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Big Twins bei den Red Bull Romaniacs

Bei der diesjährigen Austragung der Enduro-Rallye Red Bull Romaniacs gingen erstmals Zweizylinder an den Start. Eine von Touratech modifizierte BMW sowie eine 1190er KTM kämpften sich erfolgreich durch die rumänische Wildnis.

Die Red Bull Romaniacs gelten als härteste Enduro-Rallye der Welt. Das Offroadrennen durch die Bergwelt Rumäniens verbindet durch technisch schwierige Strecken Elemente des Endurosports mit rallyetypischen Charakteristika wie einer kniffeligen Navigation.

Um die vorgeschriebene Strecke in den waldreichen Karpaten zu finden, wird den Teilnehmern allabendlich der Track des kommenden Renntags auf ihr GPS-Gerät gespielt. Nach jeder Etappe werden die Geräte eingesammelt, um sie neu zu bespielen und zu überprüfen, ob der Fahrer auch nicht vom Track abgewichen ist. Zusätzlich gilt es, im Gelände versteckte Kontrollpunkte anzufahren.

Die Teilnehmer konnten sich dieses Jahr für den Start in einer von vier Klassen entscheiden: Gold, Silver, Bronze und Iron. Die Klassen unterscheiden sich in der Trackführung und damit der Schwierigkeit des zu bewältigenden Geländes. Selbst die am wenigsten herausfordernde Klasse »Iron« weist ein derart anspruchsvolles Profil auf, dass die Motorsportler grundsätzlich mit ultraleichten Sportenduros an den Start gehen. Besonders beliebt sind die drehmomentstarken 300er Zweitakter.

Das Rennen mit einem Zweizylinder zu fahren, hat sich bislang noch niemand zugetraut. Umso mehr Beachtung fand die Tatsache, dass sich für die diesjährige Austragung gleich zwei Big Twins in die Startliste der Iron Class eingetragen haben. KTM schickte den Baja-Sieger und Dakar-Finisher Quinn Cody mit einer 1190 Adventure ins Rennen, der bayerische Extrem-Enduro-Spezialist Gerhard Forster ging mit einer von Touratech radikal umgebauten BMW R nineT an den Start.

Red Bull Romaniacs 2017 | Gerhard Forster auf Touratech R9X
Red Bull Romaniacs 2017 | Gerhard Forster und Quinn Cody

  Gerhard Forster mit seinem Boxer in einer steilen Auffahrt (l.). Keine Rivalität: Forster und KTM-Mann Quinn Cody.

Der erwartete Showdown der Boliden blieb allerdings aus. Die Zweizylinderteams gingen das Rennen eher in einem freundschaftlichen Miteinander an. Das Gelände der Karpaten bietet für die schweren Enduros genügend Schwierigkeiten, als dass man sich gegenseitig mehr Konkurrenz als nötig machen müsste. So verständigten sich die Teams auch darauf, nicht offiziell am Prolog (der nicht verpflichtend ist) teilzunehmen. Der Kurs mit künstlichen Hindernissen im Stadtkern von Hermannstadt ist für große Motorräder denkbar ungeeignet. Forster und Cody legten dafür zur Freude des Publikums einen kleinen Showprolog hin, mussten dafür aber auch so ziemlich als Letzte ihrer Klasse in den ersten Renntag starten.

Hier hatte Gerhard Forster deutlich mehr Glück. Von Startplatz 64 arbeitetet er sich trotz nässebedingt sehr rutschigen Terrains mit der schweren BMW auf Rang sechs vor. Cody hatte mit Technikproblemen zu kämpfen, musste am Servicepoint sogar die Kupplung tauschen. Insgesamt erreichten nur 30 Prozent der Iron-Starter an Tag 1 das Ziel in der vorgeschriebenen Zeit.

Bis zum Servicepunkt auf circa 50 Prozent der Strecke war die zweite Etappe deutlich leichter, dann zog das Niveau deutlich an und wurde technischer. Nichtsdestotrotz konnte sich Gerhard Forster einen siebten Tagesrang sichern, Cody zeigte mit reparierten Material sein Können und wurde Elfter.

Der dritte Geländetag war als Härteprüfung angekündigt. Und die Veranstalter rund um Martin Freinademetz hatten nicht zu viel versprochen. Auf steinigen Pfaden mit jeder Menge Lockermaterial galt es, ein Gebirgsmassiv zu erklimmen. Oben angekommen erwies sich der Track als flüssig zu fahren, bevor es über Eselspfade und ausgewaschene Forstwege wieder steil zu Tal ging. Mit nur zwei Minuten Rückstand landete Quinn Cody hinter Gerhard Forster auf Rang zwölf.

Die Gold-Klasse
In der Klasse Gold kämpfte auch bei den diesjährigen Red Bull Romaniacs wieder die internationale Elite der Enduro- und Rallye-Szene gegeneinander. Den Gesamtsieg holte sich Graham Jarvis (Husqvarna) vor Mario Roman (Sherco) und Paul Bolton (KTM). Für eine Sensation sorgte Manuel Lettenbichler (KTM) aus Kiefersfelden. Der erst 19-jährige Sohn von Extremenduro-Fahrer Andreas Lettenbichler, der schon beim Erzberg Rodeo 2017 als jüngster Finisher aller Zeiten auf sich aufmerksam gemacht hatte, holte sich bei den Romaniacs den vierten Gesamtrang.
Eine ausführliche Reportage gibt es in der kommenden Ausgabe von Opens external link in new window MotorradAbenteuer.

Der vierte Offroadtag hätte mit seiner Streckenführung den Twins eigentlich in die Hände spielen müssen. Durch eine Mittelgebirgslandschaft zog sich der Track in einem großen Bogen in Richtung Hermannstadt. Weitläufige Wiesenlandschaften waren ebenso zu durchqueren wie lichte Laubwälder. Bis auf wenige Wurzelhänge zeigte sich der Boden optimal griffig. Gerhard Forster konnte von dem Terrain allerdings nicht profitieren. Der Kardan seiner BMW machte Probleme. Zur Reparatur musste die Maschine bis zu einer Straße geschafft werden, wo die Antriebswelle repariert werden konnte. Auch wenn Forster nach dem Zwangsstopp das Rennen noch im Zeitlimit zu Ende fahren und sogar den Zielhang in Angriff nehmen konnte, warf ihn die Defekt auf den 70. Tagesrang zurück. Cody kam ohne Probleme als Elfter ins Ziel.

Mit einem 14. Gesamtrang für Gerhard Forster und Platz 33 für Quinn Cody haben zwei Ausnahmesportler gezeigt, dass auch mit schweren Maschinen Erstaunliches im Gelände bewerkstelligt werden kann.

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