Sie sind hier: Motorrad+Reisen / Reiseberichte / Südafrika

Reportage Südafrika

WILLKOMMEN IN SHAKAS LAND

Wer ohne große Vorbereitung mit minimalem Risiko ein faszinierendes Land wie Südafrika kennen lernen und dabei noch eine Menge Motorradspaß mit einer bunt gemischten Gruppe genießen möchte, sollte sich dem Tourguide Markus anvertrauen

Eine Reportage von Reiner H. Nitschke

Für Zulu Desmond ist es schon Brauch: ein Soziusritt mit dem Tourguide.
Für Zulu Desmond ist es schon Brauch: ein Soziusritt mit dem Tourguide.

Ohne Sprache kann man nicht zu den Menschen sprechen und sie auch nicht verstehen. Man kann nicht ihre Hoffnungen teilen, ihre Geschichte begreifen, ihre Poesie wertschätzen oder ihre Lieder genießen«, schreibt Nelson Mandela in seiner Autobiographie »A long walk to freedom«.

Gemäß dieses Credos des großen Südafrikaners verabschiedet uns Zulu Desmond mit ausdrucksstarken Worten: »Hambani Kahle«. Ich antworte mit »Sala Kahle«. Beides heißt auf Wiedersehen. Eine Phrase richtet sich an den Reisenden, die andere an den Bleibenden. Eine feine Nuancierung, die unsere vermeintlich hochentwickelten westlichen Sprachen nicht kennen. Wir sind im Land der Zulus und verlassen mit Shakaland ein außergewöhnliches Hotel. Vorläufiger Höhepunkt einer zweiwöchigen Tour durch Südafrika. Shakaland besteht aus grasgedeckten Rundhütten, die im Innern den Komfort eines guten Hotels bieten. Die weitläufige Anlage diente vor 24 Jahren als Kulisse einer Fernsehserie über Shaka, den großen Zulu-Krieger des 19. Jahrhunderts, der Stämme brutal einte, den burischen Voortreekern das Leben schwer machte, aber gegen die britischen Kolonisatoren eher zurückhaltend, teilweise sogar kollaborierend agierte.

Wir sind seit einigen Tagen in einem faszinierenden Land unterwegs, dessen jüngste Geschichte anmutet, also ob sie Jahrhunderte her ist. Dabei reicht sie mit ihrer Tragik bis in unsere Tage. Und ein glückliches Ende ist nicht garantiert, wenn mit dem großen Nelson Mandela die entscheidende Integrationsfigur sterben sollte. Zu groß ist die Kluft zwischen dem Reichtum, der noch immer in weißer, nicht selten Burenhand ist, und dem Dasein der Schwarzen und Mischlinge, die gut 90 Prozent der Bevölkerung stellen.

Abschied vom Malaga-Hotel bei Waterval Boven
Abschied vom Malaga-Hotel bei Waterval Boven

Wir verlassen das Gangster-Paradies nach der Übernahme der Mietmotorräder auf schnellstem Wege. Die stinkenden Autos um uns herum haben das Kennzeichen »GP«, was für Gauteng Province steht, oder eben für »gangster’s paradise«, wie die Einheimischen sagen. Und dies wohl nicht ganz ohne Grund. Während mein Blick über die stacheldrahtbewehrten Anwesen entlang des Freeway streift, frage ich mich, weshalb eigentlich alle Flieger nach Johannesburg ausgebucht sind. Nein – so richtig heimelig ist »Joburg«, wie es kurz genannt wird, sicher nicht. Doch für viele Südafrika-Touristen ist die 4-Millionen- Metropole Ausgangspunkt ihrer Rundreise. Die meisten zieht es dabei gen Osten Richtung Krüger-Park. So auch uns, die Edelweisser.

Seit 16 Jahren gehört Südafrika zu den wichtigsten Destinationen von Edelweiss Bike Travel. TF-Mitarbeiter Rudolf Kuhl, damals noch Tourguide bei dem österreichischen Veranstalter, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert, hatte die erste Tour von Johannesburg nach Kapstadt ausgetüftelt und auch geführt. Seit vielen Jahren ist nun der Tiroler Markus Hellrigl Edelweiss-Botschafter in Südafrika. Ein Mann mit Charisma und Liebe zu Land und Leuten, das spüren wir jeden Tag, wenn er uns behutsam mit den Besonderheiten des Gastgeberlandes vertraut macht.

