Ratgeber Motorradhelme

Ein Helm gehört zum Motorradfahren wie Sonne und griffige Reifen. Doch mit der Vielzahl an Fachbegriffen kann nicht jeder etwas anfangen. Wir sorgen für Durchblick.

Außenschale

Die Außenhaut eines Helms besteht aus Duroplast- oder Thermoplast-Kunststoff. Hält den Helm zusammen, schützt die Kalotte vor Einwirkungen von außen und nimmt erste Aufprallenergie auf. Außenschalengröße Viele Hersteller verwenden unterschiedliche Größen der Außenschale, die meisten zwei oder drei, manche bis zu fünf.
Vorteil: Die EPS-Innenschale besitzt immer die korrekte Dicke, so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Bei der Verwendung von nur einer Außenschalengröße (muss logischerweise immer die größtmögliche sein), wird die passende Größe durch eine dickere Innenschale erreicht, der Helm sozusagen heruntergebuchst. Das erhöht jedoch das Gewicht, was wiederum den Tragekomfort einschränkt und das Risiko einer Nackenverletzung beim Sturz vergrößern kann.

Helmbauweisen

Jethelm
Der Helm umschließt Ober- und Hinterkopf sowie die Seiten, das Gesicht inklusive Kinn bleibt frei.

Integralhelm
Umschließt den kompletten Kopf mit Ausnahme des Gesichtsfeldes.

Klapphelm
Wie ein Integralhelm, allerdings kann das Kinnteil hochgeklappt werden.

Cross- und Endurohelm
Wie ein Integralhelm, allerdings mit ausgeprägtem Kinnbügel und zumeist mit Sonnenschirm an der Stirn. Das Tragen einer Crossbrille wird dringend empfohlen.

Hybridhelm
Endurohelm mit zusätzlichem Visier. Bei manchen Modellen lässt sich das Visier werkzeuglos entfernen, um die einfache Nutzung einer Crossbrille zu ermöglichen.

Be-/Entlüftung

Eine gut funktionierende Be­lüftung, am besten verschließbar und mit ausreichend großen Knöpfen, Tasten oder Schiebern versehen, erhöhen den Tragekomfort gerade an heißen Tagen.

Beschlaghemmer

Gibt es bereits ab Werk als Lackauftrag auf dem Visier oder als nachträglich aufzutragendes Mittel. Die Idee dahinter: Die Oberflächenspannung des Kondenswassers (der Atemluft) wird herabgesetzt, wodurch ein klarer Film entsteht, durch den man schauen kann.

Duroplast

Herstellungsverfahren, in dem Matten, Gewebe oder Gestricke aus verschiedenen Kunststoffen (z.B. Kevlar, Kohlefaser oder Glasfaser) übereinandergelegt, mit Polyesterharz getränkt und durch Wärme und Druck miteinander verbunden werden.

Vorteile: Alterungsbeständigkeit sowie Unempfindlichkeit gegenüber Lösungsmitteln, Chemikalien und Umwelteinflüssen.

Nachteil: Teuer durch arbeitsintensive Herstellung und zwingend erforderliche Lackierung.

Gängige Materialien und benutzte Bezeichnungen sind Kohlefaser, Multifiber, Composite Fiber, Dyneema, Fiberglas, glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK), Tri-Composite, Organic Fiber und Advanced Integrated Matrix.

Motorradhelme im Detail

ECE-Norm R22

Die derzeit gültige Norm für Visiere von Kraftfahrer-Schutzhelmen stellt zahlreiche Anforderungen.
Lichtdurchlässigkeit: Sie muss laut ECE-R22 bei einem Visier 80 Prozent betragen. Liegt dieser Wert darunter (zum Beispiel bei getönten Visieren), ist der Aufdruck »For daytime use only« oder ein Sonnensymbol Pflicht.
Optische Qualität: ergibt sich aus dem Scheitelbrechwert und der prismatischen Wirkung. Der Scheitelbrechwert misst unscharfes Sehen und darf +/- 0,12 Dioptrien nicht überschreiten. Die prismatische Wirkung zeigt doppeltes Sehen auf, das zu Müdigkeit und Kopfschmerzen führen und das räumliche Sehvermögen einschränken kann.
Streulichtverhalten: stellt fest, ob beim Blick durch das Visier fremde Lichtquellen als blendend empfunden werden.
Kratzfestigkeit: 3 kg Quarzsand rieseln aus 1,65 Meter Höhe auf das Visier, das sich auf einer rotierenden Scheibe befindet. Abschließend wird das Streulichtverhalten gemessen.

ECE-Norm 22.05

Ist die derzeit gültige Norm, nach der die Schlagdämpfung eines Helms überprüft wird. Die Prüfung besteht aus zwei Teilen: erstens der Fall des auf 50° C erhitzten Helms aus 3,05 Meter Höhe mit 7,5 m/s2 auf einen keilförmigen Amboss; die Messung erfolgt an Stirn, Ober- und Hinterkopf sowie an beiden Seiten. Im zweiten Teil fällt der auf minus 20° C gekühlte Helm aus gleicher Höhe auf einen flachen Amboss, dazu kommt noch eine Kinnteilprüfung mit 5,5 m/s2.

Aus den Ergebnissen resultieren der HIC-Wert und der Peak. Jeder Helm besitzt ein Genehmigungszeichen, das sich meistens auf dem Kinnriemen befindet, bestehend aus einem E mit einer Zahl in einem Kreis (die Zahl gibt das Land an, in dem die Genehmigung erteilt wurde) sowie einer mehrstelligen Ziffern-Buchstaben-Kombination. Ein P in dieser Zeichenfolge bedeutet, dass die Schlagdämpfungsprüfung auch das Kinnteil umfasst. Ein J steht für eine Schlagdämpfungsprüfung ohne Kinnteil, üblich bei Jethelmen.

