Motorradmarken und ihre Logos

Sie werden gehütet wie die Augäpfel, in Untenehmen befassen sich ganze Abteilungen mit der richtigen Verwendung eines Markenzeichens. Wir erläutern Bedeutung und Herkunft ausgewählter Motorradlogos.


Benelli

Der Löwe, Sinnbild für Mut und Stärke, findet sich im Markenzeichen von Benelli seit der Gründung des Unternehmens. Wie die Firma zu dem Logo kam, ist jedoch eher eine banale Geschichte. Als erste Produktionsstätte im Jahr 1911 übernahmen die Benelli-Brüder das Werk von Molaroni, einer alten italienischen Motorradfabrik. Dieser Hersteller führte einen Löwen als Markenzeichen, und so über­nahm Benelli nicht nur das Gebäude von Molaroni, sondern ebenfalls deren Wappen, auch um das Erbe von Molaroni zu bewahren. Die drei Sterne stehen für die drei italienischen Meistertitel, die Tonino Benelli gewann.


BMW

Einer der am weitesten verbreiteten Irrtümer in der Geschichte von Firmenlogos ist die Geschichte des BMW-Emblems als stilisierter Propeller. Dr. Florian Triebel, Chefhistoriker bei BMW, hat diesen Irrtum in der Hauszeitschrift »Mobile Tradition live« ausgeräumt. In Wirklichkeit handelt es sich um die Weiterentwicklung des Zeichens der Rapp Motorenwerke, deren Nachfolge die Bayrische Motoren Werke GmbH am 21. Juli 1917 antritt.


Buell

Erik Buell benutzt einen Pegasus als Zeichen für seine Firma. Er wählte das geflügelte Pferd aus der altgriechischen Mythologie, weil es sich seit Jahrhunderten im Familienwappen der Buells findet. Die hießen nämlich ursprünglich du Bois und stammen aus Frankreich, von wo aus sie erst nach England und dann im 17. Jahrhundert nach Amerika auswanderten. Den Olivenzweig, den der Pegasus als Friedenszeichen im Familienwappen führte, ist jedoch im Buell-Logo nicht mehr vorhanden.


Cagiva

Firmengründer Giovanni Castiglioni wählte 1950 kurz nach der Schaffung seines Unternehmens den Elefanten als Signet für Cagiva. Er entschied sich für den Dickhäuter, weil er vor allem in Indien und Thailand seit Jahrtausenden als Symbol für Glück, Weisheit und die Fähigkeit steht, mit Hindernissen fertigzuwerden – lauter Dinge, die ein Jungunternehmer gut gebrauchen kann.
Auf Motorrädern erscheint der Elefant erstmals 1978 mit dem Beginn der Motorradfabrikation, damals noch mit einer »1« als Hinweis darauf, dass Cagiva Importeur für Harley-Davidson in Italien ist, und als Reminiszenz an die Zeit zwischen 1960 und 1978, als die Amerikaner Besitzer des damaligen Aermacchi- und späteren Cagiva-Werks waren. Die Ziffer verschwand im Jahr 1985, und seit 2000 verwenden die Lombarden eine moderne, stilisierte Form des Elefanten.


Ducati

Nach nur zehn Jahren hat das Dynamic D, das dynamische Ducati-D, seit letztem Herbst ausgedient. Seither haben die Bologneser ein neues Firmenzeichen. Seine äußere Form gleicht dem Logo des Rennstalls Ducati Corse und ähnelt ein wenig einem mittelalterlichen Ritterschild, es soll allerdings ein Herz symbolisieren.
Unter dem unveränderten Ducati-Schriftzug schwingt sich ein breiter, weißer Strich, der eine Rennstrecke darstellen soll als Zeichen für die lange und erfolgreiche Renntradition des Unternehmens.


Harley-Davidson

»Bar and Shield«, zu Deutsch »Balken und Schild«, so heißt das Markenzeichen von Harley-Davidson. Es taucht erstmals 1908 auf, und zwar auf am Motorrad angebrachten Werkzeugboxen. Seit 1910 ist es eingetragenes Markenzeichen, doch sind seltsamerweise bis heute weder Ursprung noch Bedeutung bekannt.