Großes Theater: Die sommerlichen Gewitterwolken erglühen im Licht der Abendsonne bei Johannesburg.
Großes Theater: Die sommerlichen Gewitterwolken erglühen im Licht der Abendsonne bei Johannesburg.

Die wichtigste Spezialität für alle Teilnehmer, die aus Deutschland, Kanada, USA, England und Brasilien stammen, ist zunächst einmal der Linksverkehr. Tatsächlich finden sich alle auf Anhieb zurecht, keiner wird zum Geisterfahrer. Selbst im dichten Verkehr zwischen Johannesburg und der Hauptstadt Pretoria wird rasch deutlich, wie maßlos manche Reiseführer übertreiben. Denn die Autofahrer sind ausgesprochen diszipliniert und rücksichtsvoll. Jedenfalls bin ich noch in keinem Land der Erde außer den USA so entspannt im dichten Verkehr mitgerollt. Für unsere Freunde aus Brasilien erweist sich das als hilfreich, denn sie segeln doch etwas unorthodox über den Freeway, was bisweilen zur Verwirrung der Toyota- und Golffahrer beiträgt. Allmählich lässt der Verkehr nach, und stattdessen erweist sich ein strammer Nordwind als echte Herausforderung, der wir erst entrinnen, als es südostwärts durch die Minenfelder an rauchenden Kraftwerken vorbei Richtung Bethal geht. Das ist nicht wirklich schön, und allmählich macht sich Müdigkeit breit, der Nachtflug mit gefühlten zehn Minuten Schlaf steckt in den vom Wind gebeutelten Knochen. Die Brasilianer, die treu ihrem Navi folgten, sind unterwegs ins Niemandsland abgebogen. Der Rest der Gruppe müsste noch hinter uns liegen, da wir vorgefahren waren. Grundsätzlich ist es ratsam, im Windschatten des Tourguides zu bleiben. Wer möchte, kann aber auch alleine losziehen, verbunden mit dem Risiko, hin und wieder vom Wege abzukommen oder einen Treffpunkt zu verpassen. So landen wir alleine in einem Schnellrestaurant. Der Service, Weiße und Schwarze gemischt, könnte nicht 44 TOURENFAHRER 1/2011 freundlicher sein. Die hausgemachten Hamburger mit frischer Avocado erweisen sich selbst für Burger-Verächter als Gaumenfreude. So hatten wir uns die erste Rast kaum zu wünschen gewagt.

Doch es kommt noch besser, denn ab Waterval-Boven wird die Landschaft ein Traum. Das griffige Asphaltband schneidet durch spektakuläre Felsformationen, die im Licht der Nachmittagssonne glühen. Problemlos finden wir das Hotel zu Füßen einer subtropischen Hügellandschaft. Bethuel, der einheimische Tourbegleiter, ist schon mit dem Gepäck und dem Ersatzmotorrad vor uns eingetroffen. Das Hotel heißt Malaga. Und tatsächlich kommt uns hier einiges spanisch vor. Architektur, die Bilder an den Wänden, der Garten, alles zweifelsohne spanisch, doch unsere Recherche nach den Spuren soll ergebnislos bleiben. Die Originalität der Hotels ist ein Markenzeichen dieser Südafrikatour. Jeder Abend bringt ein völlig neues Ambiente. Was die Schwaben, davon gibt es nicht wenige in der Reisegruppe, besonders erfreut: Es ist überall schön sauber.

Im flotten Tempo geht es über die meist gut ausgebauten Straßen. Allerdings erfordern tiefe Schlaglöcher, umherstreifende Rinder und natürlich der Linksverkehr die stete Wachsamkeit.
Im flotten Tempo geht es über die meist gut ausgebauten Straßen. Allerdings erfordern tiefe Schlaglöcher, umherstreifende Rinder und natürlich der Linksverkehr die stete Wachsamkeit.

