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Umbau Yamaha TT 600 S

Es geht immer weiter

Das Lebensmotto von Wolfgang Staudenmeyer gilt auch für seine zwölf Jahre alte TT 600. Die gibt er nicht mehr her – kein Wunder bei diesen Erlebnissen.

Text: Christoph Driesen / Fotos: Christina Güldenring, Yamaha

Umbau einer Yamaha TT 600 S

Der Traum hat seine Spuren hinterlassen. Deutlich erkennbare an der Yamaha TT, unsichtbare an ihrem Besitzer. Der Traum, das war eine Motorradreise durch Afrika, und begonnen hat er vor 26 Jahren. Da war Wolfgang Staudenmeyer 15 und gerade mal stolzer Besitzer eines Mofas. In einer Zeitung entdeckte er damals das Bild eines Motorrads, so stark beladen, dass der Fahrer kaum zu sehen war. Der war auf dem Weg nach Afrika, und Wolfgang fragte sich, warum jemand Ersatzreifen und Zusatztanks mitnimmt, wo man doch unterwegs alles kaufen kann. Das schien eine spannende Angelegenheit zu sein, und Wolfgang wusste: So etwas wollte er auch einmal machen.

Doch erstmal erfüllt sich der motorradbesessene Schwabe andere Träume. Bei der Bundeswehr macht der gelernte Schreiner eine Ausbildung zum Fahrlehrer, später schult er zum Zweiradmechaniker um. Und immer wieder geht er mit den unterschiedlichsten Motorrädern auf Reisen. Durch halb Europa, die USA, nur nicht nach Afrika. 1996 kommt die gebrauchte TT 600 in seinen Fuhrpark, in dem schon eine Enduro vertreten ist, eine R 100 GS Paris-Dakar. Doch die ist zu schwer für Wolfgangs favorisierte Trampelpfade in den Dolomiten, und die TT ist nicht nur leicht und robust, mit Öhlins-Federbein und stabiler Upside-down-Gabel hat sie schon serienmäßig ein sehr gutes Fahrwerk.

Mitte 1998 spürt Wolfgang plötzlich: Jetzt bin ich reif für Afrika. Und die TT scheint genau die Richtige, um ihn durch den schwarzen Kontinent zu tragen. Ein ganzes Jahr bereitet er sich auf die Tour vor, baut die sportliche Enduro entsprechend um. Um den luftgekühlten Einzylinder vor dem Hitzekollaps zu schützen, wird ein Ölkühler links neben dem Zylinder montiert. Nun passt der Motorschutz nicht mehr, einen neuen fertigt er selbst aus Alu-Blech. Auch den Gepäckträger baut er selbst als relativ filigrane Konstruktion. Lieber den gelegentlich schweißen lassen, als ein verbogenes Rahmenheck, ist sein Gedanke. Rechts wird ein Alu-Koffer montiert, obenauf ein Topcase, links die Halterung eines Willys-Jeeps für den 20-l-Kanister. Weitere 20 Liter schwappen im Nachrüsttank von Acerbis. Wohin mit Ersatzschläuchen und Elektrikteilen? Über dem Scheinwerfer ist noch Platz, und Wolfgang entdeckt, dass der mit Staufach versehene Motorschutz eines Rallye-Motorrads überaus aerodynamisch sein kann – wenn man ihn einfach umdreht.

40.000 Kilometer, 17 afrikanische Länder – ohne jeden Ausfall

Im Oktober `99 bricht der Abenteurer auf. Zwei Reisepartner hat er über eine Anzeige im TOURENFAHRER gefunden. 17 afrikanische Länder nimmt die TT auf 40.000 Kilometern unter die Stollen – ohne einen einzigen Ausfall. Fünf Speichen brechen, die Simmerringe lecken, das ist alles. Nur der Gepäckträger muss unzählige Male geschweißt werden – in Afrika kein Problem. »Hingehen, Kerzenstecker raus und abhauen«, ist Wolfgangs Rezept für den Besuch einer Buschwerkstatt. Dort wird eher rustikal gearbeitet, unzählige Schweißnähte künden davon. Aber erst sie geben der TT ihr spezielles Flair.

