
KTM Freeride E
Während elektrisch betriebene Geländesportmaschinen bislang die Domäne von Nischenanbietern waren, tritt nun Offroadplatzhirsch KTM auf den Plan. Die Österreicher scheinen sich bewusst Zeit gelassen zu haben, um mit der Freeride E ein ausgereiftes Bike auf die Stollenräder zu stellen.
Im Gegensatz zu anderen Elektromotorrädern setzt KTM bei der Freeride E auf Hochvolt-Technologie, wie sie sich bereits im Automobilbau bewährt hat. Der Vorteil höherer Spannung – Die Freeride läuft mit 300 Volt – liegt in niedrigerem Stromfluss bei gleicher Leistung. Wir erinnern uns: Leistung ist Stromstärke mal Spannung (P = U x I).
In der Praxis bedeutet das, dass die stromführenden Komponenten deutlich geringer dimensioniert werden können. Angst vor der hohen Spannung müsse niemand haben, versichert KTM, die Sicherheit habe bei der Konstruktion immer Vorrang gehabt. Dies habe auch die GTÜ in einem aufwendigen Test- und Zertifizierungsverfahren bestätigt.
Der gesamte elektrische Antriebseinheit ist auf ernsthaften Geländeeinsatz ausgelegt – inklusive anschließender Reinigung mit dem Dampfstrahler.
Zur Steuerung des bürstenlosen Synchronmotors hat KTM eigens eine Leistungselektronik entwickelt, die mit der hohen Spannung zurecht kommt. Der Motor hat eine Nennleistung von 10 kW, in der Spitze stehen 22 kW zur Verfügung. Elektromotor-typisch liegt das volle Drehmoment von 42 Newtonmetern drehzahlunabhängig an.
Seine Kraft bezieht der Antrieb aus einer Lithium-Ionen-Batterie, die über einen Energieinhalt von 2,1 kWh verfügt. Dieser soll laut KTM einen Profi nach etwa 20 Minuten an die Box zwingen, ein Amateur kann mit einer Dreiviertelstunde Geländespaß rechnen. Der Ladevorgang eines völlig entleerten Akkus dauert etwa 90 Minuten. Wer solange nicht warten will, kann den erschöpften Energiespeicher mit wenigen Handgriffen gegen einen neuen tauschen.
Die Fahrleistungen sollen in etwa der einer 125er Zweitakt-Sportenduro entsprechen. Dank der sportendurotypischen Ergonomie dürfte lediglich das Fehlen der Gangschaltung und des Kupplungshebels etwas Umgewöhnung erfordern. Der Handhebel am linken Lenkerende dient der Bedienung der Hinterradbremse. Einsteigern wird diese Vereinfachung sicher entgegenkommen.
Als Chassis dient ein Verbundrahmen mit einer Brücke aus Stahlrohren sowie Leichtmetallgusskomponenten. Das Rahmenheck ist als selbsttragende Kunststoffeinheit ausgeführt.
Zum geringen Gewicht von nur 95 Kilogramm tragen besonders leichte Räder bei. Die Dimensionen mit 21 und 18 Zoll entsprechen jedoch gewohntem Endurostandard. Serienmäßig ist die Freeride E mit einer Art Trial-Reifen bestückt. Die angegebenen Dimensionen von 80/100-21"; 110/90-18" erlauben jedoch den Zugriff auf ein breites Angebot bewährter Enduro- und Crossreifen.
Die Bremsanlage bietet hochwertige Komponenten mit einem Vierkolbensattel vorne und einem Zweikolbensattel hinten sowie leichten Wave-Scheiben.
Die Federelemente sind etwas kleiner dimensioniert als bei den Benzinern. Die Upside-Down-Gabel von WP hat Innenrohre mit 43 Millimetern Durchmesser und bietet einen Federweg von 250 Millimetern. Im Heck arbeitet ein Federbein, dass dank PDS auf Umlenkhebel verzichten kann. Sein Arbeitsweg beträgt 260 Millimeter.
Die Bodenfreiheit fällt mit 340 Millimetern üppig aus, die Sitzhöhe gerät mit 910 Millimetern für Sportenduroverhältnisse moderat.
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