Indian Umbau Workhorse Speedshop

Zwei neue Indian-Umbauten

Interview mit Brice Hennebert vom Workhorse Speedshop

Brice Hennebert vom Workhorse Speedshop arbeitet an zwei außergewöhnlichen Umbauten auf Basis der Indian FTR. Im Interview gibt der belgische Customizer Einblick in den Entstehungsprozess seiner jüngsten Builds.

Frage: Trotz Lockdown warst du intensiv mit zwei brandneuen Builds auf Basis der FTR beschäftigt. Was sind die Konzepte hinter dem jeweiligen Projekt?

Brice Hennebert: Das Konzept des ersten Bikes, der Black Swan, entstand schon vor einigen Jahren, als ich beim Wheels & Waves im Rennen gegen die von den Young Guns gebaute Scout »Miracle Mike« antrat. Die Vision war, ein echtes Rennmotorrad für den Straßeneinsatz zu bauen. Also wirklich sportlich, gebaut wie eine GP-Maschine. Es ist stark inspiriert von den Superbikes der 90er Jahre, alles aus Carbon. So etwas entsteht, wenn einem der Auftraggeber völlige Freiheit lässt. Vielleicht werde ich dieses Motorrad sogar in Kleinserie produzieren.

Das zweite Projekt basiert auf den AMA-SBK-Rennmaschinen und Rallye-Autos der 1980er Jahre. Black Swan und das AMA-Projekt sind für zwei Brüder. Der Auftraggeber der Black Swan hat mich gebeten, ein zweites Modell für seinen Bruder zu entwerfen. Farbenfroh, aber scharf wie ein Kriegsgerät. Die einzige Einschränkung war, dass es eine Martini Racing-Lackierung haben sollte.

Nach ein wenig Recherche und Brainstorming haben wir den Lancia Delta HF zur Basisinspiration auserkoren. Ich habe das mit ein bisschen von den frühen Bol d'Or-Rennmaschinen und etwas Muscle-Bike-Aroma gemischt. Die aufrechte Sitzposition der ursprünglichen FTR bleibt aber erhalten, weil sie einfach so gut funktioniert.

Bei deinen letzten Projekten hattest du mehrere Partner, die dich unterstützt haben. Wer stand dir bei den FTR-Builds zur Seite?

Direkt im Werk von Akrapovič habe ich am Auspuff der Black Swan gearbeitet. Öhlins hat mir ein komplettes Set individueller Komponenten für die Black Swan geschickt. Ziemlich beeindruckendes Material, muss ich sagen. Beringer Brakes ist auch bei beiden Motorrädern am Start mit ihrem neuen 4+ System.

Außerdem arbeite ich mit Vinco Racing in Holland. Tim fertigt die CNC-Parts für beide FTRs. Und das sind eine ganze Menge. Mein Kumpel Robert Colyns von 13.8 Composite kümmert sich um die Herstellung aller Carbonteile.

An der Black Swan werden wir Rotobox-Carbonfelgen montieren – wahre Kunstwerke! Liteblox Deutschland hat eine maßgeschneiderte Kohlefaser-Batterie für das Bike hergestellt, Cerakote Nl übernahm die Beschichtungsarbeiten mit schwarzer Keramik. Jeroen von Silver Machine fertigte den Sitz. Christophe von Forame Design hat die gesamte 3D-Modellierung aus dem Clay-Scan gemacht.

Der FTR AMA Radsatz ist der totale Eyecatcher. Dazu habe ich mit Fabio von JoNich Wheels in Italien zusammengearbeitet. Das Design basiert auf seinen Rush Wheels, aber ohne die Carbon-Flanken. Sie sind aus Aluminium gefräst. Ihr seht, hinter diesem Motorrad stehe bei weitem nicht nur ich.

Wir dürfen zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viel verraten, aber aus den Bildern geht hervor, dass die Gestaltung der Karosserie ein ziemlich intensiver Prozess zu sein scheint. Kannst du uns die Schritte von der Visualisierung und den Skizzen bis hin zum fertigen Bodywork erläutern?

Bei der Black Swan waren die groben Schritte folgende: Zuerst vorläufige Skizzen und eine Zusammenstellung von Referenzbildern für die Details. In diesem Stadium zeichne ich die Hauptlinien des Motorrads, die Gesamterscheinung. Das habe ich alles zu Benny von Axesent in Japan geschickt, der ordentliche Renderings daraus gemacht hat in mehreren Versionen, mit realistischem Licht und einigen Ideen für die Lackierung.

Als ich damit zufrieden war, begann ich mit der 3D-Modellierung. Ich formte aus Ton im Maßstab 1:1 direkt auf der FTR, aber nur auf einer Seite. Es dauerte etwa sechs Wochen, bis die endgültige Form gefunden war.

Dann habe ich das Motorrad in 3D gescannt, um mit der CAD-Modellierung zu beginnen. Der Scan diente dabei als Basis, um sicher zu sein, dass die Proportionen stimmen, aber es gab immer Freiraum für neue Ideen. In der Zwischenzeit arbeitete ich an der Symmetrie, den Details, den Verbindungs- und Montagebauteilen. Alles in allem, weitere zwei Monate Arbeit.

Der nächste Schritt lag dann bei 13.8 Composites. Zunächst druckten sie die gesamte Karosserie anhand der CAD-Modelle in 3D aus. Diese Drucke dienten als Vorlage für die Herstellung der Formen, in denen die Carbonteile entstehen.

Nachdem das erledigt war, galt es, letzte Anpassungen an den Teilen vorzunehmen, um sicherzustellen, dass alles perfekt zusammenpasst.

Bei der AMA FTR hingegen habe ich das Design direkt im CAD begonnen – basierend auf einem 3D-Scan des FTR Chassis. Anschließend wurden alle Bodyparts 3D-gedruckt und mit Carbon verstärkt.

Das Bodywork wird den Leuten sicher als erstes ins Auge springen, wenn sie die Motorräder sehen, was gibt es sonst noch an den Bikes zu entdecken?

Bei der Black Swan wiegt das gesamte Bodywork nur 1,8 kg. Ich habe mich entschieden, ein paar Zubehörteile wie einen Quick Shifter und Power Commander zu montieren. Die Idee ist, das Motorrad zunächst mit der Standardleistung zu testen. 123 PS sind für den heutigen Straßengebrauch in Europa ausreichend. Und wenn der Besitzer des Motorrads mehr Leistung braucht, dann werden wir an den Motor gehen.

An der AMA FTR sind zwei Aluminiumtanks verbaut, um 14 Liter Tankvolumen zu erreichen, wobei sich einer der Tanks unter dem Sitz befindet. Außerdem wurde der Ansaugtrakt neu gestaltet und in 3D gedruckt, um Platz für DNA Performance-Luftfilter zu haben. Fahrwerksseitig wurde das Heck modifiziert, um ein Duo-Shock-System von Öhlins zu montieren.

Wann und wie die Bikes enthüllt werden, steht noch nicht fest?

Ja, da der Veranstaltungskalender in den letzten Monaten nur schwer vorhersehbar war, müssen wir flexibel sein. Ich kann es aber kaum erwarten, die Resonanz auf diese beiden Bikes zu sehen.

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