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Traumstraßen Deutschlands – Mecklenburgische Seenplatte

Wir wollen doch mal Seen

Die Mecklenburger Seenplatte gilt als Eldorado für Wassersportler. Statt mit Paddeln gingen Michael und Angelika Engelke mit dem Motorrad auf Tour in dem flachen Land, wo man sich herrlich treiben lassen kann und doch immer ankommt. Text + Fotos: Hans Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands - Mecklenburgische Seenplatte

Würde ich die Augen schließen, was man beim Motorradfahren tunlichst unterlassen sollte, würde ich wohl meinen, in irgendeinem Zug zu sitzen. Das regelmäßige »Wusch wusch wusch«, das ans Ohr dringt, kenne ich eigentlich nur vom Bahnfahren. Meist sind es die alten hölzernen Schwellen, die mit schöner Regelmäßigkeit eine Art akustischen Pulsschlag von sich geben. Hier, auf der kaum frequentierten Landstraße am Rand der Seenplatte, sind es die unzähligen dicken Alleebäume, die unser eigenes Fahrgeräusch als Echo zurückwerfen. Und Alleen gibt es reichlich in Deutschlands nord östlichstem Bundesland.

Kiki und mich führen die Spalier stehenden Laubbäume nach Alt-Tellin, ins Gutshaus von Nils Werner. Nils hat hier zwischen Ostsee und Mecklenburgischer Seenplatte seinen persönlichen Traum verwirklicht: ein Motorradfahrerhotel der besonderen Art. Klar, dass sich Nils auch bestens in seiner Region auskennt und uns mit prima Fahr - tipps versorgt.

Mit denen in der Tasche geht’s am nächsten Morgen los und, wie sollte es auch anders sein, gleich wieder durch kilometerlange Alleen. Unser erstes Ziel ist schon nach ein paar Minuten Fahrzeit erreicht: der Kummerower See, der größte im Landesteil Vorpommern. An seinem Ufer liegt das kleine Dörfchen Verchen, und da, wo die Peene den See verlässt, präsentiert sich die Aalbude. Hier soll es den le - ckersten Fisch der Region geben. Klingt gut, uns ist es aber noch zu früh für Herzhaftes. Also geht’s gleich weiter Richtung Süden. Über kleine, nur wenig befahrene Nebenstrecken folgen wir mit wenig Abstand dem Seeufer. Weit reicht die Sicht über die sanft gewellte Landschaft. Immer wieder fällt der Blick auf die glitzernde Wasserfläche rechts von uns, links strahlen die gelb blühenden Rapsfelder um die Wette.

In Malchin treffen wir auf die Deutsche Alleenstraße. Wäre nicht wirklich nötig gewesen, Alleenstraßen sind die Strecken hier sowieso fast alle. Kaum haben wir im Ort gehalten, um einen Blick auf die Karte zu werfen, werden wir sofort angesprochen. Wir wollten doch sicher zum Motorradtreffen, meinen die freundlichen Wegweiser und erklären uns sogleich die Strecke. Wir bedanken uns, fahren dann aber doch lieber anders. Erotiktempel, Moulin Rouge und Wet T-Shirt Contest sind nicht wirklich unsere Welt.

Dafür stoppen wir knappe sieben Kilometer weiter. Basedow, dessen gesamter Ortskern und sein Schloss unter Denkmalschutz stehen, erscheint Kiki und mir interessanter. Das alte Schloss, eines der bedeutendsten in Mecklenburg-Vorpommern, wird derzeit kräftig restauriert, eine Besichtigung ist daher leider nur von außen möglich. Im Wirtschaftsgebäude genehmigen wir uns noch eine kleine Stärkung, dann geht’s weiter. Am Ufer des Malchiner Sees entlang lassen wir uns gen Süden treiben. Die Allee führt sanft geschwungen durch die Mecklenburgische Schweiz. Schweiz, nun ja, ohne Frage ist die Region hügelig und gespickt mit jeder Menge Seen, aber gleich eine Schweiz? »Die Schweizen werden jetzt immer kleiner«, lästerte schon Schriftsteller Theodor Fontane über den Beinamen Schweiz für Dutzende seenreiche Hügellandschaften in Deutschland.

Wer auf der B 108 die richtige Ausfahrt nach Klocksin findet, entdeckt nur wenige Kilometer dahinter das nächste Schloss – den Blücherhof. Der Blücherhof ist das Eldorado Mecklenburg- Vorpommerns für Botaniker. In dem um 1800 angelegten Park blühen Tausende Blumenzwiebeln um die Wette, über 100 ausländische Gehölze gedeihen hier, und die Teiche und Tümpel unter dem Riesenmammutbaum machen die Idylle komplett. Doch die BMW wartet, so erkunden wir lieber den Naturpark Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See. Scheinbar planlos mäandert unsere Strecke durch das Natur-Reservat und führt uns doch langsam, aber sicher nach Süden. Immer wieder fällt uns der Kontrast zwischen den Häusern rechts und links der Straße auf. Manche Gemäuer sehen aus, als habe sich seit Jahrzehnten nichts verändert, brö - ckelnder Putz, windschiefe Ziegel und Giebel, klapprige, zugige Fenster. Andere liebevoll restauriert und renoviert, mit Farbe und modernem Material dem einst grauen Alltag der DDR entflohen. Nicht anders die Straßen. Wohl dem, der keinen steinharten Supersportler mit strammer Sitzbank unter dem Hintern hat. Eine komfortable Federung tut gut bei kernigem Kopfsteinpflaster. Gerade in den kleinen Dörfern der Region hat sich das als Mittel der Verkehrsberuhigung durchaus profiliert.