Futter

Nahtstelle zwischen Helm und Kopf. Besteht bei einfachen Helmen zumeist aus Polyester. Höherwertige Helme verfügen über Funktionsfasern wie Silvercool, Drycool oder Coolmax, die Schweiß vom Kopf weg ins Gewebe und in die Faserkanäle transportieren. Das Futter bedarf regelmäßiger Reinigung, entweder mit einem Spezialreiniger vom Zubehörmarkt oder einem feuchten Schwamm mit Feinwaschmittel. Die EPS-Kalotte sollte nicht nass werden. Anschließend trocknet der Helm mit der Öffnung nach oben bei Zimmertemperatur.

Größe

Die Helmgröße wird angegeben in Buchstaben von XXS bis XXXL oder in Zahlen, die dem Kopfumfang in cm entsprechen: XXS = 51/52 cm, XS = 53/54 cm, S = 55/56 cm, M = 57/58 cm, L = 59/60 cm, XL = 61/62 cm, XXL = 63/64 cm, XXXL = 65/66 cm. Diese Maßangaben sind allerdings nicht standardisiert; ein M-Helm kann sowohl 55/56 als auch 57/58 sein. Ein Grund mehr, einen Helm vorm Kauf unbedingt anzuprobieren. Die Größe des eigenen Hauptes ermittelt man, indem man ein Maßband in Stirnhöhe um den Kopf führt.

HIC-Wert

Abkürzung für Head Injury Criterion, damit werden Hirnverletzungen gemessen. Errechnet sich aus der Härte eines Aufschlags und Dauer der Krafteinwirkung. Je länger der Aufprall dauert und je höher seine Intensität ist, desto hö­er ist das Verletzungsrisiko. Der aktuelle Grenzwert beträgt 2400.

Innenschale

Auch Kalotte genannt. Besteht aus EPS (expandiertes Polystyrol à Handelsname: Styropor) mit der Aufgabe, Aufprallenergie zu absorbieren bzw. flächig zu verteilen.

Lärm

Ein häufig immer noch nicht ausreichend beachtetes Thema bei vielen Helmproduzenten. Der Fahrtwind verursacht Lärm am Helm, bei Tempo 130 sind manche Helme lauter als ein Presslufthammer. Abhilfe schaffen Ohrstöpsel oder das Tragen eines leisen Helms.

Pinlock

Markenname für eine zusätzliche innere Visierscheibe, die ein Beschlagen wirkungsvoll verhindert. Gibt es mittlerweile für viele Integralhelme serienmäßig oder zum Nachrüsten.

Passform

Eines der wichtigsten Kriterien beim Helmkauf. Der Helm sollte überall fest anliegen, ohne zu drücken. Vor dem Kauf sollte ein Helm unbedingt ausprobiert werden, um zu sehen, wie er passt, ob es zieht und wie er sich bedienen lässt (Verschluss, Visierbetätigung, Be- und Entlüftung). Wer viel mit einer Sturmhaube fährt, sollte diese bei der Anprobe ebenfalls anziehen.

Schlagdämpfung

Wird in g gemessen; ein g entspricht der Erdbeschleunigung von 9,81 m/s2. Je niedriger der g-Wert, desto besser die Schlagdämpfungseigenschaften eines Helms. Der Grenzwert liegt laut ECE-Norm bei 2,75 g.

Thermoplast

Herstellungsweise für Außenschalen, bei der ein Kunststoffgranulat im Spritzgussverfahren unter Einwirkung von hohem Druck und hohen Temperaturen in eine Form gebracht wird.

Vorteile: Schlagfestigkeit, preisgünstige Herstellung durch Massenproduktion, relativ leicht.

Nachteile: Im Vergleich zu Duroplast-Helmen nicht so alterungsbeständig und gewisse Empfindlichkeit gegen Chemikalien.

Gängige Materialien und Markennamen: Polycarbonat, Advanced Thermo Material (ATM), ABS, Ectrolon, Lexan, Ronfalin.

Verschluss

Es haben sich drei Verschlusssysteme durchgesetzt.
Doppel-D-Ring: Der Kinnriemen wird durch zwei D-förmige Ringe hindurchgezogen. Dieser Verschluss sitzt, einmal stramm gezogen, jederzeit fest. Ist im Motorradrennsport Pflicht.
Ratsche: Auch bekannt als Zahnriemensteckschloss. Eine Lasche mit Rasterungen wird in einfach in ein Schloss gesteckt.
Klick: Funktionien wie beim Sicherheitsgurt im Auto. Ein Schloss nimmt eine Zunge auf. Die Öffnung erfolgt über eine Druck- oder eine Schiebetaste.

Wichtig sind eine Kinnriemenpolsterung und ausreichend lange Riemen im Sinne leichterer Handhabung.

Visier

Schützt das Gesicht vor Fahrtwind, Schmutz und Insekten, besteht meistens aus schlagfestem, splitterfreiem Polycarbonat (trägt bei einigen Herstellern die Eigennamen Makrolon oder Lexan) und sollte kratzfest sein. Ein Visier sollte regelmäßig ausgetauscht werden, weil es trotz aller Kratzfestigkeit im Alltagsbetrieb leidet und kleine und kleinste Kratzer die Sichtqualität gerade bei Dunkelheit beeinträchtigen.

Visierreinigung

Am besten geeignet sind spezielle Reinigungsmittel in flüssiger Form oder als Nasstücher, die Nachreinigung erfolgt mit einem Zellstoff- oder einem Mikrofasertuch. Finger weg von harten mechanischen Reinigern und von Geschirrspülmitteln, die nicht-ionische Tenside beinhalten. Diese können Spannungsrisse verursachen.

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