Am nächsten Tag überrascht uns der südafrikanische Frühsommer. Die Sonne macht sich rar. Gottes Fenster soll für uns geschlossen bleiben. Doch zunächst genießen wir die harmonischen Kurvenfolgen hinauf zu Pilgrim’s Rest. Rundum türmen sich grün überwucherte Vulkankegel. Auf einem thront eine verrottete Mangan- Minenanlage, von Stacheldraht gesichert und absterbenden Palmen umgeben. Zwei bunt gekleidete Minenarbeiter winken uns von Weitem zu. Ein dreibeiniger Hund kommt uns unter dem Zaun entgegengekrochen, ich schliddere mit der GS über stinkenden bleigrauen Schlamm. Eine dichte graue Wolkendecke vollendet die Endzeitstimmung. Es ist nicht der einzige Ort, der uns verdeutlicht, dass dieses Land große Umweltprobleme hat. Diese aber offensichtlich noch keinen so recht interessieren. Gleich am Morgen passierten wir die größte Papierfabrik Afrikas. In einem Tal gelegen, das früher sicher mal paradiesisch war und in dem im Jahre 2010 weltweit geltende Umweltregeln für die Papierherstellung definitiv nicht gelten. Am Rande des Flusses, der wie die meis - ten, die wir passieren werden, einer stinkenden Kloake gleicht, ducken sich die erbärmlichen Blechhütten der Fabrikarbeiter. Kaum vorstellbar, dass sich der Konzernvorstand im fernen Finnland hier mal blicken lässt.

Wer heile Welt erwartet, sollte besser nicht nach Afrika fahren. Das gilt auch für die Republik Südafrika, die selbst einen bescheidenen Wohlstand mit tiefen Narben bezahlt. Trotzdem ist es ein sehr angenehmes Reiseland, in dem man nicht die Augen verschließen muss, um sich wohl zu fühlen. Tagtäglich gibt es wunderbare Eindrücke. Der Kaffeestopp in den Berghütten kurz vor Pilgrim’s Rest gehört dazu. Die Bar duftet verführerisch nach Pancakes, die Bedienung ist rührend bemüht und der Ausblick von der Terrasse traumhaft. Wahrhaft Großes liegt vor uns. Jedenfalls verspricht »God’s Window«, jener Aussichtspunkt am Rande des High - velds, einen atemberaubenden Blick in die Tiefe, über den Krüger-Nationalpark bis weit nach Mosambik. Doch ein sommerlicher Regenvorhang stört das Programm. Die Vorstellung vom Lowveld bleibt vorerst unserer Fantasie überlassen.
Markus, unser Tourguide, hat für die Topografie des Landes ein sehr anschauliches Bild geprägt. Ein umgedrehter Teller, mit dem Highveld in der Mitte, eingerahmt von einem Gebirgsstreifen, und dem flach abfallenden Lowveld außenherum.

Hazyview, eine Ortsbezeichnung, die zum verhangenen Wetter passt, allerdings mit so vielen Farbtupfern unsere Augen beschäftigt, dass gar kein Trübsinn aufkommen kann. Es rumort und brodelt um uns herum. Kaum auszumachen, wo die Tankstelle aufhört, der Markt anfängt, die Menschen sich ihrem alltäglichen Dasein hingeben. Mittendrin ein Fish & Chips- Laden. Steht zumindest dran. Von Fisch keine Spur. Dafür liegen unter dem Papier in der Vitrine blutige Knochen. Bereit zum Frittieren. Wir belassen es bei Chips. Sauce? Ja. Nach kurzer Zeit reicht mir ein Weißer mit roten Stoppeln auf dem etwas unförmigen Schädel ein Knäuel kochendes Papier. Während mir Gedanken über Inzucht unter Buren durch den Kopf schießen, lasse ich das heiße Paket auf den Tisch plumpsen. In Ermangelung von Gabeln oder Servietten stopfen wir die glühenden, matschigen Fritten mit bloßen Fingern in den Mund. Was angesichts der Chili- Sauce, in der diese schwimmen, nicht ganz einfach ist. What shall’s? Es schmeckt. Und es ist einer der seltenen Momente, den jeder Traveller kennt, in dem die kalte Cola mundet wie ein Château Lafite zum Entrecôte.

Die bunten Obststände gehören zum Straßenbild. Willkommene Gelegenheit, Vitamine zu tanken.
Die bunten Obststände gehören zum Straßenbild. Willkommene Gelegenheit, Vitamine zu tanken.

