Motorrad-Winterreise Mongolei | Fahrt über den zugefrorenen See Khovsgol

Eröffnung der Badesaison am Khovsgol

Andreas und Rainer begeben sich nochmal aus Eis. Über den zugefrorenen Khovsgol fahren sie mit ihren Motorrädern gen Westen, um den Nomaden am Fuße des Buren-Haan Gebirges einen Besuch abzustatten.

In Khankh ist die Welt doch nicht ganz zu Ende. Da gibt es noch die Nomaden, die verstreut im russisch-mongolischen Grenzgebiet leben. Wir fahren noch einmal raus auf den See, diesmal nach Westen. Nur wenige Spuren führen in diese Richtung. Schon vom Eis können wir die Hütten der Hirten sehen.

Verstreut liegen sie vor den Gipfeln des Buren-Haan Gebirges. Den Winter verbringen die meisten Nomaden in diesen festen Behausungen. Die Hütten sind klein, haben oft nur ein Zimmer, in dem die ganze Familie in den kalten Monaten lebt. Erst im Frühjahr geht es mit den Tieren und dem Ger (Jurte) zurück in die umliegenden Täler. 

Motorrad-Abenteuer am Khovsgol
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Motorrad-Abenteuer am Khovsgol

 Über den zugefrorenen Khovsgol gelangen Andreas und Rainer zu den Nomaden am Westufer des Sees. Und auch die symbolische Eröffnung der Badesaison darf nicht fehlen.

Es sind nur kleine Pfade, die vom Eis auf die Wiesen führen, auf denen die Yaks grasen. Und holprig sind diese Wege, steinig und mit dem Gespann mühsam zu befahren. Die erste Hütte, der erste Stopp. Magnai will sich orientieren und fragen, ob einige Nomaden auch im Winter in ihren Gers leben. So etwas braucht Zeit. Es wird viel drumherum erzählt, wie das Wetter wird, ob die Nächte noch kälter werden, und was der Frühling so bringen wird. Zwischendurch gibt es immer wieder eine Prise Schnupftabak, und das Probesitzen auf dem Gespann darf natürlich auch nicht fehlen. 

Es dauert ca. 20 Minuten bis die eigentliche Frage geklärt ist. Ja, der älteste Mensch in der Gegend lebt auch im Winter in seinem Ger, er kenne es nicht anders. Nur über den Hügel ein paar Hundert Meter weiter, dann sei man schon da. Um sicher zu gehen, dass wir dort auch ankommen, fährt der Mann nebst Sohn gleich mit.

Das es sich dabei um mongolische Zeit- und Entfernungsangaben handelt, wird uns viel zu spät bewusst. Das Gespann ist bereits in den Hinterlassenschaften einer Gerölllawine stecken geblieben und muss sich mühselig über weitere dicke Steinbrocken kämpfen. Acht Kilometer weiter und 45 Minuten später haben wir das Ger von Norovambuu erreicht. Der 90 Jahre alte Mann sitzt Pfeife rauchend in seinem Ger und empfängt uns. Er ist erfreut über unser Erscheinen, denn Besuch bekäme er hier draußen nicht so oft. Die Pfeife von Norovambuu macht die Runde, dazu wird Tee und Gebäck gereicht, ganz so wie es die mongolische Gastfreundschaft will. Auch wir sind nicht mit leeren Händen gekommen. Schon in Khankh haben wir Mehl, Tee, Zucker und Reis gekauft, die wir an Norovambuus Familie übergeben. Der 90-Jährige lebt nämlich nicht allein hier draußen. Er wird umsorgt von seinen Verwandten, die gleich nebenan in einer Hütte wohnen. 

Die sinkende Sonne mahnt zur Eile, denn den steinigen Pfad zurück zum Khovsgol möchte keiner von uns im Dunkeln fahren. Die Einladung zu einem kleinen Imbiss in der Hütte der Familie können wir dennoch nicht ablehnen, das wäre hochgradig unhöflich. Also verbringen noch ein paar Minuten in dem gut beheizten Haus und essen einige Buuz (mongolische Teigtaschen). 

Jetzt aber los, die Sonne ist schon fast hinter den Bergen verschwunden. Doch Magnai bleibt gelassen, er kennt sich offensichtlich auch am nördlichen Ende des Khovsgol aus. Wir können auch über den zugefrorenen Fluss zurückfahren, dieser Weg sei wesentlich einfacher, gibt er die neue Richtung vor. Na toll, ich hatte die 800er über den steinigen Untergrund geprügelt, dass selbst bei -18°C die Kühlung der BMW auf das Gebläse zurückgreifen musste. Und jetzt geht es ganz locker und entspannt zurück. Mit dem letzten Tagelicht erreichen wir Khankh. 

Aufbruch am nächsten Tag. Ich wäre gerne noch einen weiteren Tag geblieben. Aber für die knapp 1000 Kilometer zurück nach Ulaan Baatar brauchen wir drei Tage. Schade, jetzt hätte ich gerne ein bisschen von der Zeit zurück, die wir zu Beginn durch das buddhistische Neujahrsfest verloren haben. 

Aber Rainer und ich haben noch eine Mission. Die Eröffnung der Badesaison am Khovsgol. Allerdings wird sie aufgrund des noch jungen Jahres nur symbolisch ausfallen. Trotzdem – Badehose an, Badekappe aufgesetzt und ab aufs Eis. Utgaa, Tulgaa und Magnai schütteln nur die Köpfe. Minus 14°C sind es, da muss alles schnell gehen. Die Kamera wird noch im gut bemäntelten Zustand eingerichtet. Der Spaß dauert nur ein paar Minuten, und trotzdem zeigen sich schon die ersten Erfrierungen vor allem an den Fußsohlen. Aber das Bild, das schon lange vor der Reise in unseren Köpfen herumgeisterte, haben wir!

Wir verabschieden Magnai in Khatgal und machen uns noch am Abend auf Richtung Murun. Ab jetzt gibt es nur noch Asphalt, und der Tag besteht aus dem Abreißen von Kilometern, bis wir Ulaan Baatar erreichen. 

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