Zugelassen sind Motorräder und Gespanne aus den Jahren 1920 bis 1995 – also Maschinen, die mindestens 30 Jahre auf dem Buckel haben.
In diesem Jahr wurde in neun Klassen gestartet – acht für die einspurigen Motorräder, eine für die Gespanne. Schon am Samstag, den 4. Oktober, herrschte reges Treiben im Fahrerlager. Werkzeuge klapperten, Benzingeruch lag in der Luft und die Piloten bereiteten sich auf ihre Trainingsläufe vor. Für die Neulinge war dieser Tag besonders wichtig: eine erste Annäherung an die Strecke, an die Kurven, an das Zusammenspiel von Maschine und Mensch. Die Routiniers hingegen gingen mit spürbarer Gelassenheit an den Start – sie kannten jede Bodenwelle, jede Schikane noch vom Vorjahr.
Eines unterscheidet den Grand Prix du Ried von klassischen Rennen: Hier zählt nicht die Geschwindigkeit, sondern die Gleichmäßigkeit. Wer am Vormittag eine Referenzzeit fährt, muss diese am Nachmittag möglichst genau wiederholen. Der kleinste Zeitunterschied entscheidet am Ende darüber, wer am Abend ganz oben auf dem Treppchen steht. „Es geht um Gefühl, nicht um Tempo“, weiß ein alter GP-du-Ried-Hase zu berichten. „Man hört auf die Maschine, auf den Motor – und auf sein Bauchgefühl.“
Ganz ohne Regeln geht es natürlich nicht: Innerhalb der Ortschaften dürfen 50 km/h nicht merklich überschritten werden, sonst droht die Disqualifikation. Außerhalb hingegen dürfen die Motoren frei durchatmen – hier darf wesentlich schneller als die in Frankreich vorgeschriebenen 80 km/h gefahren werden. Für die meisten Zuschauer war die Mittagspause zwischen 13 und 14 Uhr ein Highlight. Im frei zugänglichen Fahrerlager durfte gestaunt, gefachsimpelt und fotografiert werden. Alte Meisterwerke von BMW, Yamaha, Suzuki oder Honda, um nur ein paar Marken zu nennen, präsentierten sich mit Geschichten, die man lieber hört, als in Museen verstauben zu sehen. Am Sonntagabend fiel dann die Entscheidung: Florian Brudy aus Offenburg vom Team Muchlas Racing gewann auf seiner Yamaha RD 350 den Gesamtsieg – mit einem sensationell kleinen Zeitunterschied von 0,063 Sekunden. Eine Leistung, die umso bemerkenswerter ist, wenn man das Wetter bedenkt. Der Himmel über dem Elsass zeigte sich an diesem Tag von seiner launischen Seite: tiefe Wolken, dichter Hochnebel, kurze Sonnenfenster und später auch Regen. Bedingungen, die selbst erfahrene Piloten forderten.
Doch vielleicht ist es genau das, was den Grand Prix du Ried so besonders macht: die Mischung aus Technik, Tradition und Menschlichkeit. Hier siegen nicht Pferdestärken, sondern Gefühl, Erfahrung und ein feines Gespür für Rhythmus.