Der US-amerikanische Fahrzeughersteller Polaris trennt sich von seiner Motorradsparte Indian Motorcycle und überführt die Marke in ein eigenständiges Unternehmen. Die Mehrheit der Anteile übernimmt die Private-Equity-Gesellschaft Carolwood LP, die den erfahrenen Branchenmanager Mike Kennedy als künftigen CEO benannt hat. Kennedy war zuvor unter anderem bei Vance & Hines sowie Harley-Davidson tätig und gilt als ausgewiesener Kenner der Motorradindustrie.
Erfolgreicher Re-Start von Indian unter Regie von Polaris
Für die Motorradbranche markiert der Schritt einen Einschnitt: Indian, die älteste Motorradmarke der USA, könnte künftig unabhängiger agieren und ihr Profil im Wettbewerb mit Harley-Davidson und europäischen Herstellern schärfen. Unter dem Dach von Polaris war Indian in den vergangenen Jahren erfolgreich wiederbelebt worden. Seit der Übernahme 2011 hatte Polaris die Marke mit technisch modernen, zugleich klassisch gestalteten Modellen wie Chief, Scout und Challenger neu positioniert – mit wachsendem Erfolg auf dem US- und europäischen Markt.
Bewegte Unternehmensgeschichte
Indian Motorcycle blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Das Unternehmen wurde 1901 in Springfield, Massachusetts, gegründet und war über Jahrzehnte einer der führenden Motorradhersteller der Welt, bevor es Mitte des 20. Jahrhunderts in Konkurs ging. Nach mehreren gescheiterten Wiederbelebungsversuchen brachte erst Polaris die Marke dauerhaft zurück auf die Straße.
Nur sieben Prozent Anteil am Konzernumsatz
Mit der Ausgliederung soll Indian künftig flexibler auf Markttrends reagieren und das Premiumsegment weiter ausbauen. Angesichts sinkender Verbrauchernachfrage und der Belastung durch Zölle will sich Polaris stärker auf sein Kerngeschäft mit Geländefahrzeugen und Schneemobilen konzentrieren. Indian Motorcycle trug im Zeitraum der letzten zwölf Monate bis zum 30. Juni 2025 etwa 478 Millionen US-Dollar bzw. sieben Prozent zum Umsatz von Polaris bei.
Der Abschluss der Transaktion ist für das erste Quartal 2026 geplant. Nach Bekanntgabe der Ausgliederung stieg der Kurs der Polaris-Aktie (WKN 893819) nachbörslich um 11 Prozent.
Wie sich die Neuaufstellung auf die Modellpolitik und die Struktur des internationalen Händlernetzes auswirken wird, bleibt abzuwarten.
