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Traumstraßen Deutschlands – Schwäbische Alb

Die Alb – ein Traum

Eine Tour auf der Schwäbischen Alb gleicht einer Entdeckungsreise. Imposante Schlösser, bröckelnde Ruinen, idyllisches Fachwerk, aber auch viel Spannendes zum Thema Motorrad lässt sich dort finden.
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ext + Fotos: Hans Michael Engelke

Traumstrassen Deutschlands - Schwäbische Alb

Die Schwäbische Alb mit ihrem sehr gut ausgebauten Straßennetz durch dünn besiedelte, waldreiche Gegenden und liebliche Dörfer, ihren kurvenreichen, langen Aufund Abstiegen sowie den geschwungenen Hochflächenstrecken bietet sich ideal für kurze und lange Motorradtouren aller Ansprüche an.« Dieser Satz macht einfach neugierig. Gefunden hatte ich ihn in einem der 780.000 Wikipedia-Artikel im Internet. Und wenn sich schon die große freie Enzyklopädie dieses Hinweises nicht enthalten kann, dann ist es sicher einen Versuch wert, diesem Tipp einmal auf den Grund zu gehen.

Wenige Tage nach meinem literarischen Fund verlassen Kiki und ich auf unserer BMW Reutlingen. Das selbst ernannte »Tor zur Schwäbischen Alb« gilt als der ideale Einstieg in  Und tatsächlich fackelt die Alb nicht lange, dem motorisierten Zweiradfahrer ihre guten Seiten aufzudrängen. Kaum liegt die Stadtgrenze hinter uns, finden wir uns zwischen und Bergspitzen, Ruinen und Höhenzügen wieder, die Gutes verheißen. Hinter Gönningen, nur wenige Minuten jenseits des »Alb-Tores« gesellen sich dann auch die passenden Kurven dazu. Dem Verlauf eines der vielen kleinen namenlosen Bäche folgend, schlängelt sich der Asphalt durch satte Wiesen, goldgelbes Getreide und dunkle, waldige Abschnitte. Die ersten Skianlagen und -lifte huschen an uns vorbei.

Und kaum kommen wir auf Tour, werden wir schon wieder eingebremst. Als alte Burgenliebhaber müssen wir natürlich einen Blick auf Schloss Lichtenstein werfen. Das streckt sich seit über 600 Jahren bei Großengstingen trotzig in den Himmel. Mit Recht, schließlich wurde es nie erobert, konnte alle Angriffe abwehren. Die martialischen Gerätschaften, die dabei im Kampf eingesetzt wurden, kann man heute in der Waffenhalle bestaunen. Königszimmer, Wappenzimmer, Erkerzimmer, alle gefüllt mit spannenden Exponaten und Geschichten. Überhaupt ist die Schwäbische Alb voller Überraschungen, die besucht oder besichtigt sein wollen. Nur wenige Kilometer weiter lockt die Bärenhöhle, gleich darauf die Sommerrodelbahn, Skilifte, Feriendörfer.

Entlang der Hohenzollernstraße kurven wir weiter gen Süden, werfen uns in die nächsten Kehren, rollen auf einmal nordwärts und nur wenig später erneut der Sonne entgegen. Rund 900 Meter hoch sind die Bergkuppen, um die wir hier einen wilden Slalom fahren. Kornbühl, Bühlberg, der Raichberg mit fast 1000 Metern.

Kurz bevor wir den Raichberg mit seinem Aussichtsturm erreichen, fliegen wir im kleinen Örtchen Hausen an einem Schaufenster voller alter Motorräder vorbei. So eben erkenne ich im Augenwinkel noch die Schätzchen hinter Glas, bremse und rolle staunend auf dem Bürgersteig aus. Prächtig renovierte NSUs reihen sich auf engem Raum, dazwischen eine alte Hercules, diverse Mopeds und Roller. Glück gehabt, in der Werkstatt gleich nebenan schraubt Egon Flad gerade an einem seiner Glanzstücke. Ihm gehören alle diese Zweiräder, und voller Stolz und Begeisterung erzählt uns der Sammler und Schrauber des Jahrgangs 1930 von seiner Werkstatt, von sich und seinem Hobby und versorgt uns auch gleich mit ein paar guten Tipps zur Region.

So kommen wir schließlich auch auf die Kuppe des Raichbergs, genießen den fantastischen Blick vom 22 Meter hohen Raichbergturm, um dann in kräftigen Schwüngen der Burg Hohenzollern entgegenzurollen. Dieses kolossale Märchenschloss kann sich durchaus mit Neuschwanstein und anderen Prunkstücken messen und gehört zu den schönsten und meistbesuchten Burgen Europas. Will man jeden Winkel der Burg erkunden, kann man locker einen ganzen Tag in dem Stammsitz der Hohenzollern verbringen.

Lusthof und Kettenacker lassen eher auf lustvolle Spielchen als schwäbische Gemütlichkeit schließen

Über Bisingen, Stich, hinunter zur B 463 geht es entlang glitzernder, plätschernder Bäche. Balingen bietet sich für eine Tasse Kaffee, ein zweites Frühstück oder einen Blick ins Zollernschloss an. Und dann ... dann steht man als Motorradfahrer am Wochenende vor einem Sperrschild. Die wahrlich traumhafte Strecke um den 964 Meter hohen Lochenstein nach Tieringen ist dann und an Feiertagen für motorisierte Zweiradfahrer gesperrt. »Hirnlose Idioten haben es mal wieder geschafft!« Der Kommentar zum Thema in einem Internetforum entbehrt nicht ganz einer Grundlage. Die Sperrung war nur die logische Konsequenz der lebensverneinenden Fahrweise des einen oder anderen Heizers und der daraus resultierenden Unfälle. Gut, dass wir unter der Woche hier sind, also genießen wir die fantastische Route, treffen bald auf die Schwäbische Albstraße, winken im Vorbeifahren dem Dreifaltigkeitsberg zu und stranden bei Tuttlingen an der Donau.

