Die eigene private Motorrad-Werkstatt aufziehen: Tipps vom Profi

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Private Motorrad-Werkstatt

Die eigene private Motorrad-Werkstatt aufziehen: Tipps vom Profi

Gute Motorradmechaniker und -werkstätten muss man erst einmal finden – zumal gewisse Arbeiten richtig ins Geld gehen können. Wer es selbst erledigen will, benötigt aber definitiv mehr als nur eine Normgarage.

Wer nicht nur gerne Motorräder fährt, sondern auch selbst daran arbeiten will, stellt meistens rasch fest, dass eine leere Garage oder der Hof davor alles andere als ideale Orte sind. Schon, wenn das Fahrwerk eingestellt werden soll, ist eine passende Umgebung vonnöten. Und insbesondere dann, wenn die Sache vielleicht sogar Restaurationen oder wenigstens Aufbereitungen alter Maschinen umfassen soll, wird sogar noch deutlich mehr nötig. Wie es gelingen kann und was alles nötig ist, um eine derart professionelle Hobbywerkstatt aufzuziehen, zeigen wir jetzt. 

1. Die richtige Werkstatt: Grundsätzliches zu Lage, Größe und mehr

Motorräder, selbst wenn es sich um verhältnismäßig schwere Tourenmaschinen handelt, sind in der Welt der Selberschrauber prinzipiell die am leichtesten zu bewältigenden Projekte. Das gilt sowohl für die Komplexität und den Umfang der Arbeiten als auch das Thema Werkstatt an und für sich. 

Soll heißen, wer selbst an Bikes arbeiten möchte, der hat dabei nicht zuletzt in räumlicher Hinsicht eine doch etwas bessere Ausgangssituation als jemand, der vergleichbare Arbeiten an Autos oder gar noch größeren Fahrzeugen durchführen will.

Wertvolle Praxistipps 

Eines eint aber wirklich alle Fahrzeugschrauber: Es gibt eine Reihe von Bedingungen, die immer erfüllt sein sollten. 

  1. Schrauben lebt davon, niedrigschwellig zugänglich zu sein. Dementsprechend sollte die Werkstatt a) von zuhause aus gut erreichbar sein und b) idealerweise nicht meilenweit von Teilehändlern usw. entfernt liegen. Wenn die Werkstatt wegen ihrer Lage nur am Wochenende realistisch erreichbar ist, ist gemütliches Feierabendschrauben schlicht unmöglich. Diesbezüglich ist und bleibt die auf dem Grundstück des Eigenheims liegende Garage einfach der bestmögliche Ort von allen.
     
  2. Eine reine Motorradwerkstatt muss nicht so groß sein wie eine für PKW. Dennoch sollten die Abmessungen einer Standardgarage (300x600x250 Zentimeter) nach Möglichkeit nicht unterschritten werden. Hier soll schließlich sowohl genügend Platz zum Arbeiten sein als auch zum Lagern aller Werkzeuge. Mehr ist deshalb immer besser. Insbesondere für solche Charaktere, die gerne mehrere Projekt-Bikes besitzen und diese natürlich adäquat unterbringen müssen.
     
  3. Sicherheit ist das A und O. Denn in einer solchen Werkstatt werden echte Werte untergebracht sein. Je abgelegener und/oder weiter weg die Räumlichkeiten vom eigenen Zuhause oder wenigstens aufmerksamen Nachbarn liegen, desto mehr sollte unbedingt in umfassende technische Einbruchsicherheit investiert werden. Wir sprechen hier von Gittern vor Fenstern und Türen, schlechter Einsehbarkeit durch Spiegelfolien an den Scheiben und nicht zuletzt Alarmanlagen – insbesondere durch Smart-Home-Techniken ist hier sehr vieles für relativ kleines Geld möglich.
     
  4. Die Zugänglichkeit sollte unabhängig von irgendwelchen Öffnungszeiten gegeben sein. Schlechte Karten also beispielsweise für Werkstätten, die auf Betriebs- oder ähnlichem Gelände liegen – selbst, wenn sie anderweitig perfekt erscheinen mögen.

