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Traumstraßen Deutschlands – Rhön

Rhönrad für einen Tag

Die Rhön ist nicht nur das Mekka der Segelflieger. Auch für Motorradfahrer bietet die Region in Deutschlands Mitte ein ideales Terrain. Zwischen Kuppen und Tälern, Schlössern und Burgen lässt es sich traumhaft touren. Text + Fotos: Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands - Rhön

Bad Kissingen, das mondäne Kurbad, hat schon viele illustre Gäste gesehen. Elisabeth Amalie Eugenie von Österreich-Ungarn, besser bekannt als Sissi, Zar Alexander II., der ausgeflippte Märchenkönig Ludwig der II., Reichskanzler Otto von Bismarck, der hier nur knapp einem Anschlag entkam, und Rauschebart Leo Tolstoi sind nur einige der bekanntesten Kurgäste des Bayerischen Staatsbades. Auch Kiki und ich weilen unter den Gästen, allerdings nicht um Saunen und Moorbäder zu erkunden oder unter Lymphdrainagen und Fangopackungen zu stöhnen. Für uns ist das Heilbad der ideale Ausgangspunkt für eine Tour durch die Rhön, das markante Mittelgebirge am Dreiländereck von Hessen, Thüringen und Bayern.

Warum die Rhön eigentlich Rhön heißt, weiß kein Mensch genau. Erklärungsversuche klammern sich an das keltische Wort »raino«, das »hügelig« bedeutet. Glasklar ist jedoch, dass die Landschaft rund um Rother Kuppe, Wasserkuppe und Kreuzberg zu den schönsten Motorradregionen in Deutschlands Mitte zählt. Und das merkt man sehr schnell, wenn man Bad Kissingen, der Fränkischen Saale folgend, verlässt. Im warmen Licht der aufgehenden Sonne passiert man nach nur wenigen Kilometern Schloss Aschach. Ein Graf mit dem wohlklingenden Namen Popo der VI. soll es gegen Ende des 12. Jahrhunderts erbaut haben. Heute beherbergt der perfekt renovierte Bau gleich drei Museen, das Graf-Luxburg-, das Schul- und das Volkskundemuseum.

Für uns ist es noch zu früh für Kultur, über Burkardroth steigen wir weiter bergan, und ab Stangenroth geht es dann auch los mit den ersten sanften Schwüngen auf der immer höher kletternden Landstraße in Richtung Norden. Während sich die Straße durch die hügelige Landschaft schlängelt, stehen in den Tälern noch die Schwaden des Morgennebels, aus denen sich die ersten Kirchtürme strecken. Dunkelgrauer Asphalt unter einem strahlend blauen Himmel führt uns hinauf nach Bischofsheim. Auf dessen Marktplatz stellen wir die BMW ab und schlendern ein wenig durch die alten Gassen, vorbei an der historischen Stadtmauer und dem Wahrzeichen der Stadt, dem rund 26 Meter hohen Zentturm. Und weil uns Bischofsheim so gut gefällt, machen wir gleich noch einen Abstecher zum Kloster Kreuzberg.

Das Franziskanerkloster steht auf dem 928 Meter hohen gleichnamigen Berg gleich oberhalb Bischofsheims und bietet nicht nur einen fantastischen Ausblick über die Region, sondern auch eine zum Kloster gehörende Brauerei. Seit 1731 wird hier süffiges Klosterbier gebraut und aus geschenkt. In Bischofsheim an der Rhön liegt darüber hinaus das südliche Ende der Hochrhönstraße. In den 1930er Jahren geplant, machten sich kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs die Männer des Reichsarbeitsdienstes daran, diese Nord-Süd-Verbindung über die Kuppen der Rhön zu bauen.

Oben auf der Wasserkuppe ist man selten wirklich allein

In Serpentinen geht es entlang des Schwarzbachs in die Höhe. Die Fußrasten der dicken RT hören sich gut an in den Kehren. Je höher wir kommen, desto grandioser wird die Aussicht. Einst waren die Kuppen der Rhön von Buchenwäldern bedeckt, doch großflächige Rodungen haben eine einmalige offene Landschaft mit ganz spezifischer Flora und Fauna entstehen lassen. Richtig urig ist auch der Holzberghof, der gleich oberhalb der Serpentinen liegt. Früher eine Eisenschmelze, wurde an das Gebäude 1910 ein kleines Schloss angebaut, die perfekte Kopie des dänischen Wasserschlosses Frederikstein. Heute ist der Prachtbau ein Restaurant mit Gästezimmern. Der besondere Clou: Es gibt keinen Strom. Die absolute Alleinlage sorgt dafür, dass bei Laternenlicht getafelt und bei Kerzenschein übernachtet wird.

