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Traumstraßen Deutschlands – Altmühltal

Auf Talfahrt

Naturpark, Kletterparadies und Eldorado für Wassersportler – das fränkische Altmühltal ist ein Juwel im Herzen Bayerns. Wen wundert’s da, dass man hier auch mit dem Motorrad gut aufgehoben ist.
Text + Fotos: Hans Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands -Altmühltal

Hahnenkamm – das ist doch der Berg bei Kitzbühel, von dem sich alljährlich verrückte Skifahrer über die Streif in die Tiefe stürzen. Stimmt im Prinzip. Aber es gibt da noch weitere Hahnenkämme: einen in Tirol, einen im Spessart und schließlich noch einen genau zwischen dem Nördlinger Ries und der Fränkischen Alb. Und genau auf Letzterem sind wir gerade unterwegs, arbeiten uns auf kurvigem Asphalt den Spielberg hinauf, der als nördlichster Gipfel quasi den Türsteher für den rund 30 Kilometer langen mittelfränkischen Hahnenkamm spielt.

Heute Morgen sind wir in Gunzenhausen aufgebrochen. Das kleine Touristenstädtchen am Ufer des Altmühlsees bietet sich als Startpunkt für eine Tour durchs Altmühltal förmlich an. Die B 466 führt flott gen Süden, und schon nach zwei, drei Minuten winkt von links der Spielberg, der auf seiner höchsten Stelle mit einem fantastischen Blick in die Region aufwartet. Hier bleiben die Reifen nicht lange kalt. Die Hahnenkammstraße mäandert wie ein Lindwurm durch die Berge und führt geradewegs nach Hechlingen. Hechlingen, das ist jedem BMW-Fahrer ein Begriff. Zumindest denjenigen, denen »Enduro« kein Fremdwort ist. Hier lockt BMWs Enduro-Park all jene, die sich schon immer mal abseits fester Straßen austoben wollten, in den Staub.

Mit unserer Triumph bleiben wir lieber auf festem Belag, umrunden endgültig den Hahnenkamm und stoßen bei Treuchtlingen nun auf die Altmühl. »Pforte des Naturparks Altmühltal« nennt sich die Stadt, wo Altmühl, Schambach, Hungerbach und Möhrenbach zusammenfließen. Damit übertreibt der freundliche Fremdenverkehrsort keineswegs, denn die Altmühl, die ist bis Treuchtlingen nicht mehr als ein träge dahinplätschernder Wiesenbach, doch ab hier hat sie in jahrhundertelanger Schwerstarbeit das romantische Altmühltal in die kalkige fränkische Juraplatte geschmirgelt.

Da wir vorerst der Altmühl in ihrem gewundenen Bett folgen wollen, ignoriere ich erst einmal die verlockenden kurvenreichen Nebenstrecken und halte mich entlang des glitzernden Wassers. Nicht weit, da lockt Pappenheim zu einem kleinen Abstecher. Die nette Altstadt und die mächtige Burg sorgen für eine ansprechende Kulisse, vor allem aber sind die Pappenheimer berühmt geworden durch »Wallensteins Tod« von Friedrich Schiller. Feldherr Wallenstein tätigte den viel zitierten Ausspruch »Daran erkenn ich meine Pappenheimer«, aber dass der Pappenheimer Gottfried Heinrich eigentlich ein Treuchtlinger war, das reibt man den Einwohnern hier besser nicht unter die Nase.

Wer nun durch das herrliche Wolfstal die beiden Pappenheimer Ortsteile Bieswang und Zimmern erkunden möchte, muss das mittlerweile ohne Motorrad machen. 26 Motorradunfälle, ohne die hoch geschätzte Dunkelziffer, haben für eine weitere Streckensperrung gesorgt. Also weiter am Fluss entlang, wo man sich nun auf der »Ferienroute Alpen-Ostsee« befindet. Es geht durch Solnhofen, bekannt durch seine Steinbrüche und Fossilienfunde, und den Altmühlschleifen folgend weiter nach Dollnstein. Hier zweigt in Richtung Süden das Wellheimer Trockental ab und führt hinunter bis Rennertshofen.

Viele tausend Jahre ist es her, da floss die Donau durch dieses Tal und schuf eine bildschöne Landschaft, bevor sie sich dann doch entschloss, lieber weiter in Ost- West-Richtung zu strömen. Trockenwiesen und Wacholderhaine, eigenwillige Felsformationen und Weinberghöhlen stehen Spalier. Der Donau sei Dank für ihre Fleißarbeit, Straßenführung und Landschaft machen die Strecke zu einem echten Highlight.

Zurück an der Altmühl trudeln wir bald in Eichstätt ein. Auf dessen Marktplatz, gesäumt von schmucken alten Fassaden, stehen regelmäßig jede Menge Motorräder. Kein Wunder, der Hauptort des Naturparks Altmühltal lockt nicht nur mit etlichen Cafés zur Pause, er hat auch noch etwas für Entdecker zu bieten, die den Helm mal beiseitelegen wollen: den Dom, die fürstbischöfliche Residenz, die Willibaldsburg und den Hofgarten als Hingucker.