Zudem sollten sich angehende Motorradschrauber immer fragen, was ihre Intention ist: Wer letztlich nur sein eigenes Bike anständig warten und optimieren möchte, der kommt wahrscheinlich mit deutlich weniger zurecht als jemand, der alte Motorräder restaurieren oder gar sammeln will. 

Dabei sollte jedoch niemand nur auf den Ist-Zustand schauen. So mancher, der zunächst nur eine Werkstatt für die reinen Wartungsarbeiten wollte, fand sich mit der Zeit als Vollblutschrauber wieder, der alte Bikes zerlegte und wieder auf Vordermann brachte.

2. Geld, Besitzverhältnisse und die Rechtslage

Wie komme ich an meine Motorradwerkstatt? Für manche glücklichen Zeitgenossen mag diese Frage bereits mit einem Gang in die Garage ihres Eigenheims vollumfänglich beantwortet sein; jetzt noch die technischen Details und es kann losgehen. Andere müssen jedoch deutlich länger suchen, müssen Kompromisse eingehen. Und immer, wirklich immer, ist der Aufbau einer Bike-Werkstatt, selbst wenn die Räumlichkeiten schon vorhanden sind, mit finanziellen Investitionen im Bereich mehrerer tausend Euro (mindestens) verbunden. 

Wertvolle Praxistipps 

Erneut ergeben sich hieraus mehrere Tipps, die unbedingt beherzigt werden sollten:

  1. Die schönste Werkstatt bringt gar nichts, wenn es aus rechtlicher Sicht schwierig werden könnte, darin solche Arbeiten durchzuführen. Zwar handelt es sich hierbei immer nur um eine private Freizeitnutzung (keine gewerbliche), dennoch kann unter anderem die Baunutzungsverordnung mitunter einen Strich durch die Rechnung machen. Deshalb: Im Zweifelsfall immer im Vorfeld beim jeweiligen Rathaus vorstellig werden und einfach nachfragen.
     
  2. Keine eigenmächtige Umwidmung von zuvor völlig anders genutzten Räumen. Wer beispielsweise seinen Wintergarten zur Schrauberwerkstatt machen möchte, ändert einen Wohn- zu einem Hobbyraum um. Gemäß vieler Landesbauordnungen geht das nur mit Baugenehmigung. 
     
  3. Eine Werkstatt lässt sich nur mit genügend Geld aufbauen. Das jedoch sollte zu Projektbeginn vollumfänglich bereitstehen, damit alles zügig vonstattengeht und man sich nicht von Gehalt zu Gehalt hangelt – erfahrungsgemäß wird die Werkstatt sonst niemals richtig fertig und irgendwann verliert man die Lust. Insbesondere angesichts der niedrigen Zinsen und einfachen Vergleichbarkeit kann hierbei ein Kredit deutlich besser sein als das eigene Ersparte zu bemühen – so niedrig wie jetzt waren die Zinsen schließlich fast noch nie. Zudem kann (und sollte) die Belastung so gestaltet werden, dass die Werkstatt monatlich nicht sonderlich wehtut. 
     
  4. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Werkstatt rechtssicher nutzen zu dürfen – sogar mit mehreren Bekannten zusammen, was nicht zuletzt die finanzielle Schlagkraft erhöht. Immer gilt jedoch eine Regel: Alles sollte rechtlich wasserdicht mit einem schriftlichen Vertrag von einem Anwalt abgesichert werden. Bitte keine Gentlemen’s Agreements per Handschlag. Nicht, wenn es um solche Summen geht.

Dazu noch ein paar wichtige Denkansätze für das Suchen: Es muss nicht immer die im Netz einfach zu findende, da inserierte, Location sein. Manchmal findet sich eine sehr gute Werkstatt eher, indem man in seiner Wohngegend die Augen aufhält und einfach Leute anspricht. 

Übrigens: Wie bei allem, was eine private Werkstatt ausmacht, so lohnt es sich schon bei der Location, nach Insolvenzobjekten zu suchen. Wenn es schon nicht das Gebäude selbst ist, so gibt es dort doch meist zumindest sehr hochwertiges Werkzeug und sonstige Teile der Einrichtung zu unschlagbar niedrigen Preisen. 

