
Soft oder Cross?
Enduro-, Soft-Enduro- oder Crossstiefel – die Grenzen zwischen den Eigenschaften solcher Stiefel und damit ihrer Eignungsbereiche sind oft fließend. Anhand von sechs sehr unterschiedlich ausgestatteten Modellen erklären wir, was einen guten Stiefel in der jeweiligen Kategorie auszeichnet. Von Dieter Höner
Als Minimalanforderungen an einen offroadtauglichen Motorradstiefeln gelten ein Schlagschutz fürs Schienbein, robuste Dämpfungselemente an beiden Knöcheln und ein straff umschlossenes, gut gegen Verdrehen geschützter Gelenkbereich. Was darüber hinausgeht, hängt davon ab, wie ernst man es mit dem Offroad-Fahren meint. Im Zweifel gilt: den Stiefel lieber eine Nummer »härter« wählen – und zwar durch ausgiebige Anprobe, nicht allein dem Namen nach.
Ausstattungsmerkmale eines Offroad-Stiefels
Schienbein: Ein hoher Schaft mit straff verschließbarem Rand versteht sich von selbst. Der integrierte oder von außen aufgesetzte Schienbein-Schlagschutz darf nicht zu schmal und nicht zu kurz sein und sollte innen über eine solide Polsterung verfügen.
Knöchel: Ein beidseitiger Knöchelschutz, der passgenau auf Höhe der Knöchel sitzt, ist Pflicht. Das können integrierte, gepolsterte Hartschalen sein oder auch großflächige, nicht zu dünne Kunststoff-Einfassungen. Bei Stiefeln mit zwei oder mehr Schnallenverschlüssen ist oft die zweite Schnalle von unten als integrierter Knöchelschutz konzipiert.
Fußgelenk: Rund um das Fußgelenk muss der Stiefel stramm sitzen, um das Gelenk vor Verletzungen durch Verdrehen zu schützen. Kappen: Robust unterlegtes Material an Fußspitze und Ferse gehört zum Anforderungsprofil eines jeden Motorradstiefels.Zweck: Schutz gegen harte Schläge, spitze Gegenstände, Stützfunktion.
Laufsohle: Ein stabiler Absatz und kräftiges Profil schützen beim Fußausstellen und »Fußeln« im Gelände. Die Sohle selbst sollte möglichst steif und verwindungsfest sein, das Profil muss guten Halt auf den Rasten gewährleisten.
Verschlüsse: Ob Klett, Verschluss-Schnallen oder eine Kombination aus beidem: Verschlüsse müssen eng anliegen und so angebracht sein, dass sie bei Kontakt mit einem Felsbrocken, Baumstumpf etc. nicht aufreißen bzw. hängenbleiben.
Auf den Punkt gebracht
Zur schnellen Orientierung haben wir jedem Stiefelpaar eine Kurzbewertung mit vier Kriterien zur Seite gestellt. Aber Vorsicht – direkt miteinander vergleichen lassen sich die Modelle wegen ihrer unterschiedlichen Konzepte nur bedingt.
BMW, Daytona und Hein Gericke sind typisch »softe« Endurostiefel, IXS und Polo zählen zur gut gepanzerten Crosser-Fraktion, und der komfortable Sidi tritt mit ernsthaften Offroad-Ambitionen genau zwischen beide Lager.
So oder so gab es, dem jeweiligen Konzept entsprechend, pro Stiefel maximal fünf Punkte, wenn Sicherheit, Komfort und Ausstattung jeweils auf Topniveau liegen. Die Preis-/Leistungs-Punktzahl ergibt sich aus der Summe der vergebenen Punkte in Relation zum Preis.
So haben wir getestet
Die Stiefel wurden zunächst hinsichtlich ihrer Komfort- und Sicherheitsausstattung sowie der Verarbeitung beurteilt. Im praktischen Teil ging es dann um die Bewertung von Passform und Trage- bzw. Laufkomfort, die Qualität des Fußbetts, die Handhabung der Verschlüsse etc.
Gewogen wurden alle Stiefel in trockenem Zustand, die vier Membran-Kandidaten mussten danach ins Wasserbad. Wasserdichtigkeit: Jedes Paar wurde in einem Watbecken mit individuell angepasstem Wasserstand einem Gehsimulationstest unterzogen. Dauer jeweils 15 Minuten, mit permanentem Heben der Ferse und Einknicken der Fußspitze.
Ergebnis: Alle vier Paare blieben dicht.
Bezugsquellen
BMW: Tel. 0180/5001972, www.bmw-motorrad.de
Daytona: Tel. 08721/96440, www.daytona.de
Hein Gericke: Tel. 0180/5229522, www.hein-gericke.de
Hostettler: Tel. 07631/18040, www.ixs.com
Louis: Tel. 040/73419360, www.louis.de
Polo: Tel. 02165/8440200, www.polo-motorrad.de