Angelika schaut derweil immer wieder besorgt zu unserem vor dem Imbiss stehenden Motorrad. »Not safe«, hatte ihr ein Einheimischer bedeutet, als wir Helme und Jacken liegen ließen. Ich habe hingegen ein gutes Gefühl. Und wie zumeist auf meinen Reisen in Afrika soll ich nicht enttäuscht werden. Zumindest Motorradfahrer reisen »safe« . In Köln würde ich jedenfalls meine Klamotten nicht auf dem Motorrad liegen lassen.

Die Straße von Hazyview zum Paul Kruger Gate, der Pforte zum Nationalpark, wird farbenfroh flankiert von riesigen Batiktüchern. Eines hat es uns besonders angetan. Es zeigt zwar nur zwei der »Big Five«, der fünf legendären Wildtiere Afrikas – Elefant, Löwe, Leopard, Rhinozeros und Büffel –, dafür aber Zebras, deren Anmut wir alsbald in natura erleben sollen. Um »Big Five« dreht sich im Krüger- Park und in den zahllosen privaten Reservaten des Landes alles. Aus der ganzen Welt strömen Touristen ins Land, um sich mit Landrovern durch Busch und Savanne schaukeln zu lassen. Auch für uns Motorradfahrer heißt dies, auf den Bänken der Pritschenwagen Platz zu nehmen. Denn Motorräder sind aus Sicherheitsgründen in keinem Park erlaubt. Unser Hotel ist top gewählt. Es liegt unmittelbar an der Einfahrt des Reservats, das 1898 unter dem Präsidenten Paul Kruger gegründet worden ist. Mit 20.000 Quadratkilometern eines der größten Wildschutzgebiete Afrikas. Es zieht sich über 350 Kilometer entlang der Grenze zu Mosambik. Unser Hotel, das erst vor zehn Jahren einem Hochwasser zum Opfer fiel und neu aufgebaut werden musste, liegt unmittelbar am Sabie River und erstreckt sich weitläufig in der üppigen Vegetation. Jeder Gast muss beim Einchecken unterschreiben, dass er nur auf eigenes Risiko auf dem Gelände unterwegs ist. Doch außer den allgegenwärtigen Grünen Meerkatzen, die uns frech ihre blau und rot leuchtenden Geschlechtsteile offerieren, und daumendi - cken, 20 Zentimeter langen Tausendfüßlern hält sich die Fauna noch zurück. Wie an jedem Abend sorgt ein Buffet für den kulinarischen Ausklang. Salate, Gemüse, Obst sind vom Besten, das Fleischangebot vielfältiger, als so mancher in der Reisegruppe vermutet. Ein Schelm, der die Schildchen am Krokodil- und Antilopenfleisch entfernt hat. Hauptsache, es schmeckt, was sich zumindest vom zarten Impala sagen lässt. Auch die Löwen wissen die feingliedrigen Antilopen zu schätzen. Gut zu wissen, dass diese nicht vom Aussterben bedroht sind.

Fünf Uhr 30 ist Safari-Time. Danach kann man in ganz Südafrika die Uhr stellen. Ein Allradler nach dem anderen verlässt die Lodge, jeder beladen mit bis zu zehn Gästen. Einige haben sich höchst professionell im Safari-Look ausstaffiert. Besonders attraktiv die Ledergamaschen gegen Schlangenbisse, falls die Schwarze Mamba doch mal über die gut 1,50 Meter hohe Bordwand der offenen Geländewagen hechtet. Wir Motorradfahrer, im sommerlichen Zivil unterwegs, sind da vergleichsweise unvorbereitet, um nicht zu sagen: Uns trifft es verdammt ungemütlich. Denn es hat die ganze Nacht geregnet. Es regnet weiter, und der Fahrtwind ist trotz des mäßigen Tempos so schneidend kalt, wie wir es im südafrikanischen Sommer ehrlich gesagt nicht erwartet hatten.

