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Reisebericht Tunesien

Unruhe im Sand

In der tunesischen Sahara gelten sie als harte Nuss: die Tafelberge von Timbain inmitten des Meeres ohne Wasser. Sie zu erreichen ist ein Vabanque-Spiel, das nur wenige gewinnen. Mit vier Freunden hat sich Dirk Schäfer auf das Spiel eingelassen.

Text + Fotos: Dirk Schäfer

Reisebericht Tunesien

Es könnte eine Abkürzung sein. Eine, die wir dringend brauchen. Schon viel zu lange sind wir unterwegs, und noch immer trennen uns fast 200 Kilometer von Douz. An den Col de Biada, der sich hier als Kilometersparer andient, erinnert sich Andy als einen ruppigen Übergang in das Flachland der Chotts und rät ab: »Die Südseite ist zwar asphaltiert, aber der Nordhang ist total felsig mit fetten Absätzen dazwischen. So beladen wie wir sind, sollten wir’s besser lassen. Außerdem wird’s langsam dunkel. Wenn wir da ein Problem bekommen ... « Was bringt einen trotz dieser Warnung dazu, den Pass dennoch zu befahren?

»Ist alles asphaltiert!« Lässig lehnt der Polizist in seiner blauen Uniform aus dem Wagenfenster. Von hier bis auf die Südseite des Passes sei alles durchgehend geteert, versichert er noch mal. Sein Kollege nickt aufmuntert vom Beifahrersitz. »Wir eskortieren Sie aus der Stadt auf die richtige Straße.« Dem Rundum-sorglos-Paket der beiden Ordnungshüter widersprechen wir nicht und folgen wie die Küken der Glucke in die Berge. Die beiden Blauen winken zum Abschied und tatsächlich: Was einst derbe Piste war, ist eine Straße geworden. Rumpelig zwar, aber eine Straße, die uns nicht ins Schwitzen bringen wird. Wir hätten misstrauischer sein sollen.

Uns bleibt nur Eines: Wir müssen über die Berge, egal wie.

Nur bis zur nächsten kleinen Siedlung reicht der Teerstrang. Dahinter schiebt der Col de Biada seine immer noch geschotterte Zunge in unsere Richtung. Das muss die Grenze der Zuständigkeit unserer hilfsbereiten blauen Engel sein. Oder die Grenze ihrer Zurechnungsfähigkeit. Der erste Anflug von Ärger über die Fehlinformation zerstäubt im befreienden Lachen. Wir sind in Tunesien! Bienvenue! Im Angesicht des fahler werdenden Tageslichts gibt’s nur eine Entscheidung. Über die Berge, egal wie!

Die Rechnung lässt nicht lange auf sich warten. Von den Niederschlägen der vergangenen Tage ist die Piste weich wie ein frischer Kuchenteig. Die felsigen Passagen zwischen den Teigsektionen erinnern an Freitreppen. Nur unregelmäßiger. Eine Frage der Zeit, wann sich die Grundgesetze der Physik über das erste Opfer hermachen. Hinter einem knackigen Anstieg ragt der linke Alu-Koffer von Susannes Suzuki über die Kuppe. Susanne winkt: alles in Ordnung. Außer, dass das Aufrichten der Sechshundertfünfziger auf dem Pistenschleim alleine nicht möglich ist und die sonst gefügigen TKC 80 vom klebrigen braunen Kleister unfahrbar zugepampt sind. Die Minuten rinnen durch das Stundenglas, und kurz vor Mitternacht laufen wir in Douz ein. Endlich.

»Und, mes amis, wohin fahrt Ihr dieses Mal?«

Mohammed hat uns schon erwartet. Wann immer wir in Tunesien sind, dürfen wir in seinem Haus am Rand der Wüste übernachten. Als er uns am Morgen mit Datteln aus seinem Palmenhain begrüßt, ist in seinem Gesicht immer noch der Junge zu erkennen, der er einmal war. »Und, mes amis, wohin fahrt Ihr dieses Mal?« Wir wollen zu den Sandrosen, nach Ksar Ghilane und vielleicht nach Timbain. »Timbain, das ist nicht leicht. Aber es hat neulich viel geregnet, da ist der Sand nicht so weich wie sonst.«

Egal, welche Piste wir in den nächsten Tagen in Angriff nehmen: Mohammeds Einschätzung war richtig. Der Sand ist meist nur an der Oberfläche weich, darunter fest, manchmal richtig feucht. Der erste Ausflug zum Café du Port du Desert fällt dann auch recht locker aus. An der Gabelung zweier Pisten, die letztlich beide in der Oase Ksar Ghilane enden, führt Tamer mit seinem Vater das Café. Noch vor zwei Jahren war es fast nur mit Palmwedeln umfriedet. Jetzt haben die beiden renoviert und Mauern mit einem festen Dach geschaffen. Tamer hat mit seinen 24 Jahren noch große Pläne. Einen Campingplatz würde er neben dem Café gerne anlegen. Wenn man ihn hört und sieht, was er hier aus dem Nichts gemacht hat, möchte man es zu gerne glauben und ihm noch mehr wünschen. >>


 

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