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Traumstraßen Deutschlands – Berchtesgadener Land

Vom Himmel geküsst

»Wen Gott liebt, den lässt er fallen in das Berchtesgadener Land«, hat Heimatdichter Ludwig Ganghofer gesagt. Fallen sollte man nicht auf unserer Traumstrecke, aber dem Herrgott strebt man hier höher entgegen als irgendwo sonst in Deutschland. Text + Fotos: Christoph Driesen

Traumstrassen Deutschlands - Berchtesgadener Land

Wer streng nach Plan vorgeht, kommt hier erst spät an. Denn der Plan sieht vor, dass hier das Ende ist. Das Ende der Deutschen Alpenstraße. Das hat seinen Grund, denn hier, rund um Berchtesgaden, erreicht die 450 Kilometer lange Ferienstraße ihren Höhepunkt. Und das gleich in zweifacher Hinsicht, denn wohl nirgends sonst zwischen Bodensee und Berchtesgaden zeigt sich die Landschaft so spektakulär, nirgends sonst in Deutschland schraubt sich eine öffentliche Straße so hoch dem Himmel entgegen wie hier. Wer also nicht die Zeit hat, die gesamte Alpenstraße zu befahren, der sollte wenigstens hierher kommen, denn eine Runde im Berchtesgadener Land, das sind nicht mehr als 80 Kilometer, grad mal ein paar Stunden im Sattel, die man selbst auf der Durchreise mitnehmen kann.

Etwa, wenn man kurz vor der österreichischen Grenze die A 9 verlässt und nach Bad Reichenhall abbiegt. Schon kurz hinter dem bayerischen Staatsbad steht der Horizont schief, krümmt sich die breite B 20 in Richtung Berchtesgaden zum Pass Hallthurn. Wenig später eine Kurve hinaus aus dem Wald, und das erste Mal hat man ihn vor Augen, den majestätischen, mythenumrankten Watzmann. Der Sage nach sind die gezackten Gipfel des Bergmassivs eine versteinerte Königsfamilie. Ein Fluch beendete die Tyrannei des Despoten und ließ die ganze Sippe zu Stein erstarren.

Zu Füßen des Schicksalsbergs macht sich Berchtesgaden breit. Einzigartig gelegen und mit prächtiger Aussicht gesegnet, weshalb hier nahezu jeder Gasthof den Watzmann im Namen führt. Aber den Kaffee schlürfen wir lieber ein Stück weiter und fahren am Verteilerkreis in Richtung Obersalzberg. Mit beachtlichen 24 Prozent Steigung windet sich wenig später das Sträßchen durch dichten Wald den Hang hinauf zum Obersalzberg, der schon immer Touristen anlockte, aber erst zu trauriger Berühmtheit gelangte, als Adolf Hitler hier sein Feriendomizil errichtete und die Region zum »Führer-Sperrgebiet« wurde. Heute steht ein NS-Dokumentationszentrum in der Nähe des zerstörten Berghofs. »Eagle’s nest« steht auf den Hinweisschildern zum Kehlsteinhaus, und wahrscheinlich lässt kaum ein Amerikaner auf Deutschland-Trip den Ausguck aus, der extra für Hitler exponiert auf dem Gipfel des Kehlsteins errichtet wurde.

Nur ein Bus darf die Kehlsteinstraße befahren, für öffentlichen Verkehr ist die Trasse leider gesperrt. Stattdessen noch ein kurzer Abstecher in eine Sackgasse. Uninteressant? Nicht, wenn man die Scharitzkehl-Alm erblickt. In einen engen Talkessel duckt sich das Haus, ringsum streben die Felswände senkrecht himmelwärts. Auch wenn hier alles andere als Weitblick geboten wird eine spektakuläre Kulisse für eine Kaffeepause. Derart ausgeruht könnte man die Roßfeld-Ringstraße natürlich an einem Stück fahren, sobald man die 3,50 Euro an der Mautstelle abgegeben hat. Ist ja grad mal 16 Kilometer lang. Wird man aber garantiert nicht tun, wenn man von solchen Ausblicken verwöhnt wird.

Auch wenn die Ausblicke bei der Abfahrt nicht mit dem Aufstieg konkurrieren können, die Kurven können es allemal.

Zuerst geht es noch kehrenreich durch dichten Wald, und man sollte die Fahrbahn gut im Auge behalten, mit Bitumen wurde hier nicht gespart. Dann aber lichtet es sich, der Hohe Göll scheint plötzlich zum Greifen nah, während der Ausblick zur anderen Seite weit über Berchtesgaden und die umliegenden Gipfel hinausreicht. Ein paar Kehren noch, dann ist die Scheitelstrecke am Rossfeld, sind 1540 Höhenmeter erreicht. Das Panorama überwältigt, zeigt sich jetzt rechts und links der Straße. Hier als Berchtesgadener Land, dort als österreichisches Salzachtal mit Salzburg als farbenfrohem Tupfer.