Wehmütig denken wir an die kuscheligen Motorradkombis, die im Zimmer liegen, als unser Fahrer plötzlich abbremst. Vor uns kreuzen zwei Elefanten die Bahn. Rechts im sandigen Flussbett lässt eine ganze Gruppe Dickhäuter übermütig den feuchten Kies aufwirbeln. Es folgen in erstaunlicher Dichte Nashörner, Giraffen, Büffel, Zebras, Warzenschweine, Kudus und Impalas. Ein Leopard lässt sich in der Ferne auf einem Baum erahnen. Per Funk verständigen sich die Führer, und so kommt es regelmäßig zu Staus auf den Pisten. Die Tiere scheinen an den Rummel gewöhnt zu sein und strafen uns mit Gleichgültigkeit, vielleicht auch Verachtung. Ein Elefant demonstriert seine Kraft und entwurzelt direkt neben uns mal so eben einen Baum. Zeichen für den Fahrer, doch den Rückwärtsgang einzulegen. Gleichzeitig erklärt er uns, dass das Umlegen von Bäumen nicht bloßes Imponiergehabe ist. Vielmehr haben es die Elefanten auf die nahrhaften Wurzeln abgesehen, während gleichzeitig die nicht sehr klettertüchtigen Antilopen an die frischen Triebe in der Baumkrone herankommen. So wäre das Leben in der Wildnis eigentlich eine perfekte Symbiose, wenn nicht seit der Kolonialzeit der Mensch das Gleichgewicht stören würde.

Zwar ist es mit den Reservaten gelungen, viele Tierarten zu schützen, doch viele sind akut vom Aussterben bedroht. So das Spitzmaulnashorn, das von einer weißen Mafia per Hubschrauber selbst im Krüger-Nationalpark verfolgt und mit Motorsägen verstümmelt wird. Ein zehn Kilo schweres Horn bringt auf dem ostasiatischen Markt 200.000 US-Dollar. Zu Pulver gemahlen dient es nach fernöstlichem Glauben den offensichtlich von Natur aus Unterentwickelten als Potenzmittel. Hauptumschlagplatz ist nach Meldung der FAZ vom 20.11.2010 übrigens Vietnam.

Über 4200 Kilometer führt die Edelweiss-Tour von Johannesburg nach Kapstadt.
Über 4200 Kilometer führt die Edelweiss-Tour von Johannesburg nach Kapstadt.

Für den folgenden Reisetag ist Markus bemüht, seine Schäfchen zusammenzuhalten. Es geht geschlossen nach Swaziland, einem anachronistischen Königreich, Enklave auf dem Territorium Südafrikas, kleiner als der Krüger-Nationalpark. Die Einreise geht geschmeidiger über die Bühne als erwartet. Auf den Toiletten der Grenzstation liegen kostenlos Kondome bereit. Mahnung daran, dass Swaziland einen traurigen Weltrekord hält: Fast die Hälfte der Bevölkerung ist HIV-infiziert. Wegen einiger Fotostopps haben wir mal wieder die Gruppe verloren und irren dank kryptischer Ausschilderung und ungenauer Karte im stickigen Autoverkehr Manzinis umher. Swaziland soll nur eine Million Einwohner haben, was man angesichts des dichten Verkehrs kaum glauben mag. Schließlich erklärt mir eine ebenso hübsche wie burschikose Polizistin den Weg gen Süden, allerdings erst nachdem ich ihrer nachdrücklichen Zahlungsaufforderung Folge geleistet habe. Ich hätte im Gegenlicht der tief stehenden Nachmittagssonne einen »robot«, eine Ampel, bei Rot überfahren. Macht 60 Rand, ungefähr sieben Euro. Nicht zu viel für ein originelles Reiseandenken. Leicht gestresst erreichen wir im Dunkeln das »Casino Royal«. Das heißt nicht nur so, es ist sogar eines. Da im benachbarten Südafrika Glücksspiel verboten ist, gibt es in Grenznähe im Königreich ein paar Spielcasinos. Ein bizarrer Ausklang nach unserer kurzen Stippvisite bei König Mswati III.

Gleich die ersten Ortschaften nach der Grenze sind eindrucksvolles Kontrastprogramm. Gepflegte Einfamilienhäuser, schöne Alleen mit violett blühenden Jacaranda- Bäumen, Schilder, die an Burenherrschaft und deutsche Glücksritter erinnern. Paulpietersburg, Braunschweig, Luneburg, Glückstadt, Vryheid. Die Landschaft des KwaZulu-Natal ist hügelig und wie geschaffen für entspanntes Motorradgleiten. Unser Tagesziel ist Shakaland hinter Melmoth, der Heimat des berühmten Shaka Zulu. Empfangen werden wir von halbnackten Jünglingen, die überraschenderweise in der Grashüttenanlage weder deplatziert noch peinlich wirken. Das ganze Hotel ist eine gelungene Inszenierung, in der die hier arbeitenden und lebenden Zulus für eine ausgesprochen lo - ckere Atmosphäre sorgen. Voller Stolz, gepaart mit erfrischendem Humor und feiner Ironie, erklärt uns ein schwarzer Adonis Handwerk und Traditionen seines Volkes, das vor genau 131 Jahren nicht weit von hier die letzte große Schlacht gegen die britischen Kolonialherren verloren hat. Zur Strafe dürfen wir das selbst gebraute Hirsebier aus der gereichten Kalebasse schlürfen.