Honda

Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse, warum Honda einen Flügel als Firmenzeichen trägt, sondern nur Vermutungen. Tatsache ist, dass das erste Honda-Logo eine Frau mit überdimensionalem Flügeln darstellt; die Figur heißt laut Honda »Nude figure racing across the sky«, zu Deutsch »Nackte Figur, die über den Himmel rast.« Sie ähnelt dem, was man sich hierzulande unter einem Engel vorstellt. Allerdings kennt die japanische Mythologie nach Auskunft des Japanischen Kulturinstituts in Köln weder Engel noch geflügelte Göttinnen.
Ähnlichkeit hat die Figur jedoch auch mit der griechischen Siegesgöttin Nike und der Verdacht liegt nahe, dass Soichiro Honda diese Göttin als Symbol für sein Unternehmen aussuchte. Erstmals findet sich die geflügelte Dame im Jahr 1947 auf dem Tank des Modells A, einem Fahrrad mit Hilfsmotor, dann 1950 auf dem ersten richtigen Honda-Motorrad, der Dream D, und auf der Mitarbeiterzeitung »Honda Monthly«. Im Laufe der Fünfziger Jahre verschwindet jedoch die Frau, übrig bleibt nur der nur Flügel, erstmals 1955 auf der Dream SA.


Husqvarna

Das Zeichen des ehemals schwedischen Motorradherstellers geht zurück bis ins 17. Jahrhundert, als Husqvarna noch Feuerwaffen hergestellt hat. Das Logo symbolisiert den Blick an einem Gewehr über Kimme und Korn, das Runde stellt den Lauf dar. Husqvarna benutzte dieses Logo ursprünglich als Gütesiegel für seine Musketen und verwendet es seit 1972 als Markenzeichen und als Synonym dafür, die Zukunft immer im Visier zu haben.


Kawasaki

»The flying K«, das fliegende K, so nennt Kawasaki sein Firmenzeichen. Es steht als Initial für Kawasaki und erscheint zuerst im Jahr 1970, allerdings ausschließlich in der Motorradsparte und immer nur in der Werbung, auf Briefpapier oder Aufklebern. Auf den Kawasaki-Motorrädern taucht es hingegen bis heute so gut wie nie auf, dort vertrauen die Grünen schon seit Jahrzehnten auf den Schriftzug Kawasaki. Die in den 60er Jahren verwendete Flagge auf den Kawa-Tanks war von der Kawasaki-Schiffswerft übernommen worden, die benutzt sie noch heute. Dieses Logo symbolisiert das chinesische Schriftzeichen für Fluss. Und obwohl der Motorradbereich in dem riesigen Konzern Kawasaki Heavy Industries, der Schiffe, Brücken, Züge, Ölbohrinseln und vieles mehr herstellt, nur einen ganz kleinen Teil darstellt, hat die große Mutter KHI das fliegende K des kleinen Ablegers seit den 1990er Jahren im­mer häufiger verwendet und es 2007 in den Adelsstand als offizielles Markenzeichen der Konzerns erhoben. Die typische giftgrüne Farbe der Motorräder findet sich erstmals 1969 in den USA auf den H1R genannten Rennversionen der 500 H1 Mach III. Dieses Grün hat sich der Markenprägung ebenso eingebrannt wie das große K, das laut Kawasaki die Herausforderung symbolisiert, sich der Zukunft zu stellen.


Moto Guzzi

1914 wird der Mechaniker Carlo Guzzi zur italienischen Luftwaffe zwecks Flugzeugwartung eingezogen. Dort lernt er die beide Piloten Giovanni Ravelli und Giorgio Parodi kennen, freundet sich mit ihnen an und begeistert sie für die Idee, eigene Motorräder zu bauen. Kurz nach Kriegsende stirbt Ravelli allerdings bei einem Flugzeugabsturz. Ihm zu Ehren wählen die Signori Guzzi und Parodi einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen als Symbol der gemeinsamen Luftwaffenzeit als Markenzeichen von Moto Guzzi. Seit 1921, dem Modell »Normale«, prangt der König der Lüfte auf vielen Guzzi-Tanks.


