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Wissen: Bremsen

Verzögerungstaktik

Bremsen gehören ganz klar zu den wichtigsten Systemen an einem Motorrad. Doch welches Bauteil übernimmt welche Aufgabe bei der negativen Beschleunigung? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

ABS
Elektronische Vorrichtung zur Verhinderung blockierender Rä­der beim Bremsen. Ein Sensor misst die Radumdrehungen und gleicht zwischen Vorder- und Hinterrad ab. Sind es zu wenig, löst der Computer den Bremsdruck, das Rad kann sich wieder drehen.

Beläge
Man unterscheidet zwischen organischen und Sinter-Belägen. In beiden Arten sorgen Metalle für den Reibwert und die Schmierstoffe für Bremsstabilität, wäh­rend die Schleifmittel die Bremsscheiben sauberhalten. Bei organischen Belägen werden die einzelnen Komponenten von temperaturresistenten Kunst- bzw. Na­tur­har­zen gebunden. Bei Sinterbelägen werden die Bestandteile bei sehr hohen Temperaturen miteinander gesintert (verpresst).

Beläge einfahren
Ähnlich wie Reifen müssen auch organische Bremsbeläge eingefahren werden, um sich an die Bremsscheiben anzupassen. Eine übermäßige Belastung direkt nach dem Einbau lässt das Harz verbrennen, die Beläge sind dann verglast. Sintermetallbeläge benötigen hingegen nur eine kurze Einfahrzeit und können dann voll belastet werden.

Bremsflüssigkeit
Flüssigkeit auf Glykolbasis, die den über die Bremshebel ausgelösten Druck auf die Bremskolben weiterleitet. Bremsflüssigkeiten werden nach DOT-Klassen spezifiziert, die zum Beispiel den Siedepunkt definieren. Am ge­bräuchlichsten ist DOT 4, zuweilen auch DOT 3 oder DOT 5.1. Diese können miteinander vermischt werden. Eine Ausnahme ist die auf Silikon basierende Bremsflüssigkeit DOT 5, wie sie Harley-Davidson und Buell für viele Modelle vorschreiben. Diese darf auf keinen Fall mit anderen Bremsflüssigkeiten vermengt werden. Die Spezifikationen geben in erster Linie die Siedepunkte an: DOT 3 bei 205°C, DOT 4 bei 230°C, DOT 5 und 5.1 bei 260°C. Solche Temperaturen sind bei mehren scharfen Bremsvorgängen hintereinander oder langen Passabfahrten schnell er­reicht. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch (wasseranziehend) und muss deshalb regelmäßig ausgetauscht werden, weil eventuell vor­handenes Wasser den Siedepunkt der Flüssigkeit senkt, was zu Dampfblasenbildung und schlimmstenfalls zum Ausfall der Bremse führt. Bremsflüssigkeit aus angebrochenen Behältern sollte deshalb so schnell wie möglich aufgebraucht werden, wäh­rend solche in vakuumverschlossenen Behälter fünf bis zehn Jahre lagerfähig ist.

Bremsleitungen
Teilen sich auf in Gummi- und Stahlflexleitungen. Gummileitungen sind kostengünstig herzustellen, brauchen jedoch regelmäßige Pflege, dehnen sich im Lauf der Zeit aus und altern, so dass sie nach etwa fünf Jahren ausgetauscht werden müssen. Stahlflexleitungen sind alterungsbeständig und besitzen zumeist einen gegenüber Gummileitungen klarer definierten Druckpunkt, der sich nicht verändern kann. Häufig sind sie innen teflonbeschichtet.

Bremssättel/Bremszangen
Bestehen zumeist aus einer Aluminiumlegierung und unterscheiden sich in Festsattel- und Schwimmsattelzange. Die Festsattelzange ist starr an der Gabel befestigt und verfügt über Bremskolben auf beiden Seiten der Bremsscheibe. Diese Bremskolben drücken bei Betätigung des Bremshebels auf die Scheibe. Festsättel gibt es mit zwei, vier oder sechs Kolben. Der Schwimmsattel ist beweglich an der Gabel montiert und lässt sich auf meistens zwei Bolzen parallel zur Radachse verschieben, er schwimmt. Der oder die Kolben befinden sich lediglich auf der äußeren Bremsscheibenseite. Beim Bremsen legt sich zuerst der vom Kolben betätigte Belag an die Scheibe an, bei weiterem Druckaufbau verschiebt sich die gesamte Zange, bis der direkt in der Zange befindliche Belag auf der anderen Seite an der Bremsscheibe anliegt. Schwimmsättel gibt es mit einem, zwei oder drei Kolben. Doch ob Schwimm- oder Festsattel: Bei Zurücknahme des Drucks im Hydrauliksystem zieht ein Dichtring den oder die Kolben wieder in ihre Ursprungslage zurück.

Bremsscheiben
Radseitiger Teil einer Scheibenbremse, auf die die Bremsbeläge wirken, um die Bewegungsenergie in Wärme umzuwandeln und damit ein Fahrzeug zu verzögern. Sie besteht aus der eigentlichen Bremsfläche und einem Träger, der die Scheibe mit der Nabe verbindet. Früher häufig verwendete Graugussscheiben gibt es wegen ihrer Rostanfälligkeit kaum noch, stattdessen bestehen Bremsscheiben heute fast ausschließlich aus rostfreiem Stahl. Bremsscheiben und -beläge können bei intensiver Beanspruchung 500° C und mehr erreichen. Eine Besonderheit stellen im Rennsport gebräuchliche Kohlefaser-Scheiben dar. Diese erreichen jedoch erst bei Temperaturen von 200 bis 300 Grad Celsius einen brauchbaren Reibwert und sind deshalb im normalen Straßenverkehr oder bei Regenrennen nicht zu gebrauchen. Löcher in den Bremsscheiben ermöglichten früher ein schnelleres Ansprechen der Bremse im Regen, heute dienen sie der Gewichtsersparnis und der besseren Kühlung. Wave-Bremsscheiben mit welligem Design stammen aus dem Motocross. Ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Scheiben liegen in einer besseren Selbstreinigung, besserer Wärmeableitung und geringerem Gewicht.

