Honda patentiert radikal simples Elektromotorrad für Schwellenländer

Für Schwellenländer

Honda-Patent für radikal simples Elektromotorrad

Statt leistungsstarker Hightech-Modelle könnten es die ganz einfachen Konzepte sein, die batterieelektrisch angetriebenen Motorrädern im globalen Maßstab zum Durchbruch verhelfen. Ein unlängst veröffentlichtes Patent von Honda liefert ein konkretes Beispiel für diesen Ansatz.

Nachfrage nach individueller Mobilität

Hunderte Millionen Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern haben das Bedürfnis nach individueller Mobilität. Der erste Schritt dahin kann ein bezahlbares Motorrad sein. Denn ähnlich wie im Nachkriegsdeutschland dient das motorisierte Zweirad in weiten Teilen der Welt nicht der Freizeitgestaltung, sondern als elementares Fortbewegungsmittel.

In den sich entwickelnden Volkswirtschaften des globalen Südens kann die Möglichkeit, sich autonom von A nach B bewegen zu können, über wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach einfachen Motorrädern. Parallel zur ökonomischen Entwicklung wachsen jedoch vor allem in den Großstädten der Schwellenländer die Umweltprobleme. Luftverschmutzung, nicht zuletzt verursacht durch die Abgase unzähliger Zweitakter, wird zum ernsthaften Gesundheitsrisiko.

Emissionen werden zum Problem

Lokal emissionsfreie Antriebe für die in zahlreichen Ländern Asiens und Afrikas dramatisch wachsende Flotte privater Fahrzeuge sind daher das Gebot der Stunde. Nicht ohne Grund hat sich in Afrika bereits eine eigene Elektromotorradindustrie herausgebildet. Teils mit ausländischer Unterstützung, nicht selten jedoch als Start-up junger Afrikaner wie Spiro oder Zembo gegründet, produzieren diese agilen Unternehmen Fahrzeuge, die exakt auf die Bedürfnisse der Einheimischen zugeschnitten sind: Billig in der Anschaffung, einfach zu warten und günstig im Betrieb. Günstiger Strom steht in vielen Staaten, gerade in Ostafrika, dank der intensiven Bemühungen der Regierungen um eine rasche Elektrifizierung ihrer Länder vielerorts bereits zur Verfügung.

Roam Air
3 Bilder
Spiro Commando
Zembo Storm

In Afrika entsteht ein riesiger Markt für preiswerte Motorräder mit batterieelektrischem Antrieb. Im Bild drei Modelle Made in Africa: Roam Air, Spiro Commando und Zembo Storm

Gigantische Projekte zur Elektrifizierung

So hat Äthiopien mit dem – nicht unumstrittenen – Grand Renaissance Dam am Blauen Nil mit über 5.000 MW Leistung eine der größten Wasserkraftanlagen Afrikas realisiert. Mosambik baut mit dem rund sechs Mrd. US$ teuren Mphanda Nkuwa Hydropower Project am Sambesi die Stromerzeugung massiv aus. In Botswana entstehen Solar- und Energiespeicherprojekte mit einer Leistung von nahezu 5 GW.

Mission 300 – Strom für Millionen

Nach Angaben der Weltbank haben sich im September 2025 mehrere Regierungen – darunter die von Botswana, Kamerun, Ghana, Senegal, Nigeria, Tansania, DR Kongo, Niger, Sambia und weitere – im Rahmen von »Mission 300« verpflichtet, die Stromversorgung zu erweitern, staatliche Rahmenbedingungen zu reformieren und den Zugang zu erschwinglicher Energie zu verbessern. Ziel ist der Anschluss von Hunderten Millionen Menschen an zuverlässig und günstig verfügbaren Strom bis zum Jahr 2030.

Marktgerechte Mobilitätskonzepte für die Schwellenländer

Die etablierten Motorradhersteller wollen natürlich auch teilhaben an diesem im Entstehen begriffenen Multi-Milliarden-Markt und entwickeln entsprechende Konzepte. Eine jüngst von Honda eingereichte Patenschrift zeigt ein äußerst schlichtes Elektromotorrad mit klassischer Chassis-Konstruktion. Vorgesehen ist ein klassischer Stahlrohrrahmen ohne Leichtbaumaterialien, kombiniert mit einfachen Komponenten wie zwei hinteren Federbeinen, einer seilzugbetätigten Trommelbremse vorne und minimaler Verkleidung. Anstelle des sonst üblichen luftgekühlten Einzylinders sitzt ein kompakter Elektromotor im Rahmen, gespeist von zwei entnehmbaren Batterien.

Honda-Patent für entnehmbare Motorradakkus
2 Bilder
Honda-Patent für entnehmbare Motorradakkus

Patent für entnehmbare Motorradakkus von Honda

Wechselakkusystem auf Low-Tech-Niveau

Bereits in der Vergangenheit hatte Honda ein elektrisches Konzept auf Basis des leichten Shine-100-Chassis patentieren lassen. Der aktuelle Entwurf unterscheidet sich jedoch wesentlich durch die Batterielösung, die im Zentrum der Patentschrift steht. Die beiden Akkus sind jeweils in seitlich am Fahrzeug montierten Metallkäfigen untergebracht. Diese lassen sich nach vorne schwenken, sodass die Batterien seitlich herausgezogen werden können. Nach dem Einsetzen klappen die Käfige zurück, die Akkus greifen formschlüssig in Aussparungen der tankähnlichen Verkleidung ein und werden mechanisch verriegelt.

Kunde ist König

Der Verzicht auf ein integriertes Ladegerät, automatische Steckverbindungen oder komplexe Elektronik unterstreicht den Low-Tech-Ansatz. Die Batterien werden über Kabel angeschlossen, zum Laden entnommen und extern geladen. Mit dieser Lösung scheint Honda bewusst auf den konzernintern entwickelten Standard für Wechselakkus zu verzichten, der bei den Rollermodellen zum Einsatz kommt, um eine praxisorientierte, an die Bedürfnisse von Kunden in Schwellenländern angepasste Lösung anbieten zu können.

Bilder: Honda, शीतल सिन्हा via Wikimedia Commons unter der Lizenz CC BY-SA 4.0

< Zur Übersicht
Ihre Vorteile als Print-Abonnent

Satter Inhalt, fairer Preis!

  • Zusätzlich E-Paper zum Vorzugspeis von nur 0,80 Euro pro Ausgabe
  • Kostenloser Zugang zum digitalen MOTORRAD NEWS- und Motorradfahrer-Archiv
  • Bis zu 20% Preisvorteil beim Kauf ausgewählter Produkte in unserem Shop
  • Flatrate für die Tour-Datenbank zum Vorzugspreis von nur 9,90 Euro pro Jahr
  • Kein Risiko! Sie können das Jahresabonnement nach dem ersten Bezugsjahr jederzeit kündigen

TOURENFAHRER-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im TOURENFAHRER-Newsletter.

Jetzt registrieren