Nachdem wir uns am nächsten Morgen von Desmond verabschiedet haben, der wie immer, wenn die Motorradgruppe zu Gast ist, einen kurzen Ritt auf dem Sozius des Tourguides mit breitem Grinsen genießt, lockt uns der Indische Ozean. Bei Saltrock hat Markus einen Traumstrand entdeckt, wo wir in den mächtigen Wogen des fast 30 Grad warmen Ozeans rum to - ben können. Ein paradiesischer Fleck. Das haben sich offensichtlich viele gesagt, denn der Küstenstreifen wird von Villen und luxuriösen Wohnanlagen beherrscht. Durch das malerische Valley of 1000 Hills steuern wir schließlich nach Wartburg, wo wir tatsächlich im Wartburger Hof absteigen. Für uns die letzte Übernachtung in Südafrika und Abschied von einer bunt gemischten Gruppe, die in der zweiten Wo che noch bis Kapstadt touren wird. Unser »Sala Kahle« gilt den Edelweissern.

Das Video zur Reportage

Auf dem TOURENFAHRER YouTube-Channel finden Sie das Video zur Reportage.

Reportage aus TOURENFAHRER Januar 2011


Ausgabe 8-2011

Besuchen Sie auch unseren TOURENFAHRER YouTube-Channel. Hier gibt es immer neue Videos rund um Motorräder, Reisen und Events.


TOURENFAHRER-Newsletter abonnieren und frühzeitig Informationen über mögliche Vorbestellungen oder andere Vorzugsaktionen erhalten.


DAS ENDE DER APARTHEID

Südafrikas Geschichte ist untrennbar von dem Begriff Apartheid geprägt, der strikten Trennung zwischen Weißen und Schwarzen. Deren Ursprung in der Kolonialisierung des Landes durch die Niederländer und Briten zu finden ist. Es blieb den niederländischstämmigen Buren vorbehalten, die Rassentrennung ab 1948 ganz offiziell als Apartheid zu manifestieren. Einhergehend mit einschneidenden Beschränkungen für die schwarze Bevölkerungsmehrheit. Was freilich weltweit agierende Konzerne, allen voran US-amerikanische und deutsche, nicht daran hinderte, in Südafrika Geschäfte zu machen und das rassistische Regime massiv zu stützen. Erst nach dem blutig niedergeschlagenen Schüleraufstand von Soweto im Jahre 1976 geriet das Apartheid-System unter internationalen Druck. Der gemäßigte Präsident de Klerk zeichnete Ende der 80er Jahre für weitreichende Reformen verantwortlich und sorgte für die Freilassung des Oppositionsführers Nelson Mandela, der in den ersten freien Wahlen 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt wurde.

SHAKA ZULU

Shaka Zulu ist Südafrikas berühmtes - ter Stammeshäuptling und Krieger, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Zulus mit kriegerischer List zum beherrschenden Stamm des Landes machte. Seine gnadenlose Brutalität wird auf seine Kindheit zurückgeführt, in der er als unerwünschter Sohn vom Clan seines Vaters misshandelt worden war. Er erfand einen Stoßspeer als tödliche Nahkampfwaffe und ließ seine Krieger in strategischer Formation kämpfen. Er gilt als Gründer der Zulu-Nation, vermochte es aber nicht, alle Stämme zu einen. 51 Jahre nach seinem Tod unterlagen die Zulus in einem blutigen Krieg den britischen Kolonialtruppen (1879). Der Traum von der eigenen Nation war damit beendet. Große Teile des Landes wurden an weiße Siedler verteilt, den stolzen Kriegern blieben nur Reservate.

