Rajiv Bajaj, Managing Director von Bajaj Auto und damit Chef eines der zentralen KTM-Anteilseigner, fand in einem Interview mit dem indischen Sender CNBC TV18 klare Worte und sendete damit Schockwellen nach Europa: »Die europäische Produktion ist tot«, sagte der ansonsten gegenüber den Medien sehr zurückhaltende Manager.
Als Grund für sein Verdikt nannte Bajaj die hohen Produktionskosten in Europa. Andere Premiumhersteller wie Triumph hätten bereits vor 15 Jahren reagiert und ihre Fertigung an wettbewerbsfähigere Standorte verlagert. Im Falle der britischen Marke ist dies Thailand. Warum sollte KTM also nicht komplett in Indien produzieren, wo doch bereits jetzt die Maschinen, die Bajaj für die österreichische Marke auf dem Subkontinent herstellt, mehr als 30 Prozent zum Ergebnis beitragen?
KTM-CEO Gottfried Neumeister sah sich umgehend zu einem Dementi genötigt. Er betonte, dass keine Produktionsverlagerung geplant sei. Allerdings steht das Unternehmen in letzter Zeit in der Kritik, sehr freihändig mit Fakten zu hantieren: So unterstellt das US-amerikanische Portal RideApart.com, dass KTM mit den jüngsten Verkaufszahlen deutlich übertrieben habe. So hätte das oberösterreichische Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 nicht wie offiziell kommuniziert 100.000 Motorräder verkauft, sondern lediglich 85.000 Einheiten. Noch dazu seien von diesen 1.) ein erheblicher Teile bei Bajaj in Indien gefertigt worden und 2.) seien jede Menge davon Vorjahresmaschinen aus den riesigen Lagerbeständen. Von einer Auslastung der Standorte Mattighofen sowie Munderfing (Motoren) könne also keine Rede sein.
Für die verbliebene KTM-Belegschaft, die nach der Finanzspritze von Bajaj zunächst Hoffnung geschöpft hatte, dürfte die Äußerung des indischen Spitzenmanagers ein weiterer Tiefschlag sein.
Dass es mit KTM weitergeht, dürfte nach den massiven Investitionen durch Bajaj Auto außer Frage stehen, nur ob das Unternehmen als europäische Marke erhalten bleibt, ist gerade nach den jüngsten Äußerungen von Rajiv Bajaj alles andere als sicher.