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Traumstraßen Deutschlands – Fränkische Schweiz

Frank und frei

So hoch her wie bei den Eidgenossen geht’s in der Fränkischen Schweiz zwar nicht, aber auch ohne Höhenrekorde darf man ihre kurvigen Strecken frank und frei als Traumstraßen bezeichnen.
Text + Fotos: Hans Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands - Fraenkische Schweiz

»Üppige Wiesen, fruchtbare Felder, malerisch unter Bäumen halb versteckte Dörfer, kristallhelle Berggewässer, lustig und frisch über und durch Felsentrümmer dahinstrudelnd, fröhlicher Gesang der Vögel in den Lüften ...« Mit blumigen Worten schwärmte der amerikanische Schriftsteller Joseph Heller 1829 in seinem Reiseführer von der Fränkischen Schweiz oder dem »Muggendorfer Gebürg«, wie die Region damals noch hieß. Seinen Bewohnern hingegen bescheinigte der Privatgelehrte, sie seien »ein derbes, in seinen Sitten noch einfaches Völkchen«. Seine deutlichen Worte über die Bewohner dieser traumhaften Karstlandschaft können wir zwar nicht bestätigen, seine Lobpreisungen über die Landschaft haben aber auch heute, 178 Jahre später, ihre Berechtigung. Und nicht weniger ansprechend als die Flusstäler und Hochflächen sind zumindest für Motorradfahrer die kurvenreichen Straßen, die sich durch die Region winden und fantastische Touren ermöglichen.

Unsere persönliche Traumtour durch die Fränkische Schweiz beginnen Kiki, die beste Sozia der Welt, und ich in Gößweinstein. Schließlich hat die kleine Feriengemeinde mit dem TOURENFAHRER-Partnerhaus »Hotel Krone« das ideale Basislager für Ausfahrten in den Karst zu bieten. In Richtung Norden verlassen wir das sympathische Örtchen und finden auf dem griffigen Asphalt gleich jede Menge Spaß. Kaum sind die Reifen warm, lässt es sich schon in gewagte Schräglagen abtauchen unter einem blauen, strahlenden Himmel. Graue Felsen, gelb blü­hender Ginster und bunte Wiesenblumen huschen an uns vor­über. Fast wie ein Stroboskop blitzt uns die Sonne zwischen den dicht belaubten Ästen der Bäume rechts und links der Straße an. So haben wir sie uns vorgestellt, diese schon historische Urlaubs­region. Und auch die »kristallhellen Berggewässer« finden wir hier wieder. Mal rechts, mal links der Straße begleitet uns das glitzernde Nass.

Wir durchqueren Waischenfeld und Plankenfels auf namenlosen Dorfstraßen. Fachwerk und altes Gemäuer lassen die kleinen Gemeinden wie Freilichtmuseen wirken. Hoch über dem Tal der Wiesent streckt sich in Plankenfels das Schloss in den Himmel. Es ist eine abgeschiedene Gegend, trotzdem begegnen uns immer wieder andere Motorradfahrer. Kein Wunder, nur wenige Kilometer entfernt lockt »Kathi-Bräu«, der interessanteste Motorradtreff weit und breit. Uns ist es noch zu früh für einen Stopp, also halten wir uns weiter Richtung Norden, wo man zwischen Hollfeld und Thurnau fast seekrank wird vor lauter Kurven. Aber nicht nur Schräglagenfans finden hier ihr Eldorado, auch jede Menge Sehenswürdigkeiten säumen den Weg durch die Fränkische Schweiz. Wer nicht nur fahren möchte, klettert bei Wonsees durch den Felsengarten mit seinem Ruinentheater, besucht die Burg Zwernitz oder besichtigt die Tropfsteinhöhlen und Aussichtstürme der Region. Und wer Lust hat, kann sich sogar auf Schloss Thurnau das Ja-Wort geben. Weniger folgenschwer ist dagegen ein Besuch bei den Thurnauer Franken­lamas, den vierbeinigen Rasenmähern im Lama-Zuchtbetrieb von Ilse und Werner Köhler.

Kiki und ich verzichten für heute auf so ein wolliges Mitbringsel, klettern wieder auf die BMW und tauchen erneut im Grün der Landschaft unter. Vorbei an gewaltigen Holzstapeln, karstigem Gestein, Höhlen und Ruinen halten wir uns bald wieder gen Süden. In Freienfels, wo regelmäßig eine der größten deutschen Mittelalterveranstaltungen, die Freienfelser Ritterspiele, stattfinden, biegen wir auf die B22 ab. Entlang des Flüsschens Wiesent führt die Bundesstraße in Richtung Bamberg, wird wenige Kilometer vor der Frankenmetropole zu einem Teil der Fränkischen Bierstraße. Mit rund 200 Brauereien hat die Region die höchste Brauereidichte der Welt, immerhin stammen etwa 1000 verschiedene Biere aus dem Bierland Oberfranken. Mit Sorgenfalten auf der Stirn erinnert mich die beste Sozia der Welt lieber schnell daran, dass sich Biertrinken und Motorradfahren nicht wirklich zeitgleich vertragen.