Heimatmuseum, Ruine Homberg, Donauversickerung, Kolbinger Höhle, Freilichtmuseum, und, und, und... Auch entlang der Donau ist die Schwäbische Alb ein einziges großes Freizeitparadies. Steile Felswände, weiß und grau glänzender Karst, sattgrüne Wiesen und Weiden, imposante Klöster, Kirchen und beschauliche Weiler säumen den Weg. Aber die Schwäbische Alb scheint auch das Land der Radarkontrollen und Starenkästen zu sein. Auch die säumen den Asphalt, und wer neben dem Blick in die Landschaft den kurzen Sichtkontakt zu seinen Instrumenten vergisst, bekommt ruckzuck ein nettes Einschreiben aus der Alb – Urlaubserinnerungen der eher ungeliebten Art.

Traumstraßen Deutschlands - Schwäbische Alb

Burgruinen geleiten uns entlang der Donau nach Sigmaringen, und kurz vor dem netten Städtchen fällt mein Blick auf ein kleines Hinweisschild: »Zündappmuseum«. Klar, auch hier kann ich nicht widerstehen und biege ab. Nur wenige Meter, dann rollen wir vor einem riesigen Glaspalast aus. Hier lockt neben der Braustätte des leckeren Zoller Hofbieres das gerade erst aufgebaute und eingeweihte Zündappmuseum. Dutzende wie neu aussehende Zündapps stehen neben Nähmaschinen und Außenbordmotoren der Traditionsmarke. Der Sammler Adolf Mattes hat in den vergangenen Jahren fast alle Modelle von Zündapp zusammengetragen und präsentiert in der mächtigen Halle, gleich neben der gläsernen, nagelneuen Abfüllanlage der Brauerei, einmalige Schätze. Bei der Eröffnung vor wenigen Wochen ließ es sich Ministerpräsident Günter Oettinger nicht nehmen, selbst von einem der Zweiräder zu strahlen. Erstaunlich, wollte er doch vor nicht allzu langer Zeit noch das Motorradfahren aus Sicherheitsgründen gänzlich verbieten.

In der Brauerei-Gaststätte nebenan gönnen wir uns eine schwäbische Spezialität, Maultaschensuppe. Nur das Zoller Bier verschwindet mit Rücksicht auf die Promille als Flasche im Seitenkoffer.

Die Hohenzollernstraße führt uns ab Sigmaringen wieder in den Norden. Über die B 32 geht es gut ausgebaut und kurvenreich nach Gammertingen. Mit der Hohenzoller’schen Landeseisenbahn und diversen Bächen teilen wir uns das Tal, biegen dann auf die Deutsche Alleenstraße ab und rollen dort durch die Schatten unzähliger dichter Laubbäume. Denkwürdige Ortstafeln tauchen auf. Lusthof und Kettenacker lassen eher auf abwechslungsreiche Spielchen als auf schwäbische Gemütlichkeit schließen. Während ich noch über die Bedeutung des Ortsnamens Upflamör nachdenke, passiere ich ein nicht minder nachdenklich machendes Schild. »Großes Lautertal – Bitte langsam und leise fahren – sonst droht Fahrverbot!« Aha, hier also auch. Bleibt nur zu hoffen, dass die folgende fantastische Strecke entlang der Großen Lauter nicht auch noch durch Raser der Masse der Motorradfahrer vorenthalten wird.

Das wäre wirklich schade, denn die vielen Kilometer bis hinauf nach Münsingen sind mit das Schönste, was die Alb dem Motorradfahrer bietet. Idyllische Landschaft, Wald und blühende Wiesen, Auen und rauschendes Wasser begleiten uns zwischen den rechts und links aufsteigenden Felswänden und Waldhängen. Dass es an Kurven nicht mangelt, versteht sich von selbst. Echte Naturfreunde, die auch mal ein paar Meter zu Fuß gehen, finden übrigens auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen gleich nebenan ein einmaliges Areal, das seit zwei Jahren der Öffentlichkeit zugänglich ist. Wacholderheide, geheimnisvolle Schluchtwälder und ausgediente Schießbahnen bieten ein seltenes Wanderund Naturerlebnis.

Münsingen, das bildschöne Bad Urach, St. Johann, Eningen – die Alb gibt noch mal alles, glänzt mit Aussichten und herausfordernder Strecke. Zu Füßen der Hohen Warte stürzt sich der Uracher Wasserfall in die Tiefe, und die Deutsche Alleenstraße zeigt aufs Neue ihr grünes Haupt. Ein gelungenes Finale, das uns schließlich zurück nach Reutlingen führt und uns erneut das »Tor zur Schwäbischen Alb« passieren lässt, diesmal allerdings in der umgekehrten Richtung.

Traumstraßen Deutschlands - Uckermark

TOURENFAHRER 10/2008


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