Traumstraßen Deutschlands - Rhön

Kurz hinter dem Basaltsee folgen wir der Beschilderung zur Wasserkuppe. Wir passieren die Grenze zwischen Bayern und Hessen, kommen am Forellenhof vorbei und steigen anschließend zum höchsten Berg der Rhön auf, womit für Schräglagen und tolle Panoramen gesorgt ist. Oben auf der Wasserkuppe, die gleichzeitig auch der höchste Berg Hessens ist, ist man selten wirklich allein. Das liegt nicht nur am Naturerlebnis und den vielen Wanderwegen, hier lockt auch das höchst interessante Segelflugmuseum, schließlich gilt die Wasserkuppe als die Geburtsstätte des Segelfluges. Bei schönem Wetter starten hier die Flieger im Minutentakt. Ich parke die RT direkt am Landeplatz, und wir schauen den schneeweißen Gleitern zu, wie sie im Schlepp kraftvoll in die Höhe gezogen werden und sich in sanften Bögen in große Höhen schrauben.

Auf der südlichen Seite der Wasserkuppe rollen wir später wieder hinunter und kreuzen durch den hessischen Teil der Rhön. Gersfeld mit seinem historischen Marktplatz und dem Barockschloss, der Luftkurort Poppenhausen und die spektakulären Felskletterwände zwischen Steinhecken und der Milseburg sind nur einige Highlights in dem Kurvenwirrwarr westlich der Wasserkuppe. Zügig geht es dann über die B 458 und die B 278, und schon haben wir Seiferts erreicht. Hier liegt das nördliche Ende der Hochrhönstraße, und genau vorbei am Dreiländerpunkt Hessen, Thüringen, Bayern zirkeln wir nach Sennhütte hinauf, um die einmalige Panoramastraße vom Norden her aufzurollen.

Entlang des Schwarzen Moores wähnt man sich auf schottischen oder irischen Straßen

Gleich an der bayerischen Landesgrenze liegt auch das Schwarze Moor. Genau auf der Wasserscheide  zwischen Main und Weser gelegen, gehört es zu den bedeutendsten Hochmooren Mitteleuropas. Früher wurde hier Torf gestochen, jetzt ist das Areal geschützt, Holzplankenwege führen hindurch, und wer mag, kann sich anhand zahlreicher Schautafeln über die Entstehung des Moores und seine Flora und Fauna informieren. Der eine oder andere Streckenabschnitt entlang des Schwarzen Moores erinnert an schottische oder irische Straßen, was nicht zuletzt an den Steinmauern und -wällen liegt, die als Begrenzung dienen.

Zwar soll uns unsere Route eigentlich nach Fladungen führen, vorher wollen wir aber noch den fehlenden Teil der Hochrhönstraße erkunden. Schilder entlang der Strecke erinnern daran, dass nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen gehalten werden darf und die Höhen unter besonderem Schutz stehen. Mit dem Motorrad findet sich aber am Straßenrand immer ein Plätzchen, von dem aus man die faszinierende Landschaft mit ihren grünen Kuppen bestaunen kann. Schließlich schrauben wir uns ab Sennhütte doch noch die Serpentinen bis nach Fladungen hinab, wo uns das Fränkische Freilichtmuseum erwartet. Im Schwarzen Adler, dem historischen Restaurant, gönnen wir uns im gemütlichen Biergarten die »Bauernseufzer«, leckere geräucherte Bratwürste mit Meerrettich und Kartoffelsalat.

Südlich der Rother Kuppe stürzen wir uns wieder ins Tal

Bevor man wieder aufs Motorrad klettert, bietet sich das Museum für einen ausgedehnten Verdauungsspaziergang an. Mit einem Besuch der bäuerlichen Höfe und der Möglichkeit, sich in einer Mühle ein Bild von der alten Mühlentechnik zu machen. In Fladungen ist auch der Heimatbahnhof des Rhön-Zügle, von dem im Sommer regelmäßig eine Dampflok nach Mellrichstadt und zurück pendelt. Entlang dieser Strecke düsen auch wir jetzt gen Süden, biegen aber bei Nordheim scharf rechts ab und erreichen bald Roth. Das kleine Nest würde wahrscheinlich kaum ein Mensch kennen, gäbe es da nicht die 711 Meter hohe Rother Kuppe. Einige knackige Kurven führen hoch auf den Berg, auf dessen Gipfel ein Aussichtsturm steht. Wer nicht nur den tollen Blick vom Turm genießen möchte, so wie wir, kann sich im dazugehörenden Restaurant den Bauch vollschlagen.

Südlich der Rother Kuppe stürzen wir uns wieder ins Tal. Über Urspringen und Feldmühle führen uns kaum befahrene Nebenstrecken wieder auf Bischofsheim zu. Kurz davor biegen wir auf die B 279 ab, folgen den Schildern in Richtung Bad Neustadt a.d. Saale, um nur wenige Kilometer weiter erneut ins Gewirr kleiner Nebenstrecken abzutauchen. Kreuz und quer geht es durch den Burgwallbacher Forst, um den 533 Meter hohen Sommerberg herum, und schließlich finden wir uns am Ufer der Fränkischen Saale wieder, die uns zurück nach Bad Kissingen geleitet, dem Staatsbad mit den illustren Gästen. Kiki und ich gehören jetzt wohl auch zu ihnen.

TOURENFAHRER 2/2008


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