Die zwölfte Auflage ihrer Oldtimer-Show stellten sie unter das Motto „Motorräder des Deutschen Wirtschaftswunders“ und dem 100jährigen Jubiläums des BMW Einzylinder-Motors. Für letzteren Anlass hatten sie von der bayrischen Marke die erste R 20 mit 200 Kubik aus dem Baujahr 1936 bis zur R 27 aus 1961 verschiedene Modelle zusammen getragen. Bei den Traummaschinen der 50er Jahre zeigten sie, dass der Begriff „Schwarzware“ aufgrund der vorherrschenden Farbe oft nicht zutraf. Viele Hersteller wie NSU oder Ardie bewiesen schon damals den Mut zu bunten Lackierungen. Darüber hinaus begann die Bandbreite bei den rund 120 ausgestellten Exemplaren mit einer Peugeot von 1905 aus den Pioniertagen bis hin zu einem Custombike von 1984. Hier diente eine Harley-Davidson Super Glide als Basis. Auffallend waren die vielen Modelle aus französischer Produktion, kein Wunder, ist das Nachbarland ja gar nicht weit entfernt ist. Interessant auch die Ecke mit den rassigen Italienerinnen. Da ließ sich anhand eines Schnittmodells in Ruhe die Ventilsteuerung einer seltenen Capriolo studieren. Hatte man Fragen dazu war für die Antworten Spezialist Hartmut Klingler, der von der Schwäbischen Alb angereist war, immer in der Nähe. Die so langsam ins Rentenalter kommenden Babyboomer standen meist verzückt vor den Kleinkrafträdern vom Schlage einer Hercules K 50, mit denen sie in ihren Sturm- und Drangzeiten unterwegs waren oder wegen der hohen Versicherungsprämien zumindest davon geträumt hatten. Beim Anblick von zwei Maico Rennmaschinen kamen Erinnerungen an den Besuch von damals beliebten Rennen am Hockenheim- oder Nürburgring auf.
Wer wollte, konnte beim Einspeichen von Rädern zuschauen oder unter Anleitung sogar seine mehr oder weniger ruhige Hand beim Linieren an einem Tank beweisen. Überall entwickelten sich spontan immer wieder Fachgespräche, die sich bei bester Verpflegung in gemütlicher Atmosphäre vertiefen ließen. Und vielleicht fand der eine oder andere für Bastelarbeiten über den Winter bei der kleinen Börse im Foyer Material, wenn nicht sogar eine komplette Maschine.
Jochen Bangert