3. Strom, Wasser, Wärme: Alles zu den technischen Basics

Es mag sich zwar nicht um eine gewerbliche Arbeit handeln. Was jedoch die Tätigkeiten an sich anbelangt, unterscheidet eine ernsthafte Hobbywerkstatt nichts von ihrem professionellen Pendant. Schon aus Gründen der Sicherheit gegen Diebstähle und Wetterunbilden sollte jede Werkstatt, die nicht auf dem eigenen Grundstück liegt, unbedingt massiv errichtet und rundherum geschlossen sein. Zuhause mögen zwar an den Seiten verschlossene Carport-Lösungen funktionieren, optimal sind diese jedoch nicht. 

Wertvolle Praxistipps 

Dementsprechend gibt es hier erneut einige Grundlagen zu beachten:

  1. Am besten wäre es natürlich, wenn sich die Werkstatt dauerhaft beheizen ließe. Schon um Feuchtigkeitsproblemen vorzubeugen und sie deshalb zum optimalen Unterbringungsort für Motorräder zu machen. Wenn das jedoch nicht funktioniert, sollte es unbedingt eine günstige Möglichkeit geben, die Räumlichkeiten wenigstens für die Arbeits-Sessions aufzuheizen. Andernfalls ist die Werkstatt im Winter kaum benutzbar und lässt sich beispielsweise Lack nur an wirklich warmen Tagen verarbeiten. Außerhalb davon sollte dann jedoch ein Belüftungs- oder Luftentfeuchtungssystem genutzt werden, sonst blühen rasch Rost und Schimmel.
     
  2. Die Elektroinstallation sollte wenigstens so modern sein, dass es eine Erdungsleitung gibt; im Zweifelsfall kann ein Elektriker helfen und sollte mindestens FI-Schutzschalter nachrüsten. In allen Raumecken und besonders dort, wo die Werkbank stehen wird, sollte es jede Menge 230-Volt-Mehrfachsteckdosen geben. Zusätzliche hängende Steckdosenwürfel über der Werkbank und dem Arbeitsort sind ebenfalls sehr empfehlenswert – selbst, wenn die Stücke im Vergleich mit herkömmlichen Steckdosen ziemlich teuer sind. 
     
  3. 230 Volt sollten nur das Mindestmaß sein. Insbesondere mit Schweißgeräten und leistungsfähigen Druckluftkompressoren im Hinterkopf wäre jedoch mindestens ein 400-Volt-Anschluss wünschenswert. Bitte generell für den Strom unbedingt auf einen eigenen Zähler nur für die Werkstatt achten, damit es keinen Ärger um die Stromrechnung gibt – ganz besonders bei angemieteten und mit mehreren Leuten genutzten Objekten. 
     
  4. Licht kann eine Werkstatt wirklich niemals genug haben. Dabei sollten Fenster völlig ignoriert werden – eine Werkstatt funktioniert nur dann optimal, wenn sie selbst spätabends noch benutzbar ist. Genutzt werden sollten tageslichtweiße Leuchtstoffröhren. Und zwar an allen Wänden des Raumes sowie direkt über der Werkbank und dem Bike selbst. 

    Hier gibt es zudem im Profibereich große LED-Deckenleuchten nach Art der OP-Leuchte – also am Schwanenhals stufenlos um alle Achsen verstellbar. Nicht ganz billig, dafür aber großartig, um das Bike schattenfrei auszuleuchten, ohne mit Handleuchten agieren zu müssen. Die Beleuchtung ist dann perfekt, wenn das Bike keinen Schatten wirft und es selbst in den unteren Bereichen keine dunklen Stellen gibt.
     
  5. Warmes Wasser muss es nicht unbedingt geben. Kaltes sollte jedoch mindestens zum Händereinigen samt Abwasseranschluss vorhanden sein. Je nach Art der Location ist überdies eine Toilette sehr empfehlenswert, wird jedoch häufig nicht bedacht. 


Bei Mietobjekten, die hierbei Nachbesserungsbedarf haben, gilt zudem: Niemals etwas tun, ohne die Erlaubnis des Vermieters zu besitzen. Schon die simple Erweiterung der Steckdosenanzahl kann sonst Probleme bringen.

