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Historie Yamaha Ténéré

Geboren bei der Paris-Dakar

Vor einem Vierteljahrhundert fuhr die erste Ténéré nach Dakar  – und unzählige Abenteurer nahmen ihre Spuren auf. Keine Piste, die nicht schon von einer Ténéré zerwühlt wurde, kein Abenteuer, das sie nicht bestanden hätte. Die Geschichte einer Motorradlegende.

Text: Christoph Driesen / Illustration: Ingo Löchert / Fotos: Yamaha

Die Yamaha-Werks-Ténéré von 1985
Die Yamaha-Werks-Ténéré von 1985

Wie immer waren es keine japanischen Werksrenner, die das französische Yamaha-Team frühmorgens am Neujahrstag 1983 auf der Place de la Concorde bestieg, um gen Dakar aufzubrechen. Doch diesmal hatte die Rennabteilung des französischen Yamaha-Importeurs keine Serien-XT umgestrickt, sie pilotierte ein Motorrad, das sie gemeinsam mit den japanischen Entwicklern für die Wüstenhatz konstruiert hatten und das bald einem breiten Publikum zur Verfügung stehen sollte: die erste Ténéré. Ein 43-l-Tank musste für die Marathon-Etappen reichen, die Gabel stammte vom YZ-Crosser, das Federbein hatte einen riesigen Ausgleichsbehälter – alles andere würde genau so in Serie gehen. 1984 zeigte sich die Sonauto-Ténéré weniger seriennah. Im 33-l-Tank war der Luftfilter integriert, weitere 22 Liter plätscherten im Heck. Der Hubraum wuchs auf 633 cm3, die Federwege auf 280 mm, doch optisch entsprach das Rallye-Bike noch der Serie.

Das änderte sich 1985, als die Franzosen erstmals mit Werksmaterial versorgt wurden. Der Renner hatte eine neue Tankform, die hinteren Tanks fungierten gleichzeitig als Rahmenheck, und spezielle Federelemente sorgten vorn wie hinten für 300 mm Federweg. 52 PS reichten Sonauto-Chef Jean-Claude Olivier für den zweiten Platz. Doch schon auf dem dritten Platz sah man eine Ténéré wie aus dem Laden. Der italienische Importeur hatte eine TT 600 mit Acerbis-Tanks versehen und den genialen Franco Picco in den Sattel geholt. Ab jetzt würden auch die Italiener Werksmaterial erhalten.

Mehr Topspeed lautete dann die Devise bei der Dakar

1986 zieren Verkleidungen die Rallye-Modelle und sorgen für mehr Speed.

Mehr Topspeed lautete die Devise bei der Dakar, um den Zweizylindern von BMW, Cagiva und Honda Paroli bieten zu können. Deshalb wurde das 86er-Rallye-Bike mit windkanalgetesteter Verkleidung ausgerüstet, die eine Spitze von 170 km/h ermöglichte. Der 52 PS starke Motor entsprach dem Vorjahresmodell, nur das italienische Belgarda-Team vergrößerte den Hubraum der ansonsten baugleichen Motorräder. Vorn wurden nun zwei Alu-Tankhälften verbaut, die sich per Scharnier hochklappen ließen, um Zugang zum Motor zu erhalten, hinten bildeten drei Tanks das Rahmenheck.

1987 ging man mit ähnlichen Ténérés an den Start. Ein Doppelscheinwerfer ersetzte das Rechteckexemplar, und auch die Franzosen erweiterten jetzt den Hubraum auf 654 ccm. Sonauto-Chef Olivier saß dagegen in beiden Jahren auf einer sehr speziellen Ténéré. Unter der bekannten Ténéré-Silhouette brüllte ein FZ 750-Vierzylinder mit 100 PS. Doch auch er konnte den Blauen keinen Sieg holen, geschweige denn Vorbild für die Serie sein.

Bis 1990 hält Yamaha bei den Dakar-Rennern dem Single die Stange

Das französische Sonauto-Team des Jahres 1988
Das Sonauto-Team des Jahres 1988 im Kreise seiner Fünfventiler.

Während die Konkurrenz auf leistungsstarke Zweizylinder setzt, hält Yamaha auch bei den Werksrennern dem Single die Stange. Mit der YZE 750 geht 1988 aber ein Motorrad an den Start der Dakar, das mit der Serie nichts mehr zu tun hat. Befeuert wird das Rallye-Bike von einem wassergekühlten 752-ccm-Single mit fünf Ventilen und Doppelzündung, der 57 PS leis­tet. Drumherum wurde ein völlig neuer Rahmen konstruiert, der vorn zwei Tankhälften mit Öffnungen zur schnellen Erreichbarkeit der Kerzen aufnahm, zwei weitere Tanks bildeten wie gewohnt das Heck des trocken 165 kg wiegenden Rallyemonsters. Neben französischem und italienischem ist nun auch noch ein spanisches Werksteam mit der YZE ausgerüstet.

Auch wenn es für den Sieg nicht reicht: Franco Picco kommt 88 wie 89 als Zweiter ins Ziel und belegt das Potenzial des Rallye-Bikes, von dem viele Fans hoffen, dass es Vorbild für die nächste Serien-Ténéré sein wird. Doch 1990 wird es vom Zweizylinder abgelöst – und für die Blauen beginnt mit dem auf der Einzylinder-YZE noch glücklosen Stéphane Peterhansel ein Jahr später eine lange Siegesserie. Doch auch das aktuelle Serien-Modell taucht nach wie vor massenhaft in den Starterlisten der Dakar auf. Viele Privatiers setzen auf die bewährte Ténéré, für die in Frankreich ein Rallye-Kit mit großen Tanks angeboten wird.

Yamaha Ténéré bei der Rallye Dakar
Der Single bleibt bis zum Schluss bei den zahlreichen Privatfahrern erste Wahl.

Während französische wie italienische Werksteams seit 1990 ausschließlich mit der Zweizylinder-YZE die härteste Rallye der Welt absolvieren, bietet sich auch die neue Serien-Ténéré unzähligen Privatiers für den Dakar-Einsatz an. Die Rennabteilung des italienischen Importeurs Belgarda enwickelt einen kompletten Rallye-Kit mit großen Tanks, Auspuffanlage und Felgen für die 660er, der Eigenkonstruktionen erübrigt. Unter anderem pilotiert der spätere KTM-Sportchef Heinz Kinigadner eine private Rallye-XTZ, auch die spätere Dakar-Legende Fabrizio Meoni sammelt auf einer Einzylinder-Ténéré seine ersten Dakar-Erfahrungen.

Soweit die sportliche Historie der Yamaha Ténéré, die allerdings zu jeder Zeit auch einen großen Einfluss auf die Serien-Ténérés hatte. Auf separaten Seiten beleuchten wir die Evolution des Seriensingles von 1983 bis 1998 in unserer kleinen Typenkunde.


 

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