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Traumstraßen Deutschlands – Fichtelgebirge

Grenz-Wertig

Als damaliges Zonenrandgebiet fristete das Fichtelgebirge lange ein Schattendasein. Heute ist Bayerns nordöstlichster Zipfel Garant für eine spannende Tour im Grenzbereich.  Text + Fotos: Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands - Harz

Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe begeisterte sich bereits 1785 für das mächtige, granitene Mittelgebirge. »Der Granit lässt mich nicht los«, schrieb das auch als Naturwissenschaftler bekannte Universalgenie während einer seiner Reisen durch das Fichtelgebirge. Damals zog man noch, je nach Stellung, zu Fuß, auf dem Pferd oder per Kutsche durch diese nordöstliche Ecke Bayerns. Die Straßen glichen eher rumpeligen Feldwegen, und die wenigsten Reisen dienten ausschließlich dem Vergnügen. Gut 220 Jahre später hat sich daran Einiges geändert. Einladend sind sie geworden, die gut geteerten, kurvenreichen Straßen, die sich durch die Täler und Berge des Fichtelgebirges schlängeln. Überwiegend motorisiert ist man heute unterwegs und viele, die ihren Weg in diese östliche Ecke der Republik finden, sind einfach aus purer Lust am Reisen auf Tour. Kein Wunder, mit einigen Gipfeln knapp unter der 1000-Meter-Grenze und zweien sogar darüber findet man hier eine fantastische Ferienregion vor.

Und die, keine Frage, lässt sich am besten mit dem Motorrad erkunden. Auch wir sind aufgebrochen, Traumstraßen zu finden. Im Naturpark Fichtelgebirge, südlich davon im Naturpark Steinwald und im östlich anschließenden Stiftland gibt es einige Strecken, die dieses Prädikat durchaus verdient haben. Startpunkt unserer »Fichteltour « ist Warmensteinach, eine sympathische Gemeinde, die sich ganz der Motorradtouristik verschrieben hat und auch als Motorradhochzeitsdorf bekannt ist – notorische Junggesellen seien gewarnt.

Nur wenige Kilometer düsen Kiki und ich durch den Süden des Naturparks, dann rollt unsere BMW schon wieder aus. Klar, das Automobilmuseum in Fichtelberg ist unbedingt einen Besuch wert. Bietet es doch nicht nur jede Menge vierrädrige Veteranen, sondern auch eine ganze Reihe betagter Zweiräder. »Nicht mehr laufen, Quickly kaufen!« Ganze 515 Mark kostete die NSU 1953 neu. Schließlich starten wir aber doch durch, halten uns weiter Richtung Süden und zirkeln auf schmalen Nebenstrecken durch den Naturpark Steinwald. Kurvenreich geht es durch dichte, dunkle Wälder, in die kaum ein Sonnenstrahl dringt, wir streifen an hellgelb strahlenden Rapsfeldern vorbei, die sich in der leichten Brise sanft wiegen, und passieren jede Menge goldgelb glänzende Ginsterbüsche. Darüber gleiten weiße, freundliche Wolken durch einen strahlend blauen Himmel, welch ein farbenprächtiges Idyll.

Nicht umsonst sind die kleinen gelben Linien auf unserer Karte mit einem grünen Rand versehen, der Fahrspaß und schöne Landschaften verspricht. Zwischen Friedenfels und Poppenreuth passie-  ren wir den 820 Meter hohen Plößberg und freuen uns, dass die Straßenbauer einst offensichtlich ein besonderes Herz für Motorradfahrer an den Tag legten. Man hätte die Strecke auch mit weniger Kurven bauen können. Gleich gegenüber des Plößbergs liegt sein großer Bruder, die Platte, 946 Meter hoch. Mittendarauf steht der Oberpfalzturm, ein hoher Aussichtsturm mit fantastischem Blick. Leider ist er aber nur zu Fuß erreichbar. Wer den Ausblick genießen will, stellt das Mopped auf dem großen Parkplatz nahe der Burgruine Weißenstein ab. Für Motorradfahrer, die im Sattel bleiben wollen, hält der Steinwald aber auch von der Straße aus postkartenreife Ansichten der Landschaft bereit, wie etwa rund um Wiesau.

