
Gebrauchtkaufberatung: Gebrauchte Motorräder mit ABS
Günstig und sicher
Über den Nutzen eines Antiblockiersystems muss man nicht diskutieren, auch nicht über die Frage, was einem das Sicherheitsplus überhaupt wert sein sollte. Denn ABS und günstig, das passt durchaus zusammen, wie unsere zwei Secondhand-Kandidaten BMW F 650 GS und Kawasaki ER-6n unterstreichen.
Teil 1: BMW F 650 GS ABS
Die acht Jahre lang gebaute F 650 GS wird von vielen als reines Einsteiger- bzw. Frauenmotorrad angesehen, doch damit wird man dem vielseitigen Einzylinder nicht gerecht. Denn die handliche BMW taugt für kleine und große Leute, zum Reisen, zum Offroadfahren und erst recht im Alltag.
Das stabile Fahrwerk lässt sich weder von Bodenwellen noch von voll ausgeschöpfter Zuladung aus der Ruhe bringen, und die komfortablen Federelemente stecken auch gröbere Unebenheiten in leichtem Gelände gut weg.
Das von Anfang an als Sonderausstattung erhältliche ABS wurde von vielen Käufern gleich mitgeordert. Es handelt sich dabei um ein Zwei-Kreis-System, bei dem die Bremskreise für Vorder- und Hinterrad vollkommen voneinander getrennt sind. Die Verzögerungswerte mit ABS sind top. Bei einem ABS-Vergleichstest stand die F 650 GS aus Tempo 100 km/h auf trockener Straße nach 42,54 Metern. Allerdings regelt das einfach aufgebaute System relativ grob.
Die Reiseenduro bietet mit 187 kg ordentliche Zuladekapazitäten, die auch Touren zu zweit mit Gepäck ermöglichen, geht sparsam mit Sprit um – auf Landstraßen unter fünf, bei zügigem Reisetempo um sechs Liter –, hat sich als drehzahlfest und frei von Kinderkrankheiten erwiesen und muss nur alle 10.000 km zur Wartung in die Werkstatt.
Bei einem Exemplar aus dem Jahr 2000 sollte zweifelsfrei belegt sein (Serviceheft), dass im Rahmen der 10.000er- oder Jahresinspektion die seinerzeit modifizierte Software installiert wurde, außerdem sollte der Rückruf fürs Anlasserrelais abgearbeitet sein.
Von frühen Exemplaren sind außerdem vibrationsbedingte Haarrisse am Aluminiumhalter des Wasserkühlers bekannt (bei betroffenen Maschinen seinerzeit im Rahmen der Garantie ausgetauscht) – nach der Probefahrt also auf Dichtigkeit checken.
Schnell verschlissen ist bei einer F 650 GS der Kettensatz – Lebenserwartung je nach Beanspruchung und Pflege: 15.000 bis 18.000 km –, außerdem der Ruckdämpfer-Satz im Hinterrad. Zeigt die besichtigte Maschine starke Lastwechselreaktionen, haben die Gummidämpfer zu viel Spiel und müssen ausgetauscht werden.
Die Verarbeitung einzelner Maschinen ließ anfangs zu wünschen übrig, weshalb man insbesondere Rahmenrohre, Schweißnähte und Schraubverbindungen auf Rost kontrollieren sollte.
Außerdem checken: Zustand der Drahtspeichenräder – Spannung und Vollzähligkeit der Speichen, Felgen auf Höhen- bzw. Seitenschlag –, alle Fahrwerkslager (Räder, Lenkkopf, Schwinge), Motorschutz, Krümmer und Kühler auf mögliche Schäden durch Offroad-Betrieb.