MV Agusta

Das Firmenzeichen des italienischen Nobelherstellers zeigt ein stilisiertes Zahnrad mit angedeuteten Flügeln. Das Zahnrad steht als Zeichen für den Mechanischen Betrieb (Meccanica), Verghera für den Ort in der Nähe von Mailand, in dem die erste Motorradfabrik stand, und Agusta für den Familiennamen des Firmengründers Giovanni und seiner Söhne Corrado, Domenico, Vincenzo und Mario.


Suzuki

Suzuki führt das Marken-S am 1. Oktober 1958 ein. Grund ist der vier Jahre zuvor vollzogene Wechsel des Markennamens von »Suzuki Loom Manufacturing Co.« (Suzuki hat als Produzent von Webstühlen, engl. »loom«, begonnen) zu Suzuki Motor Co. Ltd. Damit einhergehend beschließt der Präsident Shunzo Suzuki die Schaffung eines neuen, modernen Markenlogos.
Japanische Kunststudenten schicken rund 300 Entwürfe ein, die Wahl fällt schließlich auf den Vorschlag des angehenden Industriedesigners Masamichi Tenezi. Sein S ist einfach, symbolisiert jedoch Energie und Fortschrittlichkeit und damit die Zukunft der Marke. Die Farbe Rot steht von Anfang an fest, doch der Ton wird erst zum 70. Geburtstag im Jahr 1990 festgelegt. Die erste Suzuki mit dem S auf dem Tank ist 1958 das Modell Colleda TM. Es bleibt bis 1970 Bestandteil des Tankdesigns; danach erscheint das Markenzeichen so gut wie gar nicht mehr auf Serienmotorrädern und selbst auf Rennmaschinen findet sich das S nur noch sporadisch.


Yamaha

Yamaha-Motorräder besitzen ja im allgemeinen einen guten Sound, aber deshalb gleich die Stimmgabel als Markenzeichen benutzen, und dann auch noch gleich drei Stück davon? Die Ursprünge liegen ganz woanders. Torakusu Yamaha, gelernter Uhrmacher, macht sich 1883 als Ingenieur selbständig. Ein Auftrag für die Reparatur einer Orgel bringt ihn erstmals mit Musikinstrumenten zusammen. Es folgen die erste selbstgebaute Orgel und danach ein rasanter Aufstieg als Orgelhersteller, der am 12. Oktober 1897 in der Gründung der Nippon Gakki Co. Ltd mündet.

Die gekreuzten Stimmgabeln stehen für die Verbindung zur Musik, sie zieren bis heute beinahe alle Yamaha-Produkte. So finden sie sich auf dem ersten Yamaha-Motorrad, der YA1 125 von 1955, und bis Mitte der 60er Jahre tragen Yamahas das Signet auf dem Tank. Seitdem allerdings zeigt sich das Markenzeichen nur noch auf Rennmaschinen, erst mit Beginn des 21. Jahrhunderts tauchen die Stimmgabeln wieder vermehrt auf Tanks und Verkleidungen auf.


TF-Hotel-Spezial 2018/19

Das TF-Hotel-Special listet über 200 ausgesuchte Hotels und Gasthöfe in Deutschland, die sich auf die Bedürfnisse von Motorradfahrern spezialisiert haben. Alle Unterkünfte wurden von unserer Redaktion sorgfältig geprüft. Detaillierte Karten erleichtern das Auffinden der Häuser Mehr

TF-Sonderhefte

Motorrad-Paradies Alpen
10 Traumstrecken, die schönsten Pässe, Touringtipps für Motorradfahrer.  Mehr


50 Jahre Kawasaki
Rückblick auf 50 Jahre Kawasaki in Deutschland: Meilensteine, Motorräder, Menschen. Mehr


Motorrad-Gebrauchtkauf
Ratgeber mit 36 Bikes in ausführlichen Portraits sowie Tipps zu Technik und Recht. Mehr


Honda Spezial
Aktuelle Modelle, Technik, Historie, Sport – alles rund um die faszinierende Motorradmarke. Mehr


Motorrad-Paradies Frankreich
Die schönsten Reiserouten in Frankreich. Dazu Tipps für unterwegs und Sprachführer. Mehr


Motorradmenschen
33 faszinierende Menschen, für die ein Leben ohne Motorrad undenkbar wäre, im Portrait. Mehr