. Den Gasgriff darf man sich dabei eher wie den Dimmer eines Lichtschalters vorstellen. Griff auf Anschlag bedeutet fast sofort volle Power des Akkus von immerhin 9,9 kW (entsprechend 13,5 PS), wie uns der Leis - tungsprüfstand attestierte.

Die Werte klingen vielleicht zunächst nicht berauschend, aber ein Drehmoment von 31,5 Newtonmeter bei einem Motorrad von nur 106 Kilo sorgt für flotte Beschleunigung. Das Elektro-Bike kann naturgemäß auf viele schwere Bauteile des Verbrennungsmotors wie Motorblock und Kurbelwelle verzichten. Der Gleichstrommotor besteht aus einem Stator, in dem sich ein Rotor mit einer Eisenkernspule befindet. Sobald die Zündung eingeschaltet wird, fließt Strom durch die Spule und erzeugt ein Magnetfeld, das in Wechselwirkung mit dem Magnetfeld des Stators tritt. So wird die Elektrizität in mechanische Arbeit verwandelt.

Übersetzt ist die Strada auf 80 km/h, so dass auch schon Sechzehnjährige mit Führerschein Klasse A1 mit ihr zur Schule fahren dürfen. Zum Mitschwimmen in der Stadt ist die Strada mehr als ausreichend, auch wenn man sich an gewisse Eigenarten erst gewöhnen muss. Ein Motorbremsmoment gibt es nicht, genauso wenig wie ein Getriebe und entsprechend auch keine Kupplung. Der linke Hebel am Griff betätigt die Hinterradbremse.

Stromlager: Der Akku der Strada ist in gut zweieinhalb Stunden wieder geladen.
Stromlager: Der Akku der Strada ist in gut zweieinhalb Stunden wieder geladen.

Man lernt rasch die Vorteile des Elektro- Bikes zu schätzen: Es muss weder geschaltet noch gekuppelt werden, man kann sich ganz auf das Fahren konzentrieren. Handlich wie ein Fahrrad lässt sich die kleine Enduro durch den Asphaltdschungel dirigieren. Der Spaß wird lediglich durch die aufgezogenen Vee-Rubber- Sherpa-Reifen aus Thailand begrenzt, die in Kurven früh zu rutschen beginnen. Außerdem – Freunde der offenen Auspuffanlage jetzt mal weghören – wirkt sich die Geräuschlosigkeit ungemein positiv auf das eigene Befinden aus, von dem der restlichen Verkehrsteilnehmer ganz zu schweigen. Lediglich das dezente Abrollgeräusch der Reifen und das leise Surren der Kette sind zu hören. Als wichtige Komponente stellt sich rasch die Hupe heraus, denn so mancher Fußgänger kreuzt achtlos den Weg der Quantya, weil er sie nicht hört.

Über den Ladezustand des Akkus informieren sieben gelbe und eine rote LED auf der Tankattrappe. Bei Dauervollgas reicht der Akku für 31 Kilometer, also keine halbe Stunde, ehe der Motor abrupt die Arbeit einstellt. Dabei leuchtete die letzte gelbe LED-Lampe noch, eigentlich müsste noch Saft da sein. Also, am rechten Fahrbahnrand ausgerollt, per Schlüssel den Motor aus- und wieder angeschaltet, und siehe da, auf einmal findet der Akku doch noch in irgendeiner Ecke seines Speichers Strom. Die Beleuchtung des Tachos flammt wieder auf, und das E-Bike setzt sich erneut in Bewegung, um an der nächs - ten Straßenecke wieder die Arbeit einzustellen. Das Spielchen macht die Quantya noch ein paar Mal auf dem nächsten Kilometer, ehe endgültig nichts mehr geht. Dafür schafft der Akku in der City immerhin 36 Kilometer. Außerdem ist die Sitzbank so schmal und hart geraten, dass eine längere Strecke ohnehin unangenehm wäre.

Der Akku schafft in der City immerhin 36 Kilometer, ehe endgültig nichts mehr geht

Hüpfburg: Das Paioli-Federbein bietet satte 275 mm Federweg.
Hüpfburg: Das Paioli-Federbein bietet satte 275 mm Federweg.

Einen kleinen Geländeausflug haben wir mit der Enduro natürlich auch gewagt. Dort schlägt sich die Strada erstaunlich wacker. Die Upside-down-Gabel von Marzocchi hält mit 245 mm Federweg genügend Reserven bereit, um auch gröbere Pisten zu meistern. Das Paioli-Federbein verfügt sogar über 275 mm Federweg und kann per Drehrad auf das Gewicht des Fahrers vorgespannt werden. Das leichte Bike bereitet selbst ungeübten Geländegängern viel Spaß. Kein Wunder, schließlich ist ihr Schwestermodell »Track« für die Quantyaparx – eine Art BMX-Park für Elektro-Bikes – konzipiert.