4. Boden, Fenster und Decke: Weit mehr als nur Dekoration

Zugegeben, ihren gemütlichen „Schrauber-Charme“ bekommt eine Werkstatt, weil hier alles nach dem Prinzip von „Form follows Function“ gestaltet wird. Dennoch kommt selbst dieser Charme erst, wenn wirklich alles ganz gezielt angegangen wird. Das Innere der Werkstatt ohne seine Einbauten benötigt deshalb nicht weniger Zuwendung als jeder andere Punkt.

Wertvolle Praxistipps 

Das Schöne an einer Motorradwerkstatt sind die Abmessungen von Bikes. Einmal abgesehen von Beiwagenmaschinen genügt es, wenn der Zugang durch eine recht breite herkömmliche Eingangstür realisiert wird. Ein Tor ist deshalb optional – nicht zuletzt ein Plus für die Auswahl möglicher Locations und die Sicherheit. Jenseits davon gelten jedoch ganz ähnliche Regeln wie in einer gewerblichen Werkstatt:

  1. Je nach Konstruktion sind Holzwände völlig in Ordnung. Selbst diese sollten dann jedoch mit einer Innenwanddämmung aufgedickt werden. Das spart eine Menge Heizenergie bei nur geringen Raumverlusten – übrigens völlig unabhängig vom Wandmaterial. Die richtige Vorgehensweise ähnelt in vielen Punkten der einer Kellerwanddämmung.
     
  2. Generell ist eine hölzerne Innenverkleidung praktisch. Denn im Vergleich mit Beton und Mauerwerk lassen sich daran alle möglichen Installationen ziemlich einfach festschrauben, ohne bohren und dübeln zu müssen. Tatsächlich braucht es dann nicht einmal eine dedizierte Werkzeugwand, sondern es genügen viele Schrauben und Haken. Jedoch: In dem Fall sollte das Holz selbst auf einer tadellos festgedübelten Konstruktion aufgeschraubt sein. 
     
  3. Gipskarton ist in Werkstätten schwierig. Denn er selbst kann nur geringe Lasten tragen. Deshalb besser nicht daraufsetzen, zumindest nicht für die Wände.
     
  4. Die Deckenhöhe sollte ausreichen, um das Bike wenigstens weit genug anzuheben, um im Sitzen oder Knien an den unteren Bereichen arbeiten zu können. In niedrigen Räumlichkeiten sollte deshalb wenigstens der Bereich direkt über dem Motorrad von anderen Konstruktionen (etwa Überkopfregalen) freibleiben. 

Am Boden scheiden sich wiederum die Geister. Natürlich muss seine Tragfähigkeit selbst für schwere Maschinen samt Hebebühne genügen – pro Quadratmeter kommt da einiges zusammen. Ist eine solche Tragfähigkeit grundsätzlich durch die Unterkonstruktion gewährleistet, stellt sich die Frage nach dem Bodenmaterial:

  • Nackter Betonestrich: Er ist günstig, sehr robust und sowieso bei vielen möglichen Objekten standardmäßig vorhanden. In unbehandeltem Zustand neigt er jedoch zu starkem Abrieb und es können Flüssigkeiten eindringen. Außerdem kann der Härtegrad bei herabfallenden Teilen schnell Schäden verursachen.
     
  • Flüssigkunststoff: Ein recht günstiger Weg, um Betonestrich zu einem sehr leistungsfähigen Werkstattboden zu machen. Dadurch wird dieser perfekt versiegelt, bleibt allerdings an der Oberfläche hart. Kann allerdings durch Funkenflug leiden.
     
  • Verbundpflaster: Eher suboptimal, da selbst gut gebettete Steine bei einseitiger Belastung mit der Zeit zum Einsinken neigen. Außerdem können die offenen Fugen eine Menge Probleme zwischen aufsteigender Feuchtigkeit und wegfließenden Flüssigkeiten bedeuten.
     
  • Fliesen und ähnliche Materialien: Hart und bestens zu reinigen. Am Werkstattboden allerdings eher problematisch, weil schon ein herabfallender Schraubenschlüssel Risse verursachen kann.
     
