Cold Contact – Winterreise Mongolei | Zwischenstopp in Moskau

Aero – aber nicht flott

Moskau statt Ulaan Baatar. Und das nächste Ziel heißt Seoul. Das ist der gestrige Tag in Kurzform. Jedoch bieten die Ereignisse genug Stoff für eine detailreichere Version.

Eigentlich hat alles gut angefangen. Die Bahn selbst war im Rahmen ihrer Möglichkeiten pünktlich. Nur sieben Minuten hinter der geplanten Ankunft am Frankfurter Flughafen sind ein akzeptables Zeitfenster.

Den ersten Aufreger gab es bei der Sicherheitskontrolle. Aber nicht mein buntes Portfolio unterschiedlichster Akkus, die energetisch gereicht hätten, ein aufwendiges Drei-Gänge-Menü auf einem Elektroherd zu kochen, war der Anlass. Im Fokus stand Rainers nicht gerade kleines Jagdmesser. Rainer war selbst verdutzt, was der Herr da gerade aus seinem Handgepäck zauberte. Der Mann zeigte sich verständnisvoll, denn so etwas passiere des Öfteren. Die Stimmung kippte dann ein wenig, als auch noch ein Taschenmesser dazu kam. Eigentlich sollten diese beiden Dinge in den Taschen landen, die aufgegeben werden, aber bei der ganzen Packerei, hat Rainer den Überblick verloren. Letztendlich war für die beiden Messer die Reise in die Mongolei schon am Sicherheitsschalter in Frankfurt zu Ende.

Bis Moskau war dann auch alles gut. Doch die halbe Stunde Verspätung war der Auslöser für ein Ereignis, dessen Ausgang nicht mehr in unseren Händen lag. Die Basis dafür legte der verpasste Flieger nach Ulaan Baatar. Wie unsere Reise Richtung Osten nun weitergeht, würde sich am Transitschalter der Aeroflot entscheiden. Und die Bedingungen, diese Entscheidung in einem akzeptablen Zeitrahmen herbeizuführen, waren mehr als schlecht.

So um die 70 zutiefst unbefriedigte Menschen standen an diesem Transitschalter, durchaus Willens, den Rest der Welt an ihrem Unmut teilhaben zu lassen. Dem entgegen stemmten sich zwei junge Damen mit etwas Charme und mit einer Gelassenheit, wie sie nur die russische Bürokratie kennt. Und schon ihre Körperspannung zeiget deutlich, dass sie nur dort saßen, um Geld zu verdienen. Nicht etwa, weil sie sich für die Probleme der Fluggäste interessierten. Auch das zwei der vier Arbeitsplätze an diesem Schalter unbesetzt waren, trug nicht unbedingt zur Entschärfung der Lage bei.

So ein Transitschalter ist ein Ort, an dem sich Nationen treffen, und die unterschiedlichen Temperamente ungefiltert an die Oberfläche treten. Die kleine Japanerin die verzweifelt, versucht die erste Reihe zu erreichen und dabei immer wieder an ihrer Höflichkeit scheitert. Die ältere Dame aus Russland, die mit den Damen keifende Diskussionen führt, dessen Inhalt sich auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse verfolgen lässt. Und der Amerikaner, der in »Amerika first«-Mentalität eine der Damen davon zu überzeugen versucht, dass für ihn die wichtigste Nacht des Jahres in Form des Superbowl Finales bevorsteht und ihm deshalb nicht zuzumuten sei, schon um 6.00 Uhr morgens im Flieger zu sitzen. Der offensichtliche Versuch, seinen Unmut mit berauschenden Getränken zu mildern, zeigt sich als Fehlschlag, und die junge Dame feuert auf seine Forderung, seinen Flug auf einen späteren Termin zu verlegen, mit Gleichmut und unverdünnter Ignoranz zurück.

Fünf Stunden später halten auch wir unsere neuen Tickets in den Händen. Inzwischen ist es Mitternacht, und eigentlich sollte der Anflug auf die mongolische Hauptstadt langsam beginnen. Aber unser nächstes Ziel heißt erst einmal Seoul, und von dort soll es weiter nach Ulaan Baatar gehen. Aber es soll noch weitere zwei Stunden dauern, bis wir im Hotel sind. Die Unterkunft liegt außerhalb des Flughafens, und wir haben kein russisches Visum, das muss geregelt werden. Zwar ist dieser Prozess Routine, doch auch die braucht Zeit. Im Hotel dürfen wir das Zimmer nicht verlassen. Zum Frühstück geht es nur in Begleitung der Security. Unser Status in Russland: »Geduldet«.

Voraussichtlich werden wir Mittwoch am frühen Abend in Ulaan Baatar – HOFFENTLICH – ankommen. Dann sind die Feierlichkeiten für das buddhistische Neujahrsfest voll im Gange. Mal sehen, wann wir das Gespann dann aus dem Zoll befreien können. Rainers Schwager in Ulaan Baatar arbeitet schon daran – wenigstens eine beruhigende Nachricht an diesem Tag.

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