Leider ist das etwa schuhkartongroße Ladegerät schwer und unhandlich. Wer einen Ausflug plant oder zur Arbeit mit der Strada fahren will, sollte zusehen, dass der Hinweg nicht viel mehr als fünfzehn Kilometer beträgt oder am Zielort ein Ladegerät deponiert ist. Um den komplett leeren 40-Ah-Akku an einer normalen 220- Volt-Steckdose wieder vollständig zu laden, vergehen zwei Stunden und vierzig Minuten. Zwar gibt es auch ein leistungsfähigeres, aber leider noch schwereres Ladegerät, das die Übung in 75 Minuten schafft, allerdings könnte bei diesem in einem »nicht genug abgesicherten Raum von weniger als 16 Ampere« schon mal die Sicherung rausfliegen, wie Quantya-Importeur Hans Eder erklärt. Der Akku soll mindestens eintausend Ladezyklen überstehen, garantiert Quantya.

Im Unterhalt ist die Strada günstig, sieht man vom hohen Preis ab. Über die Zürich Versicherung bietet Quantya eine Vollkasko für 219 Euro und eine Haftpflicht zwischen 35 und 60 Euro pro Jahr an. Auf 100 Kilometern werden etwa 72 Cent an Stromkosten fällig. Ein vergleichbares Motorrad mit Verbrennungsmotor wie etwa die Yamaha WR 125 R verbraucht auf der gleichen Strecke drei Liter Benzin, wofür zurzeit rund 4,20 Euro fällig würden. Allerdings hat Benzin eine beinahe achtzigfach höhere Energiedichte als ein Lithium-Polymer-Akku. Um also auf die Reichweite des 8,5-Liter-Tanks der Yamaha von insgesamt 283 Kilometern zu kommen, müsste der Quantya-Akku 178 Kilo wiegen.

Die Elektro-Bikes locken mit dem Argument Umweltfreundlichkeit, was jedoch nur bedingt zutrifft. Die Quantya selbst stößt zwar keine Schadstoffe aus, doch ihre Energie liefern Kraftwerke, die immer noch die größten Anteile am Schad stoffausstoß in Deutschland haben. Es wird noch etwas dauern, bis der EMotor dem Verbrennungsmotor ernsthaft Konkurrenz machen kann, aber dann wird Quantya sicher ganz vorne mit dabei sein.

Stromuhr: Die Energieanzeige zeigt den Ladezustand der Akkus an.
Stromuhr: Die Energieanzeige zeigt den Ladezustand der Akkus an.

TOURENFAHRER - 8/2010

Wir erweitern unser Test-Archiv ständig um die aktuellen Motorradmodelle. Wer sich einen Überblick über unser Angebot verschaffen will, wechsele zu allen Motorrad-Tests.

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Fragen an Hans Eder, Quantya-Importeur für Deutschland

Wie viele Quantyas gibt’s in Deutschland?
Insgesamt sind es rund 350 Tracks, MMX und Stradas sowie seit Kurzem der Roller Squter P1. Etwa die Hälfte der Bikes laufen in den Quantyaparx, wo jeder sie gegen eine geringe Gebühr leihen kann.

Wer kauft Quantyas?
Zum einen Geländefahrer, die leise und umweltfreundlich ihr Hobby ausüben wollen. Zum anderen Leute, die viel in der Stadt unterwegs sind oder mit der Strada zur Arbeit fahren.

Welchen Führerschein brauche ich dafür?
Die Strada ist auf 80 km/h Höchstgeschwindigkeit übersetzt, so können auch schon Sechzehnjährige mit dem Führerschein Klasse A1 die Strada fahren.

Wer baut den Akku, wer den Elektromotor?
Den Akku baut Quantya in Lugano selbst, da steckt viel Erfahrung in der Herstellung. Der Elektromotor stammt von Lemco Ltd. aus England und wurde speziell für Quantya entwickelt, Drehzahl und Drehmoment sind genau auf das Bike abgestimmt.

Was passiert mit dem verbrauchten Akku?
Verbrauchte Akkus nimmt Quantya zurück. Wie teuer ist ein neuer Akku? Ein Akku kostet zurzeit 3800 Euro, wir geben aber 1000 Ladezyklen und zwei Jahre Garantie auf die Strada.

Wie sehen die Inspektionen aus?
Kontrollen sollten alle 60 bzw. 180 Betriebsstunden erfolgen. Die Bürsten des Motors sind je nach Einsatz alle 30.000 bis 60.000 Kilometer zu wechseln. Ein kompletter Satz neuer Bürsten liegt bei ca. 240 Euro.

Wieso ist das Ladegerät nicht am Bike?
Weil die Strada eine Enduro ist, mit der auch im Gelände gefahren wird, und zwar über Waschbrettpisten und Sprünge. Das Ladegerät wäre also ständig Erschütterungen ausgesetzt. Beim Aufladen sollte man übrigens darauf achten, dass das Ladegerät ausreichend belüftet wird.

Ist die Elektrik im Regen anfällig?
Nein, die Quantya kann bei jedem Wetter gefahren werden. In den Quantyaparx werden die Bikes mit Hochdruckstrahlern gereinigt, ohne dass je Probleme aufgetreten sind.

 

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