  • Noppenmatte und ähnliche Kunststoffsysteme: Sind spielend leicht zu verlegen, haben überragende Dämpfungseigenschaften und sind in Werkstattqualität erhältlich. Insbesondere in Verbindung mit Flüssigkunststoff eine hervorragende Kombination – beispielsweise mit der Matte unter dem Bike und vor der Werkbank.

Letztlich müssen Motorradschrauber hier eines bedenken: Es kann immer Öl oder Bremsflüssigkeit auf dem Boden landen. Und selbst Vorsichtigen gleitet mal ein Werkzeug aus der Hand. Ein guter Werkstattboden macht das alles klaglos mit. Deshalb besser etwas mehr ausgeben, dafür aber für viele Jahre Ruhe haben.

Übrigens: Trotz der schmutzigen Natur der Arbeiten sollte der Boden möglichst hell sein. Erstens, weil dadurch Licht wunderbar von unten gegen das Bike reflektiert wird. Zweitens, weil sich dann selbst das kleinste Öltröpfchen gut sichtbar zeigt.

5. Hebebühne und Werkbank: Die wichtigsten Motorrad-spezifischen Helfer

Wie die Werkzeuge verteilt werden sollten, dafür gibt es keine pauschalen Empfehlungen – schon, weil jede Location anders ist. Wichtig ist, alles für die tägliche Arbeit griffbereit zu haben und nicht lange suchen zu müssen. Sind die teuren Tools dann noch vor Funkenflug, Lacknebel und Ähnlichem geschützt, ist jedes Prinzip gleichermaßen tauglich.

Davon ab sollte es jedoch in einer solchen Werkstatt immer einige Basics geben. Weniger Werkzeuge als viel mehr Arbeitshelfer.

Wertvolle Praxistipps 

Dabei fangen wir gleich mit einer Grundregel an: Bitte bei der Hebebühne keinesfalls am falschen Ende sparen. Hier gibt es sehr viele Billigangebote, die haarsträubend schlecht verarbeitet und deshalb unsicher sind. Die Hebebühne wird wahrscheinlich die teuerste Einzelanschaffung sein, da sollte es auf einige hundert Euro nicht ankommen. Weiter gilt:

  • Die Hebebühne sollte unbedingt Gewichtsreserven haben. Gerade wenn es um schwere Tourer mit vollem Tank und Ausrüstung geht – das alles soll ja schließlich nicht ständig demontiert werden müssen.
     
  • Die Länge sollte ausreichen, damit die Räder sicher stehen können, selbst bei etwas längeren Maschinen. Also hier ebenfalls bitte auf Zuwachs kaufen.
     
  • Die Auffahrhöhe sollte möglichst gering sein. Die maximale Hubhöhe sollte der Deckenhöhe der Werkstatt plus der Höhe des Bikes entsprechen – erneut mit Sicherheitsreserven.
     
  • Eine Vorderradarretierung ist Pflicht, um einen maximal sicheren Stand zu gewährleisten.
     
  • Aufgrund der professionellen Natur der Werkstatt sollte es sich um ein am Boden verankertes Modell handeln. Das steht einfach ungleich sicherer als mobile Lösungen. Was die Hebevorrichtung anbelangt, kommt es auf den Komfortwunsch an. Wer jedoch sowieso einen anständigen Kompressor benutzt, kann zwischen pneumatischer und (elektro-) hydraulischer Betätigung wählen. Nur die Version mit Fußpumpe sollte es besser nicht sein. Diese ist sehr unkomfortabel und außerdem eher selten bei professionelleren Bühnen zu finden. 

Letzten Endes ist die Hebebühne das Herz der Werkstatt. Das bedeutet jedoch keineswegs, andere Helfer wären überflüssig. 

  1. Es sollte unbedingt in unmittelbarer Nähe eine robuste, große, tragfähige und wenigstens von drei Seiten zugängliche Werkbank geben. Diese muss allerdings nicht teuer erworben werden; sowas lässt sich mit genügend Bauholz oder Stahl auch in Eigenregie anfertigen – und hat dann den Vorteil, maximal an die Örtlichkeit angepasst werden zu können. Ein massiver Schraubstock ist absolut Pflicht.
     