Nicht umsonst wurde die gesamte Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – dieser Anblick dürfte wohl jeden begeistern.

In Bamberg lassen wir die BMW im Schatten der Innenstadt ausrollen. Zu Fuß erkunden wir die engen Gassen und das Zentrum der fränkischen Kaiser- und Bischofsstadt. Nicht umsonst wurde die gesamte Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt; Bambergs Anblick dürfte wohl jeden begeistern. Über einen weiteren Teil der Fränkischen Bierstraße kurven wir dann noch ein bisschen durchs Land, dann steuern wir wieder Aufseß an. In Heckenhof, einem kleinen Ortsteil oben auf der Kuppe, passt die Zeit nun besser, den wohl bekanntesten Motorrad-Treffpunkt Nordbayerns anzusteuern, das »Kathi-Bräu«. Kathi Meyer, die Brauerin, lebt nicht mehr, aber immer noch wird das dunkle, würzige Bier gebraut. Klar, wer mit dem Mopped hier ist, muss sich da zurückhalten, aber es gibt auch köstliche fränkische Vesperplatten und andere leckere Gerichte. Einige hundert Motorradfahrer rollen hier an guten Tagen ein, und es ist fast immer etwas los, selbst mitten unter der Woche. Bevor man wieder aufbricht, sollte man unbedingt eine Runde zwischen den geparkten Moppeds drehen. Da steht meist das eine oder andere hochinteressante Objekt, und ins Gespräch kommt man hier auch recht flott.

Traumstraßen Deutschlands - Fränkische Schweiz

Entlang des gleichnamigen Flüsschens Aufseß verlassen wir den Treff, um wenige Kilometer weiter wieder in das Wiesenttal abzubiegen. Den schnellen Kurven der B 470 folgen wir erneut in Richtung Gößweinstein. Die Wiesent teilt sich hier das Tal mit der Straße und der Eisenbahn. Grandiose Arbeit hat das fließende Wasser geleistet, in wilden Schwüngen arbeitete sich der Flusslauf durch die bergige Landschaft, und zu Füßen des rund 530 Meter hohen Adlerstein freuen wir uns über die knackigen Kurven, die der Fluss vorgegeben hat. In Tüchersfeld mit seinen markanten hohen Felsen mitten im Dorf steht das Fränkische-Schweiz-Museum. Es erklärt nicht nur die Geologie und Entstehung der Fränkischen Schweiz, in anschaulicher Weise wird auch über Geschichte und Leben der Menschen dieser Region berichtet.

Nur wenige Kilometer weiter rollen wir durch ein weiteres städtebauliches Kleinod, Pottenstein. Hoch über dem Dorf thront die Burg, die älteste Festung der Fränkischen Schweiz. Mit der 614 Meter hohen »Platte«, der höchsten Erhebung der Region, liegt etwas nördlich von Pottenstein zudem ein fantastischer Aussichtspunkt. Ich lenke die ST aber in südlicher Richtung, vorbei an der Teufelshöhle, entlang der Burgenstraße. Über Betzenstein erreichen wir bald den südlichsten Punkt der Tour und damit auch die Grenze des riesigen Naturparks Fränkische Schweiz / Veldensteiner Forst. Und hier, so scheint es, will die Vegetation noch mal alles zeigen. Dichte Wälder, bergige Landschaften und groß­artige Panoramen wechseln einander ab, demonstrieren noch einmal die ganze Vielfalt der Region. Trotz aller Schönheit sind wir scheinbar die Einzigen, die in dieser Ecke auf dem kurvigen Asphalt unterwegs sind. Hier und da ein Zweiradfahrer, mal mit, mal ohne Motor, kaum jemals ein Auto. Ein ideales Terrain, die Schräglagenfreiheit der BMW noch mal richtig zu nutzen.

Bei Egloffstein drossele ich das Tempo dann doch wieder. Es wäre einfach zu schade, keinen Blick auf die mächtige Burg zu werfen, die das Stadtbild des Dorfes beherrscht. Bei Obertrubach drehen wir zum letzten Mal gen Norden, und dann sind es nur noch wenige Kilometer, bis wir endgültig in Gößweinstein unsere Traumtour durch die Fränkische Schweiz ausklingen lassen. Aber garantiert war es nicht das letzte Mal, dass wir dieser fantas­tischen Landschaft unsere Aufwartung machen, von der Joseph Heller vor 178 Jahren  auch sagte: »Unter die reizendsten und angenehmsten Gegenden Deutschlands gehört gewiss jene um Muggendorf.«

Traumstraßen Deutschlands - Fränkische Schweiz

TOURENFAHRER 9/2007


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