Traumstraßen Deutschlands - Berchtesgadener Land

1938 wurde mit dem Bau der Roßfeld-Ringstraße begonnen, um der Deutschen Alpenstraße einen krönenden Abschluss zu verschaffen. Und nicht zuletzt, um den Touristen aus angemessener Entfernung einen Blick auf den Obersalzberg zu gewähren, der ab 1937 als Hochsicherheitsbereich für die Öffentlichkeit gesperrt war. Während der Kriegszeit ruhte der Bau. Erst 1956 konnte die komplette Strecke fertig gestellt werden. Auch wenn die Ausblicke bei der Abfahrt nicht mit dem Aufstieg konkurrieren können, die Kurven können es allemal. Bis die B 305 erreicht ist, die schnurstracks zurück nach Berchtesgaden führt. Weiter zum Königssee? Ja, schließlich ist er das Kleinod des Nationalparks Berchtesgaden, ist er Deutschlands romantischster See. Was zahllose Besucher aus aller Welt anlockt, deren Bus-Armada sich auf dem Großparkplatz der Jenner-Bahn versammelt. Wer hier sein Motorrad parkt, wird noch ein Weilchen laufen müssen, vorbei an unsäglichen Souvenir-Buden, bis er das See-Ufer erreicht hat. Findigere Naturen biegen rechts ab und suchen nach einem unbeschilderten Sträßchen, das direkt am smaragdgrünen See endet, wo sich die Bootsgaragen am Ufer drängen und die Felswände von Watzmann, Hagengebirge und Steinernem Meer steil emporragen.

Bei solch einem Anblick bekommt man dann doch Lust, mit der Jennerbahn zu fahren, um die ganze einmalige Schönheit von oben zu betrachten. Oder sogar mit dem Boot zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä zu schippern, wobei ein Trompeter das Mehrfach-Echo zwischen den Felswänden demonstriert. Dann allerdings sollte man sich langsam Gedanken um die nächste Übernachtung machen, denn für die kurze 80-km-Runde geht so schnell der ganze Tag drauf. Für die, die sich schon am Panorama der Roßfeld-Ringstraße nicht satt sehen konnten, wird er sich wohl eh schon dem Ende zuneigen.

Wäre es das Szenenbild eines Heimatfilms, man würde schmunzeln

Dabei ist die Runde noch lang nicht beendet. Auf schmaler Straße tasten wir uns durch die beachtlich vielen Ortsteile von Schönau, bis die breite B 305 wieder erreicht ist. Nur ein kurzes Stück, dann zweigt links die Zufahrt nach Ramsau ab. Ein bayerisches Bilderbuchdorf, dessen Pfarrkirche von jedem, der hier vorbeikommt, auf Leinwand oder Zelluloid gebannt wurde und deren Schönheit heutzutage per Webcam der weiten Welt gezeigt wird – aktualisiert im 15-Sekunden-Takt, vom garantiert besten Blickwinkel aus. Es ist aber auch ein Anblick, der selbst den Unromantischsten das Herz übergehen lässt. Zu Füßen des Schottmalhorns strebt der Zwiebelturm dem Herrgott entgegen, unten sprudelt die Ramsauer Ache, über die sich alle paar Meter eine Holzbrücke spannt. Wäre es das Szenenbild eines Heimatfilms, man würde schmunzeln ob der Heile-Welt-Kitschigkeit, aber der Anblick ist tatsächlich Realität.

Genau wie der Zauberwald, in den man wenig später eintaucht. Der heißt wirklich so, und seinen Namen trägt er nicht ohne Grund. Unterhalb des kurvigen Sträßchens zwängt sich die Ramsauer Ache rauschend durch ein Labyrinth bemooster Felsen, zwischen den hohen Kiefern lugen graue Steinformationen hervor, und würde hier ein Kobold auf die Straße treten, würde man das wohl als das Selbstverständlichste der Welt hinnehmen. Lichtet sich der Wald, werden andere Träume Realität. Auswandererträume. Als wäre es ein Stück Kanada in Deutschland, macht sich der Hintersee vor dunklem Wald und schneebedeckten Bergriesen breit. Nur nicht zu lange versonnen auf dem Bootssteg oder den Uferwiesen pausieren, sonst kommt man gar nicht mehr weg. Also genug geträumt. Stattdessen Schräglagen. Auf handtuchbreitem Sträßchen durch die liebliche Landschaft der Ramsau, dann mit ordentlich Tempo über die Deutsche Alpenstraße zurück nach Bad Reichenhall.

Oder doch nicht? Schließlich zweigt die Deutsche Alpenstraße schon hinter Schneizlreuth in die andere Richtung ab. Und wer sagt, dass man bei der Befahrung nicht einfach mit ihrem Ende beginnen kann? Auch wenn der Höhepunkt vorweggenommen wurde, aber den kann man ja noch für lange Zeit im Hinterkopf behalten.

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TOURENFAHRER 6/2007


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