Studie des ifo-Instituts: Aus für Verbrennungsmotor kontraproduktiv

ifo: Aus für Verbrennungsmotor kontraproduktiv

Das Münchener ifo-Institut warnt vor einem vorschnellen Aus für den Verbrennungsmotor. Nicht nur die wirtschaftlichen Folgen für den Standort Deutschland wären dramatisch, auch in ökologischer Hinsicht wäre ein Verbot nicht sinnvoll.

Man hätte die auf dem Parteitag der Grünen erhobene Forderung nach einem generellen Verbot der Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab 2030 auch für vorgezogenes Wahlkampfgetöse halten können. Doch erfahrungsgemäß bleibt auch von noch so realitätsfremden Forderungen von Politikern – sämtlicher – Couleur immer etwas hängen. Entsprechend alarmiert zeigt sich der Verband der Automobilindustrie (VDA).

Zu viel steht für den Wirtschaftsstandort Deutschland auf dem Spiel, als dass man beim VDA darauf hoffen wollte, dass sich der Vorstoß von alleine totläuft. Schützenhilfe bekommt der Verband nun durch eine umfangreiche Studie des Münchener Wirtschaftsforschungsinstituts ifo.

Die Wissenschaftler haben sich in ihrer Untersuchung mit den Auswirkungen eines Verbots auf Wertschöpfung und Beschäftigung befasst, gehen der Frage nach dem Innovationspotenzial des Verbrennungsmotors nach und beleuchten schließlich die Aspekte Emissionen und Ressourcenverbrauch.

Zunächst widerlegen die Studienautoren den häufig vorgebrachten Vorwurf, die deutsche Automobilindustrie würde den Trend zu alternativen Antrieben verschlafen. Hierzu verweisen sie auf die große Zahl von Patenten deutscher Unternehmen in diesem Bereich, die eher eine Technologieführerschaft als ein Ausbremsen neuer Entwicklungen nahelegt.

Durchaus auch sozialen Sprengstoff enthalten die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler in Bezug auf die ökonomischen Auswirkungen. Allein in der Automobilindustrie wären 426.000 Jobs gefährdet, bei kleineren und mittleren Unternehmen stünden bis zu 130.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Bei der Wertschöpfung wären die negativen Effekte eines Verbrennerverbots ab 2030 noch deutlicher: Insgesamt 13 Prozent (rund 48 Mrd. Euro) der Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie wären tangiert.

Interessant sind die Perspektiven, die die Studie für den Verbrennungsmotor aufzeigt. So sei ein großes Potenzial für Effizienzsteigerungen vorhanden, ein Feld, auf dem deutsche Unternehmen führend seien. In Verbindung mit alternativen Kraftstoffen (Stichwort »power to gas«) könnten effizientere Verbrennungsmotoren nach Ansicht der Wissenschaftler in ihrer ökologischen Gesamtbilanz durchaus Vorteile gegenüber rein elektrischen Lösungen bieten.

Ebenso wie die Forderung der Grünen nach einem Verbot von Verbrennungsmotoren interessengeleitet ist, verfolgt auch der VDA als Auftraggeber der Studie ganz klare Ziele – im Sinne der Automobilwirtschaft. Nichtsdestotrotz zeigt die Arbeit der Münchener Wissenschaftler interessante Aspekte der zukünftigen Mobilität auf und liefert Fakten, die zur Versachlichung einer Debatte beitragen können, die schon bald auch die Motorradwelt betreffen dürfte.

Die komplette Studie kann als PDF kostenfrei von der Website des ifo-Instituts heruntergeladen werden.

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