Öffnet sich die Haustür, empfängt einen eine Schaufensterpuppe in uralter Lederkleidung neben einer 350er Schüttoff aus der Vorkriegszeit. An der Wand hängt eine Velosolex, deren Tachostand – hätte sie einen – null Kilometer aufweisen würde.
Umrahmt werden sie von dazu passenden alten Werbeschildern. Unter der Treppe steht unscheinbar ein Moped, zu dem es eine besondere Geschichte gibt. Die Rizzato ist das einzige Zweirad, welches 2009 das Erdbeben von L’Aquila in der italienieschen Region Abruzzen unbeschädigt überstand und über den Bruder des früheren Besitzers seine neue Heimat in Schwaben fand. In der Garage daneben stehen die Big-Bikes.
Die Bandbreite ist groß und erstreckt sich von der Kawasaki Z 1000 über die Dreizylinder-Zweitakter GT 550 von Suzuki bis hin zur MV Agusta Brutale. Für gemütliche Touren stehen eine Yamaha XS 650, die Triumph T 120 aus den frühen 1970er Jahren oder eine Harley Sportster bereit. Hingucker ist auf jeden Fall eine XT 500, die von Hauke selbst konstruiert mit Zentralfederbein und Schwinge zum Kurvenwetzhobel umgebaut wurde. Der im Altbau des Hauses erhaltene Gewölbekeller ist die gelungene Kulisse für die „Südländer-Ecke“ mit Exponaten aus Spanien und Italien. Besonders heraus ragt dabei eine 50 ccm Scrambler von Ducati. Sie ist das erste Modell dieser bis heute angebotenen Modellreihe. Beim italienischen Ducati-Club sind nur 7 Exemplare davon bekannt. Eine Maico von 1937 sowie die NSU Quick und ein Mofa vom Kleinmotorenhersteller Solo sind die Hommage an die schwäbischen Produzenten.
Im 1. Stock ist das ehemalige Wohnzimmer Domizil der Fahrradsammlung. Bei den historischen Rennrädern oder dem Bonanza-Rad – nach dem Kino-Erfolg von Easy Rider Traum jedes damals noch führerscheinlosen Chopper-Fans – musste selbst in die Pedale getreten werden. Dass da gerne auch zur Unterstützung auf Hilfsmotoren von Lutz oder Victoria zurück gegriffen wurde, belegen gleich mehrere Exemplare. Zwischen ihnen schmeckt der Kaffee bei der Lektüre der Tageszeitung oder von Büchern und Magazinen zum Thema gleich doppelt gut. Getüftelt und geschraubt wird an zwei Hebebühnen in der Werkstatt an die sich dann in einem Raum noch weitere Raritäten an einander reihen. Man erkennt, dass der Zweiradmechaniker-Meister eine Vorliebe für die Sachs-Motoren hat, wobei die hier nicht nur in Hercules-Rahmen sondern auch in denen von bei uns nahezu unbekannten Produkten der portugiesischen Marken EFI und SiS stecken.
Wer genau hinschaut findet zwischen der Sammlung an Utensilien wie altem Werkzeug oder Öldosen das Matchbox-Modell eines Gespannes. Das verwundert vielleicht etwas, den eigentlich ist der Hausherr bekannt als Mitbegründer der Dreirad-Manufaktur Ruko. Zukünftig wird er wieder als Ansprechpartner für die ehemaligen Kunden fungieren und auch Fahrzeuge neu auf die Räder stellen. Bleibt zu hoffen, dass er trotzdem noch genügend Zeit für Touren und gemeinsame Ausfahrten mit seinen Kumpels von den örtlichen Mopedfreunden findet.
Jochen Bangert