Im Kalten Krieg lagen sich hier die Gegner gegenüber

Vorbei am Weiher von Kornthan, wo seit Hunderten von Jahren im Herbst durch Ablassen des Wassers die Tradition der Fischernte gepflegt wird, folgen wir ein kurzes Stück der B15. Die ist hier vom Tourismusverband als »Porzellanstraße« ausgeschildert und recht ansprechend. Dennoch biege ich in Tirschenreuth ab und steuere den ehemaligen »Eisernen Vorhang« an. Über die kleinen, landschaftlich und fahrerisch lohnenswerten Nebenstrecken halten Kiki und ich auf den Mittelpunkt Europas zu. Zumindest behaupten die Neualbenreuther, ihr 939 Meter hoher Tillenberg sei dieser Punkt. Wohlweislich verschweigen die heimlichen Nostalgiker dabei, dass diese Festlegung aus der Zeit der k.u.k Monarchie Österreich-Ungarn stammt und damit nicht mehr wirklich aktuell ist.

Traumstraßen Deutschlands - Fichtelgebirge

Dennoch lohnt sich diese Schleife durch das Stiftland. Der einsame, kurvenreiche Asphalt macht uns mächtig Spaß. Wald und Felder wechseln sich ab, und neben der Strecke bieten lauschige Picknickplätze prima Gelegenheiten zu sonnigen Pausen. Nach einem Abstecher zum  Grenzlandturm – 82 Stufen führen in 19 Meter Höhe und zu einem spannenden Blick gen Osten – folgen wir der Landesgrenze. Am nächsten kommt man ihr bei Hohenberg an der Eger. Nur wenige Meter neben der Straße weisen Schilder darauf hin, dass sich hier im Kalten Krieg die Gegner gegenüberlagen. Heute haben sich die Zeiten gottlob geändert, und wer Lust hat, macht von hier aus einfach schnell einen Besuch in der sehenswerten tschechischen Stadt Cheb, nur eine Hand voll Kilometer entfernt.

Kiki und ich wollen aber weiter die Straßen des Fichtelgebirges genießen, lassen Tschechien rechts liegen und folgen im Schatten des Hengstberges den Schildern nach Selb. Die Kreisstadt entwickelte sich Mitte des 19. Jahrhunderts zur Porzellanstadt. Rund 20 Porzellanfabriken siedelten sich im Lauf der Jahre an, nachdem Lorenz Hutschenreuther hier erstmalig industriell Porzellan fertigte. Die interessante Entwicklung ist im Selber Porzellanmuseum ansprechend dokumentiert. Nebenbei locken noch ein historischer Steinbruch und der alte Lokschuppen mit derzeit über 25 Exponaten. Wir gönnen uns in der netten Fußgängerzone von Selb ein leckeres Mittagessen, dann schwingen wir uns wieder aufs Motorrad. Zügig legen wir ein paar Kilometer auf der Bundesstraße Richtung Marktleuthen zurück und tauchen dann wieder in die schmaleren Nebenstrecken ein.

Die Nähe der Berge ist deutlich zu spüren, immer kurvenreicher winden sich die Strecken ihnen entgegen

Die erste führt uns als Abstecher nach Höchstädt im Fichtelgebirge. Hier, im so genannten Sechsämterland, unterhält der MSC Höchstädt seine europaweit bekannte 1800 Meter lange Motocross-Strecke, den KTM-Ring. Die interessante Anlage ist immer einen Besuch wert. Auch wir lassen unsere BMW auf dem Parkplatz stehen und sehen den Motocrossern eine Zeit lang neidisch zu. Macht sicher Spaß, aber dafür haben wir ganz sicher das falsche Gefährt. Das darf dafür anschließend wieder seine Qualitäten zeigen und uns in die nordwestlichste Ecke des Naturparks tragen.

In großem Bogen nähern wir uns den beiden höchsten Bergen des Fichtelgebirges, dem Ochsenkopf und dem Schneeberg, beide deutlich über 1000 Meter hoch. Die Nähe der Berge ist deutlich zu spüren, immer kurvenreicher winden sich die Strecken ihnen entgegen. Alleine sind wir hier nicht. Eine ganze Reihe Motorradfahrer weiß offensichtlich diese Region zu schätzen. Bei einem Eis in Bischofsgrün, gleich zu Füßen des Schneeberges, kommen wir mit einigen von ihnen ins Gespräch, schwärmen vom Fichtelgebirge und tauschen Tipps aus. Skeptisch werde ich, als mich mein Gegenüber fragt, ob ich auch schon die Steilkurven des Ochsenkopfes befahren hätte. Angesichts meines zweifelnden Gesichtsausdruckes erklärt er mir lachend, dass er dabei die Steilkurven der Sommerrodelbahn meine. Zwar haben wir jede Menge Kurven im Fichtelgebirge genießen können, aber die fehlen uns noch. Aber egal welche Kurven man in dieser Region kennt, langweilig wird es zwischen dem Sechsämterland und der Wondrebsenke garantiert nie.

Traumstraßen Deutschlands - Berchtesgadener Land

TOURENFAHRER 8/2007


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