Ein Hingucker ist auch der weitere Verlauf des Flüsschens. Gesäumt von Höhenzügen rauscht die Altmühl durchs Tal, passiert idyllisches Grün, ein römisches Kastell, Türmchen, Kapellen und Wacholderheide. Da unsere Tour sich aber schließlich nicht aufs Blümchenpflücken beschränken soll, setze ich bei Arnsberg den Blinker und folge den Schildern nach Böhmfeld. Die Belohnung ist eine herrliche Strecke, die mal galant die Hügel umrundet, mal von Kuppe zu Kuppe surft wie ein talentierter Wellenreiter. Zu guter Letzt landen wir nach einer großen Runde wieder an der Altmühl bei Kipfenberg. Der Ort ist Bayerns geografischer Mittelpunkt, die Besucher kommen aber wohl eher wegen der romantischen Lage inmitten bewaldeter Höhen.

Außerdem: Rund um Kipfenberg muss man sich bestimmt nicht langweilen. Wie wäre es etwa mit dem Besuch des kleinen, aber feinen Technikmuseums in der Kratzmühle im nahen Kindinger Ortsteil Pfraundorf? Die alte Beilngrieser Schusterwerkstatt, eine historische Schneiderei, eine uralte Handschuhmacherei sowie eine noch funktionierende Buchdruckerei präsentieren sich hier ebenso wie die beeindruckenden Exponate der Verkehrstechnik- Ausstellung – ein Opel P4, eine BMW Isetta, ein Messerschmitt-Kabinenroller und, und, und. Das Beste daran – die Oldtimer sind durch die Bank noch fahrtüchtig und rollen bisweilen sogar über die Straßen der Region.

Oder lieber zur Gredinger Kirchenburg? Neben den anderen historischen Bauten des Örtchens mit seinen 1250 Metern historischer Stadtmauer atmet die Wehrkirche nicht nur Geschichte, in der kleinen Kapelle zu ihren Füßen befindet sich auch noch ein so genannter Karner, ein Beinhaus. Vermutlich im 14. Jahrhundert eingerichtet, beinhaltet er die deckenhoch gestapelten Gebeine von wahrscheinlich weit über 2000 Menschen.

Bei Beilngries mit seiner einladenden Altstadt darf man die Altmühl noch ein letztes Mal in ihrer Unberührtheit genießen, wenig später, ab Dietfurt verändert sie ihren Charakter erneut. Leider nicht wirklich zu ihrem Vorteil, denn sie wird nun Bestandteil des Main-Donau-Kanals, und damit ist Schluss mit der Beschaulichkeit. Breit fließt sie die letzten Kilometer bis Kelheim, dort mündet sie schließlich in die Donau. Ihr bis ans Ende zu folgen ist trotzdem kein Fehler. Allein wegen Essing, dem vielleicht schönsten Flecken des Altmühltals, dessen Häuser sich ganz dicht an die Felswände schmiegen und dessen beide Stadtteile durch eine mehr als ansehnliche Holzbrücke verbunden sind.

Und natürlich wegen Kelheim selbst. Der Donaustadt mit mächtiger Befreiungshalle auf dem Michelsberg und einer Altstadt, in der sich die Sehenswürdigkeiten wie an einer Perlenschnur reihen. Und dann ist da ja auch noch das alte Kloster Weltenburg und direkt nebenan der wildromantische Donaudurchbruch.

Traumstraßen Deutschlands

Kelheim, das ist der östliche Wendepunkt der Tour. Wir sagen uns erst mal los von der Altmühl, kurven kreuz und quer durch das Land zwischen Altmühl und Donau. Bewaldete Berge mit wohlklingenden Namen wie Schönberg, Poppenberg oder Lobsinger geleiten uns durch den Köschinger Forst und den Naturpark. Wem es hier nicht kurvig genug ist, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Kulturbeflissene und Stadttouristen biegen für einen Besuch nach Ingolstadt ab, Kurvenjunkies halten sich sofort in Richtung Nordwesten. Dort stranden wir schließlich in Wachenzell bei Rupert und Sabine. Die beiden betreiben das TOURENFAHRER-Partnerhaus »Zum Löwen« und haben neben stilvoller Bleibe auch noch reichlich Tipps für uns auf Lager.

Quer durch die Fränkische Alb geht’s weiter am nächsten Morgen, und auf der Strecke nach Hilpoltstein kommen die Reifen zügig auf Temperatur. Die vielen Graffiti auf den Bergstraßen zwischen Greding und Hilpoltstein verraten schon, dass hier das eine oder andere Radrennen ausgetragen wird. Kein Wunder, die Strecke steigt stetig an und dürfte eine echte Herausforderung für stramme Radlerwaden sein. Ich bevorzuge da eher den lockeren Dreh am Gasgriff.

Vorbei am hübschen Hilpoltstein, dann rollen wir in Spalt ein. Spalt, das ist mehr als eine wunderschöne, historische Gemeinde, wo sich Fachwerkhäuser und prächtige Barockbauten auf engstem Raum drängen. Spalt, das ist die Hopfenstadt. Der Spalter Hopfen ist weniger bitter als andernorts, er ist bekannt wegen seines hohen Gehalts an ätherischen Ölen und Duftbestandteilen. Auf der Durchreise lässt sich so ein Spalter Bier ja leider nicht probieren, aber für zwei Flaschen ist noch Platz im Tankrucksack, also geht es noch schnell in den örtlichen Lebensmittelladen. Ist ja nicht mehr weit bis Gunzenhausen, wo man getrost anstoßen kann. Dort ist die Runde voll – und die Flaschen bald leer.

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Inhalt aus TOURENFAHRER - 10/09


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