Von Kamerun aus wird die Yamaha per Flieger nach Südafrika transportiert, dort lernt Wolfgang seine jetzige Frau kennen. Die TT bleibt in Afrika, ein Jahr später kehren beide zurück, fahren gemeinsam auf der Enduro durch Namibia. Wolfgang ist berauscht vom schwarzen Kontinent, hört nicht auf, seinem jetzigen Chef, Motorradhändler Axel Nägele, davon vorzuschwärmen. Gemeinsam brechen die beiden 2003 zu einer Marokko-Tour auf, Wolfgang natürlich auf der altgedienten TT. Die hat mittlerweile 75.000 Kilometer  auf der Uhr, einen neuen Kolben und eine neue Ölpumpe bekommen. In Erfoud, am Tor zur Wüste, bricht die Federbeinaufnahme des Rahmens, aber Wolfgangs Werkstatt-Devise funktioniert auch in Marokko. Und dieses Mal gönnt er seiner TT auf dem Traveller-Camping in Agadir auch das, woran er bei der ersten Afrika-Reise noch gespart hat: eine bunte Bemalung des Topcases à la marocain.

»Ich werde sie mein Leben lang behalten«, da ist sich der lebenslustige Schwabe sicher. Gemeinsam mit der R 100 GS, die er für weniger strapaziöse Touren nutzt, ist sie auch heute noch sein Traummotorrad. Ein Traum, den er sich erfüllt hat, aber es gibt noch viele andere, denn vom Reisen kann Wolfgang nicht mehr lassen. Sein verständnisvoller Chef lässt ihn ziehen, zumindest für drei Monate im Jahr. Ob sein gerade zehn Monate alter Sohn demnächst dabei ist, muss sich zeigen. Eine R 100 mit Seitenwagen steht jedenfalls schon in der Garage.

Die Yamaha TT 600, Baujahr 1993
Die Yamaha TT 600 – hier das Original im Einsatz – ist lange Zeit die einzige Hard-Enduro aus Japan. Der sportliche Ableger von Yamahas XT 600-Baureihe bietet hochwertigere Federelemente mit mehr Federweg sowie ein geringeres Gewicht. Ab 1993 wurde dann die in Italien hergestellte TT 600 S angeboten. Da sich die allein mit einem Kickstarter ausgestattete »S« nur schlecht verkauft, stellt Yamaha dann ab 1996 die TT 600 E mit E-Starter und kürzeren Federwegen auf die Räder.

 

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Individuelle Motorrad-Umbauten

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Hier ist nicht nur Platz für die individuellen Motorrad-Umbauten, die wir als Leserbike auch im TOURENFAHRER vorstellen. Hier kann auch dein Bike präsentiert werden. Sende uns einfach eine Kurzbeschreibung deines Umbaus und ein paar aussagekräftige Fotos per e-Mail, dann bereiten wir das Ganze fürs Netz (oder fürs Heft) auf – falls wir meinen, dass das Sinn macht.

Wir behalten uns ganz bewusst diese »Zensur« vor, denn wenn wir in dieser Rubrik die Möglichkeit eingeräumt hätten, dass hier jeder sein Bike selber einbauen kann, nur weil er die Sitzbank neu bezogen hat, dann wäre das nicht ganz das, was wir uns vorgestellt haben (okay, es sei denn, der neue Bezug hat ein Fischgrät-Muster …).

Es muss dabei sicher nicht ein solch aufwändiger Umbau sein wie etwa die Rallye Raid-Yamaha auf dem Bild, aber einfach nur Manni und Renate neben ihrer »Dicken« bei der Jungfernfahrt der neuen Koffer wären hier auch kein zielführendes Motiv. Deshalb wollen wir uns einfach vorher vergewissern, dass es sich wirklich um einen technischen Umbau handelt, der den Namen auch verdient. Oder anders gesagt: Schraube locker allein reicht nicht.

Also nur keine Scheu. Wir freuen uns über jede Zusendung.

 

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