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Umbau Kawasaki ZL 1000 Eliminator

Lonesome Rider?

Eigentlich wollte Axel Scholl mit ihr nur hin und wieder eine Runde drehen. Doch die Runden sind lang geworden: Mittlerweile hat die ZL 1000 mit dem Pferdesattel fast jedes Land Europas bereist.

Text: Christoph Driesen / Fotos: Christina Güldenring, Kawasaki

Umbau einer Kawasaki ZL 1000 Eliminator

Er hat nur eine Woche Zeit. Jedes Jahr nur diese eine Woche. Eine Woche, um auf Tour zu gehen, um neue Erfahrungen zu sammeln, um einzutauchen in ein »Wellenbad der Gefühle«, wie er sagt. Nicht weiter ungewöhnlich für einen 46-Jährigen, der Familie hat; mit zwei Kindern stehen halt bei den wenigsten längere Motorradausflüge in der Urlaubsplanung. Doch etwas ist anders bei Axel Scholl. Eine Woche Motorrad fahren, das bedeutet bei ihm nicht eine Runde durch die Dolomiten oder eins der anderen typischen Ziele; eine Woche, das bedeutet, morgens um acht den Motor zu starten und erst wieder abzusteigen, wenn die Dunkelheit anbricht. 5000 Kilometer werden es immer in dieser Woche. Mindestens. Gut, da mag es noch den ein oder anderen geben, der es genauso hält, der möglichst viel sehen möchte in solch kurzer Zeit – aber der sitzt wohl nicht auf einer Kawasaki ZL 1000.

Falls sich jemand nicht mehr erinnert: »Eliminator« hat Kawasaki das Motorrad einst getauft. Ein gestrecktes Musclebike, Gegenspieler des bad boys’ toy Yamaha V-max und ziemlich weit weg von dem, was man als Tourer bezeichnen könnte. Axel Scholl ist das egal, als er die ZL 1993 gebraucht kauft. Am Wochenende mal zur überübernächsten Eisdiele brummen, den brutalen Antritt des Vierzylinders spüren, mehr will er gar nicht. Koni-Federbeine hat der Vorbesitzer schon eingebaut, vorverlegte Burchard-Fußrasten rüstet er selber nach, damit die Knie nicht schmerzen, dann passt’s.

Doch zwei Jahre später reichen Axel die kurzen Beschleunigungsorgien nicht mehr, und seine Frau schlägt vor, dass er mit einem Freund doch mal eine Woche wegfahren solle. Axel bricht auf nach Prag, fährt weiter nach Polen und ist begeistert. Ab jetzt gehört die einwöchige Tour zum festen Jahresprogramm. Was ihn keineswegs daran hindert, sich schon vor der zweiten Reise von der bequemen Original-Sitzbank zu trennen. Der Sattel, den ein Ponyhof zu Trockenübungen einem Holzpferd aufgelegt hat, ist einfach schöner – und kostet nur 250 DM. Das Dreifache will der Mühlenbauer sehen, der ein passendes Untergestell aus Alu fertigt. Axel zahlt und fährt zum TÜV. »Knauf absägen«, verlangt der Prüfer – absolut undenkbar. Doch es findet sich ein Harley-Händler, der Erfahrung mit exotischem Gestühl und Verbindung zu verständnisvollen Ingenieuren hat, und bald sitzt Axel ganz legal fest im Sattel. »Ja, er ist bequem«, sagt der ZL-Reiter, »1000 Kilometer am Stück gehen prima«, doch schon nach kurzer Sitzprobe weiß man, dass Axels Vorstellungen von Komfort irgendwie ungewöhnlich sind ...

Russland, Schwarzes Meer, Krim, Nordkap – physischer Stress, aber geistige Erholung, Fahren als meditative Entspannung

Russland, Schwarzes Meer, Krim, Nordkap – die Ziele für den Wochen-Trip liegen bewusst nicht gerade um die Ecke. »Physischer Stress, aber geistige Erholung. Da steht kein Stein meines Denkschemas mehr dort, wo er war. So kann ich probieren, ob Dinge auch anders zusammenpassen.« Fahren als meditative Entspannung – da nervt den Projektleiter bei einem DV-Dienstleister bald jeder Tankstopp. Und bei Verbräuchen bis zu zehn Liter sind es viele Tankstopps. Also wird der 17-l-Tank der ZL vertikal und horizontal aufgeschnitten, mit Zwischenblechen auf 27 Liter vergrößert und – als Gimmick – mit einem Bullaugen-Schauglas bestückt.

Doch bei Kilometerstand 80.000 will der Vierzylinder 2005 nicht mehr so recht. Eine Überholung käme teuer, der weitestgehend baugleiche Motor einer Unfall-GTR 1000 ist billiger. Samt kleinerer Vergaser und Endantrieb wandert er in das Musclebike, und Axel ist noch ein weiteres Problem los: Aufgrund geringerer Leistung – 92 statt 100 PS – darf er nun H- statt der vorgeschriebenen V-Reifen aufziehen, die Alleinanbieter Dunlop aus dem Programm gestrichen hat.

Freie Fahrt also für »Cervená Jezibaba«, die rote Hexe, wie ein tschechischer Freund die ZL getauft hat. Rot? »Warte bis es dunkel ist«, sagt Axel. Dann knipst er die neun LEDs in und unterm Tank, am Kühler und über den Federbeinen an, und die ZL taucht ein ins Rotlichtmilieu. Die LEDs, die hat ihm ein Gold-Wing-Veredler angebaut, und damit ist wohl klar, was das nächste Motorrad des Kilometerfressers sein wird.

 

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Individuelle Motorrad-Umbauten

Wer fährt nicht von der Stange?

Hier ist nicht nur Platz für die individuellen Motorrad-Umbauten, die wir als Leserbike auch im TOURENFAHRER vorstellen. Hier kann auch dein Bike präsentiert werden. Sende uns einfach eine Kurzbeschreibung deines Umbaus und ein paar aussagekräftige Fotos per e-Mail, dann bereiten wir das Ganze fürs Netz (oder fürs Heft) auf – falls wir meinen, dass das Sinn macht.

Wir behalten uns ganz bewusst diese »Zensur« vor, denn wenn wir in dieser Rubrik die Möglichkeit eingeräumt hätten, dass hier jeder sein Bike selber einbauen kann, nur weil er die Sitzbank neu bezogen hat, dann wäre das nicht ganz das, was wir uns vorgestellt haben (okay, es sei denn, der neue Bezug hat ein Fischgrät-Muster …).

Es muss dabei sicher nicht ein solch aufwändiger Umbau sein wie etwa die Rallye Raid-Yamaha auf dem Bild, aber einfach nur Manni und Renate neben ihrer »Dicken« bei der Jungfernfahrt der neuen Koffer wären hier auch kein zielführendes Motiv. Deshalb wollen wir uns einfach vorher vergewissern, dass es sich wirklich um einen technischen Umbau handelt, der den Namen auch verdient. Oder anders gesagt: Schraube locker allein reicht nicht.

Also nur keine Scheu. Wir freuen uns über jede Zusendung.

 

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