Bremsrubbeln
Entsteht, wenn Wärmespannungen zum seitlichen Verzug der Scheibe führen, machen sich als Vibrieren im Bremshebel und in der Vorderradführung bemerkbar. Entlüften Zwingend erforderliche Arbeit nach dem Wechsel der Bremsflüssigkeit, um Lufteinschlüsse im Hydrauliksystem zu vermeiden.

Fading
Nachlassende Bremswirkung bis hin zum Totalausfall bei hoher Beanspruchung.

Integralbremse
Elektronisch oder mechanisch-hydraulisch geregelte Brems­kraftverteilung auf Vorder- und Hinterrad, unabhängig davon, ob der Fahrer nur den Hand-, nur den Fußbremshebel oder beide einsetzt. Wirkt entweder auf alle Bremssättel oder nur auf einzelne Bremskolben.

Lagerung
Die Verbindung der Bremsscheibe mit dem Trägerkranz gibt es in starrer, halbschwimmender und schwimmender Ausführung. Starre Lagerung: Die Bremsscheibe ist fest mit dem Trägerkranz verbunden. Halbschwimmende Lagerung (semi-floating): Die Befestigung am Trägerkranz erfolgt mit Bolzen, die der Scheibe ein radiales Spiel (längs zur Fahrtrichtung) bei Erhitzung ermöglicht. Schwimmende Lagerung (full-floating): Die Befestigung am Trägerkranz erfolgt mit Bolzen, die der Scheibe radiales und axiales Spiel (längs und quer zur Fahrtrichtung) ermöglicht.

Monoblock-Bremszange
Bremszange, die aus einem Stück gefräst wird, also ohne verschraubte Deckel auskommt.

Radialpumpe
Hier drückt der Bremshebel direkt auf die Pumpe und nicht über eine Umlenkung wie bei einer herkömmlichen axialen, also parallel zum Lenker liegenden Pumpe. Vorteile liegen in einer schnelleren Reaktion auf Zug am Bremshebel, einem linearen Druckanstieg, besserer Dosierbarkeit und einem kürzeren Hebelweg.

Radial-Bremszangen
Die richtige Bezeichnung lautet »radial befestigte Zangen« wegen der Positionierung der Zangen-Befestigungsschrauben im Scheibenradius. Dabei ist die Zange an einem oberen und einem unteren Punkt mit der Gabel verschraubt, woraus bei Bremsmanövern eine höhere Steifigkeit der Zange resultiert. Radial montierte Bremszangen stammen aus dem Rennsport, wo sie eine schnelle Anpassung von Bremsscheiben mit unterschiedlichem Durchmesser an die Zange mittels Distanzstücken und Schrauben einfach ermöglicht.

Trommelbremse
Bremsenbauart, bei der Bremsbeläge auf eine zylindrische Fläche, die Trommel, wirken. Sie werden beim Betätigen der Bremse über einen Nocken gegen die umlaufende Trommel ge­drückt. Trommelbremsen haben zwar eine hohe Wirksamkeit und sind nässeunempfindlich, doch können sie die beim Bremsen entstehende Wärme nur schlecht abführen und kommen deshalb heutzutage als Simplex-Trommelbremse fast nur noch in Hinterrädern von kleinen Zweirädern oder von Choppern und Cruisern vor.

ZTL-Bremse
Abkürzung für Zero Torsional Load, steht für die Befestigung der Bremsscheibe am äußeren Felgenrand statt an der Nabe. So werden Bremskräfte direkt in die Felge geleitet, ohne die Speichen zu verwinden. Diese können deshalb sehr leicht bauen, was wiederum die ungefederten Massen reduziert. Kommt im Motorradbau ausschließlich bei Buell zum Einsatz.

Text: Jürgen Schons; Fotos: C. Güldenring, Buenos Dias


Antiblockiersystem beim Motorrad.
Der Sensor (roter Pfeil) misst die Impulse des Geberrings (gelber Pfeil). Hieraus errechnet der Computer die Raddrehzahl.
Reinigung der Motorradkette mit dem Kettenmax.
Hochwertige Bremsleitungen sind häufig mit einem Gewebe aus rostfreiem Stahl ummantelt (Stahlflex).
Radial verschraubter Bremssattel.
Radial verschraubter Bremssattel: die Bezeichnung bedeutet, dass der Sattel senkrecht von einer gedachten Linie geschnitten wird, die durch den Radmittelpunkt führt (Radius).
Schwimmsattelbremse
Schwimmsattelbremse: Beim Bremsen legt sich zuerst der vom Kolben betätigte Belag an die Scheibe an, bei weiterem Druckaufbau verschiebt sich die gesamte Zange, bis der direkt in der Zange befindliche Belag auf der anderen Seite an der Bremsscheibe anliegt.
Funktionsweise der Festsattelbremse.
Die Festsattelzange ist starr an der Gabel befestigt und verfügt über Bremskolben auf beiden Seiten der Bremsscheibe. Diese Bremskolben drücken bei Betätigung des Bremshebels auf die Scheibe.
 

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