Die Bronze stellt den Zulu-Krieger
Die Bronze stellt den Zulu-Krieger

MOTORRADTOUR

Südafrika gehört seit 16 Jahren zum Programm von Edelweiss Bike Travel (www.edelweissbike.com). Die nächs - ten Termine sind: 30.01.-13.02.2011 und 30.10.-13.11.2011. Die zweiwöchigen Touren führen von Johannesburg nach Kapstadt. Als Mietmotorräder stehen wahlweise alle BMW GS-Modelle, R 1200 R und RT zur Verfügung. Die Route führt ausschließlich über geteerte, in der Regel gut ausgebaute Straßen, wobei die Tagesetappen zwischen 200 und 460 Kilometern liegen. Gesamtstrecke 4200 Kilometer. Die Tour-Termine fallen in den südafrikanischen Sommer, mit gelegentlichen Regenfällen muss gerechnet werden. Der Tourguide leitet in Deutsch und Englisch, da die Zusammensetzung der Gruppen international ist, was den besonderen Reiz ausmachen kann.

LITERATUR

»Südafrika«, Christine Philipp, Reise-Know-How-Verlag, 8. Aufl. 2011, 25 Euro, ISBN 978-3-89662-393-5

»Südafrika«, Dieter Losskarn, DuMont Richtig Reisen, 22,95 Euro, ISBN 978-3-7701-7617-5

 

KARTEN

Rough Guide Map, South Africa, 1 : 1.400.000, ISBN 978-1-84836-497-4

South Africa Glovebox Road Atlas, 1 : 1.500.000

DIE REGENBOGENNATION

Südafrika ist dreieinhalbmal so groß wie Deutschland und hat rund 47 Millionen Einwohner, von denen etwa 80 Prozent den schwarzen Bevölkerungsgruppen (z. B. Zulus) zugerechnet werden. Die neun Prozent Weißen sind hauptsächlich niederländischer (Buren), britischer und deutscher Abstammung. Weitere elf Prozent werden den Mischlingen und Asiaten zugerechnet. Es gibt offiziell elf Landessprachen. Neben Englisch und dem Afrikaans der Buren sind dies Ndebele, Pedi, Sotho, Swati, Tsonga, Tswana, Venda, Xhosa und Zulu. Am verbreitetsten ist Englisch, das aber von vielen älteren Schwarzen kaum verstanden wird. Aufgrund der kulturellen Vielfalt des Landes wird gerne von der Regenbogennation gesprochen, was sich auch in den Farben der Nationalflagge manifestiert. Im Gegensatz zur Integrationsfigur Mandela waren und sind seine Nachfolger Mbeki und derzeit Zuma nicht unumstritten. Zuma ist in mehrere Skandale verwickelt, unter anderem wegen Vergewaltigung. Die derzeit angespannte innenpolitische Situation wird von Julius Malema, dem Präsidenten der ANC-Jugendorganisation, angeheizt. Nachdem er schon massiv Stimmung gegen die Fußballweltmeis - terschaft gemacht hatte, provozierte er die Buren, indem er während einer Veranstaltung das verbotene Lied »Shoot the Boer« (erschießt die Buren) anstimmte.

 

Mein Tourenfahrer

Noch keine Logindaten? Zur RegistrierungZur Registrierung

TF-Filme

Motorradreisen zu den schönsten Zielen in bewegten Bildern. [mehr]

Motorrad-Hotels

TF-Partnerhäuser

Über 500 motorradfreund­liche ­Hotels auf einen Blick.

Web-App

Hotelsuche unterwegs für Smartphone-Nutzer.

Der Markt

Im TF und im MF erscheint monatlich einer der größten privaten Kleinanzeigen- märkte der Branche. Kostenfrei!

TF-Scouts

Das interaktive Tourenportal für Motorradfahrer. [mehr]

TF-Globus

Alle TOURENFAHRER-Inhalte auf einen Blick. [mehr]

TF-News-App

Aktuelle Motorrad-News direkt auf's Smartphone. [mehr]

TF-Archiv

Alle TOURENFAHRER-Artikel seit 1982 als PDF für kleines Geld.
Für Abonnenten gratis.  [mehr]

GPS-Daten

EasyRoutes GPS-Touren

Komplett ausgearbeitete GPS-Touren zum Nachfahren.

GPS-Abo-Touren

Nur für Abonnenten: GPS-­Daten zu den Reportagen im TF.

GPS-Downloads

GPS-Daten für die schönsten ­Motorrad-Ziele in Europa