Gegner des erleichterten A1-Erwerbs operieren mit falschen Zahlen

RWI-Studie deckt auf:

Gegner des erleichterten A1-Erwerbs operieren mit falschen Zahlen

Der Vorschlag von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, über 25-jährige Autofahrer mit 125ern fahren zu lassen, hat viel Zustimmung gefunden aber auch starken Widerstand provoziert. Allerdings berufen sich die Gegner auf eine Fehlinterpretation einer 22 Jahre alten Studie.

Der britische Ex-Premier Winston Churchill soll angeblich einmal gesagt haben, er traue keiner Statistik, die er nicht selber gefälscht habe. Statistiken auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen, hat sich das renommierte RWI – Leibniz Institute for Economic Research (früher Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung) zur Aufgabe gemacht.

Im Juni beschäftigte sich ein Forschungsobjekt des Instituts mit einer Studie, die die angeblich verheerende Wirkung des A1-in-B-Einschlusses im Jahr 1997 auf die Verkehrssicherheit in Österreich hatte. Es handelt sich dabei genau um die Studie, auf die sich die Gegner von Scheuers Vorstoß, das sind vor allem die üblichen Bedenkenträger ADAC, TÜV-Verbände, Gesamtverband der Versicherer, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) etc., berufen.

Nun stellten die Wissenschaftler vom RWI allerdings fest, dass die von vielen Medien zitierte Interpretation der österreichischen Unfallstatistik durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), nach der sich die Verkehrssicherheit in Österreich durch den vereinfachten Erwerb der Fahrerlaubnis für Leichtkrafträder erkennbar verschlechtert habe, durch die Faktenlage nicht gedeckt ist. Auch eine wahrscheinliche »Erhöhung der Verunglücktenzahlen«, wie vom DVR befürchtet, lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten.

Zitat RWI
»…eine Trendwende der Verkehrssicherheit lässt sich aus diesen Daten eben nicht ableiten. Erstens ist die Zahl zugelassener Motorräder Jahr für Jahr kontinuierlich gestiegen. Zweitens hat sich die Rate der durch Motorräder zu Tode gekommenen Verkehrsteilnehmer, also die absolute Zahl der Getöteten geteilt durch die zugelassenen Motorräder, seit 1990 um ganze 80 Prozent verringert. Schon 1998 lag diese Rate wieder deutlich unter dem Niveau von 1996. Drittens schließlich ist selbst die absolute Anzahl der Motorrad-Toten zurückgegangen; sie lag 2015 immerhin fast ein Fünftel unter der Zahl von 1990.«

Die Essener Forscher wählten die aktuelle Interpretation der 22 Jahre alten Erhebung durch die BASt zur »Unstatistik des Monats«.

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