  2. Bei gleicher Gelegenheit kann ein Werkstattwagen gebaut werden. Er liefert den nötigen mobilen Raum für Werkzeuge und Teile, die aktuell bei der Arbeit benötigt werden – um nicht ständig zwischen Werkzeugregal und Hebebühne pendeln zu müssen.
     
  3. Fernab des Arbeitsbereichs, wo es Funkenflug geben könnte, sollte es ein geschlossenes, aber belüftetes Kabinett für Schmierstoffe, Lacke und ähnliche feuergefährliche Flüssigkeiten geben. Gleich daneben wird ein möglichst großer Feuerlöscher deponiert.
     
  4. Der Kompressor sollte entweder gleich in einem Nebenraum stehen oder, falls das nicht möglich ist, in einer schallisolierten Box – gegebenenfalls auf der Außenseite einer Wand. Gerade in kleinen Werkstätten dröhnen diese Helfer sonst unsäglich.
     
  5. Sofern der Platz es zulässt, sollte es eine kleine Lackierkabine mit Drehteller geben (kann mobil für auf die Werkbank gestaltet werden). Darin lassen sich wenigstens Einzelteile bis zirka Tankgröße behandeln, ohne alles mit Farbnebel zu verschmutzen.
     
  6. Ein guter Schrauber hat Verbrauchsmaterialien immer auf Vorrat. Entsprechende Regale sollten dafür also unbedingt eingeplant werden.

Es ist zudem nie verkehrt, sich für seine Werkstatt inspirieren zu lassen. Deshalb sollte vor Projektbeginn gerne der eine oder andere Besuch in gewerblichen Werkstätten erfolgen. Einfach, um zu schauen, wie man dort mit Detaillösungen umgeht.

6. Ein Ort zum Schrauben, ein Ort zum Entspannen: Was sonst noch hierhergehört

Wessen Werkstatt direkt ans Haus angrenzt, der kann mit den bisherigen Tipps wirklich alles Wichtige abarbeiten und loslegen. Wer allerdings immer eine gewisse Distanz zurücklegen muss, der sollte versuchen, in der Werkstatt noch etwas mehr zu machen. 

Wertvolle Praxistipps 

Letzten Endes ist eine gute Motorradwerkstatt in diesem Sinne ganz ähnlich wie der Proberaum einer Band: Es muss Platz für die Gemütlichkeit bleiben. Diese lässt sich recht einfach realisieren:

  • Es sollte definitiv einen guten Internetzugang geben. Schon, um während der Arbeit Anleitungen herunterzuladen oder Teile zu bestellen. 
  • Ein Kühlschrank ist praktisch Pflicht, selbst wenn es nur eine Schrauberlegende ist, er müsse ausschließlich „Gerstenkaltschalen“ enthalten. 
  • Eine gemütliche Sitzgelegenheit neben dem Arbeitshocker an der Hebebühne ist ebenfalls höchst sinnvoll. Das darf durchaus eine (gebrauchte) Couch sein – die sollte dann aber aufgrund der größeren Schmutzresistenz aus (Kunst-)Leder bestehen. 

Clevere integrieren hierbei zudem bei einer fernab des Zuhauses gelegenen Werkstatt einen kleinen Kleiderspind. Dann ist es nicht nötig, mit den schmutzigen Schraubersachen durch die Gegend zu fahren. 

8. Zusammengefasst

Es hat sicherlich seinen Charme, vom Spannen der Kette über das Überwintern bis hin zur vollständigen Restauration einer Maschine immer einen warmen und gut ausgeleuchteten Ort zur Verfügung zu haben. Allerdings sollte sich niemand täuschen: Auch eine hobbymäßige Motorradwerkstatt zieht man nicht mal eben auf. Dabei handelt es sich letztlich um ein echtes Projekt, das wegen seines Aufwandes fast schon verpflichtet, später tatsächlich häufig zu Schraubenschlüssel und Co. zu greifen. Wer das jedoch felsenfest im Sinn hat, sollte es tun. Denn alles andere außer einer richtigen Werkstatt wäre dann ein unschöner Kompromiss.
 

Autorenprofil: 

Anne Reil, Zweiradmechanikerin in dritter und Motorradfahrerin in vierter Generation, aber die erste aus der Familie mit eigener Werkstatt. 

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