In Malchow bremst uns ein Hindernis ganz anderer Art. Ein großer Teil des idyllischen Städtchens liegt auf einer Insel zwischen dem Malchower, dem Plauer und dem Fleesensee. Verbunden mit dem »Festland « ist die Altstadt neben einem Damm seit 1863 auch durch eine Drehbrücke. Stündlich wird sie geöffnet, damit die Freizeitkapitäne passieren können. Klar, dass der Unterhalt eines so alten Bauwerkes schon mal ein paar Euro kos - tet. Zur Finanzierung haben die Malchower eine recht originelle Methode. Wie eine Kollekte an einer langen Stange hält der Brückenwärter den passierenden Skippern einen Beutel unter die Nase und fordert damit eine Spende ein. Wer nicht zahlt, erntet schon mal einen bösen Blick, mehr passiert nicht – ist eben freiwillig. Die meisten kennen das, halten schon Kleingeld bereit, sagt der Brückenwärter. Es gebe aber auch welche, die seien schon mehrfach durch den Kanal geschippert und tun dennoch ganz überrascht. Über die Brücke darf man umsonst rollen, hinten geht’s per Damm aus der Altstadt wieder hinaus.

Hinter Sietow dringt schon wieder Seeluft unter den Helm. Die Müritz liegt vor uns. Der See ist riesig. Er ist der größte Deutschlands, der vollständig innerhalb der Landesgrenzen liegt. Nur der Bodensee ist größer, aber den teilen wir uns ja auch mit den Nachbarn. In Sietow Dorf rollen wir am Seeufer aus. Es riecht nicht nur nach See, auch der würzige, herbe Geruch der Räucheröfen liegt in der Luft. Gleich an mehreren Buden wird der frisch gefangene Müritz- Fisch geräuchert. Das können wir uns nicht entgehen lassen. Mit einem dicken Stück Butterfisch und Brötchen als Picknick genießen wir den Blick hinaus auf den See. Hier in Sietow Dorf legen auch die weißen Ausflugsschiffe der Müritz- Schifffahrt an. Wer Lust auf eine Mini-Kreuzfahrt hat, ist hier genau richtig.

Hinter Sietow dringt Seeluft unter den Helm.

Die Müritz liegt vor uns. Der See ist riesig, der größte Deutschlands, der vollständig in den Landesgrenzen liegt

Von allen deutschen Bundesländern hat Mecklenburg-Vorpommern die geringste Bevölkerungsdichte. Das merken wir. Die kleinen Nebenstrecken südlich der Müritz und quer durch die Seenplatte zwischen Mirow und Neustrelitz wirken fast wie ausgestorben. Nur einige wenige kleine Weiler huschen zwischen den glitzernden Wasserflächen an uns vorbei. Auf dem Asphalt und dem Steinpflaster sind wir fast alleine. Manche Straßen sind so schmal, dass keine zwei Autos gleichzeitig passieren können. Aber die fahren hier ja sowieso kaum. Einige idyllische Campingplätze verstecken sich zwischen den Seen. Im Sommer ist das hier das Land der Wassersportler, der Kanufahrer, Angler, Segler, Surfer.

Neustrelitz, die Stadt mit der bewegten Geschichte, empfängt uns mit einem recht ungewöhnlichen Zentrum. Einst wurde sie als barocke Residenzstadt um einen großen Marktplatz gegründet. In dessen Mitte liegt ein mächtiges Rondell, acht Straßen führen in alle Himmelsrichtungen von ihm weg. Am Rand des riesigen Kreisverkehrs günstig gelegen, lockt das »Eis am Kreis« mit köstlichen Erfrischungen. Vorbei am Nationalpark Müritz steuern wir wieder gen Norden. Unser Ziel, eine Empfehlung von Nils, die Alte Burg in Penzlin. Vermutlich gegen 1220 erbaut, entstand sie aus den Resten einer slawischen Wallburg. Einen eher traurigen Ruf erwarb sich die Burg mit ihrer Folterkammer. In den Jahren der Inquisition fanden in den Gewölben unzählige vermeintliche Hexen den Tod. Daumenschrauben, Beinschrauben und allerlei sonstiges gruseliges Gerät lassen sich heute in der Folterkammer im Rahmen einer Führung besichtigen.

Neubrandenburg, das Oberzentrum der Region lassen wir rechts liegen. Nicht, dass es nichts zu gucken gäbe. Vor allem die vier Stadttore und die gut erhaltene Stadtmauer sind einen Besuch wert. Aber wir wollen noch ein wenig die Landschaft genießen und steuern westlich des Tollensesees und des Flüsschens Tollense durch die Landschaft. Quer durch Altentreptow, das ebenfalls mit einem idyllischen, sanierten Altstadtkern aufwartet, nehmen wir die letzten Kilometer der Rundtour in Angriff. Hier in Altentreptow mitten im Ort am Marktplatz liegt übrigens das zweite TOURENFAHRER- Partnerhaus in der Mecklenburger Seenplatte, das Hotel Am Markt. Pünktlich zum abendlichen Grillen rollen wir in Alt-Tellin ein, eine kurzweilige Runde liegt hinter uns. Was noch vor uns liegt? Mal schauen, vielleicht geht’s morgen ans Meer, nach Rügen oder nach Usedom. Oder vielleicht mal hinüber zu unseren polnischen Nachbarn.

Traumstraßen Deutschlands

TOURENFAHRER 07/10


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